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Bekehrung

Ein Eifel-Krimi

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Bekehrung — Inhalt

Rendezvous mit dem Tod

Der Winter hat das Grenzörtchen Kehr fest im Griff. Eine elegante Frau hat sich durch den Schneesturm gekämpft und sitzt nun in Katja Kleins Restaurant. Als ein fremder Mann eintritt, steht die Frau lächelnd auf – und schießt ihm in die Brust. Dann verschwindet sie in der eisigen Nacht. Das Rendezvous mit dem Tod ist Auftakt zu einem spannenden Krimi um Glaube und Gehorsam – und um Katjas neu entdeckte Liebe zur rauen unwirtlichen Eifel (und zum knorrigen belgischen Polizeiinspektor Langer).

€ 9,99 [D], € 10,30 [A]
Erschienen am 20.01.2014
272 Seiten, Broschur
EAN 978-3-492-30365-1
€ 8,99 [D], € 8,99 [A]
Erschienen am 20.01.2014
272 Seiten, WMEPUB
EAN 978-3-492-96261-2

Leseprobe zu »Bekehrung«

Ein Donnerstagabend im Februar

Keinen Fuß werde ich heute vor die Tür setzen. Warum sollte ich auch? Draußen führen Eifeler Winterdämonen ihren wüsten Tanz auf, und bei mir drinnen prasselt ein gemütliches Feuer im Kamin. Bei diesem Sturm wird niemand mein Restaurant ansteuern; jeden verirrten Wanderer würde unterwegs eine Schneewehe verschlucken. Falls es einer dennoch mit letzter Kraft bis zur Tür der Einkehr schaffen sollte, wird ihn Gudrun mit all der Liebe umsorgen, die sie seit vielen Monaten nirgendwo anders loswird.

David hat sie im Juni [...]

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Ein Donnerstagabend im Februar

Keinen Fuß werde ich heute vor die Tür setzen. Warum sollte ich auch? Draußen führen Eifeler Winterdämonen ihren wüsten Tanz auf, und bei mir drinnen prasselt ein gemütliches Feuer im Kamin. Bei diesem Sturm wird niemand mein Restaurant ansteuern; jeden verirrten Wanderer würde unterwegs eine Schneewehe verschlucken. Falls es einer dennoch mit letzter Kraft bis zur Tür der Einkehr schaffen sollte, wird ihn Gudrun mit all der Liebe umsorgen, die sie seit vielen Monaten nirgendwo anders loswird.

David hat sie im Juni verlassen. Er brauche ein neues Leben, hatte er gesagt; eine recht unglückliche Bemerkung angesichts der fast neunmonatigen Scheinschwangerschaft, die Gudrun gerade durchgestanden hatte. Sie stürzte in eine tiefe Depression, schloss das Restaurant und igelte sich total ein.

All das erfuhr ich von Marcel, als er mich im Sommer zum ersten Mal in Berlin anrief. Dorthin war ich gleich nach den fürchterlichen Ereignissen vor einem Jahr geflüchtet. Nichts, hatte ich mir damals geschworen, würde mich je wieder auf die mörderische Kehr zurückbringen. Das Heimweh nach meinen dortigen Freunden bekämpfte ich mit gnadenloser Kontaktsperre und Ablenkungen der Großstadt.

»Gudrun putzt nicht mehr«, murmelte Marcel ins Telefon und legte auf, bevor ich mich von meiner Erschütterung erholen konnte.

Dieser Satz war eine Bombe. Wenn Gudrun nicht mehr putzt, geht es um mehr als nur um Leben und Tod; dann ist das ganze kleine Universum an der deutsch-belgischen Grenze vom Untergang bedroht. Da mussten meine persönlichen Befindlichkeiten hintanstehen. Marcels Anruf katapultierte mich also im vergangenen Sommer auf die Kehr zurück.

Inzwischen hat sich Gudrun einigermaßen stabilisiert. Das Haus, in dem sie früher mit David zusammengelebt hat, ist vermietet. Wie schon vor der Begegnung mit dem eifelstämmigen Texaner hat sie sich im Hinterzimmer des Restaurants wieder wohnlich eingerichtet. Die Einkehr steht zwar auf nordrhein-westfälischem Hoheitsgebiet, ist aber nur knapp fünfzig Schritte von meinem belgischen Bruchsteinhaus entfernt; also nah genug, dass ich über die Straße hasten kann, sollte Gudrun das heulende Elend packen.

Wie vielleicht gerade jetzt. Das Telefon läutet, und auf dem Display leuchtet die Nummer der Einkehr auf.

»Du musst sofort rüberkommen, Katja!«

»Was ist passiert?«

»Hier sitzt eine Frau …«

»Was? Bei dem Wetter? Ist sie von einem Raum- oder einem Räumfahrzeug gefallen?«

»Kann ich mir nicht vorstellen. Dafür ist sie viel zu elegant angezogen«, antwortet Gudrun, die immer alles ernst nimmt. »Total fein. Das wird ein superschickes Rendezvous. Sie hat genickt, als ich sie gefragt habe, ob sie noch auf jemanden wartet. Und dabei ganz geheimnisvoll gelächelt. Katja …«

»Schon gut, bin gleich da.«

Sie muss mir nichts erklären. Ich kann Gudrun unmöglich mit einem turtelnden Pärchen allein lassen. Ihre Tränen würden den Schampus versalzen.

»Du bleibst hier!«, weise ich meinen Hund Linus an, der mir in den Flur gefolgt ist, wo ich in meine Moonboots steige, meine Michelinweibchenjacke zuknöpfe und mir eine Wollmütze tief ins Gesicht ziehe. Viel zu elegant, wiederhole ich murmelnd Gudruns Worte. Was sind das für total feine Leute, die bei diesem Unwetter eine Verabredung in meinem abgelegenen Restaurant einhalten wollen? Und wie werden wir sie wieder los, wenn wir gänzlich einschneien? Soll ich ihnen dann etwa ein Liebeslager auf den Mehlsäcken in der Abstellkammer anbieten?

Eisige Luft schlägt mir ins Gesicht, als ich nun doch einen Fuß in den tiefen Schnee vor der Tür setze. Die fünfzig Schritte zum Restaurant sind eine sportliche Herausforderung.

Ohne Respekt vor meinem Gewicht drückt mich eine Windbö auf die Bundesstraße. Stapfend und rutschend arbeite ich mich zur anderen Seite nach Deutschland durch. Aus Richtung Prüm nähert sich das orange Licht des Schneepflugs, und aus den Augenwinkeln sehe ich den fremden Jeep vor der Einkehr. Die Frontscheibe ist nur leicht mit frischem Schnee bedeckt, die Dame ist offensichtlich gerade erst angekommen.

Gudrun hat recht. Der mit Merinowolle gefütterte Burberry an der Garderobe ist viel zu elegant. Ein Einzelstück, dem ich die Nachbarschaft meiner alten wattierten Jacke nicht zumuten kann.

»Guten Abend.«

Die dunkelhaarige Frau in der hinteren Ecke des Restaurants blickt auf, ohne meinen Gruß zu erwidern. Sie lächelt. Nicht geheimnisvoll, wie Gudrun gesagt hat, aber auch nicht wirklich freundlich. Eher grimmig. Wahrscheinlich ist die feine Dame das Warten nicht gewohnt. Eine Verspätung aber darf man bei dieser entfesselten Naturgewalt in der Schnee-Eifel, kurz Schneifel genannt, niemandem als böse Absicht auslegen.

»Ihre Begleitung wird schon noch kommen«, springe ich für die unbekannte Verabredung in die Bresche, »wird nur was dauern. Die Straßen sind nahezu unbefahrbar.«

Da auch diese Bemerkung kommentarlos hingenommen wird, begebe ich mich in die Küche.

»Hast du das gesehen?«, begrüßt mich Gudrun aufgeregt, »die trägt bei Tisch sogar lange Handschuhe – ganz dünne glänzende, aus Seide, glaube ich.«

»Was hat sie bestellt?«

Gudrun deutet auf den Herd, wo etwas leise köchelt. Ich hebe den Deckel vom Topf und schüttele ratlos den Kopf.

»Genau«, sagt Gudrun. »Aber sie hat auf der Karte ausdrücklich auf den Lapacho getippt.«

»Was?! Hast du ihr gesagt, dass es ewig dauert, bis dieser Indianertee fertig ist?«

Gudrun nickt.

»Aufkochen, fünf Minuten köcheln und eine Viertelstunde lang ziehen lassen«, referiert sie.

»Und sonst hat sie nichts bestellt? Nicht einmal ein Wasser?«

Gudrun schüttelt den Kopf.

»Aber ich habe trotzdem schon mal den teuersten Champagner kalt gestellt. Für wenn der Mann kommt. Die meisten Männer mögen doch den Indianertee nicht. Wie David …« In ihren Augen quellen Tränen, wie immer, wenn sie den Namen ihres einstigen Geliebten ausspricht. David hat den gegen alle erdenklichen Gebrechen wirkenden Tee aus Lapachobaumrinde immer dankend abgelehnt. Und zwar aus gesundheitlichen Gründen, wie er behauptete. Bei Lapacho müsse er nämlich immer an all die vielen Krankheiten denken, die er noch kriegen könnte und durch die negative Kraft dieser Gedanken dann bestimmt auch kriegen würde.

»Hat die Frau irgendwas gesagt?«

»Nee. Sie sitzt nur da und wartet.«

»Dann werde ich mich mal mit ihr unterhalten.«

Ich arrangiere auf einem Tablett eine kleine Auswahl an Spirituosen, Cognac, Armagnac, Whisky und Rum und nähere mich damit dem ersten doppelfädigen Kaschmirkleid, das dieses Restaurant je gesehen hat. Mit meinem gewinnendsten Lächeln stelle ich das Tablett neben der leicht aufgeklappten Handtasche auf dem Tisch ab.

»Vielleicht möchten Sie Ihren Indianertee mit einem kleinen Schuss verfeinern?«

Die Frau lächelt weiter ihr unbestimmbar grimmiges Lächeln. Sie tut nicht einmal so, als nähme sie mich wahr. Doch so schnell lasse ich mich nicht abschütteln. »Ein Bourbon vom gleichen Kontinent wie der Tee? Armagnac kann ich durchaus auch empfehlen. Oder Rum, aber dann natürlich nur vom Feinsten, mindestens sieben Jahre im edlen Holzfass gereift. Nicht das billige Zeugs, womit sich die meisten Leute den Tee ruinieren.«

Mit den meisten Leuten hat diese perfekt geschminkte Frau nichts zu tun. Jedenfalls nicht mit denen, die im echten Leben herumlaufen.

Sie sieht genauso aus wie das Mädchen auf dem Cover der Fernsehzeitschrift, neben dem jede Woche erstaunlicherweise ein anderer Name steht. Den kann ich mir merken, das abgedruckte Gesicht dazu nicht, da sich nichts Bemerkenswertes aus der retuschierten Makellosigkeit hervorhebt. Selbst bekannten Schauspielerinnen fehlen auf diesen Fotos jegliche charakteristische, unverwechselbare Merkmale. Alles Markante ist gleichmäßig glatt gebügelt. Wie bei der konturlos schönen Frau, die da so seltsam lächelnd vor mir sitzt. Sie scheint einem 3-D-Bildprogramm entsprungen zu sein. Offensichtlich hat hier ein ehrgeiziger Schönheitschirurg sein Meisterstück in ästhetischer Vollkommenheit ablegen wollen. Herausgekommen ist dabei ein Gesicht, das man wie einen perfekten Kreis bestaunt; eine Demonstration großen inhaltsleeren Könnens. Da die Frau Handschuhe trägt und ihr Hals unter einem Seidenschal versteckt ist, kann ich ihr Alter nicht einmal annähernd schätzen. Vielleicht ist sie unter dreißig. Oder sechzig. Oder irgendetwas dazwischen.

»Keinen Schuss?«

Sie würdigt mich immer noch keines Wortes, sondern nur einer ungeduldigen Handbewegung. Fort, fort. Mit mir und dem Alkohol. Das Lächeln bleibt festgeklebt.

Auf dem Weg in die Küche halte ich das Tablett noch in der Hand, als die Tür aufgeht.

Ein Mann tritt ein. An der Tür stampft er Schnee von den Stiefeln, zieht die dicke Daunenjacke aus, hängt sie achtlos an den Haken neben den Burberry und stopft eine Wollmütze darüber. Der etwa Sechzigjährige ist sehr schlank und weist dichtes, drahtiges Grauhaar über einem zerfurchten, in früheren Jahren womöglich attraktiveren Gesicht auf. Allerdings keine Spur von Eleganz, wenn man mal von seiner sehr aufrechten Haltung absieht. Selbst aus ein paar Schritten Entfernung sehe ich den abgewetzten Hemdkragen unter einem ausgeleierten grauen Wollpulli. Eine blaue Skihose und Schneestiefel komplettieren eine Aufmachung, die eher den draußen tobenden Elementen Widerstand bietet, als dem lächelnden Element in meiner Gaststube entgegenkommt. Den Champagner können wir vergessen. Für ein Date hat sich dieser Herr nicht zurechtgemacht.

»Guten Abend«, sagt er freundlich zu mir und geht langsam auf die Frau zu. Die steht lächelnd auf. Der Grauhaarige lächelt nicht. Ich kombiniere rasch: Wenn die Frau fünfzig oder sechzig ist, könnte er ihr Exmann sein. Der mit seiner beklagenswerten Gewandung ein Statement abliefert: Schau her, wie du mich nach der Scheidung ausgenommen hast! Während du dich ständig rundum erneuern lässt, kann ich mir nicht mal einen neuen Pullover leisten.

Aber vielleicht ist die Frau erst dreißig und der Mann ihr Vater. Mit dem sich diese Dame in unserer Einödwirtschaft verabredet hat, weil sie sich mit ihm nicht in den feinen Etablissements der Großstadt sehen lassen will, die sie ansonsten frequentiert. Hier bei den bodenständigen Eifelern braucht sie keine unangenehmen Spekulationen über eine möglicherweise bescheidene Herkunft zu befürchten. Und die Grenzlage bringt es mit sich, dass Fremde hier schön anonym bleiben können.

Ich stelle das Tablett auf dem Buffet ab, ergreife ein anderes voller Teelichter und beginne diese langsam auf den Tischen zu verteilen. Von der Begrüßung dieses ungleichen Pärchens möchte ich nichts verpassen. Was für eine Stimme mag wohl aus dieser Larve kommen? Wie sehen die Zähne hinter diesen blutrot geschminkten, formvollendeten Lippen aus?

Doch die Frau sagt kein Wort. Immer noch lächelnd greift sie langsam in ihre offene Handtasche. Aha, kombiniere ich, das Portemonnaie. Sie wird die abgerissene Gestalt auszahlen, sich gar nicht erst lange mit diesem Mann abgeben.

Das tut sie auch nicht.

Sie zieht eine kleine silberne Pistole aus der Tasche, zielt auf den grauen Pullover und drückt ab. In aller Ruhe.

Ich registriere nicht, ob der Mann schwankt oder sofort zu Boden sackt; ich starre mit offenem Mund auf die Frau. Kann doch nicht sein, dass die soeben einen Schuss abgefeuert hat. Das ist unwirklich, ungeheuerlich. Mein Hirn erfasst gar nicht, was sich da vor meinen Augen abspielt.

Der scharfe helle Knall bleibt in der Luft hängen, hallt in meinen Ohren und im leiseren Klicken des Schnappschlosses nach. Die Frau hat die Pistole wieder in ihrer Handtasche verstaut. Jetzt geht alles ganz schnell. Sie wirft einen Geldschein auf den Tisch und eilt zur Garderobe. Ich sollte ihr ein Bein stellen, aber ich bin unfähig, mich zu rühren, bin wie in einem bösen Traum im Boden festgewurzelt. Das Tablett in meiner Hand zittert.

Martina Kempff

Über Martina Kempff

Biografie

Martina Kempff ist Autorin, Übersetzerin und freie Journalistin. Sie war Redakteurin bei der Berliner Morgenpost, Reporterin bei Welt und Bunte, bis sie beschloss, Bücher zu schreiben. Besonders bekannt ist sie für ihre historischen Romane wie »Die Königsmacherin«, »Die Beutefrau« und »Die...

Pressestimmen

Altmühl-Bote

»Gewohnt amüsant und unterhaltsam.«

Hellweger Anzeiger

»Spannend erzählte Story.«

Bayerische Rundschau

»Ein spannender Krimi um Glaube und Gehorsam.«

Wiener Journal

»Ein schwungvoll geschriebener, sympathischer Krimi für kalte Winternächte.«

Bizz

»Witzig, skurril und reizvoll dramatisch«

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