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Bei uns zu Haus

Bei uns zu Haus

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Bei uns zu Haus — Inhalt

In ihren Erzählungen nimmt Gräfin Bredow uns mit in die Mark Brandenburg, in das Paradies ihrer Kindheit, wo sie mitten in der Natur aufwächst. Haus und Hof, Wald und Seen bieten reichlich Platz zum Spielen, Toben, Reiten, Baden. Der unersetzlichen Mamsell, die in der Küche ein strenges Regiment führt, dem tollpatschigen Bernhardiner Möpschen und der schwanzlosen Katze – allen ist das Forstgut der Bredows ein Heim, in das man ebenso gern zurückkehrt wie die Leser der Gräfin zu ihren Erzählungen.

€ 11,00 [D], € 11,40 [A]
Erschienen am 14.09.2015
304 Seiten, Broschur
EAN 978-3-492-30250-0

Leseprobe zu »Bei uns zu Haus«

Dort, wo Fuchs und Hase sich gute Nacht sagen, sind meine Geschwister und ich aufgewachsen. Vieles, was die Großstadt Kindern täglich bietet, wie Besuche im Zoologischen Garten sowie Fahrten mit der Elektrischen, in der U- und S-Bahn und den Genuss, auf einer Rolltreppe zu stehen, blieb für uns so gut wie unerreichbar. Die seltenen Reisen in die Reichshauptstadt waren für uns das Abenteuer schlechthin. Aber dass wir die dort gebotenen Köstlichkeiten nicht vermissten, dafür sorgte schon die Natur, die in jeder Jahreszeit reichlich Ablenkung bereithielt. [...]

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Dort, wo Fuchs und Hase sich gute Nacht sagen, sind meine Geschwister und ich aufgewachsen. Vieles, was die Großstadt Kindern täglich bietet, wie Besuche im Zoologischen Garten sowie Fahrten mit der Elektrischen, in der U- und S-Bahn und den Genuss, auf einer Rolltreppe zu stehen, blieb für uns so gut wie unerreichbar. Die seltenen Reisen in die Reichshauptstadt waren für uns das Abenteuer schlechthin. Aber dass wir die dort gebotenen Köstlichkeiten nicht vermissten, dafür sorgte schon die Natur, die in jeder Jahreszeit reichlich Ablenkung bereithielt. Im Frühjahr weckten uns morgens die Spatzen mit großem Geschrei. Sie hatten sich wie gewohnt im Efeu, der sich um unser Haus rankte, ihre Nester gebaut, und nun lagen sie sich ständig in den Federn. Ihr ewiges Gezeter lehrte uns, dass der Spruch »Raum ist in der kleinsten Hütte für ein glücklich liebend Paar« für Spatzen jedenfalls nicht zutrifft. Mit Beginn der Sommerzeit waren es dann die Lerchen, die uns mit ihrem Gesang aus den Betten trieben und bei denen wir Kinder der festen Überzeugung waren, dass sie sich, wenn unsere Augen sie nicht mehr sehen konnten, auf einer Wolke ausruhten.

Auch der Kuckuck tat sein Bestes als Wecker, unterstützt von dem lauten Krähen eines Zwerghahnes, den meine Schwester von ihrem Patenonkel geschenkt bekommen hatte. Er entpuppte sich als mutiges Kerlchen, das sich nicht scheute, den Herrscher des Hühnerhofes, einen schon etwas betagten Herrn, anzugreifen und über den Hof zu jagen, was diesen mit prächtigen bunten Federn geschmückten Hahn in Angst und Schrecken versetzte. Doch nicht nur das, sondern er besaß auch die Gunst der Hennen, so dass ihre Eier zusehends kleiner wurden. Vater hätte diesen Zwerghahn am liebsten in einer Gemüsesuppe serviert bekommen. Aber auf das Geschenk eines Paten musste nun mal Rücksicht genommen werden.

Im Herbst waren es die Stürme, die unser Haus aufs Korn nahmen, so dass es knarrte und seufzte, und dann die Stare. Sie saßen in großen Mengen auf der Pappel hinter unserem Haus und verabschiedeten sich unter Höllenlärm mit lautem Geplapper, ehe sie wieder ihre weite Reise in ferne Lande antraten.

Im Winter wiederum war es das Bersten des Eises auf den beiden Seen, zwischen denen unser Haus lag, so dass man denken konnte, von Böllerschüssen geweckt zu werden. Und dann war da natürlich noch Möpschen, unser Bernhardiner, der heimlich auf dem Flur schlief und, sobald es anfing hell zu werden, so ausgiebig und laut gähnte, bis Mamsell die Treppe heraufkam, um ihn nach draußen zu lassen.

Aber die Natur besaß weit mehr Möglichkeiten als die Kunst, uns aus dem Schlaf zu holen. So versorgte sie uns das ganze Jahr über mit den verschiedensten Gerüchen. Eben noch roch es nach Kuh, Schwein oder Mist, und ein paar Schritte weiter die Dorfstraße entlang atmete man den angenehmen Duft von Flieder und anderen blühenden Büschen. Flieder gab es in unserem Dorf reichlich, er verschönte fast jeden Gartenzaun. Etwas später, im Frühsommer, verbreiteten die blühenden Rosen ihren Duft. Heutzutage, in eine Vase gestellt, sind sie zwar immer noch schön anzusehen, aber spenden oft keinen Duft mehr, so dass sie manchmal Wachsblumen ähnlich sehen.

Auch Spielplätze stellte uns die Natur in hohem Maße zur Verfügung. Von einem Käuzchen verwundert beobachtet, buddelten wir uns im Wald Höhlen, kletterten auf Bäumen herum und waren im Sommer kaum aus dem Wasser der Seen zu kriegen.

Mit Tieren umzugehen lernten wir schnell, ohne dass unsere Eltern uns mahnen mussten: »Passt auf! Seid vorsichtig!« Wer einmal einen kräftigen Tritt von einer Kuh oder einem Pferd bekommen hat, merkt sich, dass Tiere leicht zu erschrecken sind. Auch lernten wir, dass Pferde in unserer Familie an erster Stelle standen und nicht etwa wir. Der Spruch »Erst das Pferd und dann der Reiter« wurde für uns zur Selbstverständlichkeit. Ende des Krieges wurde uns auch einmal mehr bewusst, wie fein der Instinkt der Tiere ist. Wenn die Bombengeschwader, deren Ziel Berlin war, sich uns näherten, wurden, lange bevor sie uns überflogen, schon Kühe und Pferde unruhig und signalisierten uns: Sie sind im Anflug.

Im Haus gab es bestimmte Regeln, die wir einzuhalten hatten. Dazu gehörte Pünktlichkeit, leise die Türen zu schließen und sich vor dem Essen die Hände zu waschen und die Haare zu kämmen. Auch wurde ungern gesehen, wenn meine Schwester und ich in späteren Jahren in Trainingshosen erschienen. Was wir draußen taten, interessierte kaum jemanden. Unsere Schrammen und Beulen, mit denen wir gelegentlich schluchzend ins Haus kamen, fanden wenig Beachtung. Solange kein Blut floss, war alles mehr oder weniger in Ordnung. Mit Petzen waren wir sehr vorsichtig, denn Opfer und Täter wurden meistens gleichermaßen bestraft.

Bei schönem Wetter, wenn wir unbedingt baden wollten, war es ratsam, um unseren Vater einen großen Bogen zu machen, hatte er doch die Angewohnheit, uns als Hilfskräfte einzusetzen, um junge Kiefern im Wald einzupflanzen, die Gartenbeete durchzuhacken oder, besonders unbeliebt, Rüsselkäfer zu sammeln. Aber er brachte uns auch bei, wie man sich Angeln und Flitzbogen samt Pfeilen selbst zusammenbaut.

Bei unserem ersten Hauslehrer, der täglich über den See gerudert kam, galt das Motto: Landwirtschaft und Hauswirtschaft gehen vor! So griff, wenn unsere Eltern verreist waren, Mamsell zum Helfen in Haus und Garten nach uns, und wir konnten während der Heuernte bald mit einem »Hungerharke« genannten Gerät und dem davor gespannten Pferd besser umgehen als mit unsern Rechenaufgaben.

Wenn im Winter die Wiesen überflutet waren und einer der Seen bis an unseren Gartenzaun reichte, so dass eine riesige Eisfläche entstand, waren Schlittenfahren und Schlittschuhlaufen der Genuss schlechthin. Kilometer für Kilometer glitten wir auf der Eisfläche dahin, bis die Sonne unterging und die Glocken auf der anderen Seite des Sees zu läuten begannen, sich der Mond auf den Weg machte und über uns der Sternenhimmel funkelte. »Die Erinnerung«, sagt Jean Paul, »ist das einzige Paradies, aus dem wir nicht vertrieben werden können.«

Ilse Gräfin von Bredow

Über Ilse Gräfin von Bredow

Biografie

Ilse Gräfin von Bredow wurde 1922 in Teichenau/Schlesien geboren. Sie wuchs im Forsthaus von Lochow in der märkischen Heide auf und besuchte später ein Internat. Während des Krieges war sie im Arbeitsdienst und musste Kriegshilfsdienst leisten. Seit Anfang der Fünfzigerjahre des letzten...

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Deutsch perfekt

»nostalgisches Buch über die Alltagskultur vor fast 100 Jahren.«

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