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Beautiful Burn

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Beautiful Burn — Inhalt

Verzweifelt und von aller Welt verlassen, legt sich Ellie Edson mit allen an. Auch mit dem unverschämt gut aussehenden und arroganten Tyler Maddox. Als er sie auf einer Party kennenlernt, ist er von Ellies extremer Persönlichkeit und ihrem aufbrausenden Temperament fasziniert. Seine Gefühle für sie werden mit der Zeit immer stärker, aber er merkt: Ellies Dämonen sind wohl der mächtigste Feind, dem sich je ein Maddox-Bruder stellen musste.

Erschienen am 01.03.2017
Übersetzer: Henriette Zeltner
480 Seiten, Broschur
ISBN 978-3-492-31011-6
Erschienen am 01.03.2017
Übersetzer: Henriette Zeltner
384 Seiten, WMEPUB
ISBN 978-3-492-97479-0

Leseprobe zu »Beautiful Burn«

Kapitel 1

Als Kind saß ich oft eine gefühlte Ewigkeit einfach nur da und starrte in eine offene Flamme. Meine Familie dachte, das wäre ein eigenwilliger Zeitvertreib für mich. Fast zwanzig Jahre später starrte ich auf das Ende meiner Zigarette. Die Asche war schon fingerlang und glühte dort, wo sich das Feuer ins Papier fraß, orangefarben.

Das Haus war überfüllt mit schwitzenden, taumelnden Betrunkenen und Ausschweifung, sodass ein weiterer tiefer Zug keine Rolle mehr spielte. Der Sauerstoff im ganzen Raum war ohnehin schon verbraucht. Ich war bis ins [...]

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Kapitel 1

Als Kind saß ich oft eine gefühlte Ewigkeit einfach nur da und starrte in eine offene Flamme. Meine Familie dachte, das wäre ein eigenwilliger Zeitvertreib für mich. Fast zwanzig Jahre später starrte ich auf das Ende meiner Zigarette. Die Asche war schon fingerlang und glühte dort, wo sich das Feuer ins Papier fraß, orangefarben.

Das Haus war überfüllt mit schwitzenden, taumelnden Betrunkenen und Ausschweifung, sodass ein weiterer tiefer Zug keine Rolle mehr spielte. Der Sauerstoff im ganzen Raum war ohnehin schon verbraucht. Ich war bis ins Mark gesättigt von den Klängen der Basstrommel, von Geschrei und dem schrillen Gelächter der Mädchen, die größtenteils noch zu jung waren, um sich eine Dose Bier zu kaufen, und erst recht zu jung, um gleich das Sixpack von Mike’s Hard Lemonade wieder auszukotzen, das sie im Laufe des Abends getrunken hatten.

Ich lehnte mich im Lieblingspolstersessel meiner Mutter zurück, nahm das ganze Chaos in Augenschein und fühlte mich zu Hause.

Daddy war davon überzeugt, dass ich ein braves Mädchen war, daher fiel es mir leicht, ohne schlechtes Gewissen Zeugin von schlechtem Benehmen zu sein und mich sogar gelegentlich daran zu beteiligen.

Eine aufgetakelte Beauty mit Glitter-Lotion und violett gefärbten Haaren streckte mir einen Joint hin – gute zwei Zentimeter Gras in zerknittertem Papier. Ich sah ihr für den Bruchteil einer Sekunde in die Augen, um abzuschätzen, ob der Joint gestreckt war, bevor ich ihn akzeptierte. Ich blies den Rauch Richtung Decke. Dort schwebte bereits eine weiße Wolke über dem riesigen Raum – unserer Galerie, die für Après-Ski, Wein und distinguierte Gäste gedacht war, nicht für die betrunkenen aus der hiesigen Unterschicht, die jetzt an Gemälden vorbeistreiften und Vasen umstießen.

Ich entspannte mich sofort und ließ den Kopf nach hinten gegen das Sofakissen fallen. Was Cannabis in der Freizeit anging, gehörte Colorado zur Top 3 meiner Lieblingsdestinationen während der Ferien. Der Umstand, dass meine Eltern ein Ferienhaus in Estes Park besaßen, machte es sogar zu meiner Nummer eins.

»Wie heißt du?«, fragte sie.

Ich sah in ihr engelsgleiches Gesicht und wunderte mich nicht darüber, dass sie sich auf einer Riesenparty befand, ohne die Gastgeberin zu kennen. »Ellie«, sagte ich und achtete kaum auf ihre schläfrigen, rot geränderten Augen.

»Ellie Edson? Bist du Ellisons Schwester?«

Ich seufzte. Nach so einer Unterhaltung war mir jetzt echt nicht. »Ich bin Ellison.«

Sie runzelte die Stirn und Verwirrung fiel wie ein Schatten über ihr Gesicht. »Aber … Ellison ist ein Typ, oder? Der Typ, dem dieses Haus gehört?« Kichernd drückte sie die Wange gegen ihre eigene Schulter. »Seid ihr … so was wie … Zwillinge oder so?«

Ich lehnte mich zurück und grinste, während sie spontan mit den Fingern durch mein langes, dunkles Haar fuhr. Einer ihrer Arme war mit schwarz umrandeten Totenköpfen und leuchtend blauen Rosen in verschiedenen Größen tätowiert, der andere noch eine nackte Leinwand.

»Nein, ich bin Ellison, der Typ, dem dieses Haus gehört.«

Sie kicherte laut über meinen Scherz, dann kniete sie sich vor meinen Sessel auf den Boden. »Ich bin Paige.«

»Wie lange wohnst du schon hier?«

»Wie kommst du drauf, dass ich von hier bin?«, fragte sie.

Sie achtete auf jedes meiner Worte. Diese einseitige Aufmerksamkeit erzeugte bei mir eine seltsame Mischung aus freudiger Erregung und Langeweile. Paige war mehr als nur hübsch; sie stellte Hoffnung zur Schau, indem sie ihre traurigen Geschichten mit sich herumtrug – ganz offen, für jeden sichtbar, verletzlich, selbst wenn ihr Herz schon zu oft gebrochen worden und daher irreparabel war.

Ich hielt ihr den Joint wieder hin. »In deinen Augen fehlen eine ganze Lebenszeit gescheiterter Erwartungen und die Schuld, unbegrenzte Ressourcen verschwendet zu haben.«

Sie kicherte. »Keine Ahnung, was das heißen soll.«

»Genau.«

»Sind das auf dem Bild da deine Eltern?«, fragte sie und zeigte mit ihren kurzen Nägeln, deren Lack stellenweise abgeplatzt war, auf das Porträt an der gegenüberliegenden Wand.

Ich seufzte. »Das sind sie – bei dem Versuch, sich Unsterblichkeit zu erkaufen.«

»Die sehen doch nicht mal schlecht aus. Und sie haben dir all das hier geschenkt.«

»Nein, es gehört immer noch ihnen. Ich leihe es mir nur. Leute wie wir lernen früh, nichts umsonst herzugeben.«

»Leute wie ihr?«, fragte sie amüsiert. »Du meinst, Leute mit Millionen Quadratmeter großen Häusern?«

»Mehreren davon«, sagte ich.

Sie zog die Augenbrauen hoch und grinste niedlich.

Manche hätten meine Bemerkung für Prahlerei gehalten, dabei klang in meiner Stimme unverhohlene Verachtung mit, die Paige allerdings nicht bemerken würde. Sie lächelte immer noch. Ich hätte wahrscheinlich erwähnen können, dass meine Mutter mir nach einer Überdosis Antidepressiva gestanden hatte, meine Schwester Finley mehr zu lieben, oder wie ich den Ferrari, den mein Vater mir zum sechzehnten Geburtstag geschenkt hatte (vor allem als Wiedergutmachung, weil er ihn vergessen hatte), absichtlich zu Schrott gefahren hatte oder dass meine Zimmergenossin Kennedy – auch so eine Erbin – einen Ziploc-Gefrierbeutel mit ihrer Fehlgeburt drin zu einer Demo für Frauenrechte in Berkeley mitgebracht hatte. Auch dann hätte Paige zu mir aufgesehen, als hätte ich ihr soeben meine Liebe gestanden und nicht die sieben Stufen von abgefuckt im Detail geschildert.

Ich stieß einen einzelnen Lacher aus. »Du bist definitiv eine Einheimische.«

»Überführt. Hast du einen Freund?«, fragte sie.

»Du kommst direkt auf den Punkt.«

Sie zuckte mit den Achseln, nahm einen Zug, hielt die Luft fünf Sekunden lang an und atmete stoßweise hustend aus. »Ist das ein Nein?«, fragte sie immer noch keuchend.

»Eindeutig.«

Sie versuchte, mir den Joint zurückzugeben, aber ich schüttelte den Kopf. Daraufhin schob sie ihre glänzende Unterlippe vor.

»Enttäuscht?« Ich war mir nicht sicher, ob sie Lust auf einen Dreier hatte oder nur auf der Suche nach einem Kifferkumpel war.

»Du siehst einfach aus, als wärst du eine witzige Freundin.«

»Das täuscht.« Ich stand auf, denn das Gespräch langweilte mich bereits. Auf der anderen Seite des Raumes splitterte Glas und eine kleine Gruppe schloss sich eng um irgendetwas, das sich in ihrer Mitte ereignete.

Aus Gelächter wurde Geschrei und dann skandierte Worte. Peter Max’ Better World fiel von der Wand und das Glas zersplitterte. Billiges Bier spritzte über fünfzigtausend Dollar teure Pinselstriche. Ich bahnte mir einen Weg ganz nach vorn und sah zwei Männer, die sich mit den Fäusten traktierten und dabei jedes Kunstobjekt in ihrer Nähe in ein unseliges Chaos verwandelten.

Aller Augen richteten sich auf mich und die Zuschauer verstummten, was zur Folge hatte, dass auch die beiden in der Mitte innehielten. Jeder wartete darauf, dass ich den Kampf beenden, schreien oder vielleicht über den angerichteten Schaden weinen würde, aber mein Blick fiel auf den Mann, dessen nackter Oberkörper von Tattoos bedeckt war. Er musterte mich ebenfalls und ließ seine kastanienbraunen Augen über meinen Busen, meine Beine und schließlich durchs Zimmer wandern. Sein Gegner hatte eine rote Baseballkappe verkehrt herum aufgesetzt und sprang im Kreis um den Tätowierten herum. Dabei ließ er seinen Fäuste wie in einem Bugs-Bunny-Zeichentrickfilm erst in die eine, dann in die andere Richtung wirbeln.

»Maddox, du hast dich schon bewiesen. Lass uns jetzt gehen«, sagte jemand zu dem Tattoo-Typ.

»Du kannst mich mal«, erwiderte der und ließ mich nicht mehr aus den Augen. »Wir regeln das draußen.«

Die Rotkappe war mindestens fünfzig Pfund schwerer als Maddox. Ich zog fünf Scheine aus meinem Dekolleté und hielt sie über meinen Kopf. »Ich setze fünfhundert auf Maddox.«

Sofort schossen andere Fäuste mit Geldscheinen in die Höhe. Man schrie Gebote und Quoten. Maddox sah mich mit einem Leuchten in seinen Augen an, von dem ich sicher war, dass es lange keiner mehr gesehen hatte – nicht mal er selbst. Er schwitzte noch kaum; dafür kündeten sein widerspenstiges Haar und die dunklen Augen unmissverständlich von seiner Unbesiegbarkeit. Die meisten Männer, die ich bis jetzt kennengelernt hatte, waren vom Typ »Große Klappe, nichts dahinter« gewesen, aber Maddox musste nichts vorspielen. Er lebte das und hatte den Mumm, es durchzuziehen. Die Stelle, wo meine Schenkel aufeinandertrafen, spannte sich an und mein Slip war plötzlich klatschnass. Ich machte noch einen Schritt und schob mich grob bis in die Mitte vor. Zwar hatte ich ihn zuvor noch nie gesehen, aber er sah sehr nach meinem nächsten Fehler aus.

Daran, wie er sich bewegte, konnte ich erkennen, dass er den Kampf länger als nötig hinauszog. Ein Schlag folgte auf den anderen – keiner von dem massigen Trottel mit der nach hinten gedrehten Cap –, noch mehr Glas splitterte, mehr Blut spritzte und Bier schwappte auf Mutters maßgefertigten italienischen Wollteppich.

Man konnte schon eine Art Muster erkennen: Die Rotkappe haute ins Leere und Maddox nutzte die Gelegenheit, um einen Treffer zu landen. Er war unglaublich schnell, präzise und skrupellos. Ich spürte fast seine Knöchel auf meinem Kiefer, meine Zähne aufeinanderschlagen und die Vibration bis in die Wirbelsäule.

Viel zu bald war es vorbei. Der tätowierte Champion stand über seinem blutenden Gegner, als wäre das gar nichts. Jemand gab Maddox sein T-Shirt und er wischte sich damit die Blutspritzer und den Schweiß vom Gesicht.

Mir drückte man ein paar Scheine in die Hand, aber ich achtete gar nicht darauf, wie viel es war.

»Tyler … lass uns verdammt noch mal von hier verschwinden. Ich will nicht gefeuert werden, Mann. Hier sind ungefähr ein Dutzend total besoffene Minderjährige.«

Maddox ließ mich nicht aus den Augen. »Wozu die Eile?«

»Ich hab einfach keine Lust, dem Teamleiter zu erklären, warum wir eingesperrt wurden. Du vielleicht?«

Maddox zog sich das weiße Baumwoll-T-Shirt über den Kopf und die klar definierten Wölbungen seiner Brust- und Bauchmuskeln. Als das V knapp über seinem Gürtel darunter verschwand, sackten meine Schultern vor Enttäuschung ein Stückchen tiefer. Ich wollte mehr von ihm sehen. Ich wollte alles sehen.

Sein nervöser Freund reichte ihm auch noch eine schwarze Cap der White Sox, die er aufsetzte und sich tief über die Augen zog.

Ein anderer Freund klopfte Tyler auf die Schulter. »Du hast mir fünfzig Mäuse beschert, Maddox. Fühlt sich an wie in alten Zeiten.«

»Gern geschehen, Alter«, sagte er und wandte den Blick immer noch nicht von mir ab.

Die Leute tauschten Geld hin und her und zogen dann allesamt in die Küche, wo die Bierfässer angezapft waren und Nachschub lieferten.

Tyler Maddox kam in dem verschwitzten, blutverschmierten T-Shirt auf mich zu. Augen und Nase lagen im Schatten seiner Cap. Er wollte etwas sagen, aber da hatte ich schon eine Hand in sein Shirt gekrallt und ihn zu mir herangezogen. Ich presste einen leidenschaftlichen Kuss auf seinen Mund. Meine Lippen öffneten sich und ließen seine heiße Zunge herein. Er reagierte so, wie ich es erwartet hatte, denn da herrschte eine sinnliche Spannung zwischen uns. Er griff am Hinterkopf in meine Haare und zog mich zu sich nach oben.

Jetzt stieß ich ihn zurück, hielt aber sein T-Shirt weiter fest. Er wartete und schien nicht zu wissen, womit er rechnen sollte. Mit einem listigen Lächeln trat ich einen Schritt von ihm weg, ließ den Stoff los, strich mit der Hand über seinen Arm und zog schließlich an seiner Hand. Seine Hände waren grob, die Nägel total kurz und ich konnte es kaum erwarten, diese Grobschlächtigkeit an meinen empfindlichsten Stellen zu spüren.

Tyler verzog den Mund zu einem halben Grinsen, sodass an seiner linken Wange ein Grübchen sichtbar wurde. Das war die Art von Schönheit, die man mit Geld nicht kaufen konnte. Diese goldbraunen Augen und das kantige, unrasierte Kinn – eine Sinfonie der Perfektion, die nur tadellose Gene erzeugen konnten. In meinen Kreisen gab es jede Menge gut aussehender Leute, die Zugang zu den besten Produkten, Stylisten, Spas und Schönheitschirurgen hatten, aber Tyler war echt – unangestrengt und roh.

Ich beschleunigte mein Tempo und ging den ersten Schritt rückwärts die Treppe hoch.

Tyler schaute fragend zu mir auf. »Wo gehen wir hin?« Ich antwortete nicht, aber er folgte mir weiter. Ich hätte ihn in seinen Tod führen können, aber ich wusste, dass Tyler Maddox sich vor nichts fürchtete. »Was ist da oben?«, fragte er, während wir weitergingen.

»Ich«, sagte ich schlicht.

Von da an bewegte er sich zielstrebig und sein Blick war nicht mehr amüsiert, sondern hungrig. Ich drehte den Türgriff zu dem großen Schlafzimmer und stieß die Tür auf. Das California King Bed meiner Eltern mit seinen zwei Dutzend Kissen wurde sichtbar.

»Wow«, sagte Tyler und sah sich im Zimmer um. »Dieses Haus ist irre. Wer auch immer hier wohnt, muss Unmengen verdienen. Sind das Freunde von dir?«

»Es ist das Haus meiner Eltern.«

»Dann wohnst du hier?«, fragte Tyler und zeigte auf den Fußboden.

»Manchmal.«

»Ach du Scheiße, du bist Ellison Edson. Eine Edson Tech Edson?«

»Nein. Ich bin einfach nur Ellie.«

»Dein Dad ist auf der Liste der Fortune 500, oder?«

»Ich will jetzt eigentlich nicht unbedingt über meinen Vater sprechen«, sagte ich zwischen zwei Küssen.

Er hielt mich ein Stück von sich weg. »Tut mir leid wegen dem Bild, dem Tisch … und der Vase. Ich werde die Sachen ersetzen.«

Ich griff nach unten und legte meine Hand auf die Wölbung seiner Jeans. »Hör auf zu reden.«

Tyler ließ seine Hand zwischen die Leggings und meine nackte Haut gleiten und seine Finger wussten genau, wo sie eine Pause machen oder weiterforschen mussten. Ich streifte meine Stiefel ab und summte, als seine Finger leichter glitten, weil sie von meinem Verlangen nach ihm nass waren.

Ich spürte das Fußende des Betts an der Rückseite meiner Oberschenkel, ließ mich nach hinten fallen und zog Tyler auf mich. Ich hatte vor diesem Abend schon Dutzende Lippen geküsst, aber noch nie hatte ich das Gefühl, ein Mund habe nach mir gehungert, und das schon lange. Jede Stelle meiner Haut, die Tyler berührte, erschien mir bedeutend. Er war alles andere als nervös. Genauso geübt wie ich im Abreißen von Knöpfen und Herunterziehen von Stoff.

In der Sekunde, als mein BH und mein Slip auf den Boden fielen, riss ich ihm seine Boxershorts runter. Er kickte sie vom Bett und wir rollten über die Matratze. Rittlings setzte ich mich auf ihn und wir lächelten keuchend. Mein roter Lippenstift hatte ihm den Mund verschmiert und alles in mir verzehrte sich nach ihm.

»Wo zur Hölle kommst du bloß her?«, fragte er ehrfürchtig.

Ich hob eine Augenbraue und schaute zu seiner Jeans, die halb vom Bett herunterhing. Ich griff sie mir und durchsuchte seine Taschen. Grinsend zog ich ein Folienpäckchen heraus. »Nicht zu voreilig, Maddox. Ich bin ja noch nicht gekommen.«

Auf seiner Stirn bildeten sich drei tiefe Falten, als seine Augenbrauen in die Höhe schossen. Er sah mir zu, wie ich das Kondompäckchen mit den Zähnen aufriss. Als ich den Gummi dann mit dem Mund an Ort und Stelle brachte, verdrehte er die Augen.

»Heilige Scheiße«, murmelte er und reckte die Hüften in die Höhe, als ich ihn in seiner ganzen Länge tief in meinen Mund nahm. Er fuhr mit den Fingern durch meine Haare und zog an ihnen, während ich gegen den Latex summte. Er bog den Rücken durch und schob sich noch ein bisschen tiefer.

Ich setzte mich wieder rittlings über ihn, packte ihn bei den Hüften und ließ ihn langsam in mich eindringen. Die Hitze und Nässe in mir schien ihn fast zu überwältigen. Er hatte das bestimmt schon oft gemacht, aber noch nie mit mir. Tyler sah aus wie der Typ, der gern das Kommando übernimmt. Der Typ, der seine Frauen befriedigt, bis sie ihn vergeblich um mehr anflehen. Aber er hatte nicht mehr zu geben – und genau das gefiel mir an ihm. Abgesehen davon, dass er unsagbar scharf war und genau wusste, wie er meine empfindlichsten Stellen berühren musste. Als wäre er der Schöpfer, der mich gebaut hatte.

Er grub die Finger in meine Hüften und ich merkte, wie er mein Tempo zu bremsen versuchte. Zugegeben hätte er das sicher nie. Er war schon nah dran, aber ich auch. Noch dazu klopfte irgendein Idiot an die Tür und rief seinen Namen. Aber er würde erst gehen, nachdem vollendet war, was ich begonnen hatte.

Ich keuchte heftig und stöhnte jedes Mal auf, wenn mein Po gegen seinen Schoß klatschte. Als Tyler kam, tat er es heftig und umklammerte meinen Po, während er seinen Rücken durchbog. Er war so tief in mir, dass es wehtat, aber ich ließ meine Hüften trotzdem kreisen, bis auch ich mit einem Gefühl des Taumels gekommen war. Dabei bohrte ich meine Finger in seine Brust und lächelte mit offenem Mund. Die Schreie, die aus meiner Kehle drangen, konnte ich nicht unterdrücken.

Tyler spreizte meine Beine und spannte sein Hinterteil an, um sich noch weiter in mich hineinzupressen. Er knurrte eine Menge Kraftausdrücke, dann entspannte er sich und kam langsam wieder zu Atem. Schläfrig und zufrieden schaute er zu mir hoch. »Verdammt noch mal, Weib.«

Ich beugte mich vor, hob ein Bein über ihn und kletterte vom Bett runter. Er sah mir auf der Seite liegend beim Anziehen zu und ignorierte das Klopfen an der Tür.

»Ich, äh … arbeite ziemlich viel. Ich bin einer von der Alpine Hotshot Crew und –«

»Na und?« Ich machte den Verschluss meines BHs zu und zog den Slip an.

Tyler schwieg kurz und schien zu überlegen, was er als Nächstes sagen sollte. »Und … sind das Calvin Kleins?«

Ich schaute an mir runter auf den engen weißen Slip in Größe XS, den ich gerade angezogen hatte. Spitze, Tangas, Cheekies … alles nicht mein Ding. »Und?«

Er kicherte. »Also, äh … ich werde dich nicht … du weißt schon –«

»Anrufen? Dann sind wir schon zu zweit.«

Tyler stand auf und begann, seine Klamotten einzusammeln, als auf dem Flur wieder das Klopfen losging. »Maddox! Bist du da drin?«

»Verdammt noch mal, Zeke! Sei doch gefälligst nicht so ungeduldig!«, sagte er und zog sich die Jeans hoch.

Er wollte anscheinend warten, bis ich mich angezogen hatte, aber ich hatte kaum mein T-Shirt über den Kopf gezogen, als seine Freunde die Tür aufstießen.

Einer der Männer, etwas kleiner, aber viel massiger als er, nickte mir zu, senkte aber schnell den Blick, als er sah, dass ich noch halb nackt war. »Bist du endlich fertig, oder was?«

»Ich bin fertig, Zeke«, sagte Tyler und grinste mich an.

Zeke deutete mit dem Daumen hinter sich. »Die demolieren hier alles. Willst du, dass wir helfen, sie rauszuschmeißen?«

Ich schüttelte den Kopf. »Ich habe ein tolles Putzkommando.«

»Ich glaube nicht, dass man an der Couch noch viel putzen kann. Der Boden ist mit Daunen übersät.«

»Dann kauf ich eben eine neue.«

Tylers Gesicht verfinsterte sich. »Lasst uns dem Blödsinn ein Ende machen.«

Zeke nickte. »Und danach gehen wir auch.«

Tyler blinzelte mir zu. »Danke für die, äh … erfreuliche Überraschung.«

»Ich würde fast sagen, jederzeit, aber es wird ja keiner von uns anrufen.«

Tyler lachte flüchtig, schaute zu Boden und unter seinen dichten Wimpern wieder zu mir hoch. »Ich schätze mal. Bis irgendwann, Ellison.«

»Ellie reicht. Und wahrscheinlich nicht.«

Er schien nicht beunruhigt. »Gute Nacht.« Er ging hinaus und schloss die Tür.

Ich setzte mich in das Durcheinander aus Laken, Decken und kleinen Kissen auf dem Bett meiner Eltern. Tylers Kondom hing halb über den Rand des Papierkorbs neben dem Schminktisch meiner Mutter. Tyler war ein kompletter Fehlgriff.

Ich rollte mich in Embryonalstellung zusammen und vergoss ein paar Tränen, die niemand sehen sollte. Ich weinte nicht, weil ich mich schämte, sondern weil ich wusste, egal wie demoliert das Haus sein oder wie respektlos ich mich im Schlafzimmer meiner Eltern aufführen würde, es würde sie nicht wütend machen. Sie würden mir verzeihen und mich bemitleiden. Ich würde einfach für immer ihr perfektes kleines Mädchen bleiben. Je lauter ich schrie, desto fester schienen sie sich die Ohren zuzuhalten.

Es klopfte wieder an der Tür und ich rief »Herein«. Auf der Schwelle stand Paige. Sie wirkte einsam und verzweifelt.

»Ist hier noch Platz für einen mehr?«, piepste sie.

Ich schlug die Decken und Laken zurück. Lächelnd eilte sie zu mir. Ich schlang die Arme um sie und entspannte mich, während sie die Innenseite meines Handgelenks küsste.

»Du bist so hübsch«, flüsterte sie. »Wie ist das? In so einem Haus wie dem hier zu wohnen? So ein Leben zu führen?«

Ich wusste nicht, was ich darauf antworten sollte, also sagte ich das Erstbeste, was mir einfiel: »Schließ die Augen.«

Paige rückte sich zurecht und schob eine Hand zwischen meine feuchten Schenkel.

»Ich hab ihn runterkommen gesehen«, sagte sie.

»Da hast du dich entschlossen, raufzukommen?«

»Ich wusste, dass er nicht bleiben würde.«

»Das brauchte ich auch gar nicht.«

»Ich schon«, sagte sie. »Ich brauch das, dass die Leute bleiben. Du kannst ja so tun, als wäre ich er … wenn du willst.«

»Ich werde so tun, als wärst du du«, sagte ich und küsste sie auf die Schläfe.

Paige entspannte sich in meinen Armen und machte es sich gemütlich, während die Bässe noch durch den Fußboden wummerten. Als die Musik nach ein paar Minuten abrupt verstummte, wusste ich, dass Tyler und seine Freunde der Party gerade ein Ende machten und alle rauswarfen.

Es dauerte nicht lange, bis Paiges Atem gleichmäßig wurde. Ich schloss die Augen, zog sie enger an mich und sank in den Schlaf.

 

Kapitel 2

Ich ging gerade auf den makellosen, schwarzen Audi meines Vaters zu, als der erste Transporter vorfuhr. Es stiegen Frauen und Männer aus, ihre Stiefel knirschten im Schnee und sie trugen Eimer, Staubsauger und Kisten voller Reinigungsmittel ins Haus. Felix, der Assistent meines Vaters, hatte bereits die Lieferung eines neuen Sofas in Auftrag gegeben.

Meine Eltern würden frühestens in einer Woche von ihrer Reise nach Rom zurück in Estes Park sein, das bedeutete genug Zeit, um das Haus wieder in Ordnung zu bringen. Felix hatte nicht zum ersten Mal nach einer Party Reinigungstrupps organisieren müssen, und er verstand es sehr gut, dafür zu sorgen, die Dinge in Ordnung zu bringen. Seit meinem siebten Lebensjahr war Felix der Schutzengel unseres Familienfriedens und, falls nötig, auch der Bodyguard meines Vaters. Manchmal musste ihn Felix vor mir beschützen.

»Miss Edson«, begrüßte mich Felix nickend, als ich in der Einfahrt unseres Hauses auftauchte.

Sein Jackett spannte über seinen kräftigen Muskeln. Eine Metallgestellbrille mit getönten Gläsern schützte seine Augen vor der Sonne, die sich in seiner glänzenden Glatze spiegelte. In seiner rechten Hand hielt er ein Handy, in der linken ein Klemmbrett mit Papieren. Kein Zweifel, dass das eine mehrere Seiten lange Liste war mit Dingen, die überprüft, repariert und neu bestellt werden mussten, alles im Bemühen, Daddy das Leben zu bereiten, für das er Felix bezahlte.

»Danke schön, Felix«, sagte ich.

Als ich an ihm vorbeiging, öffnete er die Fahrertür, damit ich einsteigen konnte. Der Motor des Wagens lief bereits und innen war es so warm, dass meine Pelzjacke und die hohen Stiefel eher des Guten zu viel waren als angemessene Winterkleidung.

»Sind Sie bereit, Miss?«, fragte Felix, ich nickte und er schloss die Tür.

Seufzend griff ich nach dem Lenkrad. Seit sieben Jahren hatte ich kein Auto mehr selbst angelassen – seit meiner Führerscheinprüfung. Ich saß in einem Wagen, der mir nicht gehörte, vor einem Haus, das mir nicht gehörte und das auf einem Grundstück stand, das mir nicht gehörte … und trug Kleidung, die meine Eltern bezahlt hatten. Ich war ihr Eigentum und ließ sie gewähren, weil es bequem war. Nicht, dass ich zu Highschool-Zeiten nicht auch einmal versucht hatte, mich dem System zu widersetzen, aber zu streiten hieß, dass ich undankbar war, ob ich nun um die Dinge, die ich bekam, gebeten hatte oder nicht.

Ich biss die Zähne zusammen und schaltete das Automatikgetriebe des Wagens auf Drive. Der schmerzliche innere Monolog begleitete mich permanent, denn was ich wirklich dachte oder fühlte, konnte ich nicht laut aussprechen. Wenn ich mich beschwerte, beleidigte ich meinen Vater und alle anderen. Es gab nichts, worüber ich mich zu beschweren hatte. Ich war das Mädchen, das alles hatte. Mit je mehr Geld und materiellen Dingen mich meine Eltern überschütteten, desto größer wurde die Leere. Aber ich konnte ihnen das nicht sagen; ich konnte es niemandem sagen. Alles zu haben und nichts zu fühlen, war die schlimmste Form von Selbstsüchtigkeit.

Ich bog auf die Zufahrt und fuhr einen ganzen Kilometer sehr langsam, bis ich das Eingangstor des Schlossgrundstücks meiner Eltern erreichte. Auf Knopfdruck öffnete sich die Eisenpforte, seine beiden Flügel schwangen sachte und gemächlich auf. Mein Handy fiepte und ein Foto von Finley mit Duckface erschien auf dem Bildschirm. Sie hatte den Kopf nach oben gereckt, um ihre türkisfarbenen Augen und ihre dichten, echten Nerz-Wimpern-Extensions zu präsentieren.

Ich drückte am Lenkrad den Knopf, mit dem ich das Handy-Gespräch auf Lautsprecher annehmen konnte, und fuhr durch das mittlerweile offene Tor. »Hi, Fin.«

Finleys Stimme umgab mich. »Müde, Elliebee?«

»Ein bisschen.«

»Gut. Ich hoffe, du fühlst dich echt elend, du verzogene Bitch. Warum hast du mir nicht erzählt, dass du gestern eine Party gegeben hast?«

»Ähm, weil du in Rio de Janeiro bist?«

»Und?«

»Ich konnte mir nicht vorstellen, dass du dein Brazilian Waxing an einen banalen Hüttenzauber mit Einheimischen in den verschneiten Bergen verschwenden wolltest.«

»Ist es kalt?«

»Definitv kein Bikiniwetter.«

»Unser Whirlpool sagt etwas anderes. Hast du dich flachlegen lassen?« Sie hatte ihre kleine Verärgerung schon wieder vergessen und war nun im Schwestern-Modus.

Finley Edson war die ältere Tochter von Edson Tech und auf direktem Weg, mit eiserner Faust, die allerdings perfekt manikürte Fingernägel hatte, zu regieren. Wir beide waren die Erbinnen, aber im Gegensatz zu mir begeisterte Finley das. Sie war zwei Jahre älter als ich, meine beste Freundin und die Einzige aus unserer Kindheit, die ich immer noch ertragen konnte. Alle anderen waren zu geistlosen Klonen ihrer Mütter mutiert.

»Ich plaudere keine Intimitäten aus«, antwortete ich und bog in Richtung Innenstadt.

»Doch, tust du. Wie heißt noch mal die aus Estes Park, von der du mir erzählt hast?«

»Paige? Nein. Sie ist süß. Und ich bin nicht so gemein, mich an sie ranzumachen.«

»Ich bin mir nicht sicher, ob ich glaube, dass es so eine Person für dich überhaupt gibt.«

»Tut sie und ihr Name ist Paige.«

»Ellie, du wirst milde auf deine alten Tage. Wenn wir noch in Berkeley wären, hättest du nichts anderes im Sinn, als ihr das Herz zu brechen. Also, wer war es diesmal?«

Bei Finleys Beschreibung zuckte ich zusammen, aber nur, weil sie recht hatte. Für die meisten Menschen, mit denen ich bisher zusammen gewesen bin, war ich ein Quell des Leidens, vor allem, da es mir völlig egal war, außer dass ein kleiner Teil von mir die zeitweilige Ablenkung von meinem eigenen Kummer genoss.

»Musst du mich eigentlich immer an meine Störung erinnern?«

»Ja. Aber wechsele jetzt nicht das Thema.«

»Er ist ein Hotshot, der im ganzen Land unterwegs ist.«

»Ein Feuerwehrmann? Igitt.«

»Nein, er ist nicht igitt. Er gehört zur Elite. Die werden wie Soldaten an die vorderste Front geschickt.«

»Das klingt echt heiß«, räumte sie ein.

»Er war erfrischend … Lass mich ihn vergessen und ohne Wimpernzucken verabschieden. Aber er war heiß. Sehr, sehr heiß. Vielleicht eine Zehn.«

»Eine Zehn? Eine solide Zehn oder eine knappe Zehn?«

»Eine gute Zehn. Als er das Kondom entsorgte, hat er den Mülleimer verfehlt, aber er kann kämpfen. Also echt kämpfen. Gestern Abend hat er mitten auf der Galerie einem Typen, der doppelt so schwer war wie er selbst, den Hintern versohlt. Er hat die Figur von David Beckham. Vielleicht noch ein bisschen kräftiger. Er ist überall tätowiert und er riecht nach Marlboros und Eisen.«

»Eisen?«

»Das Blut des anderen Typen war auf seinen Klamotten verteilt.«

»Du hast die beiden gestern in der Galerie kämpfen lassen? Ist irgendetwas zu Bruch gegangen?«

»Die Frage sollte eher lauten, ist was heil geblieben.«

»Ellie.« Finleys Ton wurde ernst. »Mutter wird ausflippen.«

»Erzieh mich nicht von Brasilien aus. Ich habe schon zwei abwesende Elternteile. Da brauche ich nicht auch noch dich.«

»Schön, aber das bedeutet deine Beerdigung. Oder besser die Beerdigung deines Treuhandfonds. Mich fasziniert dieser Kerl. Ich nehme vielleicht das nächste Flugzeug und stecke meinen frisch gewachsten und pedikürten Körper in Leggings und Boots. Oh«, unterbrach sie sich selbst. »Marco? Ich brauche Flanellhemden!«

»Bring ja nicht Marco mit«, warnte ich.

»Er begleitet mich überallhin. Er spricht Portugiesisch und hat die Reise hierher zu einem Klacks gemacht.«

»Er kommt nicht mit. Du bist so anders, wenn er in der Nähe ist.«

»Was? Etwa so was wie hilflos?«, witzelte sie, aber wir wussten beide, in Gegenwart ihres Ladysitters war sie immer zickiger und bedürftiger als ohne ihn. Marco war weit mehr als ihr Assistent. Er trug nicht nur die Koffer und wachte über ihren Terminkalender; er war ebenso ihr Einkäufer, Stylist, Barista, Barkeeper, Krankenpfleger, Kellner, Designer und permanenter Reisebegleiter.

»Ich mag Finley und Marco nicht. Ich mag nur Finley.«

»Korrigiere: Du liebst Finley. Ich bringe Marco mit.«

»Er kann aber nicht hier bei uns wohnen.«

Ich konnte ihr Schmollen geradezu hören. »Ich werde ihm ein Hotelzimmer buchen. Wenn ich etwas brauche, kann ich ihn ja anrufen.«

»Lieber Himmel, Finley!« Aus der Mittelkonsole des Autos fingerte ich ein zerknautschtes Päckchen Zigaretten hervor und wühlte nach einem Feuerzeug. Nachdem ich eines gefunden hatte, ließ ich den silbernen Deckel aufschnappen und nahm einen tiefen Zug.

»Wohin bist du unterwegs?«, fragte Finley gelangweilt.

»Ich habe mich bloß aus dem Staub gemacht, solange die Reinigungstruppe Ground Zero in Ordnung bringt.«

»Ist es wirklich so schlimm? Und mir machst du Vorhaltungen wegen Marco?«, fragte sie.

»Bleib kurz dran.« Ich konzentrierte mich darauf einzuparken, machte den Motor aus und zog noch einmal an der Zigarette.

»Noch da?«, fragte Finley.

»Ja«, antwortete ich und entließ einen letzten Hauch Zigarettenrauch aus meinem Mund. Das weiße Wölkchen entkam durch den Schlitz im Seitenfenster, das ich gerade so weit geöffnet hatte, dass ich meinem Vater gegenüber behaupten konnte, ich hätte dran gedacht, es aufzumachen.

»Du musst mit dem Scheiß aufhören, Ellie. Jeder hat seine Grenzen.«

»Genau das hoffe ich«, sagte ich, nahm einen letzten Zug und warf die Kippe aus dem Fenster. »Ciao, Fin.«

Ich stieg aus und trat die Glut mit dem Absatz meines Stiefels aus. Dann bückte ich mich, hob den Zigarettenrest auf und warf ihn in einen nahen Abfalleimer.

»Da hast du aber Glück«, meinte eine Stimme hinter mir.

Ich drehte mich um und sah Tyler, der mit verschränkten Armen an der Ziegelfassade eines Ladens für Autozubehör lehnte. Unweit parkte ein Truck der US-Forstverwaltung.

»Wie bitte?«, fragte ich.

»Wenn du die Kippe nicht aufgehoben hättest, hätte ich dich vielleicht verhaften müssen.«

»Es sollte dich mal jemand darüber informieren, dass du kein Polizist bist.«

»Ich bin mit einigen befreundet.«

»Wie wahnsinnig toll für dich.«

»Wie geht’s dem Haus?«

»Liegt in Trümmern. Schön, dich getroffen zu haben«, sagte ich und machte auf dem Absatz kehrt.

Ich hörte seine Schritte hinter mir. »Ich hab bloß … einen Witz gemacht«, meinte er, als er auf gleicher Höhe mit mir war. Er hielt mir ein schwarzes Päckchen Marlboro hin.

»Was zur Hölle ist das?«, fragte ich.

»Ein Friedensangebot?«

»Du bietest mir Lungenkrebs an?«

Er kicherte leise und stopfte das Päckchen in die Seitentasche seiner blauen Uniformjacke. »Wohin willst du?«

Ich blieb stehen und drehte mich seufzend zu ihm um. »Du bist ein Idiot.«

Er blinzelte einmal, dann tauchten diese wunderschönen Falten auf seiner Stirn auf und ein Lächeln mit all seinen perfekt weißen Zähnen breitete sich auf seinem Gesicht aus. »Was ist dein Problem?«

»Mein Problem ist, dass von dir ausschließlich erwartet wurde, mich zu vögeln und mich dann in Ruhe zu lassen.«

»Okay …«

Eine Weile sah er mich angewidert an. Seine Boots waren ausgelatscht, aber frisch geputzt, seine blaue Cargohose war gebügelt, aber von dem halben Arbeitstag etwas verknittert und sein Hemd verwaschen. Tyler arbeitete hart und war stolz auf seinen Job. Wahrscheinlich hatte er noch nie einen Arbeitstag gefehlt, aber hier hörte seine Selbstverpflichtung auf. Tyler Maddox hatte zweifellos schon genauso viele Herzen gebrochen wie ich. Er war exakt das, was ich verdiente, selbst wenn ich überhaupt nicht die Absicht hatte, auch nur in seine Nähe zu kommen.

»Du sprichst mit mir. Du sagtest aber, das würdest du nicht tun.«

Tyler schob seine Hände tief in die Taschen seiner Hose, zuckte mit den Achseln und lächelte mich an, als hätte er noch nie einen One-Night-Stand gehabt. Diese Art von Charme konnte man nicht lernen. »Ich habe gesagt, ich würde nicht anrufen.«

Ich verschränkte die Arme vor der Brust, runzelte die Stirn und schaute zu ihm auf. Himmel, was war er groß! »Ich habe keinerlei Interesse an dir.«

Sein Grübchen erschien und ich straffte meine Beine. »Das wirkte aber gestern Nacht ganz anders.«

»Das war gestern Nacht. Jetzt bin ich nüchtern.«

Er verzog das Gesicht. »Autsch.«

»Hau ab!«, sagte ich.

Er streckte seine Schultern. »Wirke ich auf dich wie jemand, der abhaut?«

»Nur wenn es um Frauen geht, deshalb habe ich auch mit dir geschlafen.«

Er runzelte die Stirn. »Sind dir … deine Medikamente ausgegangen, oder so was?«

»Ja. Ja, sind sie. Die gegen emotionale Traumata und Vergangenheitsbewältigung, richtig erkannt. Sprich weiter mit mir und dann bin ich vielleicht deine nächste viel zu anhängliche Freundin. Klingt das gut für dich?«

»Okay, Ellie«, meinte er und hob seine Hände, als wolle er sich ergeben. »Hab schon verstanden. Ich werde so tun, als wäre niemals etwas zwischen uns gewesen.«

»Danke«, sagte ich.

»Aber es war verdammt fantastisch und ich hätte nichts gegen eine Wiederholung.«

»Können wir nicht bloß Freunde mit gewissen Vorzügen sein, aber ohne Freunde zu sein?«

Er grübelte darüber. »Du bist ein ganz schön gemeines Biest. Aber das ist seltsam anziehend.«

»Geh weg!«

»Ich geh schon.«

»Komm ja nicht wieder!«

»Es ist niemals etwas gewesen«, sagte er und öffnete die Beifahrertür seines Trucks. Er war alles andere als beleidigt, was wiederum mich beleidigte. Die meisten Leute reagierten auf meine Frechheiten sensibler.

Zeke kam aus dem Autozubehörgeschäft und blieb stehen, als er mich sah. Er winkte kurz und rannte um die Vorderseite des Trucks zur Fahrertür. Tyler und er tauschten ein paar Worte, dann startete Zeke den Motor.

»Wer ist das?«

Ich drehte mich um und hinter mir stand Sterling. Er sah aus wie ein Bankdirektor und gab sein Bestes, um seinem Vater nachzueifern, dem Boss der Aerostraus Corporation. Sterling trug einen dunklen Wolltrench, einen Schal, eine Dreitausend-Dollar-Armbanduhr und, um seinen spießigen Look etwas auszugleichen, ein blaues Button-down-Hemd ohne Krawatte, aber mit geöffnetem oberstem Knopf. Er hatte es irgendwie geschafft, den verschneiten Bürgersteig entlangzugehen, ohne dass er auch nur einen einzigen feuchten Fleck auf seinen italienischen Schuhen hatte.

»Küss mich«, sagte ich.

»Iiih«, meinte er entsetzt. »Nein.«

»Küss mich, du Arsch. Jetzt. Und zwar richtig. Das schuldest du mir.«

Sterling umschloss mit seinen Händen mein Gesicht, legte seinen Mund auf meinen, sabberte rum, aber er machte genau die Szene, die ich wollte. Der Truck fuhr vorbei, und als es klang, als sei er weit genug entfernt, schubste ich Sterling von mir weg.

Angewidert wischte er sich über den Mund. »Warum musste ich das tun?«

»Um einen Typen loszuwerden.«

»Stalker oder Schnorrer?«, fragte Sterling und strich sich das dunkle Haar zur Seite.

»Weder noch. Bloß zur Sicherheit.«

»Wollen wir immer noch brunchen?«, fragte er. Er wischte sich erneut über den Mund und wirkte schon etwas weniger angeekelt.

»Ja«, antwortete ich und zog ihn in Richtung Winonas Café.

Wir nahmen einen Tisch am Fenster und Sterling vertiefte sich sofort in die Speisekarte. Sein Zeigefinger lief jede Zeile entlang und er studierte jede einzelne Zutat jedes Gerichts. Er war kein Allergiker; er war ein Snob.

Ich rollte mit den Augen. »Warum? Wir essen doch andauernd hier.«

»Ich war drei Monate nicht hier. Vielleicht haben sie etwas Neues auf der Karte.«

»Du weißt doch, dass sie das niemals täten.«

»Sei still. Ich lese.«

Ich lächelte und checkte mein Handy, während er die jahrzehntealte Karte absuchte. Sterlings Familie besaß ein Haus in der gleichen Straße wie meine Eltern. Eines der vielen im Land, das die meiste Zeit des Jahres leer stand. Ich wusste, dass Sterling vom gleichen Schlag war wie ich, als ich ihn mit vierzehn Jahren betrunken und allein an einem Baum an der Grenze unseres Grundstücks stehen sah. Auch er ein weiteres Treuhand-Baby, das sich darüber beklagte, wie schwer das Leben war mit den Millionen, die er zu seiner Verfügung hatte, aber ohne fürsorgliche Familie, die ihm in der wahren Welt Halt gab.

Jeden Tag richtete Sterling sein gesamtes Augenmerk auf das, was sein Vater für Erfolg hielt, und das hatte meinen Freund mittlerweile etwas launisch gemacht. Denn Sterlings Vater, James Wellington, änderte andauernd seine Meinung bezüglich des regelmäßigen Einkommens seines Sohnes und machte es abhängig vom Aktienmarkt oder der Haltung seiner Firmenvorstände oder davon, ob ihm seine Frau auf die Nerven ging.

»Wie war die Party?«, fragte Sterling, ohne aufzuschauen.

»Oh. Ich wollte dich noch einladen. Aber es war alles einigermaßen spontan.«

»Wie ich hörte, waren vor allem Einheimische da.«

»Wen hätte ich sonst einladen sollen?«

»Mich?«

»Finley ist nicht zu Hause.«

Für ein paar Sekunden blickte Sterling mich an und widmete sich dann wieder der Speisekarte. Er las sie gar nicht mehr. »Verrat ihr nichts von dem Kuss. Ich hab es nur getan, weil ich dir einen schuldete.«

»Das werde ich nicht. Sie würde mich dafür hassen, denn ob sie es nun zugibt oder nicht … sie liebt dich.«

»Ja?«

Genervt beugte ich mich zu ihm. »Das weißt du doch.«

Er schien sich zu entspannen.

»Ich lade dich andauernd zu Partys ein. Ich brauchte … ich brauchte etwas …«

»Unkompliziertes?«

Ich zeigte mit dem Finger auf ihn. »Genau.«

»Ellison?«

»Ja?«

»Du bist eine schreckliche Küsserin. Wahrscheinlich tust du dem Typen also sogar einen Gefallen.«

Ich funkelte ihn böse an. »Bestell deine verdammten Eier Benedikt und halt die Klappe. Ich bin eine exzellente Küsserin. Und deshalb musste ich diesen Typen auch mit deiner Schlabberbüchse abstoßen.«

»Wen willst du eigentlich täuschen? Du hast doch diesen Typen nicht nur geküsst.«

Die Kellnerin erschien, sie trug eine olivgrün und cremefarben gestreifte Schürze und lächelte. »Hallo, Ellie.«

»Chelsea, wenn du raten solltest, was Sterling wohl bestellt –«

»Eier Benedikt«, antwortete Chelsea, ohne zu zögern.

»Wirklich?«, fragte Sterling aufrichtig entrüstet. »Bin ich so leicht zu durchschauen?«

»Sorry«, sagte Chelsea schüchtern.

Ich lehnte mich zurück und gab Chelsea meine Speisekarte. »Ich verurteile dich gar nicht. Denn es sind verdammt gute Eier.«

»Das Gleiche für dich?«

»Nein, ich möchte das Southwest-Omelett und Orangensaft. Und habt ihr Wodka? Ein Screwdriver wäre jetzt genau richtig.«

Chelsea rümpfte die Nase. »Es ist halb elf am Morgen.«

Ich sah sie erwartungsvoll an.

»Nein«, sagte sie schließlich. »Wir schenken hier keinen Alkohol aus.«

Sterling hielt zwei Finger in die Luft, um auch für sich Orangensaft zu bestellen.

Chelsea verschwand und ich presste die Lippen fest aufeinander, um nicht allzu enttäuscht zu wirken. »Du siehst müde aus, Sterling.«

»Es war eine lange Woche.«

Ich lächelte. »Doch nun bist du ja hier.«

»Aber Finley nicht.«

»Sterling«, meinte ich in warnendem Ton. »Sie wird ihre Meinung nicht ändern. Sie liebt dich mehr als jeden anderen.«

»Bis auf dich.«

»Selbstverständlich bis auf mich. Aber sie liebt dich. Bevor sie Edson übernommen hat, kann sie bloß nicht mit dir zusammen sein.«

Sein Gesichtsausdruck verfinsterte sich und seine Augen starrten ins Leere.

»Es tut mir leid«, sagte ich und langte über den Tisch, um seinen Arm zu tätscheln. »Wir hätten ein Lokal aussuchen sollen, wo es Wodka gibt.«

Plötzlich war mein Mund ganz trocken. Einen Drink zu wollen und festzustellen, dass es nicht sofort etwas Alkoholisches zu trinken gab, verursachte bei mir einen leichten Anflug von Panik.

Sterling rückte ab von mir. »Vorsicht, Ellie! Du fängst an zu klingen wie ich.«

Das Glöckchen an der Eingangstür zum Café läutete, eine vierköpfige Familie trat ein und stritt bereits darüber, wo sie sitzen sollten. Es war Winterurlaubssaison, und auch wenn man Sterling und mich für Touristen halten konnte, wohnten wir hier schon länger als acht Jahre. Lang genug, um von den Touristen genervt zu sein. Wir waren das, was die Einheimischen Teilzeitfamilien nannten. Wenn wir unsere Adressen nannten, wussten sie schon Bescheid. Nur eine Familie in unserer Nachbarschaft war eine Vollzeit-familie, aber auch nur, weil sie aus Arkansas stammte und es für sie ein Traum war, nach Estes Park zu ziehen, und kein Urlaub.

Die beiden Kellnerinnen hasteten zwischen den Tischen hin und her, die sich von Minute zu Minute füllten. Chelseas Sneakers quietschten gelegentlich auf dem orangefarben und weiß gefliesten Boden, während sie Bestellungen aufnahm und danach durch eine Schwingtür in die Küche huschte. Dann kehrte sie lächelnd zurück und hielt auf ihrem Weg an der Getränkestation an, um große Plastikbecher zu befüllen. Vor dem Bartresen stand eine Reihe von Hockern für die Snowboarder, die das Café besuchten.

Ich sah, wie sich jeder Neuankömmling aus seinen Kleiderschichten schälte, und Körperwärme erfüllte den Raum. Chelsea kam ins Schwitzen, während die Menschen, die auf der anderen Seite der Fensterfront vorbeiliefen, sich in ihre Mäntel, Schals, Wollmützen und Handschuhe gehüllt hatten. Wenn die Eingangstür aufging, wehte kalte Luft herein und Chelsea seufzte niedlich, während sie durch die willkommene Brise hetzte.

Erst seit vier Tagen schneite es. Dafür aber ununterbrochen und in zarten Flocken. Der Skiort war glücklich, das Geschäft brummte, aber ein Schneesturm war im Anmarsch und ich machte mir Sorgen um Finley und ihre Anreise.

»Wie geht es Fin?«, fragte Sterling, der offenbar meine Gedanken lesen konnte.

»Sie ist in Rio. Ich glaube, sie kommt bald her.«

»Oh?« Sterling wischte sich mit dem Handrücken die Nase und schniefte, ein verräterisches Zeichen dafür, dass er versuchte, lässig zu sein.

»Ich kenne dich viel zu gut, Sterling. Gib es auf.«

Er wirkte entsetzt. »Ich habe doch schon lange nicht mehr versucht, sie zurückzugewinnen.«

»Wenn man einen Monat für eine lange Zeit hält.«

Er runzelte die Stirn. »Ich bin zu müde für Ellie die Bitch. Kannst du heute nicht einfach mal freundlich sein?«

Ich machte einen Schmollmund. »Och, hat Sterling seine Periode?«

Er fand das nicht lustig. »Gleich lasse ich dich hier sitzen, ganz allein an diesem Tisch.«

»Führe mich nicht in Versuchung«, gab ich zurück.

»Und mache viel Platz, sodass dir der Feuerwehrtyp Gesellschaft leisten kann.«

»Was?«, fragte ich und drehte mich um. Tyler Maddox kam gerade mit Zeke und einigen anderen seines Hotshot-Teams herein. Ich duckte mich. »Mist«, zischte ich. Ich machte mich klein und ließ mich tief in meinen Stuhl rutschen.

In meiner Familie verlangten unangenehme Situationen nach etwas Stärkerem als Orangensaft und mein Verlangen, nach Hause zu fahren und das Spirituosenregal zu plündern, wurde überwältigend groß.

Ein warmes Paar Lippen berührte meine Wange und Tyler zog einen Stuhl unter dem Tisch hervor, um sich zu setzen. »Hi, Baby. Hast du mich vermisst?«

»Bist du übergeschnappt? Hörst du Stimmen?«, fragte ich aufgebracht.

»Wir sind bloß zum Mittagessen hier, bevor wir wieder zurückfahren«, antwortete Tyler und wies sein Team an, sich ebenfalls zu setzen.

Zeke hockte sich neben mich und fühlte sich offensichtlich nicht wohl dabei. »Wir können auch einen anderen Tisch nehmen.«

»Nein«, sagte Tyler. »Das können wir nicht. Wer ist dein Freund?«, fragte er und deutete auf Sterling.

»Verdammt«, nuschelte ich. Ich hatte Tyler mit dem Kuss verscheuchen wollen. Stattdessen war er eifersüchtig geworden und betrachtete Sterling als Rivalen, den er leicht aus dem Feld schlagen konnte.

Sterling streckte seine Hand aus, um sich vorzustellen, aber ich schlug sie weg.

»Das war vorhin ja mal ein Kuss«, meinte Tyler. »Macht mich ganz sentimental, denn ich denke an die Zeit, als sie mich so geküsst hat. Gestern scheint schon so lange her.«

Mein Gesichtsausdruck wechselte zu angeekelt. »Wirklich? So weit gehst du?«

»Bin ich schon, ja«, gab Tyler selbstgefällig zurück.

»Sterling macht es nichts aus, dass ich mich gestern im Bett meiner Eltern an dir bedient habe.«

»Das war das Bett deiner Eltern?«, fragte Tyler. »Hattest du dein eigenes schon vorher benutzt?«

»In der Tat«, begann ich.

Unangenehm berührt wand Zeke sich. »Tyler, komm schon, Mann. Lass uns einen anderen Tisch finden.«

Tyler blickte Sterling finster und entschlossen an. »Ich mag diesen hier.«

Sterling räusperte sich und war offenbar unsicher, wie er sich verhalten sollte. »Was magst du an diesem Tisch … genau?«

Tyler schaute mir in die Augen und antwortete Sterling: »Deine Freundin.«

Ich beugte mich nah zu ihm. »Wenn du keinen anderen Ort findest, um das Loch in deinem Gesicht zu stopfen, dann werde ich sofort aufstehen und jedem hier im Raum erläutern, dass du einen winzigen Penis hast.«

Er war nicht beeindruckt. »Ich kann ihn ja rausholen und das Gegenteil beweisen.«

»Ich werde anfangen herumzuschreien, dass du mir Chlamydien angehängt hast. Du arbeitest hier in der Stadt. Es ist eine verschworene Gemeinschaft. Solche Sachen machen schnell die Runde.«

Er zuckte die Schultern. »Du lebst doch auch hier.«

»Teilweise. Und ich gebe absolut nichts darauf, was die Leute hier von mir denken.«

Chelsea brachte Sterlings Teller und stellte ihn vor ihm ab. Dann brachte sie meinen zusammen mit den Getränken.

»Wir sind bereit zum Bestellen«, sagte Tyler zu Chelsea.

Ich legte meine Hand an seine Wange, mein Gesichtsausdruck war traurig und meine Augen füllten sich mit Tränen. »Es wird schon wieder in Ordnung kommen, Tyler. Der Ausfluss wird bestimmt nach ein paar Antibiotikakuren aufhören und auch das Jucken wird vergehen.«

Chelsea verzog das Gesicht, blickte Tyler angewidert an und stotterte: »Ich bin, ähm … bin … ich bin gleich zurück.«

Tyler starrte mich mit offenem Mund an.

Zeke kicherte. »Sie hat dich gewarnt.«

Sterling stocherte auf seinem Teller herum und ignorierte uns.

Tyler blickte sich nach Chelsea um, die gerade der anderen Kellnerin und dem Koch etwas zuflüsterte. Angewidert schauten alle drei zu unserem Tisch. »Wow. Treffer, versenkt, Ellie.«

Mit einer Gabel teilte ich das Omelett auf meinem Teller und nahm sehr zufrieden mit mir selbst einen Bissen davon.

»Vielleicht will ich ja nur ein Freund sein«, meinte Tyler.

»Typen wie du können nicht bloß ein Freund von jemand mit einer Vagina sein«, gab ich zurück.

Zeke nickte. »Da hat sie recht.«

Tyler stand auf und gab seinem Team Zeichen, dasselbe zu tun. Während sie sich erhoben, schabten ihre Stühle laut über den Boden. »Wir haben gestern all die Trottel vertrieben, die dein Haus zerlegt haben, und das ist jetzt der Dank dafür?«

Ich lächelte ihn an. »Hinter deiner idiotischen Fassade bist du eigentlich ein netter Typ. Ich war gestern Abend betrunken, darum war mein Radar leider etwas gestört, aber normalerweise kann ich jemand wie dich schon auf einen Kilometer Entfernung riechen. Ich möchte nicht eine deiner Freundinnen sein. Ich möchte nicht sentimental werden wegen des One-Night-Stands, den wir genau dieses einzige Mal hatten. Ich habe keine Zeit für nette Typen, Tyler, und ich kann mir beim besten Willen keine noch schlimmere verdammte Hölle vorstellen, als in nüchternem Zustand mit dir Zeit zu verbringen.«

Er deutete mit dem Kopf zu Sterling. »Er wirkt auf mich wie ein netter Typ.«

Meine Nackenhaare sträubten sich. Ich war so gemein, wie ich nur konnte, und Tyler benahm sich, als würden wir hier Höflichkeiten austauschen. »Sterling ist ein von Selbsthass zerfressenes Stück Müll.«

»Da hat sie recht«, sagte Sterling entspannt. »Das bin ich.«

Tylers Team warf sich Blicke zu und dann betrachtete mich Tyler für eine ganze Weile. »Genieß deine Eier.«

»Werde ich«, meinte ich und schaute seinem Abgang nicht hinterher.

Sterling wartete eine oder zwei Sekunden, bevor er sich zu mir beugte. »Du musst ihn wirklich mögen. Ich habe dich noch nie so brutal erlebt.«

Ich machte eine wegwischende Handbewegung. »Er mag vielleicht ein viel zu selbstsicherer Arsch sein, aber er ist kein schlechter Typ. Deshalb sollte er sich von uns lieber fernhalten.«

»Stimmt«, sagte Sterling und schob sich einen weiteren Bissen in den Mund. Danach tupfte er sich die Lippen mit der Serviette ab und blickte mich unter seinen gestriegelten Augenbrauen direkt an. »Seit wann bist du eigentlich verantwortungsbewusst?«

»Ach, Süßer … Ich hoffe, dein Tag ist genauso angenehm wie du.«

Sterling kicherte leise und aß weiter.

Jamie McGuire

Über Jamie McGuire

Biographie

Jamie McGuire ist in Tulsa, Oklahoma, aufgewachsen und lebt mit ihrem Mann und ihren drei Kindern auf einer Farm in der Nähe ihrer Heimatstadt. Ihr erster Roman, »Beautiful Disaster«, war ein internationaler Erfolg, an den sich weitere New-York-Times-Bestseller anschlossen.

Kommentare zum Buch

<3 Maddox Charme <3 ...emotional...der Weg aus der Dunkelheit
Buch Versum am 31.07.2017

Das ist der 7. Band der Maddox Familie, es ist ratsam für das Verständnis & das Wachstum der Liebe zu den Maddox Jungs die vorherigen Teile gelesen zu haben!   Ellie ist auf dem Tiefgang Ihres Lebens, in diesem Moment trifft Sie auf Tyler und merkt dass er mehr als nur eine Hilfe ist. Ein emotionaler Weg aus der Dunkelheit mit der Findung Ihrer Persönlichkeit.   Das Cover ist wunderschön und passt zu den anderen der Reihe.   Der Klappentext ist schlicht, stimmig und macht Lust auf den nächsten Maddox.   Die Hauptprotagonisten sind Tyler und Ellie.   Ellie ist eine sehr sarkastische und schlagfertige Persönlichkeit, jedoch versteckt sie darunter ihr Leid und ihre Verletzlichkeit. Ein bemerkenswerter Wandel einer Person.   Tyler ist eine starke Persönlichkeit, er ist ein guter Anker und Halt für Ellie. Er ist ein typischer Maddox, liebenswert, charismatisch, sexy und loyal. Es ist toll wieder einen Maddox bei Findung seiner Liebe mit zu erleben.   Der Schreibstil von Jamie ist toll, einfach und flüssig. Der Leser kann der Handlung super folgen.   Die Erzählweise ist fesselnd und gefühlvoll, steigert den Lesefluss im Laufe der Handlung des Buches.   Jamie schafft es mit uns in das verkorkste Leben von Ellie mit hinein zu ziehen! Der Leser bekommt tiefere Sicht in die Problemweise und bedauert dass Ellie immer gegen Tyler ankämpft.   Das Buch zeichnet sich durch die turbulente und traumatischen Schicksalsschläge von Ellie aus.   Es hat mir Freude bereitet das Buch zu lesen und mich wieder heim bei den Maddox zu fühlen. Ich habe das Buch in einem Rutsch gelesen.   Das Buch hat mich gut unterhalten, amüsiert, betroffen und berührt.   Fazit: Bemerkenswerter und emotionaler Schreibstil. Die Autorin beeindruckt durch die bildliche und gefühlvolle Schreibweise. Ich liebe die Maddox Brüder, sie sind stürmisch, herzlich und wenn sie lieben ist es für das Leben! Tyler ist bemerkenswert wie er mit Ellie den Weg zum Erfolg geht, wie er sie unterstützt und für sie da ist. Sehr gut hat mir außerdem die Entwicklung von Ellie gefallen, sie hat es geschafft aus ihrer Dunkelheit zu entkommen. Ergreifender und spannender Weg des Gefühlschaos beider Hauptprotagonisten zu einer Liebe und Überwindung von einer Sucht. Perfekte Mischung von Emotionen, Spannung und Aktion. Nicht zu vergessen war der perfekte rote Faden wieder da, der die Erlebnisse aus den ersten Band, wegen Travis wieder in den Vordergrund stellte und über den schnellen Überblick von Ellie erstaunte.   Emotionale Lektüre umhüllt mit dem Weg zur Erkenntnis & Heilung.   Vielen lieben Dank für das Lesevergnügen. ! Empfehlung ! <3

Die Liebe lässt Menschen auf eine Art hassen, wie sie es zuvor nie getan hatten
Julia Gutenberg am 27.03.2017

Meinung:   Ellie Edson führt ein sorgloses Leben, was die materiellen Besitztümer betrifft, doch das was ein Kind wirklich braucht, ist die Liebe ihrer Eltern. Schon früh hat Ellie versucht, die Aufmerksamkeit ihrer Eltern auf sich zu lenken und herausgefunden, dass sie diese - wenn auch nur kurzfristig - erhält, wenn sie über die Stränge schlägt. Am Verhalten des Vaters erkennt man, dass er nur das Beste für seine Kinder möchte, doch dabei wählt er den falschen Weg. Er ist viel zu nachgiebig, was in Ellie ein anderes Gefühl aufkommen lässt: Gleichgültigkeit. Ihre Eltern schaffen es nicht, Grenzen zu setzen und diese einzuhalten, Sally hingegen lässt sich emotional nicht einspannen und liefert den Anstoß, dass Ellie arbeiten muss um sich ein eigenständiges Leben aufbauen zu können.   Alles zu haben und nichts zu fühlen, war die schlimmste Form von Selbstsüchtigkeit.   Ellie begegnen wir als exzessive Partymaus, die im Alkohol Schwerelosigkeit sucht und findet. Schnell erkennt man, dass sie keinerlei Selbstwertgefühl hat, denn hierbei handelt es sich um etwas, dass man durch die Akzeptanz und Anerkennung von Familie und Freunden erhält und sich nicht mit Geld kaufen kann. Ihre Schwester Finley ist ihre einzige Bezugsperson, alle anderen lässt sie nur kurzweilig an ihrem Leben teilnehmen, erachtet sich selbst jedoch als schlechten Einfluss, weshalb sie alle auf Distanz hält. Oftmals habe ich nicht verstanden, warum sie glaubt, ein Alkoholproblem zu haben. Teenager, Partys und Alkohol sind keine Seltenheit. Viel mehr erschien es mir, als hätte sie selbst eine so geringe Meinung von sich, dass sie sich einen derartigen Mangel so lange eingeredet hat, bis es wirklich zu einem erkennbaren Problem wurde. In jeder heiklen oder angespannten Situation bestimmt Alkohol ihr Denken. Doch erst einmal in den Teufelskreis geraten, ist es schwer einen Ausweg zu finden, wenn man niemanden hat, der bereit ist, um einen zu kämpfen. Sie selbst eingeschlossen.   Sterling wartete eine oder zwei Sekunden, bevor er sich zu mir beugte. >>Du musst ihn wirklich mögen. Ich habe dich noch nie so brutal erlebt.<<   Ellie eilt ein Ruf voraus, der nicht gerade positiv anmutet. Sie ist verunsichert und fürchtet ihren Neustart. Doch anders als sie erwartet hat, bekommt sie trotzdem eine Chance und darf sich beweisen. Eine wichtige Erfahrung deren Verantwortung sich Ellie mit Bewusstsein stellt, dies jedoch aufgrund des falschen Beweggrunds. Sie hat einen Fehler begangen, der ihr das Letzte im Leben nehmen könnte, was sie davor bewahrt in die bodenlose Schlucht zu stürzen, an deren Rand sie bereits steht. Ihr schlechtes Gewissen versagt ihr jede Art von eigenem Glück und ihre Schuldgefühle machen den Drang nach Alkohol unwiderstehlich. Vom oberflächlichen Teenager hat sich Ellie schnell in mein Herz gekämpft, weshalb es traurig war zu sehen, dass jeder Erfolg auch gleichzeitig mit einem Dämpfer verbunden ist.   >>Ich bin nicht dein Boss und du bist keine Lügnerin. Es geht nicht allein um das Geld, Ellie, und es ist traurig, weil ich beobachtet habe, wie hart du arbeitest, aber du scheinst immer noch darauf zu warten, doch zu versagen.<<   Dank Finleys Geschenk entdeckt Ellie ihr Interesse und ihre Begeisterung für Fotografie. Sie sieht die Welt durch die Linse mit neuen Augen und erfährt aufgrund ihrer tollen Schnappschüsse Lob und Zuspruch. Sie verbringt die Saison mit den Hotshots, die durch Wälder marschieren um Brände einzudämmen und deren Ausbreitung zu verhindern. Durch ihre Hand entstehen einzigartige Bilder, die ihr körperlich einiges abverlangen. Stundenlange Märsche durch unebenen Wald, sowie Einsätze, die sie über Tage hin mitverfolgt. Die mühsam errichtete Distanz zu Tyler, der nun ihr Aufpasser ist, verringert sich immer weiter, bis er den Entschluss fast für sie zu kämpfen, auch wenn Ellie es ihm in vielerlei Hinsicht alles andere als leicht gestaltet. Doch ebenso wie Ellie Edson, haben auch die Maddox-Brüder einen nicht zu übertrumpfenden Dickkopf.   Finster schaute er mich von unten an. >>Hast du nicht gehört? Ich habe dich belogen.<< >>Nein, du hast deinen Bruder beschützt.<< Nun blickte er mich direkt an. >>Und jetzt beschütze ich dich.<<   Der Nachname Edson ist jedem ein Begriff, weshalb auch einige der Hotshots eine vorgefertigte Meinung von Ellie haben. Nicht nur die muskelbepackten Männer, auch mich hat die junge Frau mit ihrem Willen und ihrer Stärke beeindruckt. Sie nimmt jede Hürde, ohne sich zu beschweren, weshalb sie sich die Anerkennung und Zuspruch von ihren neu gewonnen Freunden verdient. Sie ist für die Jungs zu einer Art Schwester geworden, die geschlossen hinter ihr stehen und sie letztendlich einen wichtigen Entschluss fassen lässt.     Charaktere:   Aus Angst etwas oder jemanden zu ruinieren oder zu verletzen, den sie liebt, verbietet sich Ellison ihr eigenes Glück und sabotiert deshalb von vorne herein alles Gute, aus Angst, es zu verlieren.     Schreibstil:   Mit Tyler führt uns Jamie McGuire einmal mehr vor Augen, dass ein Maddox, wenn er einmal liebt, niemals damit aufhören wird. In "Beautiful Burn" werden einige Kämpfe ausgefochten, sei es die Liebe eines jungen Paares oder gegen Selbsthass und -zweifel anzukämpfen, die sich hier auf vielerlei Ebenen ansiedeln und eindrucksvoll vor Augen führen, dass die Liebe Menschen auf eine Art hassen lässt, wie sie es zuvor nie getan hatten.   Obwohl ich Ellies Schwester Finley nach ihrem Rachefeldzug gerne einmal die Leviten gelesen hätte, so ist die Beziehung der Schwestern doch innig und bemerkenswert. Ellie schöpft ihren Willen, ihre Hoffnung und ihren Mut durch dieses starke Band, welches auf ihrem Weg noch von weiteren Menschen an Stabilität gewinnt. Dies schützt sie zwar leider nicht vor einem Absturz, aber es zeigt, dass sie gerade deshalb die Kraft aufbringt einen schweren, aber entscheidenden Schritt zu gehen.   Die Autorin hat hier kleine versteckte Botschaften eingebaut, die eine Liebe erst zu etwas besonderem machen, genau wie es uns Tyler hier immer wieder vor Augen führt. Egal wie schwer oder heikle die Situation auch ist, er stärkt Ellie den Rücken und lässt sich von ihrer abweisenden Fassade nicht verschrecken und genau darauf hat es die junge Frau angelegt und nimmt bei Weitem kein Blatt vor den Mund.   Ellie versteckt sich hinter ihrer Kamera und ebenso wie sie, erleben wir ihren Blickwinkel durch die Linse. Sie sieht die Einzigartigkeit des Moments und hält ihn fest. Sie fängt Atmosphären ein, die Angst, Hoffnung, Entschlossenheit und Zuversicht gleichermaßen ausstrahlen.   Wieder einmal eine rundum gelungene Geschichte mit vielseitigen emotionalen Spannungswellen.

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