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Aufbruch

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Partials I

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Aufbruch — Inhalt

Die letzten Menschen haben sich nach einer verheerenden Katastrophe nach Long Island, vor die Tore Manhattans, zurückgezogen. Die Partials, übermächtige Krieger, die einst von den Menschen erschaffen wurden und sich dann gegen sie wendeten, bedrohen die Überlebenden. Und eine unheilbare Seuche fordert ihre Opfer. Die sechzehnjährige Kira setzt alles daran, einen Weg zu finden, die Krankheit zu heilen. Doch dieser Weg führt sie nach Manhattan, mitten in das Gebiet der unheimlichen Partials. Und was sie dort entdeckt, wird nicht nur ihr eigenes, sondern das Schicksal aller Geschöpfe auf unserem Planeten verändern …

€ 9,99 [D], € 9,99 [A]
Erschienen am 12.03.2013
Übersetzt von: Jürgen Langowski
512 Seiten, WMEPUB
EAN 978-3-492-96175-2

Leseprobe zu »Aufbruch«

Das neugeborene Mädchen 485GA18M starb am 30. Juni2076 um 6.07 Uhr morgens. Es war drei Tage alt. Seit dem Zusammenbruch betrug die durchschnittliche Lebenserwartung eines menschlichen Säuglings sechsundfünfzig Stunden. Man gab ihnen nicht einmal mehr Namen. Kira Walker sah hilflos zu, wie Dr. Skousen den winzigen Körper untersuchte. Die gesichtslosen, mit Gasmasken und Overalls geschützten Schwestern – die Hälfte von ihnen war ebenfalls schwanger – notierten die Einzelheiten zu Leben und Tod. Die Glasscheiben dämpften das Wehklagen der Mutter im Flur. [...]

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Das neugeborene Mädchen 485GA18M starb am 30. Juni2076 um 6.07 Uhr morgens. Es war drei Tage alt. Seit dem Zusammenbruch betrug die durchschnittliche Lebenserwartung eines menschlichen Säuglings sechsundfünfzig Stunden. Man gab ihnen nicht einmal mehr Namen. Kira Walker sah hilflos zu, wie Dr. Skousen den winzigen Körper untersuchte. Die gesichtslosen, mit Gasmasken und Overalls geschützten Schwestern – die Hälfte von ihnen war ebenfalls schwanger – notierten die Einzelheiten zu Leben und Tod. Die Glasscheiben dämpften das Wehklagen der Mutter im Flur. Sie hieß Ariel McAdamsund war gerade einmal achtzehn Jahre alt. Die Mutter eines Leichnams. Eine Schwester ging die Messwerte des Thermometers durch. »Körpertemperatur siebenunddreißigzwo bei der Geburt.« Die Worte drangen blechern durch die Maske. Kira kannte ihren Namen nicht. Eine andere Schwester übertrug die Zahlen sorgfältig auf einen gelben Zettel. »Siebenunddreißigzwo um vier Uhr heute Morgen. Dreiundvierzig zum Zeitpunkt des Todes.« Leise bewegten sie sich in dem Raum hin und her, hellgrüne Schatten in einem Land der Toten.»Kann ich sie nur einen Moment lang halten ?«, rief Ariel. Ihr brach die Stimme. »Ich will sie nur einmal halten.«Die Schwestern hörten nicht auf sie.

Es war die dritte Geburt und der dritte Todesfall in dieser Woche. Viel wichtiger waren die Dokumentation des Todesfalls und die Konsequenzen daraus. Vielleicht konnte man nicht den nächsten, aber wenigstens den übernächsten, den danach, den hundertsten oder tausendsten danach verhindern.Irgendwie musste man doch einen Weg finden,damit die Kinder überlebten.»Herzfrequenz ?«, fragte eine andere Schwester.Ich halte das nicht mehr aus, dachte Kira. Ich bin eine angehende Krankenschwester und keine Bestatterin …»Herzfrequenz ?«, wiederholte die Frau drängend. Es war Oberschwester Hardy, die Leiterin der Entbindungsstation. Kira kam zu sich. Es war ihre Aufgabe, den Herzschlag zu überwachen. »Die Herzfrequenz war bis um vier Uhr heute Morgen stabil, dann stieg sie von eins-null-siebenauf eins-dreiunddreißig. Um fünf Uhr lag die Spitze bei eins-neunundvierzig, um sechs eins-vierundfünfzig. Um sechs Uhr sieben bei … eins-zweiundsiebzig.«Wieder klagte Ariel.»Meine Zahlen bestätigen das«, warf eine andere Schwester ein, worauf Hardy Kira einen giftigen Blick zuwarf und die Daten notierte.»Konzentrieren Sie sich!«, mahnte die Oberschwester unwirsch. »Es gibt viele Praktikanten, die ihr rechtes Auge hergäben, um Ihre Stelle einzunehmen.«Kira nickte. »Ja. Entschuldigung.«Mitten im Raum stand Dr. Skousen, überließ das tote Kind einer Pflegerin und setzte die Gasmaske ab. Seine Augen waren so tot wie die des Kinds.

»Ich glaube, mehr finden wir im Moment nicht heraus. Räumen Sie hier auf und bereiten Sie eine vollständige Blutanalyse vor.« Damit ging er hinaus, und die Schwestern machten sich emsig ans Werk. Sie wickelten das Baby ein, damit es beerdigt werden konnte, schrubbten die Geräte sauber und wischten das Blut auf. Vergessen und allein weinte draußen die Mutter. Ariel hatte sich einer künstlichen Befruchtung unterzogen, und es gab keinen Ehemann oder Freund, der sie trösten konnte. Kira sammelte wie gewohnt die Dokumente ein, die archiviert und analysiert werden sollten, und konnte den Blick nicht von dem weinenden Mädchen vor der Glasscheibe abwenden. »Auch als Praktikantin müssen Sie stets aufmerksam bleiben«, ermahnte Hardy sie. Sie nahm ebenfalls die Gasmaske ab. Darunter war ihr Haar nass vor Schweiß und klebte ihr an der Stirn. Kira sah sie stumm an, die Oberschwester erwiderte den Blick und zog die Augenbrauen hoch. »Was verrät uns die Temperaturspitze ?« »Das Virus hat den Sättigungspunkt überschritten«, sagte Kira auf, was sie gelernt hatte. »Es hat sich so starkvermehrt, dass das Atemzentrum beeinträchtigt wurde,und das Herz hat mit einer Überreaktion zu kompensieren versucht.«Schwester Hardy nickte, und Kira bemerkte erst jetzt, dass ihre Augen wund und blutunterlaufen waren. »Irgendwann finden die Forscher einen Hinweis in den Daten und entwickeln einen Impfstoff. Das gelingt ihnen aber nur, wenn wir …«

Sie unterbrach sich und wartete darauf, dass Kira den Satz beendete. »… wenn wir bei jedem Kind so exakt wie möglich den Krankheitsverlauf dokumentieren und aus unseren Fehlern lernen.«»Die Suche nach dem Heilmittel hängt von den Daten ab, die Sie in Händen halten.« Hardy deutete auf Kiras Papiere. »Wenn wir die Daten nicht registrieren, ist das Kind noch sinnloser als ohnehin schon gestorben.«Kira nickte wieder und richtete abwesend die Papier ein dem braunen Umschlag ordentlich aus. Die Oberschwester wandte sich ab, doch Kira tippte ihr auf die Schulter, und als sie sich umdrehte, wagte Kira nicht, ihr in die Augen zu sehen. »Entschuldigung, aber könnte Ariel die Kleine einen Moment lang halten, wenn der Arzt fertig ist? Nur für einen Augenblick?« Schwester Hardy seufzte. Hinter der strengen, berufsmäßigen Fassade war die Müdigkeit zu erkennen. »Hören Sie zu, Kira, ich weiß genau, wie schnell Sie die Ausbildung absolviert haben. Sie besitzen ganz sicher eine Begabung für die Virologie und die RM-Analyse, aber diese technischen Fähigkeiten sind nur die halbe Miete. Sie müssen emotional stabil sein, sonst frisst Sie die Arbeit auf der Entbindungsstation auf. Sie sind jetzt drei Wochen bei uns, und dies ist Ihr zehntes totes Kind. Für mich wares das neunhundertzweiundachtzigste.« Sie hielt inne,das Schweigen dehnte sich länger, als Kira erwartet hätte.»Sie müssen lernen loszulassen.« Kira blickte zu Ariel, die von draußen weinend an die dicke Glasscheibe klopfte. »Ich weiß, dass Sie viele Kinder verloren haben.« Kira schluckte. »Aber für Ariel war es das erste.«

Die Oberschwester starrte Kira lange an, irgendwo tief in den Augen regte sich etwas. »Sandy!«, rief sie schließlich. Eine andere junge Schwester hob den Kopf und brachte den winzigen toten Körper zur Tür. »Wickeln Sie das Baby aus !«, ordnete Schwester Hardy an. »Die Mutter darf es kurz halten.« Eine Stunde später hatte Kira den Papierkram erledigt, geraderechtzeitig vor der öffentlichen Senatssitzung. Marcus begrüßte sie in der Lobby mit einem Kuss, und die Anspannung der langen Nachtschicht fiel von ihr ab. Marcus strahlte, und sie lächelte erschöpft zurück. Mit ihm war das Leben leichter. Sie verließen das Krankenhaus. Als das Sonnenlicht ihre müden Augen blendete, blinzelte Kira. Das Krankenhauswar eine Bastion der Technik im Stadtzentrum und unterschied sich so stark von den verfallenen Häusern und den überwucherten Straßen, als wäre es ein außerirdisches Raumschiff. Natürlich war das schlimmste Durcheinander längst aufgeräumt, aber die Zeichen des Zusammenbruchs waren inzwischen, elf Jahre später, immer noch allenthalben zu erkennen: Herrenlose Autos hatten sich in Verkaufsstände für Fisch und Gemüse verwandelt,die Wiesen vor den Häusern dienten als Gärten und Hühnergehege.

Diese Welt war ein trauriger Abklatsch der früheren zivilisierten Welt, der Welt vor dem Zusammenbruch, und nur noch einen Schritt von der Steinzeit entfernt. Die Solaranlage, die das Krankenhaus mit Stromspeiste, war ein Luxus, von dem der größte Teil von East Meadow nur träumen konnte. Kira versetzte einem Stein auf der Straße einen Tritt.»Ich glaube, ich schaffe das nicht mehr.«»Sollen wir eine Rikscha nehmen ?«, bot Markus an. »Bis zur Sporthalle ist es nicht mehr weit.« »Ich meinte nicht das Laufen«, erwiderte Kira. »Ich meinte dieses … das Krankenhaus und die Kinder.« Sie erinnerte sich an die blutunterlaufenen und unendlich müden Augen der Schwestern und an die bleichen Gesichter. »Weißt du, wie viele Babys ich sterben sah?«, fragte sie ihn leise. »Wie viele vor meinen Augen verendet sind ?«Marcus nahm ihre Hand. »Es ist doch nicht deine Schuld.« »Spielt es eine Rolle, wessen Schuld es ist ?«, gab Kira zurück.»Sie sind tot, nur das ist wichtig.« »Seit dem Zusammenbruch hat kein einziges Kind überlebt«, sagte Marcus. »Kein einziges. Du arbeitest dort seitgerade drei Wochen als Praktikantin. Wenn alle diese Ärzte und Forscher nicht weiterkommen, solltest du dir keine Vorwürfe machen.«Kira blieb stehen und starrte ihn an. Das konnte doch nicht sein Ernst sein. »Und du meinst, damit geht es mir besser ? Ich fühle mich ganz bestimmt nicht besser, wenn du mir erzählst, das Leben der Kinder sei nicht zu retten.«»Du weißt doch, dass ich es anders meine«, antwortete Marcus. »Ich sage nur, dass du nicht persönlich daran schuld bist. RM tötet die Kinder, nicht Kira Walker.«Kira blickte zum Turnpike hinüber. »So kann man das natürlich sehen.«

Als sie sich der Sporthalle näherten, wurde das Gedränge dichter. Vielleicht waren sogar alle Plätze besetzt, was schon seit Monaten nicht mehr der Fall gewesen war – seit der Senat die letzte Ergänzung zum Zukunftsgesetz erlassen und das Alter für Schwangerschaften auf achtzehn gesenkt hatte. Kira spürte auf einmal einen Knoten im Bauch und schnitt eine Grimasse.»Was meinst du – worum geht es bei der Dringlichkeitssitzung?« »Wie ich den Senat kenne, dürfte es etwas Langweiliges sein. Wir suchen uns einen Platz an der Tür und können jederzeit verschwinden, falls Kessler wieder eine Tirade loslässt.« »Glaubst du nicht, sie haben etwas Wichtiges mitzuteilen?«, fragte Kira.»Vor allem geht es denen wohl um die eigene Wichtigkeit«, antwortete Marcus. »Darauf kann man sich bei dem Senat immer verlassen.« Er lächelte sie an, erkannte, wie ernst es ihr war, und runzelte die Stirn. »Wenn ich raten soll, würde ich sagen, sie reden über die Stimme. Heute Morgen hieß es im Labor, sie hätten diese Woche schon wieder eine Farm angegriffen.«Kira blickte zum Gehsteig hinunter und wich seinen Blicken geflissentlich aus. »Ob sie das Alter für Schwangerschaften noch weiter drücken wollen ?« »Schon wieder ?«, fragte Marcus. »Die letzte Anpassung ist weniger als neun Monate her. Ich glaube nicht, dasssie die Schwelle erneut senken, ehe die Achtzehnjährigen überhaupt entbunden haben.« »Das traue ich ihnen ohne Weiteres zu«, antwortete Kira, die immer noch den Boden anstarrte. »Früher oder später tun sie das ganz sicher. Das Zukunftsgesetz ist für sie die einzige Möglichkeit, mit dem Problem klarzukommen.Sie denken, wenn wir genug Kinder bekommen, wird irgendwann eins immun sein, aber das funktioniert nicht. Es hat in den letzten elf Jahren nicht funktioniert,und es wird sich nichts ändern, wenn eine Menge junger Mädchen schwanger wird.« Sie ließ Marcus’ Hand los.»Im Krankenhaus ändert sich nichts. Man versorgt die Mütter, hält alles steril, registriert alle Daten, und trotzdem überleben die Kinder nicht. Wir wissen genau, wie sie sterben. Wir wissen so viel über ihren Tod, dass mir übel wird, wenn ich nur daran denke, aber wir haben absolut keinen Schimmer, wie wir sie retten sollen. Wirs chwängern weitere Mädchen, und dann bekommen wir neue tote Babys und noch mehr Notizbücher voller längstbekannter Statistiken über den Tod der Kinder.«

Ihr Gesicht wurde heiß, Tränen schossen ihr in die Augen. Passanten musterten sie, als sie vorbeikamen. Viele Frauen waren schwanger, und Kira war sicher, dass einige von ihnen ihre Worte gehört hatten. Wütend und verlegen zugleich schluckte sie und schlang die Arme um den Oberkörper. Marcus trat zu ihr und nahm sie in die Arme. »Du hast recht«, flüsterte er. »Du hast vollkommen recht.«Sie schmiegte sich an ihn. »Danke.« »Kira !«, rief eine Stimme aus der Menge. Sie hob den Kopf und wischte sich mit dem Handrücken die Augen trocken. Madison winkte ihnen aufgeregt. Wider Willen musste Kira lächeln. Madison war zweiJahre älter, aber sie waren gemeinsam aufgewachsen und fühlten sich in der Patchworkfamilie, die nach dem Zusammenbruch entstanden war, beinahe wie Schwestern. Kira hob eine Hand und winkte zurück.»Mads !«Madison erreichte sie und umarmte sie überschwänglich. Haru, Madisons frischgebackener Ehemann, folgte einige Schritte dahinter. Kira kannte ihn nicht gut. Er hatte bei der Abwehr gearbeitet, als er und Madison einander kennengelernt hatten, und war in den Zivildienst versetzt worden, als die beiden vor ein paar Monaten geheiratet hatten. Er gab Kira die Hand und nickte Marcus feierlich zu.

Kira fragte sich nicht zum ersten Mal, wie Madison sich in einen so ernsten Kerl hatte verlieben können, aber im Vergleich zu Marcus war vermutlich sowieso jeder andere viel zu ernst.»Schön, euch zu sehen«, sagte Haru.»Du kannst mich sehen?« Marcus klopfte sich scheinbar erschrocken ab. »Der Zaubertrank hat versagt! Das war das letzte Mal, dass ich einem sprechenden Eichhörnchen mein Mittagessen überlassen habe.«Madison lachte, worauf Haru verwirrt die Augenbrauen hochzog. Kira beobachtete ihn und wartete, bis sie seinen Mangel an Humor so komisch fand, dass sie nicht mehr konnte und laut herausplatzte.»Wie geht’s euch denn so ?«, fragte Madison. »Wir schlagen uns irgendwie durch«, antwortete Kira. Madison schnitt eine Grimasse. »Eine schlimme Nachtin der Entbindungsstation ?« »Ariel hat ihr Kind bekommen.« Madison erbleichte, und in ihren Augen zeichnete sich echte Trauer ab. Sie war fast achtzehn, und es musste ihr schrecklich wehtun. Madison war noch nicht schwanger, aber das war nur eine Frage der Zeit. »Es tut mir so leid. Wir gehen gleich nach der Sitzung zu ihr. Vielleicht können wir etwas für sie tun.« »Das ist eine gute Idee«, antwortete Kira, »aber ihr müsst auf mich verzichten. Wir haben heute einen Bergungseinsatz.«»Du warst doch schon die ganze Nacht auf«, protestierte Madison. »Du kannst nicht auch noch einen Bergungseinsatz übernehmen.« »Ich lege mich ein Weilchen hin, ehe wir aufbrechen«, erklärte Kira. »Aber ich muss mitgehen. Bei der Arbeitwar ich nicht sonderlich aufmerksam, und ich kann die Abwechslung gut brauchen. Außerdem muss ich Skousen beweisen, dass ich nicht überfordert bin. Die Abwehr braucht bei dem Bergungseinsatz einen Sanitäter, und ich will die beste Sanitäterin sein, die sie je hatten.« »Sie können sich glücklich schätzen, dass du mitfährst.«Madison umarmte sie noch einmal. »Ist Jayden auch dabei ?« Kira nickte. »Er ist der verantwortliche Sergeant.« Madison lächelte. »Umarm ihn für mich!«

Jayden und Madison waren Geschwister, allerdings nicht durch Adoption, sondern dank ihrer Geburt. Sie waren die einzigen leiblichen Verwandten, die überhaupt noch auf der Insel lebten. Manche betrachteten sie als lebenden Beweis dafür, dass die Immunität gegen RM genetisch bedingt sei, was die Tatsache, dass bisher kein Neugeborenes überlebt hatte, umso entmutigender machte. Kira hielt Madison und Jayden dagegen eher für eine Anomalie, die sich nicht reproduzieren ließ. Wie Madison oft erklärte, war Jayden außerdem der attraktivste Mann, der noch auf dem Planeten wandelte. Kira warf Marcus einen boshaften Blick zu. »Nur eine Umarmung? Ich könnte ihm auch ein paar Küsse übermitteln.« Marcus wandte sich verlegen an Haru. »Hast du eine Ahnung, worum es bei der Sitzung geht?« Kira und Madison lachten, und Kira seufzte glücklich. Madison wusste, wie sie ihre Stimmung heben konnte.»Sie schließen die Schule«, berichtete Haru. »Die jüngsten Kinder auf der Insel werden vierzehn, und inzwischen gibt es praktisch mehr Lehrer als Schüler. Vermutlich erteilen sie allen die Abschlüsse, damit sie mit der Berufsausbildung beginnen können, und dann dürfen sich die Lehrer eine nützlichere Beschäftigung suchen.« »Glaubst du wirklich ?«, fragte Kira. Haru hob die Schultern. »So würde ich es jedenfalls handhaben.« »Wahrscheinlich jammern sie wieder über die Par tials«,sagte Madison. »Das kann der Senat immer noch am besten.« »Wäre es ihm zu verdenken ?«, wandte Haru ein. »Immerhin haben die Partials alle Menschen auf der Erde umgebracht.« »Mit Ausnahme der hier Anwesenden«, berichtigte Marcus ihn.»Ich sage ja nicht, dass sie nicht gefährlich waren«, warf Madison ein. »Aber es ist elf Jahre her, seit der letzte Partial gesichtet wurde. Das Leben geht weiter. Außerdem haben wir zurzeit größere Probleme. Ich nehme an, sie werden über die Stimme diskutieren.« »Wir werden es bald herausfinden.« Kira nickte in Richtung Norden. Hinter den Bäumen war das Dach der Sporthalle zu erkennen.

Der Senat hatte natürlich einen eigenen Versammlungssaal, doch Sitzungen wie diese, an denen die ganze Stadt teilnehmen sollte, wurden in der Sporthalle abgehalten. Die Plätze waren meist nicht vollständig besetzt, doch die Erwachsenen behaupteten, früher, als es noch Sportveranstaltungen gegeben hatte, sei sie ständig ausverkauft gewesen. Vor dem Zusammenbruch. Kira war damals fünf Jahre alt gewesen. An die alte Welt konnte sie sich kaum noch erinnern, und ihren spärlichen Erinnerungen traute sie nicht. Manchmal sah sie das dunkle Gesicht und das widerspenstige schwarze Haar ihres Vaters vor sich, der sie durch die Brille mit dem klobigen Gestell anblickte. Sie hatten in einem mehrstöckigen Haus gewohnt – sie war ziemlich sicher, dass es gelbangestrichen gewesen war –, und zu ihrem dritten Geburtstag hatte es eine Party gegeben. Freunde im gleichen Alter hatte sie nicht gehabt, also waren keine kleinen Kinder zu Besuch gekommen, aber dafür die meisten Freunde ihres Vaters. Sie erinnerte sich noch, dass er ihr eine große Spielzeugkiste voller Stofftiere geschenkt hatte,die sie allen hatte zeigen wollen. Deshalb hatte sie den Kasten mühsam schnaufend durch den Flur geschoben.In ihrer Erinnerung kam es ihr so vor, als hätte es einehalbe Stunde gedauert, aber in Wahrheit war die Spanne viel kürzer gewesen. Als sie endlich das Wohnzimmer erreicht und gerufen hatte, um die anderen auf ihre Geschenke aufmerksam zu machen, hatte ihr Vater gelacht, sie ausgeschimpft und ins Kinderzimmer bugsiert.

Die ganzen Mühen, in Sekunden zunichte gemacht. Die Erinnerung tat nicht weh, denn sie hatte ihren Vater nie als gemein oder ungerecht empfunden. Es war einfach nur eine Erinnerung. Eine der wenigen, die sie an die alte Welt hatte.Das Gedränge war groß, als die Menschen zwischen den Bäumen hindurch zur Sporthalle strömten. Kira hielt auf der einen Seite Marcus’ und auf der anderen Madisons Hand. Haru bildete das Ende der kleinen Gruppe. Sie schlängelten sich an den anderen Zuschauern vorbei und fanden, genau wie Marcus es sich vorgestellt hatte, eine freie Sitzreihe in der Nähe einer Tür. Marcus hatte natürlich recht. Wenn Senatorin Kessler sich in Rage redete oder wenn Senator Lefou sich über Lieferpläne und andere langweilige Themen ausließ, brauchten sie einen leicht zugänglichen Fluchtweg. Die Pflicht zur Teilnahme war eine Sache, aber sobald das Wichtigste besprochen war, wären sie nicht die Einzigen, die sich davonstehlen würden. Als die Senatoren die Bühne betraten, rutschte Kira unruhig auf ihrem Platz hin und her und fragte sich, ob Haru recht hatte.

Dan Wells

Über Dan Wells

Biografie

Dan Wells studierte Englisch an der Brigham Young University in Provo, Utah, und war Redakteur beim Science-Fiction-Magazin »The Leading Edge«. Mit »Ich bin kein Serienkiller« erschuf er das kontroverseste und ungewöhnlichste Thrillerdebüt der letzten Jahre. Nach seinen futuristischen Thrillern um...

Medien zu »Aufbruch«

Pressestimmen

Südhessen Woche

»Die Geschichte um Kira und ihre Freunde sorgt für Höchstspannung.«

Bücher Magazin des Kölner Stadt-Anzeigers

»Wells fragt sein junges Publikum: Was macht einen Menschen zum Menschen? Und wo beginnt künstliche Intelligenz? Eingebettet in ein düsteres apokalyptisches Szenario, zwingt der Autor (...) die Leser, Stellung zu beziehen.«

Com-On!

»Dan Wells kann nicht nur packende Thriller schreiben, auch mit diesem Werk fesselt er die Leser jeden Alters. (...) Eine wirklich unglaubliche Geschichte, die fasziniert und begeistert, einen aber auch nachdenklich stimmt.«

Ostsee Zeitung

»Bis zum Ende bleibt die Geschichte unvorhersehbar und spannend.«

Legimus

»Wer diese packende Mischung aus Thriller und Science-Fiction lesen will - und dies sei jedem empfohlen -, sollte viel Zeit einplanen, um es im ›schlimmsten‹ Fall in einem Rutsch lesen zu können.«

Mitteldeutsche Zeitung

»Der ›Aufbruch‹ ist ein Abenteuerbuch, mehr Huckleberry Finn als ›The Stand‹. Gerade darum aber von ganz eigenem Reiz: Ein Einführungsangebot für die Leserinnen und Leser der Artur C. Clarkes und Cormac Mc Carthys von morgen.«

Literaturforum

Natalie77: »Das Buch fesselte mich von Beginn an und das riss auch nie ab. ... Für mich ist ›Partials 1:Aufbruch‹ ein richtiger Pageturner an dem es nichts auszusetzen gibt.«

Literaturforum

Kathrinverdeen: »Partials 1 - Aufbruch ist eine erschütternde, düstere und Nerven aufreibende Zukunftsvision, die nicht nur Dystopie-Fans begeistern wird.«

Literaturforum

»Partials 1 ist genau das richtige für Fans dunkler Dystopien und hier wird sicher jedes Leserherz höher schlagen.«

Buchwelten

»Eine spannende Geschichte, die gute Charaktere mit einer gelungenen Handlung verbindet. Ich habe den Roman schwer zur Seite legen können, weil ich so gefesselt war, wie seinerzeit von den John Cleaver Romanen.«

FRIZZ - das Magazin

»Die Idee der Geschichte ist wirklich sehr interessant. Man wird sofort in das spannende Geschehen verwickelt und legt das Buch nur ungern aus der Hand.«

Dresdner Neueste Nachrichten

»In ›Aufbruch‹, dem ersten Roman der Partials-Reihe, nutzt Dan Wells das Szenario einer post-apokalyptischen Welt, um zeitlose Themen aufzugreifen: den Konflikt zwischen gesellschaftlicher Kontrolle und Freiheit des Einzelnen, den Konflikt zwischen Generationen und die Frage, wie weit Individuen bereit sind zu gehen, um ihre Interessen durchzusetzen.«

literatopia

»Aufbruch, der Auftakt der Partials-Trilogie, gestaltet sich rasant und unglaublich spannend: Ein wahrer Pageturner, der mit einem packenden Thrillerplot und einer dichten Atmosphäre überzeugt.«

bubbly-books.blogspot.de

»Es ist auf jeden Fall ein Must-Have in jedem Dystopie oder Sci-Fi Regal.«

fantastic-book-blog.blogspot.de

»Das Buch überzeugt durch seine nervenaufreibende, spannende Handlung, wunderbar vielschichtigen Protagonisten und einer Geschichte, die jeden Leser ins Grübeln bringt. Wer also Lust hat, sich im Strom aus grandioser Unterhaltung mitreißen zu lassen, sollte Partials 1 auf jeden Fall lesen! Absolute Leseempfehlung!«

booksection.de

»Wells ist einer dieser Autoren, die mit Worten etwas schaffen, das einen in seinen Bann zieht, das dafür sorgt, dass man auch nach dem Lesen nicht mehr wirklich aus der Welt des Buches herauskommt und das am Ende lange nachklingt.«

mem-o-ries.de

»Das Buch fesselte mich von Beginn an und das riss auch nie ab. Ich fand es faszinierend zu lesen welchen Weg Kira geht und was sie alles auf sich nimmt. Für mich war ›Partials 1: Aufbruch‹ ein richtiger Pageturner, an dem es nichts auszusetzen gibt.«

lost-pages-time.blogspot.de

»Auch ich reihe mich in die Schlange der Begeisterten ein. Von der ersten Seite an schafft es der Autor, mich mit einer packenden Geschichte zu überzeugen. Dan Wells Schreibstil hat sich, kurz und knapp, richtig gut angefühlt. Sein Stil hat den nötigen Pep und Schwung, um der Geschichte einen einwandfreien Lauf zu geben. Seine Zukunftsvision konnte mich von Beginn an packen und hält mich bis zum Schluss gefangen.«

his and her books

»Ein Must-Read für Dystopie-Fans«

Nautilus - Abenteuer&Phantastik

»Die junge Kira wächst den Lesern schnell ans Herz.«

Kommentare zum Buch

Rinchens Bücherwelt am 18.10.2013

Eine schockierende und zugleich erschütternde Zukunftsvision, die spannend und fesselnd vom Kampf ums Überleben der Menschheit erzählt und zahlreiche überraschende Wendungen parat hält.

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