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Auf Zehenspitzen berühre ich den HimmelAuf Zehenspitzen berühre ich den Himmel

Auf Zehenspitzen berühre ich den Himmel

Roman

Taschenbuch
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Auf Zehenspitzen berühre ich den Himmel — Inhalt

Im strömenden Regen Walzer tanzen, die eigenen Kinder aufwachsen sehen, den leiblichen Vater kennenlernen: Poppy hatte in ihrem Leben noch so viel vor. Doch als die 32-Jährige die Diagnose Krebs erhält, bereitet ihr der Gedanke an die Zukunft vor allem eines: Angst. Plötzlich scheint der Himmel so nah. Sie müsste sich nur auf die Zehenspitzen stellen, um ihn zu berühren. Aber noch ist sie da. Noch kann sie ihre Träume und Wünsche in die Tat umsetzen, die Arme ausbreiten und fliegen.

€ 9,99 [D], € 10,30 [A]
Erschienen am 19.10.2015
Übersetzt von: Karin Dufner
384 Seiten, Broschur
EAN 978-3-492-30783-3
€ 8,99 [D], € 8,99 [A]
Erschienen am 19.10.2015
Übersetzt von: Karin Dufner
384 Seiten, WMEPUB
EAN 978-3-492-97165-2

Leseprobe zu »Auf Zehenspitzen berühre ich den Himmel«

Prolog


Oft erinnere ich mich an den Tag unserer Hochzeit und lasse die schönsten Momente Revue passieren. Ich habe vor Augen, wie wir nach der Trauung lachend zum Pub gingen. Fest und besitzergreifend hielt er meine Hand und war mir immer einen kleinen Schritt voraus, so als wolle er mich führen. Ich folgte ihm gern, denn ich fühlte mich sicher und geborgen. Der Inhaber des Cafés an der Ecke fuhr mit seinem Transporter vorbei. » Oho, jetzt heißt es ja Mister und Missis ! «, rief er aus dem Fenster. Zum ersten Mal wurden wir so genannt und bekamen [...]

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Prolog


Oft erinnere ich mich an den Tag unserer Hochzeit und lasse die schönsten Momente Revue passieren. Ich habe vor Augen, wie wir nach der Trauung lachend zum Pub gingen. Fest und besitzergreifend hielt er meine Hand und war mir immer einen kleinen Schritt voraus, so als wolle er mich führen. Ich folgte ihm gern, denn ich fühlte mich sicher und geborgen. Der Inhaber des Cafés an der Ecke fuhr mit seinem Transporter vorbei. » Oho, jetzt heißt es ja Mister und Missis ! «, rief er aus dem Fenster. Zum ersten Mal wurden wir so genannt und bekamen prompt einen Lach­anfall. Nach meinem Empfinden sah ich ziemlich alltäglich aus, ja, vielleicht sogar schäbig. Denn schließlich trug ich weder ein schickes Kleid, noch war ich sonst so ausgestattet, wie es sich für eine Braut eigentlich gehört. Aber wenn ich heute die Fotos von meinem jüngeren Ich betrachte, muss ich zugeben, dass es äußerlich gar nicht so schlecht um mich bestellt war. Ich strahlte und schien vor Glück förmlich zu leuchten. Dagegen wäre auch das tollste Kleid nicht angekommen. Später in jener Nacht kroch ich neben meinen Mann in unser wackeliges Bett. Die Gasheizung zischte und mühte sich nach Kräften, die feuchte Kälte aus dem Zimmer zu vertreiben. Mir schmerzte vom vielen Lachen und dem ständigen Lächeln das Gesicht. Wir waren beide müde, und ich war gerade am Einnicken. Die Augen fielen mir zu, und ich kuschelte mich gemütlich ein, als er plötzlich Licht machte und sich aufsetzte. Ich schlug die Augen auf und fragte mich, was los war. Vielleicht forderten die sieben Guinness und der Döner auf dem Heimweg nun ihren Tribut. Er legte sich wieder hin, drehte sich zur Seite und stützte den Kopf auf den Ellbogen. » Ich liebe dich so sehr «, sagte er dann. » Ich möchte dir den Mond schenken, mit einer riesendicken Schleife drum herum. Meine Frau ! Ich habe eine Ehefrau, und zwar nicht irgendeine, sondern die allerwundertollste Ehefrau auf der ganzen weiten Welt. « Ich lachte, und das Glück loderte in mir hoch wie kleine Flammen. » Erzähl mal ! «, fuhr er fort. » Erzähl mir, was du dir wünschst, und irgendwie werde ich es schaffen, dass du es auch bekommst. « Dann flocht er die freie Hand in meine Finger. Ich weiß noch, wie ich die Höcker unserer Fingerknöchel ­nebeneinander betrachtete, die schmalen Eheringe Seite an Seite, blitzblank und neu. » Ich wünsche mir gar nichts, ich habe doch dich «, flüsterte ich, und das war die schiere Wahrheit. Er schüttelte den Kopf. » Nein, das habe ich nicht gemeint, mein Schatz. Wenn du alles haben könntest, alles, was möglich ist, was würdest du dir wünschen ? « Sein Gesicht leuchtete so erwartungsvoll wie das eines Kindes. Ich legte mich auf den Rücken, schloss die Augen und malte mir eine Welt für uns beide aus, in der ich alles haben konnte und alles möglich war. » Nun … « Ich schluckte. » Ich hätte gern zwei Kinder, einen Jungen und ein Mädchen, die glücklich und geborgen aufwachsen. Und sie sollen sein wie wir, nur klüger und hübscher. « » Nun, das dürfte kein Problem sein. « Er lachte. Ich hielt die Augen geschlossen und blieb in der Welt, die er für mich geschaffen hatte. » Und ich hätte gern einen Swimmingpool. Einen nierenförmigen … « » Warum einen nierenförmigen ? «, unterbrach er mich. » Weil rechteckige Pools offenbar die billigste Ausführung sind. Einen nierenförmigen zu bauen dauert viel länger. Wegen der ganzen Kurven. Das kostet mehr. Also würde jeder Besucher allein an der Form erkennen, dass wir genug Kohle haben. « » Schon kapiert. Was sonst noch ? « Er rutschte näher an mich heran. Ich spürte seinen Pfefferminzatem im Gesicht. » Ich hätte gern einen Diamantring. Nicht irgendeinen stinknormalen Diamanten natürlich, sondern einen so groß wie ein Eiswürfel. Und den würde ich allen aus der Schule und dem Wohnblock vorführen, die mich immer verspottet haben und mir einreden wollten, dass ich ein Niemand bin. « Als seine Lippen meinen Hals streiften, fuhr mir ein wohliger Schauer über den Rücken. » Und ich will an einem tropischen Strand liegen, mir den weichen, feinen Sand durch die Finger rieseln lassen und die heiße Sonne im Gesicht spüren. « Das war der Wunsch eines jungen Mädchens, das kaum je aus dem Viertel seiner Kindheit hinausgekommen war. » Also fällt Southend offenbar aus. « Er küsste mich wieder. Ich öffnete die Augen und sah ihn an. » Richtig, Southend kommt überhaupt nicht infrage. « » Bist du fertig ? «, fragte er, während seine Hand unter mein Nachthemd wanderte und auf meinem flachen Bauch liegen blieb. » Fast. « Ich legte meine Hand auf die seine. » Ich möchte mit dir im Regen tanzen, und zwar in einem wunderschönen Kleid. Es muss ein richtiger Tanz sein, ein Walzer zum Beispiel, alt­modisch und romantisch. « Er drehte sich um, rollte sich auf mich und stützte sich auf die Ellbogen. Dann strich er mir das Haar aus dem Gesicht und küsste mich zärtlich auf den Mund. » Den Tanz im Regen sollst du bekommen. « Er bedeckte meine Brust und meinen Hals mit winzigen Küssen, bis mein Herz schneller schlug. » Und was ist mit dir ? «, stieß ich mühsam hervor. » Was würdest du dir wünschen, wenn du alles haben könntest und alles möglich wäre ? « Seine Miene wurde plötzlich ernst. Er sah mir in die Augen und antwortete mit sanfter Stimme. » Ich möchte, dass wir auf dem Land leben, wie wir es uns immer vorgestellt haben. Und ich glaube, wenn wir erst mal irgendwo wohnen, wo es wirklich schön ist, fügt sich der Rest ganz von selbst. « Ich nickte zustimmend, den Kopf an seine Schulter gelehnt. Aufs Land zu ziehen war unser Traum. Er war noch nicht fertig. » Und ich möchte dir alle deine Wünsche erfüllen. Dich glücklich zu machen würde mir genügen. Das wäre eine Welt, in der ich gern leben würde. « » Nun, dann gratuliere ! « Ich strahlte ihn an. » Du machst mich glücklich, also sind wir vielleicht schon dort angekommen. « Lachend rutschte ich, die Arme weiter um ihn geschlungen, ein Stück im Bett hinunter. » Da wäre noch etwas … «, raunte ich ihm ins Ohr. Er hörte auf, mich zu küssen, und seufzte leise. » Bist du ­sicher, dass das dann alles war ? « Ich nickte. » Ich wüsste gern, wer mein Dad ist. « Die Ab­wesenheit dieses wichtigen Menschen war mir an meinem Hochzeitstag besonders bewusst geworden. Plötzlich trat mir eine Träne aus dem Auge und rann die Wange hinunter. Er küsste sie weg. » Sei nicht traurig ! «, flüsterte er. » Nicht heute Nacht. « Ich schniefte und lächelte. Als er die Bettdecke über unsere Köpfe zog, schienen wir in unsere eigene kleine Blase eingeschlossen zu sein, die uns vor der Welt schützte. So als könne uns niemand erreichen und uns Schaden zufügen. Ich dachte, unser Traumort wäre tatsächlich erreicht, wenn ich jede Nacht meines Lebens so empfinden würde wie in diesem Augenblick: im Bett neben dem Mann, den ich liebe, und in dem Wissen, dass nichts uns etwas anhaben kann. Und ich hatte recht.


Eins

» Tschüss, Oma Claudia ! « Peg reckte die Hand über den Kopf und winkte, um den Abschied bis zum letztmöglichen Moment hinauszuzögern. Sie beobachtete, wie Großmutter Claudia im Heckfenster immer kleiner wurde. » Es war das schönste Weihnachten aller Zeiten ! « Das waren genau die Worte, die sie von ihrer Tochter jedes Jahr hören wollten. Peggy machte es sich wieder in ihrem Kindersitz bequem. Ihr kleiner Bruder Max döste in seinem Sitz neben ihr. Poppy lächelte ihrem Mann zu, während dieser das Auto aus Clanfield hinauslenkte, dem Dorf in der Nähe von Oxford, wo sie die Feiertage bei der geliebten Mutter ihres verstorbenen Freundes Miles verbracht hatten. Die stilvolle und hoch­gebildete Claudia war für die Kinder eine Ersatzgroßmutter und für Poppy eine weise Ratgeberin, und sie genoss diese Rolle. Ihr einziger Sohn Miles, ein Journalist, war vor einigen Jahren von einer Autobombe getötet worden, und außerdem war sie nun schon seit vielen Jahren Witwe. Poppy schloss die Augen und ließ die vergangenen Weihnachtstage Revue passieren: ein goldbrauner Truthahn mit sämtlichen Beilagen, ein strammer Winterspaziergang mit den Kindern, als der Tag der Dämmerung wich, und dunkler Portwein in Kristallgläsern, der sie vor dem knisternden Kaminfeuer in den Armen ihres Mannes in wundervollen Schlummer versetzt hatte. Peg hatte recht: Es war das schönste Fest aller Zeiten gewesen. » Was war eigentlich dein schönstes Weihnachten, Mum ? «, flüsterte Peg. » Oh, ich glaube, dieses Jahr war es ziemlich konkurrenzlos. « Sie tätschelte den Oberschenkel ihres Mannes auf der anderen Seite der Mittelkonsole ihres Golfs. Die Freude, dass er über­raschend früher von seinem Auslandseinsatz zurückgekehrt war, hielt noch immer an. » Und was war dein allerbestes Weihnachtsgeschenk ? « » Dass Daddy nach Hause gekommen ist, ganz klar. « Poppy lächelte strahlend. » Und als du noch klein warst ? « Peg schüttelte sich die karamellbraunen Ponyfransen aus den Augen. Sie brauchte dringend einen neuen Haarschnitt. Poppy betrachtete die schneebedeckten Hecken vor dem Fenster und die Abfalltonnen, die von Geschenkpapier überquollen und auf die Müllabfuhr warteten. Ihre Tochter erfuhr nur beschönigende Schilderungen ihrer in Armut verbrachten Jugend. Sie wollte sie nicht mit der Vorstellung beunruhigen, dass ihre Mum früher Not gelitten hatte. Als Kinder waren Poppy und Martin am Heiligabend, jeder in seiner feuchtkalten Wohnung, stets mit einem aufgeregten Flattern im Magen zu Bett gegangen. Obwohl beide nicht hatten wissen können, ob sich am nächsten Tag ihre Träume wirklich erfüllen würden. Es konnte genauso gut sein, dass es wieder nur ein trister Tag wie alle anderen würde. Und tatsächlich hatte sich dieser Tag als so trist wie jeder andere entpuppt. Doch das hatte ihrer Vorfreude keinen Abbruch getan. Immerhin bestand ja die winzige Möglichkeit, dass die Gerüchte stimmten: Wenn sie brav gewesen waren, würden sie viele schöne Geschenke bekommen. Poppy war ein kluges Kind und hatte deshalb rasch durchschaut, dass die Sache mit dem Weihnachtsmann nichts als eine unverfrorene Lüge war. Und dennoch war die bange Erwartung zwei Stunden vor dem Schlafengehen fast schmerzhaft gewesen. Sie klammerte sich daran, dass es irgendwo vielleicht doch so etwas wie Magie gab. Die Enttäuschung, am Weihnachtsmorgen aufzuwachen und feststellen zu müssen, dass es wieder nur ein Misttag war, wenn auch mit einem Stück kalt gewordenem Truthahn, einem Teller Bratkartoffeln und einigen dem Anlass gemäßen schäbigen Lamettasträngen, wollte sich einfach nicht legen. So lange, bis sie geheiratet und selbst Kinder bekommen hatte. Nun konnten sie und Martin Peg und Max die Weihnachtsfeiern bieten, auf die sie selbst hatten verzichten müssen, und damit die traurigen ­Erinnerungen vertreiben. Poppy drehte sich zu ihrer Tochter um. » Nun, von meinen Geschenken weiß ich nicht mehr viel. Aber in einem Jahr, als meine Großeltern in ihren Sesseln eingeschlafen waren … « » Oma Dot und Opa Wally ? «, unterbrach Peg, um zu zeigen, dass sie die handelnden Personen auseinanderhalten konnte. » Genau. « Poppy lächelte. » Jedenfalls war meine Mum ­irgendwo unterwegs. « Kurz stand ihr das Bild vor Augen, wie Cheryl nach Hause gekommen war. Kichernd und eine kaputte Jahrmarkttröte zwischen den Lippen, war sie an der Wand hinuntergerutscht, umwabert von einer durchdringenden Alkoholfahne. » Ich habe es mir auf dem Sofa gemütlich gemacht und mir Das Wunder von Manhattan angesehen. Dabei habe ich mich richtig weihnachtlich gefühlt und mir gedacht, wie schön es doch wäre, wenn alle Wünsche in Erfüllung gingen. Das war ein ganz besonderer Tag für mich. « » Ich glaube, dass Wünsche in Erfüllung gehen. Ich habe mir gewünscht, dass mein Dad bei uns ist, und er ist zurückgekommen ! « Peg klatschte in die Hände. » Stimmt «, bestätigte Martin, über die Schulter gewandt. Poppy schob sich ihr schulterlanges, stufig geschnittenes Haar hinter die Ohren. » Nun, wie ich schon sagte, hat der Film mir sehr viel bedeutet. « » Ich mag den Film auch, Mum. « Peg strahlte. » Aber ich habe mir die Schwarz-Weiß-Version angesehen, Peg. Das Original. « Peg dachte nach. » Schwarz-Weiß-Filme machen mich echt traurig. « Beim Sprechen betrachtete sie ihre Hände, die sie im Schoß verschränkt hatte. » Warum denn das, Kleines ? «, fragte Martin, den Blick im Rückspiegel. » Weil alle Menschen, die darin vorkommen, nicht mehr ­leben. « Diesen Satz sprach sie mit nach oben gewandten Handflächen und einer Grabesstimme aus, als stünde sie im West End auf der Bühne. Aus irgendeinem Grund fand Poppy das komisch. Sie schlug die Hand vors Gesicht und lachte prustend. Martin erging es nicht anders. Peg verschränkte die Arme vor der Brust. » Ihr zwei macht mich total wahnsinnig ! « Dieser Satz heizte die alberne Stimmung nur noch weiter an, und die beiden lachten, bis sie Tränen in den Augen hatten und nach Luft rangen. » Ich habe dich wirklich vermisst. « Poppy betrachtete ihren Mann, den einzigen Menschen, der bei ihr durch einen Blick im richtigen Moment wahre Lachkrämpfe auslösen konnte. » Ich dich auch. « Er grinste seiner Frau zu, die sich auf dem Beifahrersitz zurücklehnte. » Heute ist Silvester «, verkündete Peg » Ja, Schatz, richtig. Und morgen fängt ein ganz neues Jahr an. Aufregend, findest du nicht ? « » Feiern wir eine Party ? « Mit weit aufgerissenen Augen beugte Peg sich vor. » Nein, ich glaube nicht, dazu sind wir viel zu langweilig. « Poppy malte sich einen Abend allein mit ihrem Mann aus. Die Kinder lagen schon im Bett. Sie beide gönnten sich zwei Gläser Wein und hatten viele Stunden lang Zeit, die endlosen und ­einsamen Monate der Trennung wettzumachen. Der Gedanke erfüllte sie mit Vorfreude. Ihr Soldat war zu Hause. » Jade McKeever sagt, ihre Mum und ihr Dad würden immer eine Party feiern und Champagner, Bier und Cocktails trinken. Im letzten Jahr hat sich ein Freund von ihrem Dad betrunken und unten in den Flurschrank gepinkelt, weil er ihn mit dem Klo verwechselt hat. « » Na, das hört sich ja nach echtem Spaß an. « Poppy lächelte ihren Mann an. » Dazu brauchen wir keine Party, Peg. Ich könnte auch einfach so in den Flurschrank pinkeln. « Martin zwinkerte ihr zu. » Igitt, Dad, das ist ja fies ! « Peg streckte ihm die Zunge ­heraus. » Du hast damit angefangen. « Martin lachte. » Ist Jade McKeever die Tochter von Ross ? « Martin hatte früher öfter mit Ross zusammengearbeitet, der ebenfalls Mechaniker war. » Ja. Und anscheinend ist Jade Pegs neuer Guru. « Poppy verdrehte die Augen. » Wir feiern nie Partys. Ich will, dass ihr auch mal feiert, damit ich auf der Treppe sitzen und zuschauen kann, wie sich alle betrinken. « Peg war nicht mehr zu bremsen. » Auf einer Party muss man sich nicht unbedingt betrinken, Peg. Manchmal geht man nur einfach hin, um zu tanzen, mit seinen Freunden zu reden … « » Und in den Schrank zu pinkeln «, ergänzte Martin. » Ja, das auch. « Poppy versetzte ihm einen Klaps auf den Arm. » Wir hatten ja nicht einmal eine richtige Hochzeitsfeier, stimmt’s, Mart ? « » Genau. Das ganze Tamtam haben wir nicht gebraucht. Ich war einfach nur froh, mein Mädchen endlich geangelt zu ­haben. « Poppy erinnerte sich, wie Jenna und einige von Martins Kollegen aus der Autowerkstatt Ta-da-da-da … zur Melodie des Hochzeitsmarschs gejohlt hatten, als sie den Nebenraum des Lokals betraten. » Wer hat denn dann deinen Brautstrauß aufgefangen, Mum, und Schleifen und Blechdosen an euer hübsches weißes Auto gebunden ? « Poppy schmunzelte. Peg hatte eindeutig zu viele Hochzeitsfilme gesehen. » Ich hatte weder einen Strauß noch ein hübsches Auto. Die Feier bestand nur aus Daddy, mir und ein paar Freunden und fand in einem Pub gleich um die Ecke statt. Aber es war ein wunderschöner Tag, auch ohne das ganze Theater. « » Hättest du das gern gehabt – Blechdosen und einen tollen Blumenstrauß ? «, fragte Martin, nun mit ernster Miene. Poppy überlegte. » Manchmal denke ich, es wäre nett gewesen. Aber wenn ich mir einen Stehempfang oder eine große Hochzeitsfeier vorstelle, sehe ich die Chaoten von damals dort. Also habe ich vermutlich nicht viel verpasst. Vielleicht wäre es ja schön, ­irgendwann nachzufeiern. Unsere Silberhochzeit wäre doch ein Anlass, oder ? « Martin nickte. Das klang nach einem Plan und lag außerdem noch in so weiter Ferne, dass er wegen der Kosten und des Aufwands nicht in Panik geraten musste. » Bin ich wirklich dein bestes Geschenk ? «, fragte er. Sie nickte. » Klar. Aber wenn ich einmal reich und berühmt bin, meinen nierenförmigen Swimmingpool habe und dazu ­einen Diamanten von der Größe eines Eiswürfels am Finger trage und außerdem den Tanz im Abendkleid im Regen kriege, könnte sich das womöglich ändern. « » Du würdest mich immer noch brauchen, um dir zu helfen und dein Gepäck zu schleppen, richtig ? « Er beugte sich zu ihr hinüber. » Immer. Das ist schließlich dein Job. Mir aufzuhelfen, wenn ich falle, und mein Gepäck zu schleppen. « » Und böse Männer zu töten ! «, rief Peg von hinten dazwischen. Sie hatten ganz vergessen, dass sie zuhörte, und mussten schon wieder lachen. Als Peg eingedöst war und Max schnarchte, wandte sich Poppy an ihren Mann. » Wie war es ? Drüben ? « Sie starrte nach vorn auf die Straße. Martin blies die Wangen auf und pustete Luft aus. Wie immer würde er seiner Frau die raue Wirklichkeit eines Auslandseinsatzes ersparen. Die erdrückende Einsamkeit, die Langeweile. » Ach, es gab viel zu tun. Jede Menge Arbeit, ein Drecksloch, das Übliche eben. Allmählich habe ich genug davon, das ist mein Ernst, Poppy. « Er fuhr sich mit der Hand übers Gesicht und kratzte sich am Kinn. Sie nickte. Ich auch. » Wenn du ein bisschen länger bleiben kannst, geht es doch wieder, oder ? «, versuchte sie ihn zu trösten. » Das wird mich aufmöbeln, altes Mädchen. Jeden Abend zu dir und den Kindern nach Hause zu kommen ist mein größter Wunsch. Allerdings habe ich keine Ahnung, wann es wieder losgeht. Die Ungewissheit macht mir zu schaffen. « » Ich weiß, ich weiß. « Sie legte die Hand auf die seine und strich mit dem Daumen über seine gebräunte Haut. » Ich finde es schrecklich, von dir und den Kindern getrennt zu sein, aber es führt mir auch vor Augen, welches Glück ich habe. Stell dir nur die anderen Jungs vor, die im Auslandseinsatz sind und keine Verbindung zum Herzen eines anderen haben. « Lächelnd drückte Poppy seine Hand. Das war schon immer ihr Geheimnis gewesen, die Überzeugung, dass etwas ihre Herzen auch über die Grenzen von Zeit und Raum hinaus mit­einander verband. Sie zusammenschweißte, ganz gleich, was geschah. Poppy gähnte ausgiebig. » Hindere ich dich am Schlafen, oder langweile ich dich ? «, witzelte er. » Tut mir leid, es überkommt mich einfach. Ich bin ständig hundemüde. « Sie lehnte sich zurück. » Ha ! Ich reise kreuz und quer durch die Welt, steige von ­einem Flugzeug ins andere und bleibe die halbe Nacht wach, und du gähnst ! «, frotzelte er. » Ich weiß. Und ich finde es anstrengender als erwartet, dass du die ganze Zeit weg bist. Aber nun bist du wieder hier, und alles wird anders. « Beim Lächeln zog sie die Nase kraus. Das hatte Peg von ihr geerbt. Etwa eine Stunde später hatten sie die Hügellandschaft von Wiltshire erreicht. » Verdammt schön hier, nicht wahr ? « Lächelnd beugte sich Martin über das Lenkrad, um den klaren Himmel und die schneebedeckten Felder zu bewundern. Poppy nickte. Sie hatten die Betonwüste von East London gegen diese weite grüne Landschaft eingetauscht und sich noch immer nicht an diese Idylle gewöhnt. Sie stieg aus dem Auto und blickte zu ihrer Dienstwohnung hinüber, einem von zwölf identischen Häusern, die in den Siebzigerjahren im Auftrag des Verteidigungsministeriums erbaut worden waren. Von außen wirkte es zwar kastenförmig und nicht sonderlich ansehnlich, doch das kombinierte Wohn- und Esszimmer war recht geräumig, und in der quadratischen ­Küche konnte man sich gut bewegen. Außerdem gab es zwei ziemlich große Schlafzimmer und noch ein drittes, das die Bewohner entweder als Arbeitszimmer oder wie Poppy und Martin für das zweite oder dritte Kind nutzten. Martin hob das Gepäck aus dem Kofferraum. » Mein Gott, ist das elend kalt ! Hoffentlich hast du die Heizung nicht aus­gemacht. « Poppy schnalzte tadelnd mit der Zunge. » Natürlich nicht. Oder glaubst du, ich lasse bei diesem Wetter die Wasserrohre einfrieren ? Ich komme auch ohne dich klar. Es ist ein Fall von Friss, Vogel, oder stirb ! « Als sie auf das Haus zugingen, versetzte Martin ihr einen Klaps aufs Hinterteil. Jo, ihre Nachbarin, kam in Pantoffeln den Gartenweg entlang und strich sich errötend das Haar glatt, das sie hastig mit einem Band zusammengefasst hatte. » Mart ! O Gott, mit dir habe ich gar nicht gerechnet ! Was machst du denn zu Hause ? Ich dachte, du hättest noch mehrere Monate. « » Stimmt, aber die haben den Einsatz vorzeitig beendet. « Er lächelte. » Ich wollte Poppy nichts verraten, nur für den Fall, dass sie noch einmal umdisponieren. Du kennst ja das ständige Hin und Her. « Jo nickte. » Da redest du mit der Richtigen. « » Es wurde alles in letzter Minute entschieden. Und so war ich am Weihnachtsmorgen in aller Frühe in Oxford. « » Du Glückspilz ! «, rief Jo und zwirbelte das Geschirrtuch in ihrer Hand zusammen. Sie hätte ihren Mann auch gern zu Hause gehabt. » Mit Danny alles in Ordnung ? «, erkundigte sich Martin nach seinem Freund, mit dem er gern einen trinken ging oder den Spurs die Daumen drückte, wenn ein Spiel im Fernsehen lief. Er gehörte zu den Letzten, die nach Afghanistan geschickt worden waren. » Schon. Du weißt ja, wie es ist. « Jo zuckte die Achseln. Sie brauchte ihm nicht zu erklären, wie traurig es war, ausgerechnet zum Weihnachtsfest voneinander getrennt zu sein. » Richte ihm liebe Grüße aus. « Martin nickte anteilnehmend. » Wird erledigt, Kumpel. Sag Pop, sie soll sich keine Gedanken machen. Eigentlich wollten wir heute Abend eine Flasche Wein köpfen und ein bisschen glotzen. Wir können ja nächste Woche mal ein Schwätzchen halten. « Jo blieb unschlüssig stehen. Martin nickte ihr noch einmal zu. Auf keinen Fall würde er zulassen, dass Poppy diese Verabredung einhielt. An diesem Abend wollte er sie ganz für sich allein. Poppy stand in der Küche und beobachtete, wie sich ihr Mann zur Tür hereinzwängte, beladen mit Taschen voller Wäsche und Geschenken sowie dem Kram, der sich bei jeder Fahrt im Auto ansammelte. » Du bist zu Hause «, flüsterte sie. » Es sieht wunderschön hier aus ! « Lächelnd betrachtete Martin das makellos gepflegte Ledersofa, die blitzblanken Laminatböden, die ordentlich zurechtgeklopften Kissen und die staubfreien Oberflächen. Beim Anblick des winzigen Weihnachtsbaums und der kleinen Weihnachtsmänner auf dem Beistelltisch schmunzelte er. Er war dankbar, dass sie sich die Mühe mit dem Schmücken gemacht hatte, obwohl sie während der Feiertage verreist gewesen waren. Die weihnachtliche Dekoration verbreitete eine heimelige Stimmung. Es freute Martin, wie gut Poppy das Haus in Schuss hielt. Immer wenn er die Tür öffnete, spürte er, wie stolz sie darauf war. » Und so verdammt groß ! Wenn man in einem Zelt lebt und sich jeden Tag in einer Gemeinschaftsanlage wäscht, fühlt man sich hier wie in einem Palast. « » Wirklich ? Dann besorgst du mir besser ein Zelt. Ich penne für ein paar Wochen darin, komme zurück und mache Luftsprünge, wenn ich diese Bruchbude sehe. « Poppy legte ihrem Mann die Arme um den Hals, küsste ihn auf den Mund und fuhr ihm mit den Fingern durch das kurz geschorene helle Haar. Er wusste, dass sie das Haus liebte, gern für Ordnung und Sauberkeit sorgte und es ganz und gar nicht in die Kategorie Bruchbude einstufte. » Wie schnell werden wir die Kinder los ? «, flüsterte er ihr mit rauer Stimme ins Haar. » Nun, kommt drauf an. Wenn mir jemand beim Kochen hilft und sie in ihre Schlafanzüge steckt, würde die Sache erheblich beschleunigt. « » Dein Wunsch ist mir Befehl. « Martin klatschte laut in die Hände. » Also, Peg, Maxy, was wollt ihr zum Abendessen ? « Die beiden polterten ins Wohnzimmer. » Chicken-Nuggets, Pommes, Erbsen und Schokopudding bitte, Dad ! «, rief Peg. » Ja, Nuggets ! « Max nickte zustimmend. » Gleich wird serviert. « Martin verbeugte sich. » Alles auf ­einen Teller ? « Die Kinder kicherten. » Es ist so toll, dass mein Daddy zu Hause ist ! « Peg hüpfte auf und nieder wie ein Gummiball. Max ahmte es sofort nach. » Weißt du was, Baby ? Warum gehst du nicht duschen und ruhst dich ein bisschen aus «, sagte Martin zu Poppy, während er auf die Küche zusteuerte. Poppy lächelte. Sie fand es auch toll, dass Daddy zu Hause war. Sie warf den Slip auf die Jeans und das T-Shirt, die bereits in einer Ecke des Badezimmers auf dem Boden lagen, und ließ das Wasser in die Dusche plätschern. Gewöhnlich sprang sie unter den kalten Strahl und fing mit dem Waschen an, während sich das Wasser erwärmte. Doch an diesem Abend nicht. Stattdessen legte sie ihr seidenes Nachthemd, den Morgenmantel und ihr einziges zusammenpassendes Set aus Höschen und BH ­zurecht und stellte die Parfumflasche bereit, um sich rasch einzusprühen, bevor sie wieder nach unten ging. Er ist zu Hause ! Sie lächelte in den Spiegel und warf sich lasziv in Pose: das Haar über einer Schulter, die Wangen leicht eingezogen, große Augen. Poppy lachte. Sie war eine Niete darin, die Sexgöttin zu mimen, und wusste nach achtzehn gemeinsamen Jahren, dass Martin das nur komisch und nicht verführerisch finden würde. Außerdem fühlte sie sich auch so schon sexy genug. Das Badezimmer war in Dampf gehüllt, als sie das heiße Wasser über sich hinwegfließen ließ. Sie drückte sich einen Tropfen des neuen teuren Duschgels auf die Handfläche – ein Geschenk von Claudia, das sie unbedingt für besondere Anlässe aufsparen wollte. Nun, dieser Abend war eindeutig ein besonderer Anlass: Silvester. Wieder lächelte sie bei dem Gedanken, dass ihr Mann sich nur ein Stockwerk unter ihr aufhielt, nicht viele Kilometer weit entfernt mit dem einen oder anderen Meer dazwischen. Poppy schnupperte an der schimmernden bernsteinfarbenen Flüssigkeit. Sie roch nach Vanille und Honig – wundervoll. Sie rieb die Handflächen aneinander, bis Schaum entstand, und fuhr sich dann über Arme, Hals und Brust. Wie die meisten Menschen hielt sie sich beim Waschen an eine bestimmte, ­immer gleichbleibende Bewegungsabfolge, in der sie ihre einzelnen Körperteile einseifte. Davon abzuweichen hätte irgendwie gestört. Als sie darüber nachdachte, musste sie schmunzeln. Wie lange hatte es wohl gebraucht, bis dieser Ablauf zur Gewohnheit geworden war ? Fingen andere vielleicht mit den Füßen an und arbeiteten sich von dort aus nach oben vor ? Poppy verzog das Gesicht – so etwas passte überhaupt nicht. Sie fing laut zu singen an. » Let your love flow … « » Mum ! Mum ! « Peg klopfte laut an die Badezimmertür, rüttelte an der Klinke und stellte zu ihrer Freude fest, dass nicht abgeschlossen war. Sie kam herein und griff nach Poppys seidenem Nachthemd mit den Spitzensäumen und dem Schlitz an der Seite. » Was ist denn das ? Mum, ist das ein Kleid ? Das sieht aber schön aus ! Gehst du doch zu einer Party ? « Poppy hielt den Kopf in den Wasserstrahl, um ihr rot angelaufenes Gesicht zu verbergen. » O nein, das ist nur ein sehr bequemes Nachthemd ! Es kühlt angenehm, wenn man schwitzt. « Peg strich mit dem Finger über den seidigen Stoff. » Aber draußen schneit es ein bisschen, Daddy friert ! « Poppy gab sich der Tatsache geschlagen, dass die ihr zugestandene Zeit zum Alleinsein nun vorbei war, und stellte die ­Dusche ab. » Ja, doch manchmal kann es ein wenig heiß werden, wenn wir die Heizung anlassen. « » Warum schaltest du sie dann nicht ab ? « Peg hatte den Kopf zur Seite geneigt, die Nase gekraust und musterte ihre Mutter. » Guter Vorschlag, Schatz. Das mache ich. « Während Poppy sich in ein großes Handtuch wickelte und sich mit den Fingern durchs Haar fuhr, zog Peg sich das Nachthemd ihrer Mutter über den Kopf und steckte den Saum in ihre Jeans. » Dad sagt, dass wir auf das Trampolin dürfen. « Sie klatschte in die Hände. Bei einem schönen Ereignis oder einem Jahrestag sprang die ganze Familie Trampolin, wobei zuvor entschieden wurde, wie viele Sprünge erlaubt waren. Zehn war das Maximum. Die ­anstehende Geburt von Max vor zwei Jahren war eine Zehn wert gewesen. Ebenso wie der Verlust von Pegs erstem Milchzahn. Die Anlässe waren manchmal recht unkonventionell. » Wirklich ? Heute Abend ? « Nur mit Mühe unterdrückte Poppy einen Anflug von Ungeduld. So hatte sie sich den Auftakt zu einer leidenschaftlichen Nacht nicht vorgestellt. » Ja ! Wir haben Silvester ! Und wir können uns auf so vieles freuen. « Poppy küsste das kleine Mädchen auf die Stirn. » Ja, das stimmt, mein Schatz. « » Nächstes Jahr werde ich schließlich neun. Und ich kriege ein Haustier, ja ? « Poppy nickte und griff nach ihrer Zahnbürste. Sie hoffte weiterhin, dass die Anschaffung eines Meerschweinchens doch noch ihren Reiz verlieren würde, obwohl Martin sofort einverstanden gewesen war. » Und im nächsten Schuljahr will ich Klassenbuchführerin werden. Ich werde ganz brav sein, Mum, und nicht zu viel reden, wenn Mrs Newman spricht. Und mein Lineal benutze ich nur, um Linien zu zeichnen, nicht um andere Kinder zu hauen. Außerdem trete ich nächstes Jahr um diese Zeit vielleicht bei X Factor auf. « » Warum, sitzt Mrs Newman in der Jury ? «, murmelte Poppy und spuckte den Zahnpastaschaum ins Waschbecken. » Nein ! « Peg seufzte auf. » Aber Jade McKeever und ich üben gerade einen Tanz und ein Lied ein und bewerben uns. « » Ihr seid doch erst acht ! « Peg verdrehte die Augen. » Natürlich schwindeln wir auf dem Bewerbungsformular ein bisschen. « » Aha, natürlich würden die niemals damit rechnen ! « Poppy tippte sich an den Nasenflügel. » Dann viel Glück dabei, ein Star zu werden ! Welches Lied wollt ihr denn singen ? « » Es ist von Miley Cyrus, aber ich habe den Text noch nicht gelernt. Jade bringt ihn mir bei. « Peg hüstelte und stemmte die Hände in die Hüften, als würde sie in die luftigen Höhen des Teenagerolymps erhoben, nur weil sie den Namen der Sängerin kannte. Poppy sprühte sich Parfum an Hals und Handgelenke. Peg schnupperte ausgiebig. » Ich finde dein Parfum klasse, Mum. Du riechst so schokoladig. « » Schokoladig ? Oh, sehr gut. « Poppy lachte. Martin kippte vor Schreck fast um, als er Peg mit dem Seidennachthemd seiner Frau über dem Kapuzenpulli die Treppe herunterlaufen sah. Poppy folgte ihr in ihrem karierten Bequempyjama und Bettsocken. » Was zum … ? «, begann er. » Peg wollte ein Schwätzchen halten, als ich mich gerade ­umgezogen habe, und hat mein Nachthemd entdeckt. « Poppy lächelte breit und gekünstelt. » Mummy zieht das nur an, wenn es heiß wird «, verkündete Peg sachlich, setzte sich an den Tisch und schob sich ein großes Stück Pommes in den Mund. » Äh, wenn ich mich recht entsinne, benutzen wir beim Essen Besteck, mein Schatz. « Martin bemühte sich um einen strengen Gesichtsausdruck. » Oh, Dad, du bist so lustig ! «, kicherte Peg, griff mit den Fingern nach einem Chicken-Nugget und tunkte es in die Ketchuppfütze am Rand ihres Tellers. » Und nach dem Essen springen wir Trampolin ? «, fragte Poppy. » Nun, es ist Silvester, und wir kriegen ein neues Haustier. « Er zwinkerte. » Mart, sie wickelt dich um den Finger. « » Kannst du mir bitte etwas zu trinken holen, Mummy ? «, ­nuschelte Peg mit vollem Mund. Poppy sprang auf. » Da spricht genau die Richtige ! «, rief Martin ihr nach. Lächelnd drehte Poppy den Wasserhahn auf. Es war ein schönes Gefühl: wieder Normalität, Familienleben, jeder dort, wo er hingehörte, nämlich sicher und geborgen unter dem Dach ihres kleinen Hauses in Larkhill. Als sie den Kühlschrank öffnete, entdeckte sie eine Champagnerflasche und im obersten Fach zwei gekühlte Gläser – welch wundervolle Aussicht ! Nachdem das Geschirr gespült und weggeräumt war und die Kinder in ihren wattierten Schneeanzügen steckten, gingen sie alle fröhlich lachend hinaus in ihr quadratisches Gärtchen. Martin kletterte als Erster auf das Trampolin. Er trug Jeans, Sweatshirt und Socken. Die Gummistiefel hatte er ordentlich nebeneinander auf den Boden gestellt. Poppy reichte ihm Max, der so dick eingepackt einem Michelinmännchen ähnelte. Er ­kicherte und fand die ganze Veranstaltung offenbar komisch. Peg stieg selbst hinauf, feierlich ausstaffiert mit einem Skianzug und einem neongrünen Ballettröckchen darüber. Ihr Gesicht war fast völlig unter Kapuze und Schal verborgen. Poppy ging in Pyjama, Bademantel und dicken Socken an Bord. Das Oberteil aus Fleece hatte sie bis zum Kinn geschlossen, und eine gestreifte Bommelmütze bedeckte ihre Ohren. Martin hielt Max fest, als sie sich auf dem schwankenden Untergrund im Kreis aufstellten und sich an den Händen fassten. » Okay, Familie Cricket. « Martin sprach im Flüsterton, und sein Atem bildete Wolken in der kalten Dezemberluft. » Wie viele Sprünge ? Ich stimme für vier. « Er lächelte seiner Frau zu. » Vier ? «, schrie Peg auf. » Auf gar keinen Fall ! Zehn ! Maxy will auch zehn, das merke ich genau. « Max klatschte und rief » Ente ! «, sein derzeitiges Lieblingswort. » Okay. « Martin sah alle Mitglieder seiner Familie der Reihe nach an. » Also, das wären vier von mir, zehn von Peg und eine Ente von Maxy. Mummy, deine Stimme entscheidet. « Poppy rang nach Luft und schlug die Hand vor die Brust. » Ach, herrje, das ist aber eine schwere Verantwortung. Da muss ich nachdenken … « » Zehn, zehn, zehn ! «, leierte Peg im Singsangton. Während sie auf und nieder hüpfte, geriet das Trampolin ins Schwanken, ­sodass alle fast das Gleichgewicht verloren. » Ich stimme für … zehn ! «, verkündete Poppy. Kreischend sprang Peg noch heftiger umher, und da Poppy nicht damit gerechnet hatte, fiel sie um. Sie stieß einen Schrei aus, als Martin neben ihr landete. Er hielt Max’ Fäustlinge ­umklammert, während der Kleine in der Lücke zwischen seinen Eltern hin und her tanzte. Schließlich hatte Peg ihre Sprünge hinter sich gebracht und landete mit einem lauten Schrei auf ihrer Mutter. Max folgte dem Beispiel seiner Schwester, und bald lagen alle übereinander auf dem Trampolin, lachten, bis sie keine Luft mehr bekamen, und blickten in den klaren Winterhimmel hinauf. Nach einer Weile wurde ihr Atem wieder langsamer, und der Lärm verebbte. Martin langte über die dicke Plane des Trampolins und griff nach der Hand seiner Frau. » An keinem Ort auf der Welt wäre ich in diesem Augenblick lieber als hier bei euch. « Poppy hob seine Hand an die Lippen und küsste sie. » Mir geht es nicht anders. « » Es wird das beste Jahr, das wir je erlebt haben, Poppy. Das weiß ich genau. « Sie lächelte in die Dunkelheit hinein. » Ja, mein Liebling. Das allerbeste. «

Amanda Prowse

Über Amanda Prowse

Biografie

Amanda Prowse kündigte vor fünf Jahren ihren Job als Unternehmensberaterin, um sich fortan nur noch dem Schreiben zu widmen. All ihre Bücher haben drei Dinge gemeinsam: Sie halten uns nachts davon ab, die Nachttischlampe auszuknipsen. Sie erzählen Geschichten, die mitten aus dem Leben gegriffen...

Medien zu »Auf Zehenspitzen berühre ich den Himmel«


Pressestimmen

Dolomiten Tagblatt der Südtiroler (A)

»Eine kleine, feine Geschichte voller Emotionen. Bewegend.«

Daily Mail

»Dieses Buch als ›zutiefst berührend‹ und ›inspirierend‹ zu bezeichnen, grenzt an Untertreibung.«

Heat

»Eine tränenreiche und unterhaltsame Lektüre.«

Cosmopolitan

»Halten Sie für jede Seite ein Taschentuch bereit.«

Kommentare zum Buch

Eine berührende und dramatische Geschichte
Arietta am 11.11.2015

Meine Zusammenfassung und Meinung zum Buch:   Diese Geschichte von Poppy hat mich sehr tief berührt und mitgenommen. Oft musste man beim Lesen schlucken und manche Träne bahnte sich ihren Weg. Man leidet und fühlt mit als die junge Ehefrau von Martin und Mutter zweier süßer und aufgeweckter Kinder der 9 Jährigen Peg und des Jährigen Maxy, mit gerade mal mit 32 Jahren an Krebs erkrankt, einer besonders bösartigen Form und die als unheilbar gilt. Man spürt ihre Angst vor dieser Ausweglosigkeit, auch ihre Kinder nicht mehr Aufwachsen zu sehen, ihren Lieben Kummer , Gram und Schmerz zuzufügen, niemals mehr draußen im Regen mit Martin Walzer zu tanzen , einmal Urlaub in der Südsee zu machen. Poppy möchte so gerne noch einmal so richtig Glücklich sein, sie versucht mit aller Macht gegen ihr Schicksal aufzubegehren , nimmt alles auf sich, all diese Medikamente und Therapien, sie gibt die Hoffnung nicht auf, sie hat noch so viele Wünsche, sie möchte ihren Feind diese fiese Bazillen bekämpfen, so erklärt sie es Peg. Ihre Medikamente sind für Poppy die Tretboote die die bösen Zellen den Kampf ansagen und ihn vernichten sollen. Sehr schön fand ich das Martin sie immer so liebevoll unterstütze und ihr im Kampf und Verzweiflung beistand. Auch die kleine Peg fand ich Süß, wie sie sich um ihre Mum bemühte. Poppy größter Wunsch ist es immer noch endlich etwas über ihren Leiblichen Vater zu erfahren, den ihre Mutter so beharrlich Totschweigt. Kampf, Hoffnung, Angst , Freude und Leid wechseln sich miteinander ab. Eine Geschichte voller unerwarteter Wendungen, spannend und fesselnd bis zum Schluss.       Meine Meinung zur Autorin:   Amanda Prowse hat mit ihrem Roman " Auf Zehenspitzen berühre ich den Himmel" , eine sehr Emotionale und Aufwühlende Geschichte geschrieben, die einem unter die Haut geht. Man leidet als Leser mit der jungen Poppy und ihrer Familie mit, den nicht nur Poppy ist betroffen auch ihre Familie und Freunde. Die von diesem unerwarteten Schicksalsschlag alle betroffen sind. Man erlebt ihren Kampf gegen diesen bösen , hinterhältigen und unsichtbaren Feind. Sie hat das ganze mit viel Fingerspitzengefühl erzählt. Es ist alles sehr real, authentisch und bildhaft beschrieben. Ihre Protagonisten kommen sehr lebendig und glaubhaft herüber. Die Einzelnen Charaktere, Gefühle, Hoffnungen und Ängste sind sehr gut geschildert. Ihr Schreibstil ist Klar, fesselnd , mitreißend und sehr Emotionsvoll.   Wenn man dieses Buch einmal angefangen zu lesen hat, legt man es nicht mehr aus der Hand. Tipp Tempo box bereit halten.       " Ein berührender und dramatischer Roman, der einem unter die Haut geht " 

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