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Ancient Blades

Ancient Blades

Die Metropole der Diebe (Ancient Blades 1)

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Ancient Blades — Inhalt

Seit Jahrhunderten ist sie uneinnehmbar: die freie Stadt Ness, die Metropole der Diebe. Um ihren größten Schatz zu stehlen, lässt sich der junge Schurke Malden auf den gefährlichsten Coup seines Lebens ein. Er muss tun, was keinem vor ihm gelang: in die Burg der Stadt Ness eindringen. Als wäre diese Aufgabe nicht schon schwierig genug, bekommt er auch noch unerwünschte Unterstützung. Ritter Croy, eben noch aus der Stadt verbannt und seines Schwerts Ghostcutter beraubt, versucht sowohl seine Ehre als auch die Zuneigung der Zauberin Cythera zurückzugewinnen. Gemeinsam geraten die beiden Gefährten wider Willen in ein Abenteuer, das seinesgleichen sucht.

€ 4,99 [D], € 4,99 [A]
Erschienen am 08.11.2011
Übersetzt von: Andreas Decker
496 Seiten, WMEPUB
EAN 978-3-492-95560-7

Leseprobe zu »Ancient Blades«

Prolog

 

In der Freien Stadt Ness lebten beinahe hunderttausend Menschen dicht gedrängt beieinander – wie Ratten, die man in ­einen viel zu kleinen Sack gesteckt hatte. Die Stadt maß weniger als eine Meile im Durchmesser und füllte jede Nische des Hügels aus, der von einer hohen Verteidigungsmauer umgeben war. Wenn man um Mitternacht von einem zwei Meilen entfernten Berg aus zu ihr hinübersah, stellte sie das einzige Licht in der nächtlichen Landschaft dar. Wie ein glühendes Holzscheit inmitten dunkler Felder, die dem Horizont entgegenwogten. Das nur [...]

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Prolog

 

In der Freien Stadt Ness lebten beinahe hunderttausend Menschen dicht gedrängt beieinander – wie Ratten, die man in ­einen viel zu kleinen Sack gesteckt hatte. Die Stadt maß weniger als eine Meile im Durchmesser und füllte jede Nische des Hügels aus, der von einer hohen Verteidigungsmauer umgeben war. Wenn man um Mitternacht von einem zwei Meilen entfernten Berg aus zu ihr hinübersah, stellte sie das einzige Licht in der nächtlichen Landschaft dar. Wie ein glühendes Holzscheit inmitten dunkler Felder, die dem Horizont entgegenwogten. Das nur eines ordentlichen Windstoßes bedurfte, um hell und unberechenbar aufzulodern.

Der Anblick ließ Bikker grinsen, obwohl er genau wusste, dass es sich bloß um eine Sache der Perspektive handelte. Er war ein Hüne von Mann mit einem buschigen Bart und einem magischen Schwert am Gürtel. Er wusste nicht, wie die anderen beiden Angehörigen der Verschwörergruppe darüber dachten, aber er hätte die Freie Stadt Ness nur zu gern brennen gesehen.

Die Lichter, die er sah, kamen von tausend Fenstern und den Öfen Hunderter Werkstätten und Manufakturen. Die Stadt belieferte das Königreich Skrae mit sämtlichem benötigten Eisen und Stahl, einem Großteil aller Lederwaren und einem endlosen Strom von Löffeln und Gürtelschnallen sowie Laternen und Hornkämmen. Die Gilden arbeiteten die Nacht durch, und das jede Nacht, denn die Nachfrage war schier endlos. Aus ­jedem Schornstein stieg Rauch empor, brodelnde Säulen aus Dunkelheit, die die Sterne verfinsterten, während die Hälfte der Fenster der Stadt von brennenden Kerzen erleuchtet wurden, weil ein Heer von Schreibern, Sekretären und Buchhaltern etwas in ihre Kontobücher kritzelten.

Am Fluss erhoben sich hell erleuchtete Spielhäuser, während Huren lange Prachtstraßen entlangmarschierten und ­Laternen schwenkten, um Passanten anzulocken. Es hatte den Anschein, als wäre die halbe Stadt noch auf den Beinen. » Glaubt Ihr, dass einer von ihnen ahnt, was auf sie zukommt ? «, fragte Bikker.

» Um unserer Pläne willen bete ich, dass es nicht so ist «, sagte sein Auftraggeber. Bikker hatte den Mann noch nie zuvor zu Gesicht bekommen. Selbst jetzt verbarg sich der Drahtzieher der Verschwörer in einer abgedunkelten Kutsche, die von zwei weißen Pferden gezogen wurde, die mit den Hufen scharrten. Sie trugen kein Brandzeichen, und der Kutscher war neutral gekleidet. Die Kutsche hätte zu jedem besseren Haushalt gehören können – sämtliche Insignien waren entfernt worden.

Eine schlanke weiße Hand schob sich aus dem Kutschenfenster und hielt einen Beutel voll Gold an seinen Schnüren. Bikker nahm die Bezahlung – die letzte Rate von vielen – und schob sie unter sein Kettenhemd. » Um Euretwillen rate ich zu versiegelten Lippen.«

» Keine Sorge, wenn ich will, kann ich sehr verschwiegen sein «, sagte Bikker mit einem Lachen. » Dabei gäbe das hier eine wirklich tolle Geschichte ab ! In einem Monat wird Aufruhr in der Stadt herrschen, die Toten werden sich in den Straßen auftürmen. Wie viele Lichter wird man dann wohl noch ­sehen ? Und niemand wird je erfahren, welche Rolle ich dabei gespielt habe.«

» Nein, das wird keiner «, sagte der dritte Verschwörer. Bikker richtete den Blick auf Hazoth, dessen Antlitz ein dicker Schleier aus schwarzem Krepp verhüllte. So sehr Bikker es auch verabscheute, mit gesichtslosen Gefährten Geschäfte zu machen, war er über diesen Schleier doch ganz froh. Es war nicht gut, in das entblößte Gesicht eines Zauberers zu schauen. » Wenn du nicht den Mund halten kannst, werde ich dafür sorgen, dass du es tust. Vergiss nicht deinen Platz. Deine Rolle in all dem hier ist minimal.«

Bikker zuckte mit den Schultern. Das wusste er nur zu gut. Man hatte ihn für verschiedene kleine Aufgaben in den Dienst genommen, aber hauptsächlich deswegen, weil er vermutlich die einzige Person in der Stadt war, die die beiden hätte aufhalten können, falls er gewollt hätte. Als er sich einverstanden erklärt hatte, sich mit ihnen zu treffen – und dann das zögerliche, verstohlene Angebot angenommen hatte –, waren sie auf eine fast schon lächerliche Weise dankbar gewesen. Sein Ruf eilte ihm voraus, und sie hatten nicht gewagt, seine Eitelkeit zu verletzen. Aber sie ließen ihn auch nie vergessen, dass er ihr Laufbursche war. » Ich tue, was man mir sagt … wenn man mich bezahlt. Gold hat so seine Art, jede Zunge zum Schweigen zu bringen. Mir ist schon klar, dass ich ihn nicht zu fragen brauche « – Bikker wies mit dem Daumen auf den Mann in der Kutsche – » aber was habt Ihr davon, Zauberer ? Was kann er Euch bezahlen, das Ihr nicht einfach selbst herbeizaubern könntet ? «

» Ich habe mich einverstanden erklärt, Hazoths … Expe­rimente zu übersehen, sobald ich der Herrscher der Stadt bin «, sagte der Mann in der Kutsche. » Bereitet Euch das Unbehagen ?«

In der Tat hatte es eine Zeit gegeben, in der das Bikker Anlass zum Grübeln gegeben hätte. Zauberer konnten gefährlich sein. Hazoth stank nach Schwefel und dem Höllenpfuhl, und er war zu Dingen fähig, die kein Sterblicher je zustande gebracht hatte. Manchmal machten Zauberer Fehler, und die ganze Welt musste dafür bezahlen. Das Schwert an Bikkers Seite war ein Vermächtnis, wie hoch dieser Preis einst gewesen war – es war eingeschworen auf die Verteidigung des Reiches gegen die Dämonen, die ein Zauberer herbeibeschwören konnte, und dabei aber die Kontrolle über sie verlor.

Es hatte eine Zeit gegeben, da war auch Bikker dieser Verteidigung verpflichtet gewesen. Aber die Welt hatte sich verändert. Die Zeiten hatten sich verändert. Er selbst hatte sich verändert. Jeder Glaube, den er einst vielleicht an den Adel oder die Pflicht gehabt hatte, war von einem Mühlrad zermahlen worden, das sich zwar ausgesprochen langsam drehte, aber nie zur Ruhe kam. Einst war er ein Verteidiger der Menschheit gewesen.

Jetzt zuckte er bloß noch mit den Schultern. Er schaute zur Stadt herab. Von hier aus gesehen, hätte sie genauso gut ein Nest von Termiten sein können, die wimmelnd auf ihrem Dunghügel herumkletterten. » Bringt sie alle um. Von mir aus könnt Ihr sie auch an Eure Schoßtiere verfüttern, Hazoth ! Ich bin dann schon so weit weg, dass es mir völlig egal ist.«

» Richtig. Das Gold in diesem Beutel wird dich weit bringen. Und es gibt noch mehr, sobald du deinen Teil unseres Plans erfüllt hast. Du weißt, was du als Nächstes zu tun hast ?«

» Oh, aye «, sagte Bikker. Er spuckte in Richtung der Stadt, als wollte er die dort wimmelnden Flämmchen mit einem Treffer auslöschen. » Als Nächstes muss ich unseren ahnungslosen vierten Mann finden.« Ein Narr war erforderlich, jemand, der nicht die geringste Ahnung haben würde, was er da eigentlich tat. Ohne eine derartige Marionette konnte der Plan nicht funktionieren. » Ich muss einen Dieb für uns auftreiben.«

 

TEIL EINS

FETTE BEUTE

1

Kleine böse Wesen lauerten in den Schatten; ihre Augen funkelten hell im Zwielicht. In jeder ausgebrannten Hausruine hörte Malden ihre verstohlenen Schritte. Gelegentlich flüsterten sie miteinander. In diesem Teil der Stadt gab es keine Lichter, und der Nebel verbarg Mond und Sterne. Die Laterne in Maldens Hand warf einen gelben Lichtschein auf die verfallenen Wände oder zeigte ihm, wo das Kopfsteinpflaster aus dem Boden gerissen worden war und tiefe Schlammpfützen auf unvorsichtige Fußgänger warteten. Aber die Laterne vermochte die Finsternis nicht zu durchdringen, die sich in den zerstörten Häusern und Ställen sammelte; sie zeigte ihm auch nicht, wer ihn da so aufmerksam beobachtete.

Das alles gefiel ihm ganz und gar nicht.

Ihm gefiel der Zeitpunkt nicht, der für dieses Treffen angesetzt worden war, eine Stunde nach Mitternacht. Ihm gefiel der Ort nicht, unten an der Stadtmauer in der Nähe des Flusstors, im Aschehaufen, wie man diese Trümmerlandschaft nannte. Im Jahr seiner Geburt war dieses Viertel im Feuer der Sieben Tage niedergebrannt. Da die billigen Absteigen und Schenken den Ärmsten der Armen gehört hatten, hatte man keinerlei Anstrengung unternommen, alles wieder aufzubauen oder die Ruinen abzureißen. Hier lebte keiner freiwillig, also hatte man den Aschehaufen dem Verfall preisgegeben. Nun spross Unkraut zwischen geborstenen Pflastersteinen, während Schlingpflanzen heruntergestürzte Dachschindeln erdrosselten oder sich langsam durch die uralten geschwärzten Ziegelsteine fraßen. Irgendwann würde die Natur dieses Viertel wieder ganz erobert haben, und Malden, der seit dem Tag, da er zur Welt gekommen war, keinen Fuß über die Grenzen der Stadt hinaus gesetzt hatte, empfand Unbehagen bei der Vorstellung, dass selbst die Stadt – für ihn das Symbol von Beständigkeit – zerfallen, sterben und ersetzt werden würde.

Hinter ihm huschte etwas über die Straße. Er fuhr herum und versuchte es mit dem Lichtstrahl zu erhaschen. Maldens Reflexe waren geschärft, trotzdem war er nicht schnell genug. Er erkannte nicht, was es war, er sah nur, dass es in einem klaffenden Loch verschwunden war, wo sich einst ein Fenster zur Straße hin geöffnet hatte. Seine Hand griff nach der Ahle, die er an der Hüfte trug, aber er wagte sie nicht zu ziehen, solange es nicht unbedingt nötig war. Malden war Veteran vieler Straßenkämpfe und wusste, dass man seine Waffe nur dann zeigte, wenn man sie auch einsetzen wollte.

Er drehte sich langsam auf den Fersen um, musterte die leeren Eingänge auf beiden Seiten und die gewundenen kleinen Gassen, die zwischen den Häusern verliefen. Er sehnte sich danach, etwas Festes im Rücken zu haben. Vor ihm erhob sich ein Backsteinhaus – oder vielmehr die Ruine davon. Ein Dach gab es nicht mehr, eine Wand war eingestürzt. Die restlichen drei Wände standen jedoch noch, und wenn es ihm gelang, es bis dorthin zu schaffen, musste er zumindest keine Angst mehr haben, hinterrücks angegriffen zu werden. Mit hoch erhobener Laterne eilte er los – als ein Geräusch in unmittelbarer Nähe ihn jäh zum Innehalten zwang.

Einer seiner Beobachter hatte hinter ihm die Straße betreten. Ein Fuß war in eine Pfütze getreten. Als Malden dieses Mal herumfuhr, ergriff der Unbekannte jedoch nicht die Flucht. Dieses Mal blieb er stehen.

Noch während des Umwendens hatte Malden die Hand auf die Waffe gelegt. Aber er zögerte, sie zu ziehen, als er das ­Geschöpf sah, das ihm gegenüberstand. Es war ein Kind, ein Mädchen, kaum älter als sieben Jahre. Sie trug ein selbst gewebtes schmutziges Kleidchen und statt Schuhen Lumpen um die Füße. Mit beiden Händen hielt sie einen Hammer umklammert. Ihr Blick blieb auf Maldens Gesicht gerichtet, und sie blinzelte nicht einmal.

Malden breitete die Hände aus und zeigte, dass sie leer waren. Er trat einen Schritt auf die Kleine zu, und als sie nicht die Flucht ergriff, einen zweiten. Er griff nach ihr – und plötzlich wimmelte es auf der Straße von zerlumpten Kindern. Sie schienen aus dem Nebel zu kommen, als wären sie aus Kälte und Feuchtigkeit plötzlich wie Pilze hervorgesprossen. Es waren Jungen und Mädchen verschiedenen Alters, aber sie waren alle ähnlich gekleidet, trugen zerrissene Hemden und Kleidchen, die zu groß für ihre dürren Gestalten waren. Und alle waren mit behelfsmäßigen Waffen ausgestattet. Einer Zimmermannsäge. Einer Schumacherahle. Einer Latte, gespickt mit Nägeln. Einer Kette. Ein Junge, etwas älter als die Übrigen, hielt das Beil eines Waldarbeiters gegen den Oberschenkel gepresst, als wisse er, wie man damit umging.

Eine Bande aus Waisenkindern, dachte Malden. Eine Bande aus Straßenkindern, die sich in ihrer Armut zusammengerottet hatten, um jeden zu überfallen, der dumm genug war, sich nachts in diese Gegend zu wagen. Ein zerlumptes kleines Heer; es waren Dutzende. Malden war überzeugt davon, selbst den ältesten Jungen in einem fairen Kampf besiegen zu können, aber ihren Mienen war abzulesen, dass ihnen Vorstellungen wie Fairness oder Gerechtigkeit völlig fremd waren. Für sie waren derlei Begriffe so unwirklich und sagenhaft wie die Kontinente, die Gelehrten zufolge hinter dem Horizont lagen. Sie würden sich alle auf ihn stürzen und so lange auf ihn eintreten und einschlagen, bis er tot wäre, und sie würden keine Gnade kennen.

Sie warteten darauf, dass er den ersten Zug tat. Zu fliehen oder zu kämpfen versuchte. Nicht, weil sie sich nicht anzugreifen trauten, sondern weil er einen Fehler begehen, die Chancen falsch einschätzen sollte. Jede Schwäche würden sie ausnutzen und kurzen Prozess mit ihm machen.

Malden befeuchtete sich die Lippen und wandte sich auf der Suche nach einem Unterschlupf langsam um. Aber offensichtlich gab es kein Entkommen. Es sei denn … es sei denn, die stumme Zusammenrottung, die bohrenden Blicke hatten noch eine andere Bedeutung.

» Ihr wartet auf ein Passwort oder Zeichen «, sagte er, » aber ich habe nur dies hier.« Er fasste in seinen Umhang. Sie bewegten sich auf ihn zu, zogen den Kreis enger, aber er griff nicht nach der Waffe. Stattdessen schlüpften seine flinken Finger in seinen Geldbeutel und zogen den Pergamentfetzen hervor, der ihn zu dieser gottlosen Stunde an diesen wider­wär­tigen Ort gelockt hatte. Er entfaltete ihn vorsichtig – das alte Papier brach in der Mitte auseinander, aber er hielt die Stücke zusammen – und zeigte die Botschaft, die er erhalten hatte.

Dieses Haus GEHÖRT ZU UNS

Und sein Besitzer steht unter meinem Schutz.

Komm ALLEIN zur nächsten Geisterstunde

In den Aschehaufen an der Westmauer – oder

Du bist TOT vor der nächsten Morgendämmerung.

Über David Chandler

Biografie

David Chandler wurde in Pittsburgh, Pennsylvania, geboren und lebt in New York. Nachdem er für die Vereinten Nationen arbeitete, schreibt er heute phantastische Romane. Bei Piper erschien seine High-Fantasy-Reihe »Ancient Blades«, welche die aufregenden Abenteuer des Diebes Malden, des Ritters Croy...

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