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Als Oma bist du ja ganz nettAls Oma bist du ja ganz nett

Als Oma bist du ja ganz nett

Wie meine Mutter ein Enkelkind bekam

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Als Oma bist du ja ganz nett — Inhalt

Muss sie mich denn Oma nennen?

Gerade ist man mit sich und dem eigenen Leben im Reinen, die Kinder sind aus dem Haus und man erfreut sich als Frau im besten Alter am Erreichten und an den schönen Dingen des Lebens. Da ruft die Tochter an: "Mama, ich bin schwanger." Denkt man da "Jetzt schon?" oder "Endlich!"? Anja und Hanna Maier berichten witzig und warmherzig von Oma-Umstellungsschwierigkeiten, neuen und alten Diskussionen über Namen, Erziehung und Eltern-Bohei und davon, wie ein Enkelkind das Familienleben auf den Kopf stellt.

€ 9,99 [D], € 10,30 [A]
Erschienen am 10.03.2014
240 Seiten, Broschur
ISBN 978-3-492-30377-4
€ 9,99 [D], € 9,99 [A]
Erschienen am 10.03.2014
240 Seiten, WMEPUB
ISBN 978-3-492-96267-4

Leseprobe zu »Als Oma bist du ja ganz nett«

Meine Mutter und ich. 


Eine Mutter-Mutter-Kind-
Geschichte


Wie wir uns entfernen und ich 
das Glitzerfest aus der Distanz betrachte

 

 

Meine Mutter ist jetzt Oma. Das ist vielleicht ein seltsamer Satz. Meine Mutter ist jetzt die Oma von Sophie. Und noch viel seltsamer klingt folgende Aussage: Ich bin Sophies Mama. Wenn ich in den Spiegel blicke, sehe ich eine Mittzwanzigerin, die es hasst aufzuräumen, gerne ausschläft und gerne Kraftausdrücke verwendet. Sehen so Mütter aus? Blicke ich mir meine Mutter an, sehe ich eine Endvierzigerin, der [...]

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Meine Mutter und ich. 


Eine Mutter-Mutter-Kind-
Geschichte


Wie wir uns entfernen und ich 
das Glitzerfest aus der Distanz betrachte

 

 

Meine Mutter ist jetzt Oma. Das ist vielleicht ein seltsamer Satz. Meine Mutter ist jetzt die Oma von Sophie. Und noch viel seltsamer klingt folgende Aussage: Ich bin Sophies Mama. Wenn ich in den Spiegel blicke, sehe ich eine Mittzwanzigerin, die es hasst aufzuräumen, gerne ausschläft und gerne Kraftausdrücke verwendet. Sehen so Mütter aus? Blicke ich mir meine Mutter an, sehe ich eine Endvierzigerin, der V-Ausschnitte sehr gut stehen, die sich viel mit Freunden trifft, eine glückliche Ehe führt und mich erschrocken anschaut, wenn ich ungezügelt fluche. Sehen so Omas aus? Offenbar schon, heutzutage zumindest.

Früher waren wir nur Mutter und Tochter, wir kreisten um uns und unsere typischen, sich wiederholenden Konflikte. Aber durch Sophie mussten wir uns beide fragen, warum wir uns eigentlich ständig streiten. Sind wir so, weil wir der anderen gegenüber ein Bild erfüllen wollen? Nach dem Motto: Ich provoziere dich, Mama, weil ich mich von dir abgrenzen will.

Durch das Enkelkind gab es neuen Abstand in unserer Beziehung, den wir beide dringend brauchten. Abstand zu dem, was in den letzten fünfundzwanzig Jahren passiert war. Als ich nämlich nur die Tochter meiner Mutter war. Auch Abstand zu diesen Vorwürfen, die in so vielen Mutter-Tochter-Beziehungen eine Rolle spielen: »Du warst nicht richtig für mich da.« »Nein, du verstehst nur meine Situation von damals nicht.« »Muss ich auch nicht, ich bin ja das Kind.« »Aber du bist mein Kind, du warst dabei.« Und so weiter. Durch den Abstand zu diesem Henne-Ei-Problem sind wir uns nähergekommen, auch wenn es noch über uns hängt. Uns eint heute ein großer gemeinsamer Nenner: das Kind. Es hat uns verknüpft, hat uns zu Verbündeten auf (Fast-)Augenhöhe gemacht. Heute darf ich auch böse Schimpfwörter in den Mund nehmen, ohne Angst vor dem Urteil meiner Mutter zu haben. Lange geht das aber auch nicht mehr gut, weil ich mich dann für Sophie zurückhalten muss. Dann werde ich es sein, die sich die Standpauke von der Kindergärtnerin anhören muss, dass Sophie ständig »Scheiße« sagt.

Was bisher geschah: Sommer vor vier Jahren. Im Garten meiner Eltern wird gefeiert. Sie feiern so einiges, ich weiß das, weil ich die Einladung bekommen habe. Sie feiern, dass sie seit 20 Jahren zusammen sind und dass jeder von ihnen 45 geworden ist. Ursprünglich hatten sie überlegt, ein zweites Mal zu heiraten, weil das erste Mal ein bisschen unromantisch war. Stefan hat sich gewehrt, deshalb setzte Anja sich mit dieser Party zwischen den Himbeersträuchern durch. Die meisten Menschen in diesem Garten wissen das alles vielleicht nicht so genau. Ich weiß es aber. Anja und Stefan haben alle eingeladen, die sie kennen. Es ist vermutlich ein rauschendes Fest. Stefan stand ewig in der Küche und hat gewerkelt, gekocht und gebraten. Anja hat gedeckt, organisiert und telefoniert. So ist die typische Rollenaufteilung. Der Nachmittag bricht an, und der Garten füllt sich mit Leben. Vermutlich haben sie die grüne Lichterkette angemacht, die bei Partys immer zum Einsatz kommt. Den Rest des Jahres schwingt der Wind sie aber einfach zwischen zwei Bäumen hin und her. Deshalb muss man dann auch immer mindestens zwei Glühlampen auswechseln, wenn es wieder etwas zu feiern gibt. Und heute Abend gibt es was zu feiern. Denke ich. Denn ich bin nicht da. Ich bin nicht gekommen zur großen Liebesverkündungsfeier meiner Eltern. Absichtlich.

Ein halbes Jahr vor diesem Glitzerfest hatte ich begonnen, Frau Anders jede Woche einmal zu besuchen. Wir sprachen über dies und jenes: die Distanz zu meinen Eltern, das neue Leben mit dem Studium, meine Zukunftsängste, Ängste im Allgemeinen und über meine Mutter. Frau Anders war immer ein bisschen streng mit mir, aber sie half mir, meine Entwicklung dort nachzuholen, wo sie irgendwann mit vierzehn Jahren aufgehört hatte. Sie trichterte mir ein, dass meine Eltern nicht die Heiligen sind, für die ich sie die ganze Zeit hielt. Sie brachte mir bei, Anja als Menschen mit guten Seiten und Fehlern zu sehen. Sie brachte mir bei, mich nicht mehr im Spiegel meiner Mutter zu betrachten. Das ist im Nachhinein alles gut und fortschrittlich gewesen, aber der Weg dorthin hätte Anja und mich fast entzweit. Und der Gipfel dieser Entzweiung fand statt, als alle Gäste fröhlich ihren Sekt schlürften und meinen Eltern zu ihrem wundervollen Leben gratulierten. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir schon seit drei Monaten kein einziges Wort mehr gewechselt.

Einige Wochen vorher saß ich auf dem knarzenden Frau-Anders-Sessel und sagte: »Ich will nicht zu dieser Feier gehen. Ich will nicht so tun, als wäre alles in Ordnung. Ist es nämlich nicht.« Frau Anders langweilte sich, glaube ich, gerade. Sie gab sich alle Mühe, mich das nicht spüren zu lassen, aber ich hatte oft das Gefühl, nur eine von Hunderten Patientinnen zu sein, die ihr jeden Tag immer die gleichen Probleme schildern. Sie blickte auf, vielleicht hatte sie gerade ein Einhorn gemalt, und fragte: »Warum sollten Sie denn hingehen?« »Na, weil man das so macht«, antwortete ich, »das ist meinen Eltern wichtig, und ich gehöre zur Familie. Sie rechnen doch mit mir.« »Aber wenn Sie nicht gehen wollen, dann sollten Sie auch nicht gehen. Letztlich ist es Ihre Entscheidung, wann Sie wo sind. Und bloß weil es eine gesellschaftliche Konvention ist, bei Familienfeiern aufzutauchen, heißt es nicht, dass Sie mit Ihrer Familie heile Welt spielen müssen.« Ich war sehr unsicher, was ich denken sollte und vor allem wie ich handeln würde. Ich wusste, dass es meine Eltern verletzen würde, wenn ich nicht komme. Aber es wäre tatsächlich verlogen gewesen, nach allem, was passiert war.

Angefangen hat es, als ich aufgelöst auf einer Parkbank in Leipzig saß und meine Mutter durchs Telefon anschrie: »Hast du mich lieb?« Tränenüberströmt und völlig neben mir, wusste ich nicht mehr, wer ich war. »Hast du mich lieb? Du bleibst bei mir, stimmt’s?« Bei ihr haben alle Alarmglocken geläutet, sie und Stefan setzten sich sofort ins Auto und holten mich ab. Noch am gleichen Tag fuhren sie dann in den Urlaub und ließen mich bei meinen Großeltern. Zwar hatten sie mich damals gefragt, ob ich mitkommen wolle, aber zu der Zeit konnte ich nicht einmal entscheiden, welche Unterhose ich morgens anziehen sollte. Zwar haben wir ständig geredet, aber sie dachten berechtigterweise, dass ich alt genug sei, mich an sie zu wenden, wenn ich Probleme hätte. Ich weiß jetzt, dass sie die Sache unterschätzt haben und ihnen nicht klar war, wie schlecht es mir ging. Vielleicht war es die Distanz oder meine mangelnde Kommunikation.

Jedenfalls entschied ich, dass es besser wäre, diesen Konflikt alleine zu bewältigen und nicht mehr darauf zu warten, dass meine Eltern für mich einspringen. Auch deshalb kam es dann drei Monate vor dem Glitzerfest zu einem Telefonat, das vermutlich vor allem meine Mutter schockiert hat. Ich wollte ihr irgendwie mitteilen, dass ich nicht mehr ständig mit ihr sprechen möchte. Meine Taktik: Reißaus nehmen. »Mama, ich plane eine Fahrradtour nach Israel.« »Wolltest du nicht mit der Uni nach Frankreich gehen?« Damals empfand ich beides als absolute Form der Selbstentfaltung. »Misch dich nicht in mein Leben ein. Du hast mir überhaupt nichts zu sagen.« Ich meinte das ernst. Das mit der Fahrradtour und das mit dem Einmischen. Ich fühlte mich von ihr unter Druck gesetzt, hatte das Gefühl, sie verlange von mir, jetzt endlich mal klarzukommen mit meinem Leben. Das wollte ich ja auch, es ging aber nur, wenn Anja mir nicht ständig dazwischenfunkte. Sie sagte: »Weißt du, Hanna, wir freuen uns erst, wenn du im Flieger nach Paris sitzt.« Ich wusste, sie macht sich Sorgen, sah aber auch, dass sie überhaupt nicht verstand, worum es ging. Um sie. Ich musste Abstand zu ihr gewinnen, mich selbst erkennen und lernen, selbst zu sehen, wohin ich meine Füße setzte. Bis dahin war meine Mutter immer versucht, mich bei sich zu behalten, sie hatte Angst davor, mich zu verlieren. Ich auch. Und durch diese Angst hätten wir uns auch beinahe verloren: »Ich will, dass du einfach wartest, bis ich dich das nächste Mal anrufe. Du hast im Moment in meinem Leben nichts verloren.«

Für mich waren die drei Monate der Funkstille eine Machtdemonstration. Ich hatte das Gefühl klarzumachen, dass ich nicht einfach so und jederzeit verfügbar bin, sondern meine eigenen Bedürfnisse habe, die Anja zu respektieren hatte. Ich weiß, dass es ihr schlecht ging in der Zeit, aber ich war plötzlich ganz bei mir. Und auch bei meinem schlechten Gewissen. Der Tag der Feier war da. Nach Berlin zu fahren wäre kein großer Aufwand gewesen, ich hätte es tun können. Aber ich wollte nicht. Genau deswegen. Um zu demonstrieren, meine Stärke zu zeigen und meine Mutter spüren zu lassen, dass nicht nur ich von ihr abhängig bin. Das Spiel konnte ganz offenbar auch umgedreht werden.

Vermutlich gibt es zwei Arten, diese Zeit zu interpretieren. Entweder war ich einfach ein gefühlskalter Unmensch, der glaubte, seine ganze Umwelt mit seiner postpubertären Luft der Rache verpesten zu können. Oder ich habe dieses seltsam verwobene Band zwischen meiner Mutter und mir ein Stück weit aufgerissen, es darauf angelegt und gehofft, dass sie mit mir zusammen noch mal neu weben würde. Letzteres ist natürlich das von mir bevorzugte Bild. Und wir haben auch gewoben.

Nach einem Gespräch im Spätsommer, das einem Faustkampf glich, begannen wir aufzuräumen. Langsam, aber sicher näherten wir uns wieder an. Jede auf ihrem Standpunkt bleibend, aber einander zumindest die Hände reichend. Immer wieder gab es Rückschläge. Und Momente der Resignation, wenn wir feststellten, dass es doch noch nicht wieder gut ist. Als große Aufräumaktion mit Altkleiderentsorgung und Sondermüllsortierung buchte meine Mutter für unsere Familie eine Reise in die USA. Eine Autoreise. 2000 Kilometer. Das war wirklich mutig. Vier Menschen, die bis vor Kurzem noch nicht mal miteinander sprechen, geschweige denn eine Party zusammen feiern konnten, vier Wochen lang auf engem Raum, keine Fluchtmöglichkeiten, keine Handlungsspielräume. Und kurz vor dem Abflug war ich plötzlich schwanger. Klar hat es dort gekracht. Heftig sogar. Am schlimmsten in Garlic City, einer Stadt, die Tag und Nacht nach Knoblauch, Knoblauchgranulat und Knoblauchzweitverwertung stank.

Aber das war alles Teil der Rehabilitation. Heute haben wir beide etwas, wofür wir die andere bewundern. Und wir haben auch schlicht mehr gemeinsam: Wir sind beide Mütter. Und wir möchten beide, dass diese kleine Sophie wächst und gedeiht. Klar existiert unsere Vergangenheit noch zwischen uns. Wenn die Sprache darauf kommt, ist es oft, als würde sich ein langer Schatten über uns legen. Mein Mund wird dann trocken, die Stimme meiner Mutter dünn. Trotzdem sage ich manchmal aus Spaß zu meinen Freunden: »Wenn du dich mit deiner Mutter schlecht verstehst, dann krieg ein Kind. Das erleichtert alles.« Ich sehe dann immer, wie ihr Gehirn das als echte Option in Betracht zieht. Deshalb sei hier davon erzählt, wie aus Tochter und Mutter eine Matroschka wurde. Die Kleinste kann man nur sehen, wenn man die beiden Größeren öffnet, indem man sie dreht.

 

 

 

1

Hier geht’s los


Ein namenloses Neugeborenes wird tanzender 
MatheCrack und kriegt dann selbst ein Kind



Als sie geboren war, bekam sie natürlich ihren Namen. Sogar zwei: vorn der unterstrichene Rufname, Hanna, dann noch der zweite, Emilie. Trotzdem konnte ich mein Mädchen erst mal nicht damit ansprechen. Ich hatte den Namen zwar ausgesucht, und ich diktierte ihn, noch im Kreißsaal, der Hebamme: Hanna Emilie. Sie schrieb ihn auf: Hanna-Emely. Und weil das gleich zweifach falsch war, übten wir es am nächsten Tag gleich noch mal. Hanna Emilie. Und so stand es schließlich auf dem Heftpflaster an ihrem Babybett. Hanna Emilie. In Kulischrift. Daneben ein winziges Weiblichkeitszeichen.

Lange vor ihrer Geburt stand Hannas Name fest. Mit sechzehn Jahren hatte ich das komplette Œuvre von Rainer Werner Fassbinder inhaliert, sämtliche Filme dieses Wahnsinnigen hatte ich mir reingezogen. Schon damals, Anfang der Achtzigerjahre, stand fest: Sollte ich in diese kranke Welt je ein Kind setzen, würde es heißen wie Fassbinders Muse, die Schauspielerin Hanna Schygulla.

Aber dann war Hanna geboren und blieb tagelang namenlos.

Es lag an mir. Ich konnte sie nicht ansprechen. »Na, du Kleine, du Süße« – derlei verliebtes Zeug sagte ich zu ihr. Ich nahm ihre winzigen Finger und zählte sie nach. Ich betrachtete ihre perlenkleinen Zehen und die rosa Lider im erschöpften Gesicht. Sie hat doch auch einen Namen, redete ich mir gut zu, jetzt sprich sie doch mal damit an! Ich konnte es nicht.

Heute weiß ich, woran es lag. Hanna war die erste perfekte Sache in meinem Leben. Das erste Vorhaben, das geglückt war, und zwar ohne Abstriche. Ich brauchte einfach ein paar Tage, bis ich mir erlaubte zu verstehen, dass es jetzt immer so weitergehen würde, dass dieses Mädchen bei mir bleiben würde und es deshalb eine gute Idee wäre, sie auch mal bei ihrem Namen zu nennen. Hanna.

Wenn Hanna gut drauf ist, ist sie eine Wucht. Das war damals so, und das ist bis heute so geblieben. Sie kriegt dann so ein Schwingen in den Hüften, so ein mädchenhaftes Sirren, und aus ihrem Mund kommen die lustigsten Bemerkungen, die man sich vorstellen kann. Sie hat einen subtilen Humor, der ohne Scheu ist und andere umhauen kann. So etwas nennt man Selbstironie. Als sie ungefähr fünf Jahre alt war, waren wir zusammen auf einem Konzert, so einem kleinen, fünfhundert Zuhörer etwa, vier Bands. Ein kleines Mädchen am Bühnenrand: Hanna. Sie kannte alle Songs, die an diesem Sommersonntag gespielt wurden, es war ja die Musik, die auch zu Hause lief. Sie stand vorn am Bühnenrand, gekleidet in ein unmögliches lilaweiß gestreiftes Kleid, und sang und tanzte. Ich sah sie da vorn, sie zappelte und bewegte die Lippen und guckte nicht rüber – sie machte das sichtlich ausschließlich zu ihrem persönlichen Vergnügen. Es war ein Moment, in dem Fremde vermutlich nur dieses geltungsbedürftige kleine Mädchen da vorn sahen – aber ich erkannte meine Tochter, die es wirklich verstand, auf eine coole Art mit sich allein sein zu können.

Diese Gabe, dieses Alleinseinkönnen, Löcher in die Luft gucken, vor sich hinsingen, etwas schreiben und zeichnen, sich selbst genug sein – diese Gabe trägt Hanna durch ihr Leben. Wenn’s mal hart kommt – Tür zu und Musik an. Oder Tür zu und was schreiben. Bei sich sein. Das geht.

Hart wird es nur, wenn sie zu wenig Schlaf hat. Dann kann sie schon mal sehr ungemütlich werden. Hannas Augen verschieben sich dann, kein Quatsch, sie stehen einfach auf unterschiedlichen Höhen in ihrem Gesicht. Sie weiß eigentlich immer schon selbst, was helfen würde: ein paar Stunden den Stecker ziehen. Aber sie geht erst in ihr Bett, wenn sie ein bisschen Unmut auch an andere verteilt hat. Wenn man sie liebt – und das tun viele –, verbucht man solche Momente unter Stromausfall. Oder unter Netzwerkpflege.

Denn meistens, allermeistens sogar, ist sie guter Dinge. Sehr guter Dinge. Sie quatscht und quasselt, sie plaudert und parliert, dass es eine Freude ist. Sie kennt sich aus mit vielen Dingen und lässt ihre Umwelt gern an ihrem mitunter gut gepflegten Halbwissen teilhaben. Außerdem hat sie die unschätzbare Gabe, sich in andere Leute hineinversetzen zu können, ihnen gut zuzuhören und Dinge auf den Punkt zu bringen.

Schon als sie ein kleines Mädchen war, fanden Partys bei uns zu Hause immer ausdrücklich auch mit Hanna als Gast statt. Sie zog sich etwas Hübsches an und mischte sich mit ihrem Colaglas unter die Gäste. Wir hatten Freunde, die kamen nicht nur, weil wir uns gut miteinander verstanden, sondern auch, weil bei uns eine Neunjährige wohnte, mit der sie ausgesprochen gern den Abend verbrachten. Hanna hatte – und hat – ein überaus vitales Interesse an allem Abseitigen. Sie fragt Leute aus und zieht ihre Schlüsse, an denen sie wiederum ihre Gesprächspartner teilhaben lässt.

Ich kenne ein Ehepaar, das sich damals entschlossen hat, selbst Kinder haben zu wollen, weil sie dieses Kind Hanna kennengelernt hatten. Das ist doch eine Riesensache, wenn man es recht bedenkt – mitverantwortlich dafür zu sein, dass zwei weitere Menschen auf dieser Welt sind.

Als Hanna älter wurde und ins Gymnasium kam, nützte ihr ihre Redegewandtheit natürlich. Sie plauderte sich durch den Geschichts- und den Ethikunterricht, sie war bei Aufsätzen und Gedichtinterpretationen den Tränen nah – so poetisch fand sie, was sie zu sagen hatte. Als es aber um naturwissenschaftliche Fächer ging, stieß sie erstmals an Grenzen.

Es gab einen Lehrer in Hannas Leben, der ihr Dämon und ihr Retter wurde, ohne es selbst wohl jemals begriffen zu haben. Dieser Lehrer, ein Marathon laufender Mathematiker, war reichlich genervt von diesem Mädchen. Er erkannte nicht nur, dass da so eine selbstbewusste Blonde versuchte, sich um seine schönen mathematischen Gesetze herumzumogeln – nein, er sprach es auch angelegentlich eines Eltern-Lehrer-Kind-Gesprächs aus. »Hanna? Da sehe ich für die Abschlussprüfung erhebliche Probleme«, sagte er. Hanna hörte, was er sagte, und verstand, dass da offenbar jemand ernsthaft der Ansicht war, dass sie scheitern könnte. Dass er es möglicherweise sogar für geboten hielt, dieses Mädchen mal verlieren zu lassen.

Jahre später trafen wir diesen Lehrer wieder. Es war die Abiturfeier von Hannas jüngerer Schwester, und als Hanna ihn erblickte, sah ich, wie sich alles in ihr sträubte. Das war unnötig. Denn Hanna hatte sich damals auf ihren Hosenboden gesetzt und in einem Gewaltakt Mathematik gelernt. Und dann, weil es eh schon so wehtat, auch gleich noch Physik und Chemie. Sie hat sich all diesen verhassten, vernagelten Stoff draufgeschafft und letztlich ihre Zehnte-Klasse-Prüfung mit Bravour bestanden. Hier, du Arsch! So etwas in der Preisklasse muss sie gedacht haben.

Die Mathegeschichte blieb ein Menetekel. Hanna wusste ab sofort, dass sie intelligent und organisiert genug ist, alles zu begreifen und sich zu erarbeiten, wenn sie es nur wirklich will. Doch sie begriff nicht sofort, dass es eine Kränkung war, die sie dahin gebracht hatte. Denn niemand – außer ihr selbst – hatte diesen Mathe-Physik-Chemie-Kraftakt von ihr verlangt. Daran, dass solche Anforderungen an sich selbst nicht überhandnehmen und dass sie manchmal doch besser die Tür zumacht und etwas hört oder schreibt – an dieser Fähigkeit, sich selbst zu schützen, schraubt sie bis heute.

Eine echte Hilfe dabei ist natürlich Sophie. Nichts kann einem organisierten Menschen besser seine Grenzen aufzeigen als ein komplett anarchisches Baby. Dieses Kind, blond bewimpert und gut in Schuss, verwendet viel Energie darauf auszutesten, was es seiner Mutter alles zumuten kann. Nur drei Stunden geschlafen? Come on, reich einfach den Kürbisbrei rüber! Den Streit mit Oscar nicht zu Ende gebracht? Unwichtig, solange ich nicht in den Schlaf geschaukelt worden bin. Die Klausur nächste Woche? Sorry, jetzt krieg ich erst mal einen Zahn. So gesehen, ist Sophie die Meisterin in Mütterbezwingung geworden.

Wenn ich an die kommenden Jahre denke, sehe ich nicht nur Hanna mit ihrem Kind. Ich sehe sie auch mit einem Hund, vielleicht einer Katze, eventuell sogar auf dem Rücken eines Pferdes. Der Hund müsste groß sein, die Katze irgendwie kränklich. Diese Neigung, ihre irre Liebe zu Tieren, ist das Terrain, auf dem wir, denke ich, am weitesten voneinander entfernt sind. Ich habe im Grunde Angst vor Viechern – Hanna betet sie an. Geht es um Vierbeiniges, Haariges, neigt Hanna zur Übertreibung. Katzen haben – angeblich! – einen besonderen Draht zu ihr, Hunde können ihr gar nicht groß und brutal genug aussehen. Und Pferde? Sind empfindsame Kreaturen, die einer so gefühlvollen und kenntnisreichen Reiterin wie Hanna bedürfen.

Wenn Hanna Stefan und mich, ihre Eltern, besucht, schmeißt sie sich gleich an unsere Katze ran. Die knufft und streichelt sie, dann schleppt sie sie vor die Tür, wo sich Heidi geduldig die Zecken aus dem Fell fummeln lässt. Diese Katzenorgien sagen mir zweierlei: Hanna findet, dass ich mich nicht ausreichend um das Tier kümmere. Und Hanna würde sich um jeden kümmern, den sie liebt, egal, in welchem Zustand er ist. Und das, man muss es sagen, ist doch weit mehr, als manch andere Menschen von ihrem Kind sagen können. Oder?

 

 

Meine Mutter sucht sich selbst 
und findet das Glück


Meine Mutter hat wirklich Glück. Etwa weil sie zu den circa zehn Prozent der mitteleuropäischen Menschen gehört, die braune Augen und blondes Haar haben? Das gilt ja als besonders schön. Glück, weil sie eine große Frau ist? Statistiken belegen, dass sie damit im Berufsleben eher ernst genommen und sogar schneller befördert wird. Glück, weil sie an einem Ort wohnt, wo jeden Tag, auch bei Regen, die Vögel singen? Oder Glück, weil ihr Leben alles und noch mehr bietet, was sie sich je erträumt hat?

Bis auf die Fähigkeit, richtig gut zu zeichnen, vielleicht. Aber selbst das sagt sie nur aus Bescheidenheit, denn in ihrem Haus hängen manche ihrer Bilder, die ich ganz sicher irgendwann auch bei mir aufhängen will. Neben diesem Haus besitzt sie auch eine Katze, ein altes Haus im Grünen und ein kleines Paddelboot. Doch das alles wäre nicht so schön, wenn sie nicht diesen Mann hätte, der alles mit ihr teilt und der sie zudem auch noch wahrhaft liebt. Und das Allerwichtigste: Zusammen haben die beiden zwei kluge, schöne, atemberaubende Töchter, um die sie ganz sicher jeder beneidet.

Meine Mutter könnte all dieses Glück als Kompassnadel ansehen. Stets nach Norden zeigend, könnte sie darauf vertrauen, irgendwann irgendwo anzukommen. Die Nadel könnte Garantin für eine schöne, ruhige, aber nicht langweilige Zukunft sein. Doch die Kompassnadel meiner Mutter rotiert. Es ist schwer, Anja in einer ruhigen Minute zu treffen, denn sie hat fast keine. Sie ist voller Energie. Aber auch voller Unruhe, denn mit ihrem schicken Kompass sucht sie ständig nach den Wurzeln des menschlichen Seins. Ständig ist sie auf der Suche, schaut überall nach. In ihrem Kalender, auf ihrem Handy, im Fernseher, und immer wieder wispert sie: »Sie müssen doch hier irgendwo sein.« Warum kann sie nicht einfach der Nadel vertrauen und der Dinge harren, die da des Weges kommen?

Vielleicht hat es damit zu tun, dass sie die Kompassnadel erst selbst polen und dann in das Gehäuse einsetzen musste. Sie hatte nicht immer so viel Glück. Sie könnte stolz sein. Vielleicht kann sie ihr Glück nicht so richtig fassen und befürchtet, dass sie, einmal den Kompass zugeklappt, vom Weg abkommen könnte. Diese Befürchtung speist sich wahrscheinlich aus der Vergangenheit.

Es ging schon mit der Schule los. Sie war sowohl durchschnittlich groß als auch durchschnittlich gut. Und sie fand sich auch durchschnittlich hübsch. Leider hatte sie nicht so viel Selbstvertrauen, dass sie ihre Braunäugig- und Blondhaarigkeit zu schätzen wusste. Sie war schon früh auf sich selbst gestellt und musste nach Schulschluss öfter vom Bürgersteig aus das Bürofenster ihrer Mama anschreien: »Mutti Maier! Mutti Maier!« Mutti Maier kam ans Fenster und winkte Anja zu: Komm gut zu Hause an! So wuchs sie zwar geliebt, aber auch ein bisschen alleine in einem gemütlichen und ruhigen Teil Ostberlins auf. Ihre Geschwister waren schon früh aus dem Haus, und Anja vertrieb sich die Zeit mit weißen Mäusen, die sie heimlich in ihrer Schreibtischschublade hielt, dem Verzieren und Naschen von Butterstücken und später dann mit guter Musik und schwarzer Kleidung. Sie wollte nämlich irgendwann nicht mehr durchschnittlich sein, sondern über sich hinauswachsen.

Genau hier muss ihre Suche nach ebenjenen Wurzeln des menschlichen Seins begonnen haben. Sobald sie alt genug war, beschloss sie, in die alte Ostberliner Innenstadt zu ziehen, um Kleider schwarz zu färben, reichlich zu feiern, eine Lehre zur Schriftsetzerin zu machen, zu fotografieren, Identitäten zu erforschen und die Grenzen der Freiheit auszutesten.

Und dann kam ein Mann. Und mit dem Mann kam ich. Als sich herausstellte, dass das Leben ohne ihn erfüllender sein würde, haderte sie nicht lang und zog mit mir aus. Diesmal, als hätte sie es geahnt, in ein Haus direkt an der Berliner Mauer. Im November 1989 trat sie von dort aus zusammen mit mir in ein neues Zeitalter ein. Es schien, als wäre der Fall der Berliner Mauer zwar für Deutschland im Allgemeinen, aber vor allem für Anja im Speziellen gemacht worden. Denn gerade als sie merkte, dass der Rest der Welt wahrscheinlich noch mehr Antworten auf ihre Fragen haben könnte, öffnete sich diese Grenze, und Anja ging mal schauen, was es da auf der anderen Seite so gab.

Manchmal habe ich den Eindruck, dass sie mit dem Schauen bis heute noch nicht fertig ist. Einer ihrer Lieblingssprüche lautet: »Danke, Helmut!« Dieser Tribut an den dicken Kanzler außer Dienst kommt immer dann, wenn sie etwas sieht, was es so nur im Kapitalismus geben kann. Kinderlöffel, die die Farbe wechseln können, nachts leuchtende Plastesterne, bei Kälte reagierende Strohhalme und so weiter. Außerdem alles Funktionale wie Nanotechnik, soziale Netzwerke oder leise schließende Toilettendeckel. Sie ist fasziniert davon, wenn Energie in überflüssigen Luxus gesteckt wird, und auch durchaus bereit, über Farben, Materialien und Preise nachzudenken und zu reden. Sie liebt die Auseinandersetzung mit dem Überflüssigen, weil es bedeutet, dass es existiert und dass sie sich die Zeit dafür nehmen kann. Sie ist eine glühende Verehrerin des schönen Lebens.

Mit dem erheblich vergrößerten Einzugsbereich nach der Wende fand sie auch einen neuen Mann, den besten. Dieser brachte drei Neuerungen mit: gute Musik, gutes Essen und lange Haare. Mit Stefan ging sie es erst mal ganz ruhig an und machte noch ein Kind mit ihm, meine Schwester Kira. Als das geglückt war, zogen wir alle zusammen in den Berliner Speckgürtel, befassten uns mit jenem schönen Leben und waren eine echte Familie.

Anja ist eine liebevolle Mutter, und sie ist es gern. Sie war viel für uns da und hat uns immer das Gute nahegelegt. Sie hat uns gezeigt, dass Freiheit zu leben und zu lieben eine Tugend ist und dass, wer Gutes tut, auch Gutes erfährt. Sie hat uns auch gezeigt, dass man fast alles irgendwann lernen kann, man muss nur »üben, üben, üben«. Oh Gott, wie ich diesen Spruch gehasst habe! Als ob sie immer geübt hätte. Nachdem sie früher, ähnlich wie ich zwanzig Jahre später, nicht viel mehr als Puddingsuppe und Eierkuchen in der Küche zustande brachte, kocht, backt und brät sie heute gern und viel. Buletten, Hackbraten, Knoblauchhuhn und Kuchen aller Art bietet sie wahlweise als »Das war noch übrig«-Essen an, oder sie kredenzt es als »Hab ich nur für dich gemacht«-Gericht. Sie ist großzügig und beschenkt die Menschen gern. Sie liebt Geschenke, vor allem die, die für sie selbst bestimmt sind. An unseren Geburtstagen war es immer dasselbe Ritual. Die Familie sitzt morgens um sechs mit Vivaldi im CD-Player fröstelnd auf der Couch, und nach dem ersten Stück Kuchen haben zwei Menschen im Raum leuchtende Augen. Das jeweils beschenkte Kind und meine Mutter: »Gefällt’s dir?« Kurz: Ihre Familie ist ihr heilig. Sie liebt es, wenn alle sich lieb haben, und am allermeisten, wenn alle sie lieb haben. Nicht dass unsere Familie krisenfest wäre, aber es gibt ein sehr dicht gewebtes Band. Das schlackert hin und wieder, aber zerreißen wird es ganz sicher nicht. Es ist eher ein Leinenband als ein rotes Samtband; der Stoff ist nicht glatt, aber resistent.

Bei ihr steht also das Glück mit Pauken und Trompeten in der Wohnzimmerecke und musiziert Tag und Nacht. Wenn es nicht die Familie ist, was hat sie dann auf die ewige Suche geschickt? Ist es ihr Job, ihre Arbeit? Auch auf dieser Seite der Kompassrose ist alles in Ordnung. Sie wollte immer kreativ arbeiten, sie ist gern und mit nicht nachlassender Begeisterung Journalistin. Sie hat inzwischen fast alle Kontinente betreten und träumt noch vom Rest der Welt. Sie hat Bücher geschrieben, interessante Menschen getroffen, und ihre aktuelle Freundesanzahl auf Facebook beträgt vierhundertneunzig. Sie hat mit ihrer Vergangenheit aufgeräumt und aus den Steinen ihre Zukunft aufgebaut. Und doch ist ihre Suche noch lange nicht abgeschlossen, die Kompassnadel bleibt nicht stehen.

Glück ist offenbar subjektiv. Es gab ein paar alte Griechen, die behaupteten, wir seien verpflichtet, den gegebenen Verstand zu nutzen, der uns von den Tieren und Pflanzen unterscheidet. Diesen Verstand sollen wir dazu verwenden, um nach dem Guten zu streben. Gutes zu tun verhilft uns zu Glück. Und das erhalten wir uns, indem wir immer wieder uns selbst und unsere Wege reflektieren. Wir können es jeden Tag aufs Neue suchen und finden, und irgendwann erreichen wir dabei das unendliche, höchste Glück. Leider kann niemand, nicht mal ein Grieche, von diesem absoluten Glück berichten. So hartnäckig, wie sie sucht, könnte meine Mutter aber die Erste sein, der dies gelingt. Dazu müsste sie aber mal kurz ruhig sitzen bleiben.

Anja Maier

Über Anja Maier

Biografie

Anja Maier, Jahrgang 1965, ist Journalistin bei der taz und lebt mit ihrem Mann im Berliner Umland. 2010 erschien von ihr "Die Pubertistin", 2011 der Bestseller "Lassen Sie mich durch, ich bin Mutter".

Hanna Maier

Über Hanna Maier

Biografie

Hanna Maier, Jahrgang 1988, studiert Politikwissenschaften in Leipzig und ist Mutter einer Tochter.

Pressestimmen

Facebook Mum Magazin

»Absolut lesenswert!«

Inhaltsangabe

INHALT


Meine Mutter und ich. 
Eine Mutter-Mutter-Kind-Geschichte

Wie wir uns entfernen und ich das Glitzerfest 
aus der Distanz betrachte

1. Hier geht’s los

Ein namenloses Neugeborenes wird tanzender 
Mathecrack und kriegt dann selbst ein Kind

Meine Mutter sucht sich selbst und findet das Glück

2. Schwanger? Ach nee! Ach ja.

Eine gar nicht mal so alte Frau soll Oma werden 
und sucht nach dem Ausknopf ihres Puppenmuttiprogramms

Der Ernst des Lebens wohnt plötzlich in meinem Bauch, 
und ich denke nur an Bergseen

3. Gustav versus Sophie

Ein Ungeborenes kriegt Namen. Aber nur einen. Warum? Weil die Frau mit O rumnervt

Nala wird zur Zukunftsmusik, und meine Vergangenheit zeigt, dass sie kein Zuckerschlecken ist

4. Die Geburt

In einer Berliner Kachelfabrik wird ein Mädchen geboren. Anschließend gibt es lauwarme Buletten

Wie ich mich gegen das Raustanzen entschied und dann plötzlich wieder alleine auf Toilette gehen konnte

5. Im Wochenbett

Kinder stecken in Brotfächern, und eine Kinderkrankenschwester nimmt die Wickelprüfung ab

Ich bin jetzt Wöchnerin. Und das ist die schrecklichste 
Woche meines Lebens

6. Konsum

Die Frau mit O zieht um, hat Respekt vor Oberarmen und wohnt der Übereignung einer Windeltorte bei

Was der Kinderwagen über die Eltern aussagt und wie ich ganz schnell meine Grundsätze über Bord werfe

Das Kind bekommt ein zeitgemäßes Gefährt, und die Frau mit O wundert sich über System-Eltern


7. Neue Welten

Sophie wird samt Equipment in einem Lokal verköstigt 
und ist cooler als Maxi und ihr Reiseklo

Ferienresort mit Swimmingpool vs. Cuba Libre und wie Sophies wackelnde Arme mir neuen Mut geben

8. Langeweile und Unruhe

Es wird Milch gekauft, es werden Windeln gebügelt 
und gelernt, dass Mutterschaft ganz schön langweilig 
sein kann

Heute scheint die Sonne nicht. Und was machen wir jetzt?


9. Weihnachten

Es geht eine Weihnachtseinladung ein, und die brutale Wahrheit muss raus

Mein erstes eigenes Weihnachten und wie ich als Stiefmutter Familienzwang erzeuge

Der finale Weihnachtskrach geht über die Bühne, 
und mit zwei Wochen Verspätung wechselt ein Lauflernwagen den Besitzer


10. Besuchszeiten

Eine blauäugige Kleinkönigin wird ein Jahr alt 
und bekommt Schlagsahnetürme

Na, dann wisst ihr ja, wie es mir geht! Tolle Enkelkinder fallen nicht vom Himmel, und meine Eltern sind Nichtsnutze

11. Expertentum

Eine weise Frau erweist sich als Trageberaterin, und es 
wird über Kinderköpfe in System-Zusammenhängen diskutiert

Körperkult in Kurskultur und die Kommerzialisierung 
meiner Mutterschaft

12. Älter werden

Es kommt keiner mehr, und im Großelternhaushalt 
herrscht freiwillige Ordnung

Wie ich um einige unangenehme Jahre älter wurde 
und trotz Klostein cool sein wollte

13. Väter

Genpoolmanagement und wieso Väter nicht automatisch Papas sind

Zumutungen. Ein Mann namens Erwin verhängt Strafen, anschließend wird Stefan in jeder Hinsicht Vater

14. Zucker

Die Kindsmutter hat eine gute Idee, wie Sophie eine selbstbestimmte Zuckerkonsumentin wird. 
Und die Oma lacht

Ich liebe meinen Zuckerhut und meine Tochter auch

15. Artgenossen

Eine Muttiburg wird besichtigt, Gläschenblicke werden getauscht, und es wird über Fashion-Moms nachgedacht

Der Kindereckenblues. Wie ich plötzlich zu einer Randgruppe gehöre und warum Sophie in keinen Hörsaal passt

16. Sünden

Im zurückliegenden Jahrhundert rauchen verbrecherische Mütter Tabak und kaufen zu diesem Zweck Spielplatzaschenbecher

Quietscheente und Raucherlunge. Wie ich meinen Sicherheitswahn überwinde und eine neue Freundin finde

17. Urlaub vom Urlaub

Hanna und Oscar reisen ins Ausland, und Sophie bestätigt die universal geltende Untreueregel bei Kindern 

London calling und die Reise zum Mittelpunkt 
meiner Welt

18. Abschiedsmahl

Sophie wird zum Fast Food verführt, und ihre früher kurz gehaltene Mutter zeigt sich gelassen

19. Erziehung

Eine Einjährige zettelt eine U-Bahn-Schlägerei an, und die Mutter schafft Öffentlichkeit für dieses Problem 

Sophie macht eigentlich alles richtig, und Erziehung ist 
auch nur verschüttete Milch


20. Geld & Armut

Es gab und gibt Geldprobleme, und Bananen wecken ein kleines Mädchen aus dem Mittagsschlaf

Wie ich an mein Auto kam und warum Geld manchmal eben doch glücklich macht

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