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Als die Tage ihr Licht verlorenAls die Tage ihr Licht verloren

Als die Tage ihr Licht verloren

Roman

Hardcover
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Als die Tage ihr Licht verloren — Inhalt

Berlin, 30er-Jahre: In der Stadt brodelt das Leben, aber am Horizont drohen dunkle Wolken

Stephanie von Hayek verbindet in ihrem Debüt „Als die Tage ihr Licht verloren“ die fiktive Geschichte zweier Schwestern in Berlin und die wahre Geschichte eines verhängnisvollen Transports aus dem Jahr 1940 zu einem faszinierenden Roman um Liebe, Neid, Verrat und Ideologie.  

Linda und Gitte, Töchter einer liberalen, gut bürgerlichen Berliner Familie, genießen ihre Jugend. Gitte, die als Sekretärin im Reichsinnenministerium arbeitet, hofft, einst als Juristin Karriere zu machen, Linda, die ungestüme Träumerin, schlägt den künstlerischen Weg ein und heiratet den sensiblen Erich, die Liebe ihres Lebens. Als seine Nachrichten von der Front ausbleiben und sein Schicksal ungewiss ist, fällt sie in tiefe Melancholie – gefährlich in einer Zeit, in der psychische Krankheiten zum Todesurteil werden können. Denn die Nationalsozialisten planen bereits, was sie verharmlosend „Euthanasie“, den guten Tod, nennen …

Große Gefühle und dramatische Ereignisse vor dem Hintergrund des dunkelsten Kapitels deutscher Geschichte – packend erzählt und exzellent recherchiert.

€ 20,00 [D], € 20,60 [A]
Erschienen am 01.03.2019
304 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag
EAN 978-3-86612-466-0
€ 16,99 [D], € 16,99 [A]
Erschienen am 01.03.2019
304 Seiten, ePub / mobipocket
EAN 978-3-492-99324-1
„Große Gefühle und dramatische Ereignisse vor dem Hintergrund des dunkelsten Kapitels deutscher Geschichte.“
Hannoversche Allgemeine
„Ein gelungenes Debüt, unbedingt lesenswert.“
Ruhr Nachrichten
Stephanie von Hayek

Über Stephanie von Hayek

Biografie

Stephanie von Hayek wurde 1971 in Wolfratshausen als Tochter einer finnlandschwedischen Mutter und eines deutschen Vaters geboren. Nach einer Lehre als Buchhändlerin studierte sie Politische Wissenschaften in München und Paris. Sie arbeitete als Referentin in internationalen Organisationen, unter...

Interview mit Stephanie von Hayek

Stephanie von Hayek über ihren Debütroman 

„Als die Tage ihr Licht verloren“

„Wie ungeordnet das Leben in Deutschland geworden war. Margarete fühlte sich an das Elend des letzten Hungerwinters erinnert. Ihre Mädchen sollten das unbeschwerte Dasein genießen, das sich in den Cafés, Tanzlokalen, Theatern und Kinos fand. Doch Margaretes Angst war groß, wenn die Mädchen nachts unterwegs waren.“

Mein Roman „Als die Tage ihr Licht verloren“ beginnt im Jahr 1932, einem turbulenten und blutigen Jahr, dem letzten der Weimarer Republik. Deutschland befand sich in einer schweren Krise. Die Straßen Berlins waren unsicher, geprägt von Kämpfen bewaffneter Verbände. Meist kämpften Kommunisten und Nationalsozialisten gegeneinander. Gleichzeitig amüsierte sich das Bürgertum im Theater und Kino oder in den Revuen. Das Radio und die Schallplatte fanden Verbreitung, ebenso das Telefon. Leuchtreklamen und Plakate prägten das Stadtbild, Kutschen fuhren neben dem Automobil. Junge Frauen strömten in die Angestelltenberufe, waren Verkäuferinnen oder übten Büroberufe wie Sekretärin oder Stenotypistin aus.

„Ich hatte immer so viel vor. Nach Amerika wollte ich reisen und die Welt sehen und helfe Nun weiß ich gar nicht mehr, was träumen heißt. Was soll nur aus mir werden? Sekretärin ein liebes langes Leben? Ich bleibe im Dazwischen, immer zwischen zwei, nie zu Hause, nie, nie zu Hause, nie, nie.“

Meine Hauptfiguren Linda und ihre Schwester Brigitte absolvieren auf Drängen ihrer Mutter eine Ausbildung zur Sekretärin. Während Gitte das praktisch angeht und sich sagt, danach studiere ich eben Jura, macht Linda zwar, was ihre Eltern sagen und was zu dieser Zeit auch üblich war. Zugleich aber ringt sie mit der Suche nach ihrer Bestimmung, nach dem, was ihr Leben erfüllen soll. Sie spürt Schaffenskraft in sich, Gefühle, die nach einem Ausdruck suchen, den sie aber erst einmal nicht findet. Bestimmung, Berufung, Begehren … das sind unterschiedliche Worte, die alle mit dem zu tun haben, wie man sein Leben leben will. Wer sagt uns das? Keiner. Aber weil wir umgeben sind von Familie, Erziehern und Einflussgebern und jeder von uns mehr oder weniger beeinflussbar ist von Ruhm, Macht, Geliebtwerden, Ehre etc., kann es schwer sein, seinen Weg zu finden, sehr schwer.

„Ihre dritte Begegnung brachte schlussendlich die Zutaten mit, um aus dem von beiden lang ersehnten Kuss alles und mehr zu machen und ihnen ihre gegenseitige Leidenschaft zu Füßen zu legen. Lindas eigenes Wollen war freigelegt, enthemmt und Erich hingegeben. Das Es-will-in-mir war zu einem Ich-will-dich herangewachsen.“

Als der Künstler Erich in Lindas Leben tritt und ihr etwas aus ihrer Vergangenheit zurückgibt – ihre Liebe zum Stoff, ihr Großvater war Tuchhändler und verstarb plötzlich – und sich eine berufliche Zukunft zeigt, ist sie auf ihrem Weg. Sie liebt und arbeitet, ama et labora. In dieser Leidenschaft, etwas erschaffen zu wollen, sich hinzugeben, fühle ich mich meiner Figur Linda sehr nahe, mit ihrer Schwester Gitte verbindet mich deren analytische Art. Alle meine Figuren sind Erfindungen, natürlich aber sind sie inspiriert von eigenen Gefühlen und Details aus meiner Geschichte. Meine Urgroßmutter wohnte zum Beispiel in Charlottenburg in der Goethestraße, bevor sie nach Finnland auswanderte, ihr Vater war Tuchmacher in Leipzig. Da ich Schwestern habe, weiß ich, wie sich Schwesternsein anfühlt. Es gibt Konspiration, Nähe, gemeinsames Erleben, aber auch Eifersucht.

„Erich ist nicht mehr da. Er hat mich verlassen. Ich bin verloren. Ich stehe nicht mehr auf. Ich bleibe hier liegen. Das durchzustehen werde ich nicht schaffen. Nicht ohne Erich. Warum habe ich ihn gehen lassen? Warum habe ich das zugelassen? Ich mag nicht mehr.“

Wenn Erichs Feldpostbriefe ausbleiben, nimmt der Roman, der so heiter und lebensbejahend beginnt, eine vollständig andere Note an. Für Linda ist die Situation dramatisch, weil sie mit Erich nicht nur sich entdeckt hat und sich entfalten konnte, sondern ihr eine andere Art der Liebe begegnet ist als ihre bisherigen Liebschaften. Linda und Erich haben eine Beziehung, die auf Respekt, Neugier, Staunen und einer starken sexuellen Anziehung beruht.

Als Erichs Briefe ausbleiben, weiß Linda nicht, ob er lebt und vielleicht nicht zu ihr zurückkommt, weil er sie nicht mehr liebt, oder ob er wirklich tot ist. Die Fantasie hat ja unendliche Spielräume. Linda ist in einer Situation der unerträglichen Unsicherheit. Es zerreißt sie. Sie stürzt in eine tiefe Melancholie.

„Ja, warum schaffte es einer und der andere nicht? Wie kam es, dass ein Mensch mit körperlichem Gebrechen seelisch vollkommen gesund sein konnte, während ein gesunder, aber seelisch kranker Mensch mit den Widrigkeiten des Lebens ungleich schwerer zu kämpfen hatte? Das war Ediths, wie sie es nannte, Grundfrage.“

Wichtig ist – und diese Themen bringt die Figur Edith, Lindas und Gittes Tante, in den Roman ein – zu verstehen und zu akzeptieren, wie nah körperliche und seelische Gesundheit beieinanderliegen. Sie bedingen einander. Gesundheit bedeutet auch Lebenskraft, die Entscheidung, auf der Seite des Lebens (und nicht des Todes) stehen zu wollen.

Wie kommt es, dass einer relativ unbeschadet aus dem Krieg kommt, obgleich er viel Schlimmes erlebt hat, während ein anderer, der Ähnliches oder auch weit weniger Schlimmes erlebt hat, mit einer schweren Neurose, Tics, Lähmungen, Schütteltremor, Taubheit, Stottern, Dämmerzuständen nach Hause kommt? Woher kommt die Widerstandskraft eines Menschen? Woraus speist sie sich? Ist da ein Kern eingepflanzt von Anfang an oder wird er erworben? Diese Fragen stellt sich Edith. Und diese Fragen sind heute noch relevant.

„Sind sie bei Dir, meine Augen? Ich hab sie mir aus dem Kopf geweint. Jetzt sind dort zwei dunkle Höhlen. In der einen wohnt die Verzweiflung, in der anderen die Leere.“

Im Roman bringt Lindas Sturz in die Melancholie sie in größte Gefahr. Im Sommer 1939 wurde die „Vernichtung lebensunwerten Lebens“ geplant und mit der Ermächtigung Hitlers am 1.9.1939 in die Wege geleitet. Die Nationalsozialisten bestimmten bürokratische und ökonomische Kriterien, wonach jemand leben darf oder getötet wird. Sie definierten die Norm. Das war pure Macht und Willkür.

Mein erster Anlaufpunkt bei der Recherche für diesen Roman war das Bundesarchiv in Lichterfelde. Dort fand ich einen Brief des Direktors der Landesanstalt Görden in Brandenburg an der Havel Hans Heinze an Viktor Brack, Oberdienstleiter in der Kanzlei des Führers, vom 13. November 1940, in dem es um den Brandenburger Richter Lothar Kreyssig geht. Dieser stellte als einer der Ersten fest, dass seine Mündel verschwanden, und setzte alle Hebel in Bewegung, um dies zu verhindern. Heinze listet alle Beobachtungen Kreyssigs auf und stellt fest, dass es auch einen Unfall gegeben hat, in dem „ein mit zu verlegenden Geisteskranken besetzter Autobus mit einem anderen Kraftwagen zusammengefahren“ sei. Es habe dabei Tote und Schwerverletze gegeben.

Was war das für ein Unfall? Wer waren die Insassen?

Ich fragte nach und bekam ein Berufungsurteil, in dem es um einen anderen Unfall ging. Eine Witwe hatte geklagt, weil ihr Mann Eduard Schmidt bei einem Unfall mit einem „Sanitätswagen“ ums Leben gekommen war. Zu diesem Unfall, der sich in der Nähe von Pößneck auf der Autobahn zutrug, fand ich weitere Informationen im Pößnecker Stadtarchiv. Im Laufe der Arbeit an meinem Roman musste ich unter anderem auch herausfinden, ob es 1940 möglich war, nach Schweden oder Finnland zu reisen. Im Archiv des Auswärtigen Amts erhielt ich Kisten mit Visaanträgen, Briefen, Zeitungsartikeln. Schließlich interessierte mich noch die Heilanstalt Berlin-Buch.

Deshalb ging ich in das Berliner Landesarchiv. Außerdem war ich in der Gedenkstätte Brandenburg an der Havel in Sassnitz.

All diese Archivbesuche haben mir sehr gefallen. Man fühlt sich wie Miss Marple auf heißer Spur und nah an der Zeit.

Aber nachdem über den im Heinze-Brief erwähnten Unfall nichts herauszufinden war, außer dass ein Reichsbus mit einem Kraftwagen zusammengestoßen war und es Tote und Schwerverletzte gegeben hatte, griff ich zur Fiktion. Ich habe erfunden, wie sich der Unfall zugetragen haben könnte und wann. Ich habe Lorentz Hackenholt als Fahrer eingesetzt, eine realhistorische Figur.

„Neue Mission. Ihm sollte es recht sein. Lorenz Hackenholt setzte sich. Kurze Begrüßung, meine Herren. Gleich zur Sache. Keine Zeit verlieren. Nie Zeit verlieren. Auftrag erfüllen. Götterdämmerung. Hoch hinaus. Er war dabei. Geheime Sache, große Sache, Führer persönlich.“

Lorenz Hackenholt war ein Massenmörder. Nach dem Krieg gehörte er zu den meistgesuchten Verbrechern, angeklagt wegen Mord in 70 000 Fällen und Beihilfe in 1,5 Millionen. In meinem Roman ist er der Fahrer eines Busses, später bekannt unter „Graue Busse“, der die Patienten in die Vergasungsanstalten bringt, unter ihnen auch Linda.

Aus einem Zeugenbericht eines ehemaligen Patienten, der in solch einem Bus saß und dem die Flucht gelungen war, wusste ich, dass die Patienten zum Teil ahnten, was mit ihnen passieren sollte, auch wenn man ihnen sagte: „Wir fahren ins Blaue, machen einen Ausflug.“ Daher kam mir eines Tages die Idee, dass Linda ja gar nicht umzukommen brauchte. Dass der Unfall für sie eine Chance bedeuten könnte.

Die psychotische Selma, der Linda im Bus begegnet, schlägt dieser eigentlich die Wahrheit um die Ohren: Du liegst auf dem Bett und heulst, aber was soll das nützen?

Ab da richtete sich Lindas Handeln aufs Überleben. Das, was sie lernen muss, und das tut sie, ist, dass sie leben will, auch wenn Erich nicht da ist. Dass sie auch ohne Erich existiert, ein Leben hat. Und sie begreift das, weil sie intuitiv versteht, dass man ihr ihr Leben nehmen will. Der Unfall weckt ihre Lebensgeister. Am Ende ist sie nicht mehr das unbekümmerte, lebensfrohe Mädchen vom Anfang. Einen
Teil ihrer Leichtigkeit hat sie eingebüßt. Sie weiß, was Menschen einander antun können, wozu sie fähig sind.

„Für einen Augenblick breitete sich Ruhe in Linda aus. Sonne, Wind und Kälte schlugen vom Meer zurück wie ein Ausdruck eines Lebenswillens, wie ein Vorbote Eines Neuanfangs. Sie hatte nichts, nur dieses Leben, das an ihr hing und das sie nicht loswurde. Aber jetzt, jetzt war sie frei.“

Veranstaltung
Lesung
Mittwoch, 18. September 2019 in Berlin
Zeit:19:00 Uhr
Ort:ifa-Galerie Berlin,
Linienstr. 139 - 140
10115 Berlin
https://www.facebook.com/events/388497681863789/
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Lesung
Dienstag, 29. Oktober 2019 in Berlin
Zeit:20:00 Uhr
Ort:Dorotheenstädtische Buchhandlung,
Turmstraße 5
10559 Berlin
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Pressestimmen
Hannoversche Allgemeine

„Große Gefühle und dramatische Ereignisse vor dem Hintergrund des dunkelsten Kapitels deutscher Geschichte.“

Ruhr Nachrichten

„Ein gelungenes Debüt, unbedingt lesenswert.“

Schleswig Holsteinische Zeitung

»Stephanie Hayek hat mit ›Als die Tage ihr Licht verloren‹ einen ersten Roman vorgelegt, in dem die jede Vorstellung von Grauen übersteigende Szenerie der Euthanasie-Verbrechen im Schicksal einer Frau und ihrer Schwester, den Beziehungen und familiären Verhältnissen beider exzellent recherchiert erzählt wird.«

Mainhattan Kurier

„Eine hoffnungsvolle Geschichte aus Deutschlands dunkelster Periode. Absolut lesenswert.“

Bizz! Magazin

„Eine große, hoffnungsvolle Geschichte über Mut und Freundschaften, die größer sind als jede Ideologie. Atmosphärisch, warm und voller erzählerischer Kraft.“

hallo-muenchen.de

„Ein düster-melancholisches Epos aus Deutschlands dunkelster Periode.“

meine-anzeigezeitung.de

„›Als die Tage ihr Licht verloren‹ behandelt, eingebettet in eine spannende Liebesgeschichte, die Euthanasie im Dritten Reich.“

anjas-buchstunden-blog

„Von Dramatik, über Zusammenhalt, von Liebe über Leid, hier ist alles vorhanden, verpackt in die unvorhergesehene Tücke des Krieges. Ganz tolles Buch!“

Kommentare zum Buch
Wenn andere über Leben oder Tod entscheiden
Dreamworx am 03.02.2019

30er-40er Jahre Berlin. Linda und Brigitte Hoffmann leben mit ihren Eltern Leonhard und Margarethe in Berlin. Großmutter Elizabeth wohnt nur einige Straßen weiter. Jugendfreundin Lene wohnt in der Nachbarschaft und hat sich schon immer als 3. Tochter der Familie gesehen, doch mit dem Teenageralter entfremden sich die Frauen. Lene heiratet einen aufstrebenden NS-Anhänger, doch noch immer will sie von der Familie Hoffmann nicht lassen, die sich niemals der Partei anschließen würden. Während Gitte von einem Jurastudium träumt und durch Beziehungen im Reichsministerium arbeitet, ist Linda mit ihrem Job Sekretärin unzufrieden, sie gar nicht weiß, was sie will. Das ändert sich mit der Begegnung des Schuhmachermeisters Erich Kupfer. Die beiden heiraten schnell, und Linda hilft schon bald in dem außergewöhnlichen Laden mit. Als Hitler immer mehr an Macht gewinnt, wird der Laden bald von NS-Soldaten frequentiert. Erwin wird eingezogen und kommt von der Front nicht mehr zurück, was Linda in eine tiefe Depression fallen lässt. Das Gesetz zur Euthanasie ist zu diesem Zeitpunkt noch geheim, die geistig Verwirrten und Kranken werden heimlich deportiert. Durch Denunziation aus der Nachbarschaft wird auch Linda abgeholt, die Familie weiß nicht, wo sie ist, bis Gitte ein Dokument in die Hände fällt… Stephanie von Hayek hat mit dem Buch „Als die Tage ihr Licht verloren“ ihren Debütroman vorgelegt, eine Familiengeschichte vor historisch belegtem Hintergrund. Der Schreibstil ist flüssig und lässt den Leser schnell in das alte Berlin eintauchen, um bei der Familie Hoffmann einzuziehen und als stiller Beobachter die Ereignisse mitzuverfolgen, die bei ihnen Einzug halten. Die Autorin hat den historischen Hintergrund gut recherchiert und gibt ihm einen relativ großen Raum in ihrer Geschichte. Die Vorbereitung der Nazis, die Gesellschaft von psychisch und seelisch Kranken zu säubern, sowie die geheime Planung und Ausführung wird hier sehr sachlich geschildert, was dem Leser bei der Lektüre Gänsehaut beschert. Hinter verschlossenen Türen und mit unterzeichneten Geheimhaltungsvereinbarungen ketteten die Oberen normale Bürger für die Durchführung ihres „Säuberungsaktionsprogramm“ an sich, vom LKW-Fahrer bis zum Arzt. Wie schnell jemand nur durch üble Nachrede in diesem Programm landen konnte, ist geradezu beängstigend. Auf niemanden war mehr Verlass, nicht auf die Nachbarn oder Freunde, auch nicht auf den Arzt. Stellte man Fragen nach dem Verbleib der Angehörigen, dann bekam man keine Auskunft. Schon das Verschwinden von so vielen Angehörigen aus Klinken und Hospitälern sowie aus der Familienwohnung hätte viele Menschen stutzig werden lassen sollen. Man mag gar nicht glauben, dass so wenige Menschen Fragen gestellt haben. Die Charaktere sind sehr differenziert ausgearbeitet und spiegeln die gesamte Palette von verschiedenen Eigenheiten wieder. Der Leser steht zwar außen vor, kann sich jedoch gut in einzelne Personen hineinversetzen. Linda ist eine sensible Frau, die lange nicht weiß, was sie vom Leben erwartet, bis ihr die Liebe begegnet. Sie wirkt zu Beginn fröhlich und aufgeschlossen, doch insgeheim schlummert in ihr eine Sehnsucht nach dem Unbekannten. Als sie die Liebe verliert, verliert sie sich selbst. Doch als sie aus dem Alptraum endlich erwacht, zeigt sich eine starke und mutige Frau. Gitte ist die Selbstbewusste, die genau weiß, was sie will. Doch erst als ihr die Augen geöffnet werden, ist sie bereit, etwas gegen den Wahnsinn zu unternehmen. Oma Elisabeth ist eine Patriarchin, die das Herz am rechten Fleck hat und schon früh alles durchschaut hat, was auch auf ihren Sohn Leonhard zutrifft. Lene ist eine naive Frau, die sich im Glanz ihres NS-Ehemanns sonnen will und gleichzeitig Teil der Familie Hoffmann sein möchte. Durch unbedachte Äußerungen bringt sie eine Maschinerie in Gang, auf dessen Zug einige andere aufspringen und andere damit ins Unglück stürzen. Auch die weiteren Protagonisten wie Dr. Vogeler, Herr Linden oder auch der Schuhverkäufer bereichern die Handlung durch ihr Auftreten. „Als die Tage ihr Licht verloren“ ist ein sowohl spannender als auch tragischer Roman, der einen nach Luft schnappen lässt ob der Dinge, die dort geschildert werden als auch, um den Mut und die Courage einiger weniger zu bewundern, die sich dem unglaublichen Treiben entgegen stellten. Ein sehr tiefer Einblick in die dunkelste Seite der damaligen Geschichte sowie die Hoffnung, dass es solche Zeiten niemals wieder geben wird! Absolute Leseempfehlung ist hier wirklich verdient!

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