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Alien Tango

Alien Tango

Roman (Aliens 2)

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Alien Tango — Inhalt

Die Marketingmanagerin Kitty arbeitet bereits seit fünf Monaten für die attraktiven Aliens von Alpha Centauri – ihrem Kollegen Jeff Martini kommt sie dabei immer näher. Als ein Raumschiff unerwartet zum Kennedy Space Center zurückkehrt, werden Kitty, Martini und der Rest ihres Teams angefordert, um den mysteriösen Fall aufzuklären. Dort angekommen, müssen sie sich gegen gefährliche Überwesen verteidigen und die gestrandeten Astronauten befreien. Zu allem Überfluss wird Kitty dabei von ihrer amourösen Vergangenheit eingeholt. Und die sollte sie in den Griff bekommen, bevor sie in die Fänge der Überwesen gerät … Die außerirdisch gute Fortsetzung von »Aliens in Armani«.

€ 9,99 [D], € 9,99 [A]
Erschienen am 14.01.2014
Übersetzer: Diana Bürgel
528 Seiten, WMEPUB
ISBN 978-3-492-98033-3

Leseprobe zu »Alien Tango«

Danksagungen Vielen Dank an Cherry Weiner und Sheila Gilbert, ihr seid noch immer die beste Agentin und die beste Lektorin, die man sich nur wünschen kann.

Das Gleiche gilt nach wie vor für Lisa Dovichi, für all die wertvolle Kritik, Betreuung und vieles mehr, und für Mary Fiore, wegen all der Korrektur-Lesestunden und einer Menge anderem. Ohne euch hätte ich es nicht geschafft.

Noch einmal vielen Dank an alle, denen ich bereits beim letzten Mal gedankt habe, an alle, die ich beim letzten Mal vielleicht vergessen habe, und an alle, die der »Familie« [...]

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Danksagungen Vielen Dank an Cherry Weiner und Sheila Gilbert, ihr seid noch immer die beste Agentin und die beste Lektorin, die man sich nur wünschen kann.

Das Gleiche gilt nach wie vor für Lisa Dovichi, für all die wertvolle Kritik, Betreuung und vieles mehr, und für Mary Fiore, wegen all der Korrektur-Lesestunden und einer Menge anderem. Ohne euch hätte ich es nicht geschafft.

Noch einmal vielen Dank an alle, denen ich bereits beim letzten Mal gedankt habe, an alle, die ich beim letzten Mal vielleicht vergessen habe, und an alle, die der »Familie« mittlerweile beigetreten sind, und zwar für alles, was ihr für mich getan habt und noch immer tut – ihr wisst, wen ich meine, warum ich euch liebe und schätze.

Ein Extra-Dank an Adrian Payne für das ständige Antreiben und dafür, dass er der Erste war, der Aliens in Armani vorbestellt hat, an Mary Rehak für unglaublich viel Hilfe und Unterstützung und an Helen King für das Marketing und all die Werbeideen, auf die ich im Traum nicht gekommen wäre, und auch für die vielen dringend benötigten langen Mittagessen und die sogar noch dringender benötigten Lacher.

Alles Liebe an Joe, Kenne, Pauline und Sydney, weil sie die besten Buchsignierpartys aller Zeiten schmeißen.

Ein besonderer Dank geht an die Autoren Erin Quinn und David Boop für Beratung, Ermutigung und Beistand während der Veröffentlichung und Promotion.

Und schließlich, wie zuvor und immerzu, gehen der größte Dank und all meine Liebe an meinen Ehemann Steve und meine Tochter Veronica. Ich könnte es wohl auch ohne euch schaffen, aber es würde sich kaum lohnen.

Mitten unter uns leben Aliens. Noch vor sechs Monaten hätte mich dieser Satz völlig aus der Bahn geworfen. Mittlerweile lebe ich mit gleich mehreren Tausend Aliens unter einem Dach und bin sogar mit einem von ihnen liiert. Mit »liiert« meine ich, dass wir so gut wie jeden Tag und auch die meisten Nächte gemeinsam verbringen, ohne direkt zusammenzuleben.

Mitten unter uns leben also Aliens – dass sie hier sind, um die Erde zu beschützen, macht die Sache erheblich leichter, und es schadet auch nicht, dass sie dabei noch umwerfend aussehen. Außerdem können sie sich mit Hyperspeed bewegen, haben gewisse Fähigkeiten, die den Menschen fehlen, und in Sachen Ausdauer haben sie den Bogen echt raus, was bei ihren zwei Herzen ja auch kein Wunder ist. Aus meiner reichhaltigen Erfahrung kann ich außerdem berichten, dass sie im Bett einfach phantastisch sind.

Allerdings können sie keine von Menschen erbauten Maschinen steuern, keine Autos oder Flugzeuge, und sie könnten nicht mal lügen, wenn ihr Leben oder das eines anderen davon abhinge. Also muss sich die Menschheit keine Sorgen machen. Jedenfalls nicht wegen der Aliens, die hier auf der Erde leben.

Was allerdings die anderen angeht, die dort draußen im Weltall sind … O ja, bei denen sind Sorgen wirklich angebracht. Große Sorgen.

Aber vergesst trotzdem nicht, dass »unsere« Aliens über uns wachen und die Erde und ihre Bewohner vor allem Unheil schützen.

Und wenn ihr euch auch dadurch nicht beruhigt fühlt, dann denkt an eines: Auch ich wache über euch.

Hm. Irgendwie habe ich jetzt mehr erwartet als diese Grabesstille. Hartes Publikum.

Kapitel 1 »Sind Sie auch absolut sicher, dass sie das schaffen wird, Captain Tucker?«

»Vollkommen, Commander Martini.« Jerry schmunzelte. »Das reinste Kinderspiel.«

»Jeff, ich hab das doch schon mal gemacht.«

»Ja, erinnere mich bloß nicht daran.« Ich hörte, wie er etwas zu jemandem im Hintergrund sagte. »Christopher meint, deine erste Landung war nun wirklich keine Glanzleistung.«

»Der muss gerade den Mund aufmachen. Das ist jetzt fünf Monate her. Seitdem bin ich schon oft gelandet.«

»Mit Jerrys Hilfe.« Er machte sich Sorgen. Das war echt süß. Lästig, aber süß.

»Jerry hilft mir doch jetzt auch.«

»Jerry sitzt nicht mit im Flugzeug.« Martini klang wirklich verstört.

»Ich bin immer an ihrer Seite, Commander. Sie wird es schon schaffen.«

Ich blickte nach rechts und sah, wie er mit den Augen rollte – nach dem Motto: Der nervt ja schrecklich. Ich rollte zurück.

»Jeff? Ich liebe dich. Und jetzt sei still. Ich muss mich konzentrieren.« Das stimmte. Zum zweiten Mal in meinem Leben landete ich ganz allein einen Überschalljet. Das erste Mal war allerdings sehr viel aufregender gewesen. Mit »aufregender« meine ich, dass es keineswegs sicher gewesen war, dass wir es überleben würden.

»Kitty, ich bin da, aber ich leite dich nicht bei jedem Schritt an. Bist du bereit?« Jerry klang nicht besorgt. Doch das war Teil seines Charmes.

»Jep.« Ich entspannte mich und tat, was Jerry mir während der vergangenen vier Monate beigebracht hatte. Nämlich, wie man flog, und, noch wichtiger, wie man wieder landete. Wir gehörten zur neuen Luftlandedivision, die man hauptsächlich meinetwegen ins Leben gerufen hatte. Nicht, weil ich eine besonders gute Fliegerin gewesen wäre – schon gar nicht vor noch fünf Monaten – sondern, weil ich mich bei der Leitung der Luftunterstützung während der Operation Scheusal so geschickt angestellt hatte.

So nannte ich es jedenfalls. Fast alle anderen bezeichneten es als das Große Gefecht oder etwas ähnlich Eindrucksvolles. Wenn man den Staatsfeind Nr. 1 mitsamt all seiner Kumpels erledigt, dann verdient das wohl auch einen eindrucksvollen Namen. Für mich waren sie allerdings nur große, potthässliche Monster, aber ich stamme ja auch nicht von Alpha Centauri.

Es war schon ein Schock gewesen, als ich herausgefunden hatte, dass all die Roswell-Ufo-Gerüchte auf jeder Menge Tatsachen beruhten. Doch inzwischen lebte ich selbst im Forschungszentrum von Dulce, wurde routinemäßig in der Zentrale alias Area 51 geschult, und die meisten meiner Freunde und Mitarbeiter waren Aliens – oder vielmehr A.C.s, wie sie sich selbst nannten. Sie waren leicht zu erkennen – allesamt umwerfend attraktiv und ausschließlich in schwarzweiße Armani-Outfits gekleidet.

Auch ich durfte zwar inzwischen Armani tragen, verbrachte die meiste Zeit jedoch in Jeans und irgendeinem Konzert-T-Shirt, das mir gerade gefiel. Zur Feier des Tages trug ich heute mein neuestes Aerosmith-Shirt. Steven, Joe und der Rest meiner Jungs hatten mich immerhin noch nie im Stich gelassen.

Jerry war ein großartiger Lehrer, und er hatte unter anderem betont, ich solle einfach so tun, als sei das Ganze hier etwas völlig Normales. Als würde man einfach nur Auto fahren oder ein frisch manifestiertes parasitäres Überwesen aus dem Weg räumen. Also versuchte ich, mich trotz meiner Nervosität zu entspannen.

Es klappte nicht.

»Wow, das war ja ein echter Hingucker«, grollte Martini, als ich gerade noch rechtzeitig wieder hochzog, um nicht nahezu ungebremst auf der Erde aufzuschlagen. »In ein paar Minuten hat sich mein Puls bestimmt auch wieder erholt.«

»Ich bin zu schnell zur Sache gekommen.«

»Schatz, mir war gar nicht klar, dass das ein Problem für dich ist.«

»Jeff!« Natürlich hatte er recht. Und er musste es schließlich wissen.

»Commander Martini? Bitte kein Geplauder und keine Anzüglichkeiten mehr. Kitty muss sich wirklich konzentrieren.«

Ich flog nun wieder neben Jerry, und er sah kopfschüttelnd zu mir herüber. »Zu langsam am Anfang und zu schnell gegen Ende.«

»Okay, ihr habt zwar alle gesagt, es sei bescheuert, aber ich bestehe darauf.«

»Es würde deiner Konzentration den Rest geben«, bemerkte Jerry trocken.

»Es würde meine Konzentration steigern.«

»Oh, nun lasst sie schon. Süße, welcher Song darf’s denn sein?«

Dem Himmel sei Dank. James Reader, ein Mensch und ehemaliges Supermodel, definitiv der coolste Typ weit und breit und abstruserweise derjenige, der mir in meinem »neuen Leben« am ähnlichsten war, übernahm endlich den Funk. Wäre er nicht schwul gewesen, hätte er mich sicher in ziemliche Schwierigkeiten gebracht, denn Martini hielt absolut nichts vom Teilen.

»James, wir brauchen heute mal was Ausgefallenes.«

»Bitte nichts von Tears for Fears«, hörte ich ein mehrstimmiges Ächzen.

»Wie viele von euch sind denn in der Leitung?«

»Dein komplettes Team, das Alpha Team und die Zentrale. Aber lass dich bloß nicht stressen.« Reader lachte leise. »Also, welcher Song?«

»Rocket Man von Elton John.« Lautes Stöhnen. »Oder vielleicht lieber John Mayers ›Bigger Than My Body‹.«

»Elton John!«

Aha, ein Chor männlicher Stimmen, die das Geringere der beiden Übel wählten.

»Warum nicht Aerosmith?«, wollte Reader wissen.

»Weil ich runterkommen und nicht die Schallmauer durchbrechen soll. Und leg danach ›I’ve Seen the Saucers‹ von ihm auf, ich glaube, das wird eine Zwei-Song-Landung.«

»Sir Elton kommt sofort.«

»Du bist der Beste.«

Die Musik erklang, und endlich entspannte ich mich wirklich. Ich drehte ein paar Loopings und durchflog noch einige andere Manöver, um den missglückten ersten Landeversuch aus meinem Kopf zu fegen. Es dauerte beinahe die ganze Länge von »Rocket Man«, bis ich bereit war. Dann setzte ich wieder zum Sinkflug an, diesmal aus größerer Höhe. Der nächste Song begann perfekt zur Landung, zumindest für meine Begriffe. Ich setzte sogar im Rhythmus auf.

»Gut gemacht, Kitty!« Jetzt landete Jerry.

»Sie hat wirklich eine schöne Stimme.« Das war Tim Crawford, der offizielle Fahrer meines Teams. Während der Operation Scheusal waren wir in Sachen Musik zu einer Art Übereinkunft gelangt. Ich wusste noch immer nicht, was er eigentlich privat hörte, doch mittlerweile hatte er die Kontrolle über den iPod in meinem Auto und war inzwischen richtig gut darin, zu brenzligen Situationen die jeweils passende Musik auszuwählen.

Ich half Elton noch durch die letzten hohen Töne. »Danke, Tim, du bist ein echter Kavalier.«

Reader war ein Schatz und legte »Crocodile Rock« auf, während ich meinen Jet parkte.

»Kitty? Du kannst jetzt aussteigen.« Das war Matt Hughes, einer meiner Pilotenjungs.

»Laaaaaa … la la la laaaaaa.« Der Song war noch nicht vorbei, doch mitten in einem »la« brach die Musik plötzlich ab. »Oh, schon gut.« Spielverderber.

»Deine Stimme ist echt der Hammer, Kitty.« Das war Chip Walker, noch ein Pilot. »Aber wir brauchen dich hier draußen.«

»Lügner.« Ich kletterte hinaus. Jerry wartete bereits auf mich. Wie alle Piloten und Fahrer war er ein Mensch und wirklich süß, kam aber nicht an den A.C.-Standard heran. Obwohl ich ihm gesagt hatte, er könne seine blonden Haare wachsen lassen, trug er sie noch immer militärisch kurz. Alle Piloten, die man mir zugeteilt hatte, waren auf der Elite-Jagdflugschule Top Gun gewesen, bevor sie uns während der Operation Scheusal zu Hilfe gekommen waren, und alle hatten ihre Navy-Angewohnheiten beibehalten, obwohl sie inzwischen zur Centaurionischen Division gehörten. So nannte die amerikanische Regierung das, was ich als die Alien-Schutztruppe bezeichnete.

Jerry grinste. »Sehr gekonnt, Commander Katt.«

Wir waren wieder auf dem Erdboden und beim formalen Umgangston angekommen. In der Luft hatte er das Sagen, am Boden ich. Schon mehr als eine Person hatte angemerkt, wie erschreckend das war.

»Das ist eine Gabe, Schätzchen. Und ich hatte den besten Lehrer der Welt.« Okay, er war förmlich, ich weniger.

Wir steuerten auf das Hauptgebäude zu. Als wir näher kamen, trat ein großer, breitschultriger Mann mit markanten Gesichtszügen über einem kräftigen Kinn, hellbraunen Augen und dunklem, welligem Haar ins Freie und kam uns entgegen. Er trug einen Armani-Anzug und sah, wie immer, einfach anbetungswürdig aus. Er erblickte uns und stand im Bruchteil einer Sekunde neben mir.

»Schön, Sie zu sehen, Commander Martini, ich lasse Sie beide jetzt allein. Viel Spaß.« Jerry salutierte zackig vor Martini, zwinkerte mir hinter dessen Rücken zu und lief weiter Richtung Hauptgebäude.

Martini knurrte Jerry irgendetwas nach, zog mich dann an sich und küsste mich. Damit hatte sich die ganze Anstrengung definitiv gelohnt. Seine Lippen waren weich wie Daunenkissen, und mit seiner Zunge konnte er Dinge tun, die ich mir im Traum nicht hatte vorstellen können, bevor ich ihm begegnet war. Ich schlang die Arme um ihn und genoss es, dass er mich noch fester an sich drückte. Doch gleichzeitig konnte ich spüren, wie seine Herzen hämmerten.

Er beendete unseren Kuss. »Ich dachte schon, du würdest sterben. Ich weiß nicht, ob ich schnell genug bin, um dich aus einem explodierenden Jet zu ziehen.«

Ich lehnte mich an seine Brust. »Jeff, es war alles in Ordnung. Ich muss das tun können.«

»Warum?« Ich antwortete nicht. Er seufzte. »Ich werde nicht jede Woche entführt, weißt du.«

»Einmal hat mir gereicht.« Ich sah ihn noch immer vor mir, auf den Knien, die Hände auf den Rücken gefesselt, wie er gefoltert und beinahe umgebracht worden war.

»Du darfst nicht ständig daran denken, Kleines.«

»Tue ich nicht.« Na ja, jedenfalls nicht ständig. Manchmal schaffte ich es, die Vorstellung ganze Tage lang zu verdrängen, und auch die Stimme, die mir zuflüsterte, dass ich nächstes Mal vielleicht nicht mehr so viel Glück haben würde. Denn es gibt immer ein nächstes Mal.

»Du bist zwar ein Mensch und kannst daher lügen, aber nicht, was deine Gefühle betrifft.«

»Schon klar, Mr. Empath. Es ist nur …« Ich seufzte. »Ich möchte alles tun, was ich kann. Nicht nur für dich, sondern auch für unsere Mission. Und wenn ich nicht fliegen kann, dann habe ich eine Waffe weniger im Arsenal.«

Diesmal seufzte er. »Okay. Beim zweiten Versuch hast du es wirklich gut gemacht. Ich bin sehr stolz auf dich.«

»Hat James dir das vorgesagt?«

Martini grinste. »Ja. Hab ich es gut gemacht?«

»Du machst alles gut.«

»Schön zu hören.« Er legte mir den Arm um die Schultern, und ich schlang meinen um seine Taille. So gingen wir weiter Richtung Hauptgebäude. »Und, gehen wir jetzt zu deinem Highschool-Klassentreffen?«

»Jeff, ich verstehe wirklich nicht, warum du da hinwillst.«

Das stimmte nicht ganz. Als erdgeborener A.C. war er innerhalb ihrer Gemeinschaft unterrichtet worden. Sie waren eine verschworene Gruppe und alle um sechs Ecken miteinander verwandt, also hatten sie jeden Tag so etwas wie ein Klassentreffen. Ich konnte verstehen, dass Martini neugierig war, wie das bei allen anderen ablief, aber ich würde trotzdem nicht hingehen.

»Solche Treffen sollen doch angeblich lustig, romantisch und aufregend sein.«

»Du schaust dir eindeutig zu viele Soaps an. Warum eigentlich?«

»Sie helfen mir, dich besser zu verstehen.«

»Wohl kaum.«

»Dann findest du also, dass ich dich nicht verstehe?« Er klang ein wenig verletzt.

»Nein, ich glaube, dass du als der absolute Superempath mich besser verstehst als jeder andere Mann, dem ich jemals begegnet bin. Allerdings glaube ich nicht, dass Beverly Hills 90210 dir da noch irgendwie weiterhilft.«

»Tori Spelling ist eine unterschätzte Schauspielerin.«

»Ja, genau wie Shannen Doherty, das hast du mir schon erzählt. Bin tief beeindruckt. Tritt doch ihren Fanclubs bei. Deine Vorliebe für Fantasy Island fehlt mir richtig.«

»Wenn wir zusammen zu deinem Klassentreffen gehen, höre ich auf mit den Soaps.«

»Wow, du kannst ja noch nicht mal lügen, wenn ich dir dabei nicht in die Augen schaue.«

Bevor wir den Eingang erreichten, öffnete sich die Tür, und Christopher White trat heraus. Er sah aufgebracht aus. »Jeff, wir haben ein Problem.«

Kapitel 2 Christopher sah seinem Cousin nicht besonders ähnlich. Während Martini über 1,80 Meter groß war und sehr muskulös erschien, aber nicht auf diese Bodybuilder-Art, war Christopher gut einen Kopf kleiner, schlanker und drahtiger. Außerdem ein hellerer Typ mit grünen Augen und braunem Haar. Aber sie waren beide absolut umwerfend. Bisher hatte ich auch noch keinen A.C. getroffen, der es nicht war, aber Christopher ähnelte seiner verstorbenen Mutter – und Martini nach allem, was man mir erzählt hatte, seinem Vater. Also musste man sie schon gut kennen, um ihre Verwandtschaft zu erraten.

Außerdem hatte Christopher »zorniges Augenfunkeln« zu einer Art Kunstform gesteigert, und momentan wurden wir mit seinem Bösen Blick ersten Grades bedacht.

»Was habe ich jetzt wieder angestellt?«, fragte Martini.

»Warum muss eigentlich immer ich deine Eltern abwimmeln?«

Oh, das schon wieder. Ich versuchte, mich zu verdrücken, doch Martini hatte mich fest im Griff.

»Weil sie dich nun mal lieber mögen, wie jeder andere auch.«

»Ich mag dich lieber, Jeff.«

»Danke, Baby, da bist du so ziemlich die Einzige.«

Christopher rollte mit den Augen. »Wenn ich Tante Lucinda noch ein einziges Mal weismachen muss, dass du in einer wichtigen Besprechung steckst, bringe ich dich um.«

Martini rieb sich die Stirn. »Was wollte sie diesmal?«

Christopher antwortete nicht und sah mich an. »Großartige Landung, Kitty.«

»Deine Mutter will wahrscheinlich wissen, warum du mich noch nicht abserviert und irgendein nettes A.C.-Mädchen oder einen netten A.C.-Jungen geheiratet hast, wie man es von dir erwartet.« A.C.s hatten keine Vorurteile bezüglich gleichgeschlechtlicher Beziehungen. Nur bezüglich spezien- und religionsübergreifender Beziehungen.

Christopher wurde rot. Volltreffer! »So ist es nicht«, murmelte er, allerdings in Richtung seiner Schuhspitzen.

»Und da wunderst du dich, warum ich mich verleugnen lasse?« Martini umarmte mich. »Lass uns reingehen.«

»Jeff, das ist doch nicht Christophers Schuld.« Es war meine, weil ich ein Mensch war und mich in ihren Sohn verliebt hatte, jedenfalls hatte ich es so verstanden. Oder vielleicht war es auch Martinis Schuld, weil er das Gleiche mit mir getan hatte. Die ganze »Lebensretterin-ihres-Sohnes«-Tour schien bei Martinis Eltern jedenfalls nicht zu ziehen. »Vielleicht, wenn ich sie treffen würde …«

»Keine gute Idee!«, ertönte es von Martini und Christopher im Chor.

»Wie schlimm kann es schon werden? Ich meine, dein Vater mag mich doch ganz gern, Christopher.« Richard White war der Hohe Pontifex der A.C.s, sozusagen ein Papst, der Sex haben darf. »Mein Vater findet dich sogar toll.«

»Aber ich bin ja auch nicht die Freundin seines Sohnes.«

Beide zuckten zusammen, denn diese Angelegenheit war mehr als knapp gewesen, und wir drei taten für gewöhnlich unser Bestes, das zu überspielen. Also mein Fehler, wie immer. Vielleicht hatte Martini ja recht, wenn er mich von seinen Eltern fernhielt.

»Lass uns später darüber reden.« Martini klang müde und niedergeschlagen, was mich besorgte. »Mach dir nichts draus, Kleines.« Der Vorteil daran, mit dem stärksten aller Empathen auf Erden zusammen zu sein, war, dass er wirklich nachempfinden konnte, wie ich mich fühlte. Der Nachteil war, dass ich keine Gefühle vor ihm verbergen konnte, selbst wenn ich es wollte.

Paul Gower trat durch die Tür. Er hatte die gleiche Statur wie Martini, nur war er schwarz und glatzköpfig. Sein Vater hatte eine Afro-Amerikanerin geheiratet. Ich fragte mich oft, wie glücklich sie war, hatte aber nicht nachgefragt. Noch nicht.

»Wir haben jetzt größere Sorgen als deine Eltern«, teilte Gower uns mit. Er sah angespannt aus und klang noch sehr viel angespannter. »Ein Massenvorfall.«

Martini und Christopher wechselten sofort in den Commander-Modus, wie ich es nannte. »Wo?«, fragte Martini schroff, während wir alle ins Gebäude rannten.

»Paraguay.«

»Paraguay?« Christopher klang schockiert.

Martini verzog das Gesicht.

»Was ist so schlimm an Paraguay?« Immerhin hatten wir schon auf dem ganzen Erdball sich manifestierende Monster erledigt und die Welt davor bewahrt, zu Überwesensushi zu werden. Südamerika war ebenso oft betroffen wie jeder andere Ort, allerdings belegte die USA in dieser Hinsicht noch immer Platz 1 auf der Skala.

»In Chaco«, fügte Gower an.

»War ja klar«, grollte Martini.

Ich schnappte mir meine Tasche von Hughes, erklärte ihm, dass er und der Rest der Jungs dienstfrei hätten, sich aber bereithalten sollten, dann steuerten wir die nächste Schleusenreihe an. Die Schleusen waren Teil der Alientechnologie, die es uns erlaubte, uns auf der ganzen Welt frei zu bewegen, indem wir von Schleuse zu Schleuse hüpften. Der Großteil der Schleusen war in den Toiletten nahezu aller Flughäfen der Erde untergebracht. Da ich inzwischen mehr Männertoiletten von innen gesehen hatte, als mir lieb war, kann ich bestätigen, dass dieses Arrangement sowohl äußerst effektiv als auch widerlich war. Aber immerhin kamen wir so binnen drei Sekunden von Nevada nach New York.

»Da gibt es Flughäfen«, bemerkte ich, während ich mich daran zu erinnern versuchte, wie trocken oder verregnet Paraguay war, was mir aber nicht gelang.

»Stimmt schon«, räumte Martini ein. »Aber wir gehen nicht hin.«

»Nein?« Meine Enttäuschung hielt sich in Grenzen. Am Abend waren wir mit meinen Eltern zum Essen verabredet, und solche Ausrottungsaktionen sprengten für gewöhnlich jeden Zeitplan.

Reader gesellte sich zu uns. »Sie sind genau auf der Linie.« Er klang besorgt, und die anderen versteiften sich noch mehr. Ich war verwirrt – das hier war neu.

»Wie bitte?«

Wir erreichten die Schleuse, und Gower begann zu kalibrieren. Seine Hand verschwamm, wie immer, wenn die A.C.s etwas in dieser Art taten, und ich musste wegsehen. Mittlerweile riss mich dieses Wunderwerk der Alientechnologie, das vom Aussehen her unbestreitbar an die Metalldetektoren an Flughäfen erinnerte, auch nicht mehr von Hocker. »Wir müssen einzeln durchgehen. Sorry, Kitty«, fügte er mit einem entschuldigenden Lächeln hinzu. »Wir haben es mit einem Notfall zu tun.«

Martini sah zwar nicht besonders glücklich aus, doch er widersprach nicht, also beschloss ich, ein großes Mädchen zu sein und mich nicht zu beklagen. Gower ging hindurch, ich atmete tief ein und folgte ihm.

Durch eine Schleuse zu gehen war, als befände man sich im Zeitraffer eines Films. Nur war das hier das echte Leben, und es gab weit und breit keine Reisemedikamente. In den Schleusen war mir vom ersten Tag an schlecht geworden, und das hatte sich bis heute nicht geändert. Es dauerte keine eineinhalb Sekunden, um mich von Area 51 ins Forschungszentrum in Dulce zu transportieren, aber gemessen an der Übelkeit waren es Jahre.

Wie immer taumelte ich wieder hinaus, kurz bevor ich mich übergeben musste. Martini und die anderen waren dicht hinter mir. Wir befanden uns auf der Etage der Bat-Höhle des Forschungszentrums, jedenfalls nannte ich es so. Hier sah es aus wie in der ausgeklügeltsten Hightech-Kommandozentrale, die man sich nur vorstellen konnte. Meistens tat ich einfach, als bemerkte ich die meisten der Apparaturen gar nicht, weil mir von ihnen ganz schwindlig wurde. Also ignorierte ich sie und konnte so tun, als gäbe es sie gar nicht.

Wir liefen auf Batmans Allerheiligstes zu, oder, wie Martini und Christopher es nannten, zur Kommandozentrale für Feldeinsätze und Bildbearbeitung. Na ja, eigentlich liefen nur Reader und ich. Martini, Christopher und Gower bewegten sich mit Hyperspeed, was bedeutete, dass sie für unsere menschlichen Augen einfach verschwanden. In Sachen Übelkeit war Hyperspeed für uns Homo Sapiens zwar etwas besser als die Schleusen, aber nicht viel, weshalb ich froh war, mich mit guter alter und langweiliger Menschengeschwindigkeit bewegen zu dürfen.

»Was hast du mit der ›Linie‹ gemeint, James?«

»Der Wendekreis des Steinbocks verläuft durch Paraguay, das meinen wir mit Linie.«

»Und warum ist das gut, schlecht oder egal?«

Er schüttelte den Kopf. »Aus irgendwelchen Gründen sind die Überwesen stärker, wenn sie sich entlang des Wendekreises des Krebses oder Steinbocks formieren.«

»Stärker als diejenigen, die die Verwandlung kontrollieren können?«

»Nein. Anders stärker.«

Ich wollte ihm gerade erläutern, dass das die Sache für mich auch nicht klarer machte, aber inzwischen waren wir im Allerheiligsten angekommen. Hier herrschte eine sehr kontrollierte Form von chaotischer Aktivität. Genau genommen bestand dieser Bereich aus zwei Räumen, einer für die Leitung der Feldeinsätze und einer für die Bildkontrolle. Als Reader und ich eintrafen, war Christopher vermutlich schon in seinen Raum weitergehastet, und Martini hatte sich vor einer enormen Bildschirmwand postiert, die den Mittelpunkt des Raums für Feldeinsätze darstellte.

Mit »postiert« meine ich, dass er sich davor aufgebaut hatte, während die vielen verschiedenen Aufnahmen auf ihn einströmten. Es waren gut und gern fünfzig Fernseher an der Hauptwand, und während die Mattscheiben an den äußeren Rändern Bilder aus Gebieten zeigten, die definitiv nicht in Paraguay lagen, war auf den meisten eine Gegend zu sehen, von der ich annahm, dass es sich dabei um den Wendekreis des Steinbocks handelte.

Es sah aus wie eine sehr platte, sumpfige Ecke von Paraguay voller Überwesen. Der Paraguayteil in unserem kleinen Horrorheimkino war recht hübsch, was die Überwesen allerdings mehr als wettmachten. Alle zwölf.

Kapitel 3 In den guten alten Zeiten der fünfziger Jahre waren die Parasiten, die sich zu Überwesen entwickelten, sobald sie einen arglosen menschlichen Wirt fanden, nur einzeln oder in Paaren hier eingetroffen. Nachdem sich Mephisto, der Oberbösewicht aus Operation Scheusal, auf der Erde häuslich eingerichtet hatte, waren sehr viel mehr angekommen und hatten sich hier zusammengeschart.

Diese Massenvorfälle – so nannte man es, wenn sich mehrere Überwesen zur gleichen Zeit am selben Ort manifestierten – hatten sich in der Vergangenheit jedoch nur ereignet, wenn ein Überwesen, das Kontrolle über seine Verwandlung hatte, einen Angriff vorbereitete. Da wir diese jedoch allesamt ausgelöscht hatten, war es äußerst verstörend, jetzt einen Massenvorfall mitzuerleben, besonders einen mit gleich zwölf Überwesen.

Es war Wut, die die Parasiten anzog. Wie sie es jedoch geschafft hatten, ein Dutzend zorniger Menschen an einem Ort mitten im Nirgendwo zu finden, war mir ein Rätsel. Alle Überwesen manifestieren sich anders, und ihre Erscheinungsform hängt, soweit wir wissen, eher vom Parasiten als von seinem menschlichen Wirt ab. Diese hier bildeten keine Ausnahme, doch ich erkannte eine gewisse Ähnlichkeit zwischen ihnen. Sie schienen alle zum Spektrum der Albtraum-Insekten zu gehören, Insekten, die mir völlig fremd waren. Zugegeben, ich kannte mich mit den Käfern in Paraguay nicht besonders gut aus, aber ich bezweifelte doch, dass sie normalerweise zwei bis drei Meter groß wurden und mit einer beeindruckenden Sammlung grauenhaft geformter und rasiermesserscharfer Extremitäten, Mundwerkzeuge und Ähnlichem ausgestattet waren.

Ich konnte auch eine ganze Menge unheimlich attraktiver Männer in Armani-Anzügen sehen, die auf den Bildschirmen umherrasten. Jedes Agententeam im Einsatz bestand aus einem Empathen und einem Bildwandler. Je nach Einsatz hatten sie außerdem einen menschlichen Fahrer oder Piloten und normalerweise höchstens noch zwei weitere A.C.s dabei. Die Teams in Paraguay bestanden aus deutlich mehr Agenten. Das schien ein wirklich außergewöhnlicher Vorfall zu sein.

Martini erteilte Befehle, und zwar in A.C.-Geschwindigkeit, was bedeutete, dass er für menschliche Ohren zu schnell sprach, jedenfalls, wenn man Wert auf solche Nichtigkeiten wie Verständlichkeit legte. Wie bei so vielem anderen, das mit Hyperspeed zu tun hatte, wurde mir davon schlecht.

Irgendein A.C. reichte mir ein Paar Funkkopfhörer, das ich dankbar aufsetzte. Weil ich jetzt nun einmal auch zum Team gehörte, hatten die A.C.s ihre Version von Headsets mit Übersetzerfunktion ins Allerheiligste aufgenommen. Allerdings erst, nachdem ich sie darauf aufmerksam gemacht hatte, dass es nicht besonders förderlich war, wenn ein Teil des Teams die Kommandozentrale vollkotzte, während der andere versuchte, die Welt zu retten.

Also konnte ich jetzt Martinis Anweisungen lauschen, ohne umzukippen. Ich hörte sie zwar mit mindestens fünf Minuten Verzögerung, aber das fand ich immer noch besser, als ohnmächtig zu werden. Ich achtete sorgfältig darauf, ihm nicht auf den Mund zu schauen – die wenigen Male, als ich das getan hatte, war es gewesen, als schaue man einen schlecht synchronisierten Film. Ich hatte feststellen müssen, dass die anderen, allen voran Martini, es nicht besonders schätzten, wenn ich im Allerheiligsten umkippte oder mich übergab. Genauso wenig toll fanden sie es allerdings, wenn ich mich kaputtlachte.

»Brauchen wir Luftunterstützung?«, fragte ich an Reader gewandt, der gerade seine eigenen Kopfhörer aufsetzte.

Er schüttelte den Kopf. »Jeff macht das schon.«

Ich beschloss, nicht zu widersprechen oder mich zu beklagen. Meine Division war noch immer ziemlich frisch, und ich hatte zwar vollstes Vertrauen in mein Team, aber es befanden sich alle noch in der Zentrale, und sogar mit einem Schleusentransport würde es eine Weile dauern, bis man die Militärjets hierhergeschafft hätte. Mit etwas Glück war die Sache erledigt, bevor sie am Ort des Geschehens eintreffen konnten, also schickten wir sie besser erst gar nicht hin. Außerdem schien Martini voll in Fahrt zu sein, und ich wollte ihm nicht in die Parade fahren.

Ich hörte eine Weile lang zu, doch allmählich wurde die Sache langweilig und frustrierend. Frustrierend deshalb, weil ich mich mittlerweile daran gewöhnt hatte, im Mittelpunkt der Geschehnisse zu stehen, und es nicht so toll fand, einfach nur herumzusitzen und anderen dabei zuzuschauen, wie sie Prügel verteilten.

Martini entsandte mehrere A.C.-Teams an unterschiedliche Orte in Paraguay, forderte militärische Hilfe aus Brasilien und Argentinien an und gab denen Anordnungen, die bereits direkt am Geschehen beteiligt waren. Ich hätte all dem gespannt Aufmerksamkeit zollen und lernen sollen, wie man so etwas handhabte.

Doch der gesamte Austausch spielte sich in Extremmilitärslang ab, was schnell öde wurde. Ich beherrschte diesen Fachjargon noch immer nicht, und Aktionen wie diese hatten mir das Lernen bisher kaum schmackhaft gemacht. Und zu erleben, wie internationale Politik angesichts höchster Gefahr an Bedeutung verliert, hatte schon seit Monaten keinen Reiz mehr für mich. Inzwischen hatte ich herausgefunden, dass ich in solchen Situationen lieber den Bildwandlern zuschaute.

Während Martini Panzer und Geschütze ins Feld führte, schlich ich mich in Christophers Hälfte des Allerheiligsten. Die Seite der Bildwandler war ähnlich aufgebaut wie die für die Koordinierung der Feldeinsätze – viele Bildschirme, Computer und so weiter. Außerdem stand hier noch eine ganze Reihe von Monitoren, und vor jedem stand ein A.C. mit der Hand auf dem Schirm. Die Gesichter der Bildwandler zeigten unterschiedliche Stadien der Konzentration.

Empathen konnten die Gefühle anderer Leute wahrnehmen, sie jedoch nicht verändern. Meistens waren sie die Ersten, die Störfälle mit Überwesen lokalisierten, da die Parasiten von Wut angezogen wurden und die Gehirne und Gefühle der menschlichen Wirte bei einer Manifestation völlig verrücktspielten.

Als der stärkste Empath auf Erden konnte Martini fühlen, was die anderen Empathen empfanden, als bestünde zwischen ihm und den Einsatzteams eine Kurzwellenübertragung. Mithilfe von Training und Drogen konnte er seine Kräfte ein- und ausschalten, wie offensichtlich alle Empathen. Das bedeutete, dass er gerade nicht nur alle durch die Gegend kommandierte, sondern gleichzeitig auch registrierte, wer gerade in größter emotionaler Bedrängnis war.

Es war extrem beeindruckend und einer der Hauptgründe dafür, dass er beinahe sämtliche A.C.-Einsätze leitete, die nicht religiös motiviert waren – allerdings würde ich es nie nachvollziehen oder selbst erleben können.

Bildwandler dagegen konnten nur dann etwas fühlen, wenn sie das Bild einer Person berührten, egal, um welches Bild es sich handelte. Eine einzige Berührung genügte, und sie wussten alles über die betreffende Person. Christopher hatte mir erklärt, dass Fotos und Ähnliches nicht nur eine Kopie der äußerlichen Erscheinung eines Individuums waren, sondern auch ein Abbild seiner Seele und seines Verstands.

Außerdem konnten Bildwandler eine Abbildung auch manipulieren, und genau das taten sie hier: Sie änderten ab, was die Kameras in Paraguay aufzeichneten, und machten daraus etwas weit weniger Furchteinflößendes als den Angriff des intergalaktischen Schmutzigen Dutzends.

Die Bildschirme an der Wand zeigten, was wirklich geschah, während auf den Monitoren zu sehen war, was die A.C.s aus den zahlreichen Aufzeichnungen machten. Christopher hatte versucht, es mir zu erklären, und ich hatte mich dabei besser angestellt als bei dem ganzen Militärblabla, das Martini mir hatte beibringen wollen. Natürlich war mir nicht klar, wie das alles im Einzelnen funktionierte, doch das Wesentliche war, dass sie umso mehr Bildwandler benötigten, je mehr Kameras, Handys und Satelliten einen Zwischenfall mit einem Überwesen aufzeichneten.

Der Anzahl der Personen im Raum nach zu urteilen, gab es in diesem Teil Paraguays eine Menge mehr Kameras, als ich je für möglich gehalten hätte. Das Gebiet, das ich auf dem großen Bildschirm sah, schien mir jedenfalls nicht besonders dicht besiedelt zu sein.

Christopher stand vor dem größten Monitor und wandelte das Bildmaterial um, während er gleichzeitig Befehle bellte. Im Gegensatz zu Martini bellte er sie jedoch mit menschlicher Geschwindigkeit. Und anders als auf Martinis Seite konnte ich hier sehen, wie die Befehle umgesetzt wurden.

»Ich will, dass auf allen Handyaufnahmen nur verschwommene Gestalten zu erkennen sind«, blaffte Christopher. »Die Videoaufnahmen sollen paraguayanische Ureinwohner bei einem Volkstanz oder etwas in der Art zeigen. Nehmt dafür Archivaufnahmen.«

Die Bildwandler, die sich um die Handyaufnahmen kümmerten, hatten es leicht, soweit ich das beurteilen konnte. Die Aufnahmen auf ihren Monitoren verschwammen, bis es aussah, als filme jemand mit schlimmen Zuckungen die Innereien eines euphorischen Eichhörnchens.

Ich fand es spannend, dass der Begriff »Archivaufnahmen« anscheinend in der ganzen Galaxis verwendet wurde, oder jedenfalls von den hier auf der Erde anwesenden Vertretern. Es gab eine beträchtliche Auswahl. Einiges erkannte ich aus einer National-Geographic-Sendung wieder, andere Aufnahmen waren mir völlig fremd. Doch alle Bildschirme zeigten Menschen, denen man ansah, dass sie ihre Volkstänze nur für die Kameras aufführten. Es war eindeutig, dass es keine authentischen Mitschnitte waren.

Ein A.C. kam von der anderen Seite herübergerannt. »Commander White, Commander Martini sagt, die CIA im Einsatzgebiet mache Probleme.«

»Wie immer«, grollte Christopher. »Was wollen sie diesmal?«

Der A.C. schluckte. »Sie wollen die Kontrolle über diese Überwesen erlangen, ohne sie zu töten.«

»Was?«, explodierte Christopher. »Sind die verrückt geworden? Ist das ihr erklärtes Ziel?«

»Nein, Sir. Commander Martini konnte es aus ihren emotionalen Reaktionen schließen.« Der A.C. hüstelte. »Wir anderen konnten es daraus schließen, dass sie unseren Agenten befohlen haben, sich zurückzuziehen und die Angelegenheit ihnen zu überlassen.«

»Oh, genau wie in Aliens – Die Rückkehr.«

Christopher sah mich verwirrt an, und ich zuckte mit den Schultern. Ich vergaß immer wieder, dass sich A.C.s nie irgendwelche Science-Fiction-Filme anschauten, hauptsächlich deshalb, weil sie annahmen, es handelte sich dabei um Dokumentationen ihres täglichen Lebens. »Ein klassisches Kinothema. Miese Regierungsbosse wollen die bösen, beinahe unbesiegbaren Monster kontrollieren, und eine Handvoll guter Jungs schafft es dann doch noch, das Ruder rumzureißen, bla bla bla. Soll ich mal mit ihnen reden?«, fragte ich fröhlich.

»Nein, auf keinen Fall, und Jeff wird das sicher auch nicht wollen.« Christopher sah den Überbringer der Nachricht an. »Was hat Commander Martini vor?«

Noch bevor irgendjemand antworten konnte, explodierten sämtliche Überwesen auf den Bildschirmen. Die Bilder wechselten zu letzten Schlussfiguren der Volkstänze, zu Aufnahmen eines Feuerwerks oder einem plötzlichen Schlafanfall des hopsenden Eichhörnchens, je nachdem.

Martini betrat den Raum. »Nachdem unsere argentinischen Freunde das brennendste Problem jetzt mithilfe von Stingergeschossen gelöst haben, würde ich gern den Hauptsitz der CIA ansteuern und mich dort dem Dauerproblem widmen.«

Kapitel 4 »Klasse!« Ich war schon lange scharf darauf, einmal das Hauptquartier der CIA zu sehen. Entsprechend der Hierarchie der A.C.s waren die Einzigen, die mit den hohen Tieren der CIA kommunizieren durften, Christopher und Martini. Nicht einmal der Pontifex, Gower oder Reader durften dorthin. Ich bisher auch nicht, und das hier schien meine große Chance zu sein.

»O nein, auf gar keinen Fall«, sagte Martini ruhig.

Ich zog einen Flunsch, und er schüttelte den Kopf. »Du musst nicht wissen, was genau wir dort drüben tun, und es muss auch nicht sein, dass sie eine noch bessere Vorstellung davon bekommen, was du kannst und was nicht.«

Reader gesellte sich zu uns. »Jeff, ich hatte gerade eine nette kleine Unterhaltung mit deinem speziellen Freund, und er besteht darauf, dass das kein offizieller CIA-Plan war und dass er dich und Christopher auf der Stelle sehen will.«

»Sie haben keinerlei Befehlsgewalt über uns«, knurrte Martini.

Christophers Miene verriet, dass das so nicht ganz stimmte. Ich rief mir die Ereignisse während der Operation Scheusal ins Gedächtnis. Die Verräterseite hatte die CIA definitiv auf Kurzwahl gehabt, und egal, was meine Eltern über den Einfluss der Regierung auf die Centaurionische Division sagten, es überzeugte mich nicht völlig. In den wenigen Monaten, die ich nun hier war, hatte ich den Eindruck gewonnen, dass jede Regierungsstelle in den USA und zumindest jede zweite weltweit anzunehmen schien, dass sie bei den A.C.s etwas mitzubestimmen hatten.

Aber kein Jammern und Schimpfen konnte Martini umstimmen. Ich durfte immer noch nicht mit der CIA abhängen. Er und Christopher erledigten die letzten offenen Fragen, erteilten einige Anweisungen und brachen dann mit Reader in Richtung Startbereich auf. Natürlich folgte ich ihnen in der vagen Hoffnung, vielleicht doch noch eine Erlaubnis aus Martini herauszutricksen.

»Du bleibst hier«, sagte er, während wir nebeneinander her gingen. Sein Arm lag um meine Schultern, und mein Arm war um seine Taille geschlungen. Er klang locker, fühlte sich aber angespannt an.

»Mit wem trefft ihr euch?«

»Mit niemandem, um den du dir Gedanken machen musst.«

»Wie heißt er?«

»Das geht dich nichts an.«

»Ich bin Leiterin der Luftlandedivision. Ich schätze, es geht mich sehr wohl etwas an.«

»Nein.« Er küsste mich auf den Scheitel. »Ich habe hier immer noch das Oberkommando, Schatz. Du bist einfach noch nicht lange genug dabei, um zu wissen, wie man mit diesen Typen umgehen muss, besonders mit ihrem neuen Boss.«

»Dann ist der also auch neu im Job? Vielleicht haben wir da ja eine entscheidende Gemeinsamkeit, eine Art geistige Verbindung.«

Christopher schnaubte. »Niemand ist so neu wie du, Kitty.«

»Er hat diese Position jetzt seit eineinhalb Jahren inne«, erklärte Martini. »Aber er verhandelt schon seit mehreren Jahren mit uns. Wurde befördert, weil er sich so gut mit uns ›verständigen‹ kann.« Martinis Tonfall kam einem Knurren sehr nahe.

»Und warum kannst du ihn dann nicht ausstehen?«

»Weil ich ihm nicht traue. Ich traue überhaupt niemandem in der CIA«, erläuterte er schulterzuckend. »Abgesehen von deiner Mutter.«

Zur selben Zeit, als ich herausgefunden hatte, dass echte Aliens die Erde bewohnten, war mir auch aufgegangen, dass meine Mutter ein geheimes Leben führte. Sie war gar keine Beraterin, sondern eine ehemalige Mossad-Agentin und leitete inzwischen eine Elite-Antiterroreinheit, die direkt dem Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika unterstellt war.

»Meine Mutter gehört nicht zur CIA, sie leitet die P.T.K.E.«

»Auch die ist ein Teil der CIA, Süße«, erklärte Reader. »Sie ist ihr zwar übergeordnet und wird als separate Einheit betrachtet, die direkt dem Weißen Haus unterstellt ist, aber die Gehaltschecks kommen aus Langley.«

»Ich kann Bürokratie nicht ausstehen.«

»Und dass, obwohl wir doch alle so gut darin sind.« Reader grinste. »Hör auf zu schmollen. Du hast später noch genug Zeit, Jeff damit in den Ohren zu liegen.«

Wir erreichten die Schleuse, und irgendjemand kalibrierte. Ich achtete nicht weiter darauf und ließ mich von Martini zum Abschied küssen. Es war wunderbar, wie immer, wenn auch ein bisschen kurz. »Benimm dich«, sagte er mit einem Lächeln. Er warf dem Agenten, der an der Schleuse postiert war, einen Blick zu. »Niemand, nicht einmal Commander Katt, darf uns folgen.

»Jawohl, Sir.« Dieser A.C. gehörte eindeutig zur Security. Sie waren allesamt größer als Martini und strahlten gelangweilte Wachsamkeit aus. Ich würde nirgendwohin gehen, jedenfalls nicht in die Nähe der CIA.

Diese Schleuse war eine der größeren, sodass sie zusammen durchgehen konnten. Wir sahen zu, wie sie langsam verschwanden. Ich musste mich zusammenreißen, um sie nicht zurückzuziehen und mich beim Anblick des Flimmerns, mit dem sie verschwanden, nicht zu übergeben. Dann machten Reader und ich uns wieder auf den Rückweg zum Stockwerk, in dem die Bat-Höhle lag.

Sobald wir hinausgegangen waren, begann mein Handy »My Best Friend« von Queen zu flöten. »Hast du den Klingelton immer noch nicht geändert?«, fragte Reader, während ich in meiner Tasche nach dem Telefon kramte.

»Ich wüsste nicht, warum. Das wäre genauso unsinnig, wie wenn ich nicht mehr mit dir zusammen sein dürfte. Ihr beide seid meine engsten Freunde, und er ist außerdem auch noch mein ältester Freund.«

Reader schüttelte den Kopf. »Jeff mag es nicht besonders.«

»Und ich mag es nicht besonders, dass ich nicht mit zur CIA darf – dann sind wir also quitt.« Ich entfernte mich ein Stück von ihm, bevor ich abnahm. »Hi Chuckie, was gibt’s?«

»Geht es dir gut?« Er klang besorgt. Natürlich, er klang seit Monaten besorgt – seitdem ich ein Geheimnis daraus machte, wo ich war, was ich dort tat und mit wem ich es tat.

»Prächtig. Warum?«

»Ich war nur neugierig. Gehst du zum Klassentreffen?«

»Bist du auf Drogen?«

Er schnaubte. »Einen so krassen Umschwung im Lebenswandel habe ich nicht zu vermelden, nein.«

»Okay, dann ist ja gut. Und nein, natürlich gehe ich nicht hin.« Glaubte ich jedenfalls. »Wolltest du etwa hingehen?« Ich konnte mir beim besten Willen nicht vorstellen, warum. Chuckie war bis heute stets der schlauste Kerl in jedem Raum, den er betrat. Die Highschool waren vier Jahre Folter für ihn gewesen. Ich verstand immer noch nicht, warum er nicht einfach gleich im ersten Jahr seine Abschlussprüfungen absolviert und schnurstracks aufs College gegangen war. Stattdessen hatte er es durchgestanden.

Inzwischen war er entweder ein heißer Anwärter auf den Preis für den »Überraschungsdurchstarter« oder den »Klassenhelden«. Möglicherweise auch für beide. Während unseres ersten Jahrs an der Arizona State University hatte er sich von einem zu klein geratenen, aknegeplagten, streberhaften Flaschenbodenbrillengläserträger zu einem fast zwei Meter großen, glatthäutigen, gut aussehenden Kontaktlinsenträger gemausert. Außerdem war er inzwischen Multimillionär und hatte es trotzdem geschafft, derselbe gutmütige, coole, lustige, hilfsbereite und fürsorgliche Typ zu bleiben, der er schon immer gewesen war.

»Eigentlich nicht.« Es klang ausweichend. »Aber ich dachte, wenn du hingehst, gehe ich vielleicht auch.«

»Na gut, wenn ich meine Meinung also doch noch irgendwie ändern sollte, sage ich dir Bescheid.« Oder eher, wenn Martini meine Meinung doch noch irgendwie ändern sollte, doch das war nicht sehr wahrscheinlich, und ich wollte diese Möglichkeit lieber unerwähnt lassen. Ich hatte Chuckie noch nicht einmal erzählt, dass ich einen festen Freund hatte, weil er meinen Neuen dann sicher treffen wollte – und es war völlig unmöglich für mich, Chuckie ins Gesicht zu lügen, schon gar nicht im Hinblick auf die Tatsache, dass es Aliens auf der Erde gab. Martini wusste das, aber es kümmerte ihn nicht. Kein bisschen. Zwar wollte er keineswegs, dass ich Chuckie die Wahrheit über ihn erzählte, aber es machte ihm schwer zu schaffen, dass Chuckie mich so gut kannte und dass ich sie voneinander fernhielt.

»Klingt gut. Wie läuft’s bei der Arbeit?« Er klang, als erwarte er gar nicht erst eine ehrliche Antwort.

»Klasse.« Na ja, das stimmte ja auch. Ich war zwar keine Marketingmanagerin mehr, aber dass ich meine Arbeit mochte, war immerhin nicht gelogen. »Bin sehr beschäftigt. Wie steht’s mit dem Aktienhandel?«

»Prima. Bin auch sehr beschäftigt.« Er lachte leise. »Du kennst das ja.«

»Eigentlich nicht, aber ich vertrau dir da.«

Einen Moment lang schwieg er. »Ja. Ich vertrau dir da auch. Kitty?«

»Ja?«

»Versprich mir, wenn du jemals in etwas hineingerätst, das du nicht mehr im Griff hast, wenn du jemals in eine Gefahr gerätst, aus der du nicht mehr herauskommst, wenn du irgendwie feststeckst oder aus irgendeinem Grund unglücklich bist … versprich mir, dass du mich dann sofort anrufst und mich dir helfen lässt.«

Das war zwar absolut typisch für seinen Charakter, aber trotzdem sehr merkwürdig. Chuckie war immer für mich da gewesen, seit unserem ersten Tag an der Highschool, und ich war genauso immer für ihn da gewesen. Doch diese Bitte kam völlig unvermittelt.

»Komm schon, du weißt doch, dass ich auf keine Verbindungspartys mehr gehe und auch nicht mehr aus Sangriawannen trinke.«

»Das behauptest du. Versprich es mir, Kitty.« Chuckies Tonfall duldete keinen Widerspruch.

Ich schluckte. Zurzeit geriet ich regelmäßig, manchmal sogar stündlich in Schwierigkeiten. Natürlich war ich damit bisher immer fertig geworden oder Martini hatte mich gerettet, aber früher hatte ich stets Chuckie angerufen, wenn mir etwas über den Kopf wuchs.

Ich verspürte einen überwältigenden Drang, ihm alles zu erzählen. In der Highschool hatten ihn alle außer mir Chuck den Verschwörer genannt, und auch im College wurde er diesen Spitznamen nicht los. Teilweise deshalb, weil er daran glaubte, dass es auf der Erde Außerirdische gab. Er war mein ältester Freund, und ich hätte ihm so gern gesagt, dass er die ganze Zeit über recht gehabt hatte.

Aber nicht ohne Grund galt für mich eine erschreckend hohe Geheimhaltungsstufe, was mir verbot, Chuckie irgendetwas zu erzählen. Ich holte tief Luft, atmete dann langsam wieder aus und schob alle Schuldgefühle und Wünsche beiseite. »Versprochen. Und das Gleiche gilt für dich, okay? Wenn du mich je brauchst, dann sag es mir, und ich werde da sein.« Na gut, ich hatte vielleicht den Wunsch, ihm alles zu erzählen, erfolgreich verdrängt, meine Schuldgefühle schienen es sich jedoch gemütlich gemacht zu haben.

Er seufzte. »Das hoffe ich.« Er räusperte sich. »Pass auf dich auf, ja?«

»Du auch. Chuckie?«

»Ja?«

»Du wirst immer mein Freund bleiben, richtig?«

Ich konnte hören, dass er lächelte. »Richtig.«

»Dann ist die Welt für mich in Ordnung.«

»Für mich auch, Kitty«, sagte er langsam. »Für mich auch.«

Kapitel 5 Wir legten auf, und ich war irgendwie besorgt, auch wenn es dafür eigentlich keinen Grund gab. Bald musste ich mich auf den Weg zu meinen Eltern machen und hatte keine Ahnung, wie lange Martini noch weg sein würde.

Wie aufs Stichwort klingelte mein Handy. »Du machst dir Sorgen«, sagte Martinis gedämpfte Stimme. »Warum?«

Ich hatte den Eindruck, dass er nicht allein war, und wollte lieber nichts von dem Anruf erzählen. »Ach, ich habe mich nur gefragt, ob wir wohl zu spät zum Abendessen kommen.« Was ich mich tatsächlich fragte, war, ob er wohl über diese große Entfernung hinweg spüren konnte, dass ich log, und ich hoffte inständig, er könnte es nicht.

»Ach so.«

Er klang nicht, als würde er mir das abkaufen. Verdammt.

»Unser Kontaktmann hat uns warten lassen, weil er vorher noch seine Freundin anrufen musste«, grollte er. »Also wird es wohl noch etwas dauern.«

»Du rufst doch auch gerade deine Freundin an«, bemerkte ich, obwohl ich keine Ahnung hatte, warum ich diesen namenlosen CIA-Boss auch noch in Schutz nahm. Da kam mir ein interessanter Gedanke. »Ooooh. Ist er vielleicht verheiratet, und du glaubst, dass er gerade seine Geliebte an der Strippe hatte?«

»Das hier ist keine Folge von Desperate Housewives«, blaffte Martini. »Und nein, soweit ich weiß, ist er nicht verheiratet. Suchst du nach einer besseren Partie?«

»Ich habe immerhin den Chef der A.C.s an der Angel. An dieser Besetzung muss erst mal nichts geändert werden.« Schon gar nicht zugunsten eines womöglich dickbäuchigen und kahlköpfigen alten Sacks, der wahrscheinlich frappierende Ähnlichkeit mit einem räudigen Frettchen hatte. Zumindest, wenn ich danach ging, wie Christopher und Martini für gewöhnlich alles und jeden in der CIA beschrieben.

»Da bin ich ja erleichtert.« Martinis Sarkasmus lief bereits auf Hochtouren. Mr. CIA-Boss tat mir leid.

»Jeff, entspann dich. Was machen wir heute Abend?«

Er seufzte. »Geh schon mal ohne mich zu deinen Eltern, Baby.«

»Soll ich nicht lieber auf dich warten?«

»Ich komme nach, sobald ich kann, aber dafür brauche ich wohl entweder eine mobile Schleuse, oder ich schalte um auf Hyperspeed.«

»Okay, dann mache ich mich jetzt auf den Weg. Kann ich mein Auto nehmen?«

»Natürlich. Ich liebe dich.«

»Ich liebe dich auch, Jeff.«

»Schön zu wissen.« Beim Auflegen hatte er immerhin fröhlicher geklungen als beim Anrufen.

Meine Handtasche hatte ich bei mir, und meine Eltern legten keinen Wert auf Förmlichkeiten, also musste ich mich nicht noch groß umziehen. Ich machte mich auf den Weg nach oben, wo unter anderem auch der Fuhrpark untergebracht war. Das oberste Stockwerk des Forschungszentrums war eigentlich das Erdgeschoss, da die Etagen nach unten in den Erdboden gebaut worden waren. Die A.C.s konnten wirklich Erstaunliches mit der Beleuchtung anstellen, denn zur entsprechenden Zeit schien immer alles in helles Tageslicht getaucht zu sein.

Ich fand mein Auto, einen schwarzen Lexus IS300. Gangschaltung, Ledersitze, winziger Wendekreis und schneller von null auf hundert, als ich jemals einem Polizisten oder meinem Vater gegenüber zugeben würde. Ich liebte mein Auto. Auch unter den anderen Fahrzeugen hier stach es heraus. Beinahe jedes Transportmittel der A.C.s war grau. Warum das so war, hatten sie mir bisher noch nicht erklärt, und es rangierte recht weit unten auf meiner langen Fragenliste.

Nun musste ich den langwierigen, schrecklichen Schleusentransport von Dulce zum Stützpunkt in Caliente durchstehen. Ich hatte es schon lange aufgegeben, dabei auf cool zu machen, und schloss die Augen, sobald es losging. Ich merkte es sofort, wenn ich durch war, weil sich mein Magen ab dieser Sekunde wieder beruhigte.

Der Stützpunkt in Caliente war kleiner als das Forschungszentrum, aber es war trotzdem ein typischer A.C.-Stützpunkt, was bedeutete, dass das höchste Stockwerk dem Erdgeschoss entsprach und es von dort aus abwärtsging. »Kleiner« war natürlich ein relativer Begriff. Ich hatte noch immer keine klare Vorstellung davon, wie groß das Forschungszentrum wirklich war, doch mittlerweile lebte ich seit fünf Monaten dort und hatte noch immer nicht jeden Winkel in jeder Etage erkundet, was nicht an mangelndem Interesse lag, sondern daran, dass ich mich ständig verlief. Nach meinem Empfinden passten dort mindestens fünfzehn Pentagons rein, vielleicht auch noch mehr.

Der Caliente-Stützpunkt war dagegen einfach nur sehr, sehr groß. Er war unter einer angeblichen UFO-Absturzstelle errichtet worden. Ich versuchte, nicht an Chuckie zu denken, doch es gelang mir nicht. Früher waren wir hier durch die Gegend getrampt und hatten nach besagter Absturzstelle gesucht, den Eingang jedoch nicht gefunden. Vermutlich war er verhüllt gewesen. Die A.C.s verfügten über Technologien, bei deren Anblick die Star-Trek-Erfinder sie vermutlich wegen Urheberrechtsverletzung verklagt hätten.

Wie im Forschungszentrum und in jedem anderen A.C.-Stützpunkt befand sich der Fuhrpark im Erdgeschoss. Ich winkte fröhlich und fuhr hinaus ins echte Tageslicht, ohne einen Unterschied zur A.C.-Beleuchtung zu erkennen.

Ich genoss die Fahrt zum Haus meiner Eltern. Es war schon fast ein fremdes Gefühl, eigenhändig und in normalem Tempo durch die Straßen von Pueblo Caliente zu kutschieren. Keine Schleusen, kein Hyperspeed, keine Limousinen mit Chauffeur.

Mein Telefon klingelte. Glücklicherweise gehörte auch eine Freisprechanlage zu dem ganzen Schnickschnack, mit dem mein Auto von den A.C.s aufgemotzt worden war. Es war auf automatische Rufannahme eingestellt. »Hallo?«

»Hey, Kit-Kat! Wie ist die Lage?« Es war Caroline, meine frühere Zimmergenossin aus der Studentinnenverbindung. Wir redeten uns noch immer mit unseren Spitznamen aus jener Zeit an, weil sie eben immer noch gut passten.

»Jo, Caro Syrup! Sonnig und heiter, wie immer. Was gibt’s?«

»Ich hab den Job!«, quietschte sie.

Auch ich brach in schrilles Gekreische aus, bevor die Wirklichkeit mich einholte. »Ähm … welchen Job?«

Sie lachte. »Bei dem Senator. Das hab ich dir doch erzählt.«

Ich überlegte fieberhaft. Hatte sie tatsächlich. Caroline war mir, was schriftliche Korrespondenz anging, klar überlegen. Sie schickte regelmäßig Nachrichten an jedes Mädchen, das gleichzeitig mit uns ihre Probezeit in der Verbindung durchlebt hatte, an alle Schwestern ihres Jahrgangs und auch sonst an jedes Mitglied der Schwesternschaft, das sie mochte. Was bedeutete, dass sie so gut wie jedem Mädchen dort mindestens alle drei Monate schrieb. Persönliche Briefe. Handgeschrieben. Und irgendwie schaffte sie es trotzdem noch zu arbeiten, zu essen und zu schlafen.

»Oh, richtig. Das ist ja toll. Wann fängst du an?«

»Schon diese Woche. Meine Einarbeitung und so weiter hab ich schon hinter mir.«

»Pass bloß auf, dass du nicht zur Praktikantinnen-Klatschsensation der Woche wirst.«

Sie schnaubte. »So ist unser Senator nicht. Er ist ein echter Schatz und sehr fürsorglich, und seine Frau ist auch total engagiert. Sie ist echt großartig. Und außerdem Mitglied unserer Verbindung«, bemerkte sie leicht vorwurfsvoll.

Träge regte sich eine Erinnerung. Unserer Studentinnenverbindung gehörten viele erfolgreiche Absolventinnen an, und eine von ihnen hatte tatsächlich den dienstältesten Senator von Arizona geheiratet. »Klasse, dass sie dir geholfen hat, den Job zu bekommen.«

»Deine Mutter und Chuck haben aber auch ihren Teil beigetragen. Ich war übrigens mit ihm Mittag essen. Er sieht echt umwerfend aus.«

»Der Senator?« Wieso half meine Mutter irgendjemandem, einen Job zu bekommen? Für mich hatte sie das noch nie getan. Ich nahm an, Caroline hatte Chuckie als Referenz angegeben. Empfehlungen von reichen und genialen Menschen zogen immer.

»Sag mal, steckst du gerade in irgendetwas Wichtigem?«

»Ich fahre nur Auto.«

»Na, dann fahr an den Rand und hör mir zu. Den Senator sehe ich doch jetzt jeden Tag. Nein, ich war mit Chuck essen.«

»Oh.« Mir kam ein Gedanke. »Seid ihr zusammen?«

»Nein, da musst du dir keine Sorgen machen«, sagte sie lachend.

»Hä?«

Sie seufzte. »Weißt du, was ich am meisten an dir mag?«

»Meinen Musikgeschmack?«

»Nein, aber fast. Du bleibst einfach immer die Alte.«

»Ich schätze, das sollte mir jetzt zu denken geben.«

»Ach was. Ich muss los. Grüß deine Eltern von mir, und sag deiner Mutter noch mal vielen Dank.«

»Das mache ich. Halt mich auf dem Laufenden.«

»Mache ich. Chuck sieht wirklich unheimlich gut aus«, fügte sie noch hinzu.

»Schön zu hören. Ist er denn in D.C.?« Normalerweise hielt sich Chuckie zu dieser Jahreszeit immer in Australien auf.

»Ja.« Beinahe konnte ich hören, wie sie mit den Augen rollte.

»Na ja, es hätte ja auch sein können, dass du in Australien bist.«

Caroline lachte. »Oder in Paraguay.«

»Warte mal kurz und bleib dran!« Ich fuhr an den Straßenrand und hielt an. »Warum ausgerechnet in Paraguay?«

»Ach, da gab es heute einen Militäreinsatz. Die Regierung ist involviert. Inzwischen scheint die Lage wieder unter Kontrolle zu sein, aber jetzt geht die übliche ›Müssen-wir-uns-da-wirklich-einmischen‹-Diskussion los. Der Senator könnte als Mitglied eines Untersuchungsausschusses hingeschickt werden. Er meint, das sei alles Zeitverschwendung, aber wenn er wirklich geht, komme ich auch mit, also hoffe ich natürlich irgendwie, dass es doch so kommt.«

»Hältst du mich darüber auf dem Laufenden?«

»Das alles ist sozusagen geheim. Vermutlich hätte ich dir gar nichts davon erzählen sollen.«

»Ich wusste es schon.«

Sie blieb einen Moment lang still. »Das hat sich ja schnell rumgesprochen.«

»Wenn du wüsstest. Sag mir einfach, was du kannst, ja? Sozusagen als Gefallen unter Schwestern?«

Sie seufzte. »Mach ich.« Das war immerhin etwas. Vielleicht hatte ich damit ja endlich einen »Insider« in Washington auf Kurzwahl. »Jetzt muss ich aber wirklich los. Ich melde mich wieder, Kit-Kat!«

»Bis bald, Caro Syrup!«

Wir legten auf, und ich saß einige Minuten lang nur still da. Bisher war ich nicht in Regierungsangelegenheiten verwickelt wie Martini und Christopher. Nach allem, was ich wusste, gab sich die US-Regierung immer »besorgt«, wenn es einen Zwischenfall mit einem Überwesen gab, und diejenigen, die eingeweiht waren, taten, als sei das alles »keine große Sache«. Daraus schloss ich, dass unser Senator Bescheid wusste. Was wiederum die Frage aufwarf, wer noch alles im Bilde war.

Tja, glücklicherweise würde ich ja genau die richtigen Ansprechpartner für diese Frage zum Abendessen treffen.

Kapitel 6 Ich fuhr wieder auf die Straße und parkte wenig später vor dem Haus meiner Eltern. Nachdenklich musterte ich es. Hier war ich aufgewachsen, in einem ganz normalen Mittelschicht-Reihenhaus. Zweistöckig, zwei Garagen, 75 Quadratmeter. Nicht gerade winzig, aber auch nicht riesig. Davor ein typischer Wüstenvorgarten mit Kies und ein paar Kakteen.

Mein ganzes Leben lang hatte ich angenommen, dass ich einmal in einem ähnlichen Haus leben würde. Vielleicht ein bisschen größer oder kleiner, vielleicht sogar in einer anderen Stadt, aber doch ähnlich. Wie ich jetzt lebte und was ich tat, hatte keinerlei Ähnlichkeit mit dem hier. Aber es gefiel mir.

Im hinteren Garten spielte mein Vater Fangen mit unseren vier Hunden. Ich konnte sie zwar nicht sehen, aber umso besser hören. Unsere Hunde bellten wahnsinnig gern und hatten die verschiedensten Tonlagen für jede Gelegenheit parat. Im Moment kläfften sie eindeutig »Stöckchen! Stöckchen! Wirf das Stöckchen!«, und nicht »Gefährlicher Eindringling« oder »Kitty ist da! Schlabberzeit!« Wofür ich äußerst dankbar war. Ich liebte meine Hunde, hatte aber gerade wenig Lust auf eine Dusche.

Ich fand Mum in der Küche. »Hi Kätzchen, wo ist Jeff?« Unser Kater, Zuckerpfötchen, saß auf der Arbeitsfläche und »half« mit, wobei er möglichst nahe beim Essen herumlungerte. Er schnurrte, als ich eintrat, und ich legte ihn mir über die Schultern.

»Er wurde im Hauptsitz der CIA aufgehalten, kommt aber nach, so schnell er kann.« Ich gab ihr einen Kuss. »Was gibt’s zu essen?«

»Ich habe zur Feier deiner ersten eigenen Landung einen Braten gemacht.«

»Lecker.« Unsere anderen beiden Katzen, Candy und Kane, kamen, um sich ihre Streicheleinheiten abzuholen, also streichelte ich sie und wurde mit lautem Schnurren belohnt. Einer der Nachteile daran, im Forschungszentrum zu leben war, dass man dort keine Haustiere halten durfte. Ich vermisste die Viecher die ganze Zeit. »Caroline hat angerufen.«

»Wie geht es ihr?«

»Sie ist aufgeregt. Sie hat den Job bei dem Senator bekommen, und ich soll dir vielen Dank sagen.«

Mum lächelte. »Gut, sie ist ein wirklich fähiges Mädchen.«

»Und deshalb hast du ihr geholfen, einen Job zu bekommen, und mir nicht?«

»Du hast doch schon einen Job.«

»Du weißt genau, was ich meine. Sie hat außerdem erzählt, dass Chuckie ihr geholfen hat.« Jetzt, wo ich so darüber nachdachte, fiel mir auf, dass auch Chuckie mir nie geholfen hatte, einen Job zu kriegen. Anscheinend schienen meine Lieben mich entweder für Miss Überflieger zu halten, die Unterstützung nicht nötig hatte, oder sie wollten ihren Ruf nicht damit beflecken, dass sie eine absolute Stümperin empfahlen. Traurig tippte ich auf Letzteres.

»Na klar, Charles hält wirklich große Stücke auf dich und deine Verbindungsschwestern.«

Wohl wahr. Im Gegensatz zu meinen Klassenkameradinnen auf der Highschool hatten meine Collegefreundinnen ihn sehr gemocht, besonders meine Schwestern aus der Studentinnenverbindung. Zum einen schnitten wir in unseren Kursen viel besser ab, weil Chuckie ein bereitwilliger Nachhilfelehrer war, zum anderen machte es ihm nichts aus, mit uns auszugehen, wenn wir einen Begleiter brauchten. »Ja, diese Sorge hat sich als unbegründet erwiesen.«

Mum zuckte die Schultern. »Deine Freundinnen auf dem College waren eben etwas … scharfsichtiger als die von der Highschool.«

»Vermutlich. Amy und Sheila hätten natürlich gar keine Nachhilfe gebraucht.«

»Deine Verbindungsschwestern mochten Charles ja auch nicht nur deswegen.«

»Auch wieder wahr. Caroline hat gesagt, er sieht gut aus.«

»Schön zu hören. Und wie war dein Tag sonst so?« Es war eine völlig legitime Frage, und Mum klang beiläufig, doch ich vermutete trotzdem, dass sie aus einem bestimmten Grund fragte.

»Prima.« Natürlich unterlag auch Mum der strengsten Geheimhaltungsstufe, und im Gegensatz zu Chuckie wusste sie, dass es Aliens auf dem Planeten gab und auch, was sie hier taten. »Zufälligerweise gab es heute einen Massenvorfall. Und das ausgerechnet in Paraguay.«

Mum zuckte zusammen und sah von den Kartoffeln auf, die sie gerade zu Püree verarbeitete. »Paraguay?«

»Ja. Jeff hat militärische Hilfe aus Argentinien und Brasilien angefordert, und die Argentinier haben die Überwesen in die Luft gejagt. Aber anscheinend war auch die CIA da, und die wollten die Überwesen in einem Stück.«

Mum zog die Brauen zusammen. »Hast du irgendeine Ahnung, warum?«

Ich schnaubte. »Vermutlich, um Supersoldaten aus ihnen zu machen.«

»Und deshalb ist Jeff jetzt in Langley? Um nach dem Rechten zu sehen?«

»Dem Wenigen nach zu urteilen, was ich weiß, meinte der Leiter der CIA-Abteilung, die mit den Centaurionern zusammenarbeitet, dass er nichts damit zu tun hat, und wollte eine Besprechung.«

Einen Moment lang sah Mum erleichtert aus, dann wandte sie sich wieder den Kartoffeln zu.

»Caroline hat auch erwähnt, dass sie vielleicht nach Paraguay fährt.«

Diesmal war Mum vorbereitet, weshalb ihre Reaktion nicht so heftig ausfiel, auch wenn die Kartoffeln etwas energischer gematscht wurden als gewöhnlich. »Interessant.«

Bevor ich sie fragen konnte, warum sie sich überhaupt dafür interessierte – für Paraguay, dafür, dass Caroline vielleicht hinfuhr, und dafür, dass der CIA-Spezi für die Centaurioner vorgab, nichts mit dem Vorfall zu tun zu haben –, kam Dad mit den Hunden herein, und ich wurde unter einer Lawine von Caniden begraben.

Nachdem sich die Hunde wieder beruhigt hatten, umarmte und küsste mich Dad. »Isst du auch genug? Und bekommst du genügend Bewegung?«

»Ja, Dad. Reichlich von beidem.«

»Sol, ich habe den Martinelli vergessen. Könntest du ein paar Flaschen holen?«

A.C.s durften keinen Alkohol trinken, angeblich aus religiösen Gründen. Wir hatten allerdings herausgefunden, dass sie in Wahrheit tödlich allergisch gegen das Zeug waren. Auch ich hatte seit Monaten keinen Alkohol mehr angerührt. Das hier war eine Feier, und da der Champagner flachfiel, begnügten wir uns eben mit dem, was Kinder an Silvester tranken.

»Natürlich.« Dad gab Mum einen Kuss und warf ihr einen wissenden Blick zu, bevor er Richtung Garage davonschlenderte.

Ich überdachte das Ganze. Mum vergaß normalerweise nie etwas, schon gar nicht, wenn sie etwas Prickelndes, Antialkoholisches fürs Abendessen brauchte. Ich musterte sie. »Was würde ich finden, wenn ich jetzt den Kühlschrank oder die Tür zur Speisekammer aufmachen würde?«

Mum grinste. »Nicht schlecht, Kitty. Richtig, ich wollte mit dir sprechen, ohne dass dein Vater dabei ist. Und ohne Jeff. Morgen fliegen dein Vater und ich nach Washington, und diese Gelegenheit ist früher gekommen, als ich dachte, also warum es länger aufschieben?«

»Also, was ist das für ein großes Geheimnis unter Mädchen?«

Mum zuckte die Schultern. »Jeff und du, ihr kommt euch allmählich näher.«

Ich nickte. Das war nicht gerade etwas Neues.

»Ich wollte nur sichergehen, dass du … alle Optionen in Betracht gezogen hast.«

»Mum, um Himmels willen, das mit Christopher und mir würde auf Dauer einfach nicht funktionieren.«

»Ich meine nicht nur Christopher.« Mum warf mir einen wohlbekannten Blick zu, ihren »Mann, bist du schwer von Begriff«-Blick.

»Wen dann? Mir fallen wenig andere Optionen ein, mit denen ich gern etwas ›Dauerhaftes‹ anfangen würde.«

Mum seufzte. »Gehst du zum Klassentreffen?«

»Hat das Komitee verzweifelte Anfragen geschickt, von denen ich nichts weiß? Das hat Chuckie mich heute auch schon gefragt. Und Jeff nervt mich auch die ganze Zeit damit, und, nein, trotz allem habe ich immer noch nicht vor, hinzugehen.«

»Ich finde, du solltest hingehen.«

Ich starrte sie an und fragte mich, ob das ein Witz sein sollte. Allerdings sah sie ganz ernst aus. »Ähm, und warum genau? Ich glaube kaum, dass Amy und Sheila hingehen, und Chuckie hat gesagt, er würde es sich nur überlegen, wenn ich hingehe. Die Highschool war in Ordnung, aber ich verspüre kein übermäßiges Verlangen, mit Leuten in Erinnerungen zu schwelgen, die ich seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen oder gesprochen habe.«

»Vielleicht wird es ja ganz schön.«

»Oder auch nicht.« In Gedanken spielte ich alle möglichen Gründe durch, warum sie so etwas vorschlagen sollte. »Willst du, dass ich dort mit Jeff angebe oder so?« Das hätte allerdings seinen Reiz. Es war praktisch ausgeschlossen, dass sich noch jemand einen derart attraktiven Typen geangelt hatte, es sei denn, sie wären ebenfalls mit einem A.C. oder einem Model zusammen.

»Oder so.« Mum seufzte wieder. »Worüber haben du und Charles noch gesprochen?«

»Woher weißt du, dass wir miteinander gesprochen haben?«

Sie rollte mit den Augen. »Du hast mir doch gerade erzählt, dass er gesagt hat, er würde zum Klassentreffen kommen, wenn du auch hingehst.« Sie schüttelte den Kopf. »Er würde alles für dich tun, das weißt du, oder?«

»Ja.« Diesmal seufzte ich. »Er klang besorgt, aber okay.«

»Hast du ihn in letzter Zeit mal getroffen?«

»Nein.«

Mum funkelte mich an. »Dann hast du also den Mann abserviert, der immer für dich da gewesen ist.«

Wo kam das denn jetzt her? »Nein. Mum, Chuckie ist immer noch einer meiner beiden besten Freunde. Es ist nur … Ich kann ihm nichts von meinem neuen Leben erzählen. Und er merkt es sofort, wenn ich ihn anlüge. Ich … ich will ihm nicht ins Gesicht lügen müssen, verstehst du?«

Mums Miene wurde weicher. »Verstehe. Aber vielleicht solltest du dich trotzdem mit ihm treffen. Das Klassentreffen wäre neutraler Boden.«

»Neutraler Boden? Du meinst, dort wären wir gegen mörderische Kräfte vereint, so wie früher auf der Highschool? Wir haben uns nicht gestritten oder so, wir müssen uns also nicht küssen und versöhnen.«

Ein weiterer »schwer von Begriff«-Blick traf mich. »Kätzchen, ich will doch nur, dass du alle Möglichkeiten in Betracht ziehst.«

»Mum, ich bin in einer festen Beziehung, und bis jetzt mochten du und Dad den Betreffenden doch auch recht gern. Was hast du denn an Jeff auszusetzen, dass du plötzlich nicht mehr willst, dass ich mit ihm zusammen bin?«

»Ich habe gar nichts an Jeff auszusetzen.«

Ich überlegte. »Aber …?«

»Aber … was hält seine Familie von dir?«

Aha. Plötzlich ergab die Sache Sinn. Jetzt war wieder ich mit Seufzen an der Reihe. »Keine Ahnung. Er erlaubt nicht, dass ich sie kennenlerne. Was aber sowieso keine Rolle spielt, oder? Denn völkerübergreifende Ehen sind ja ohnehin nicht erlaubt. Darum geht es doch, oder?«

»Zum größten Teil schon, ja. Zwei Familien zusammenzubringen, ist schon schwierig genug, wenn sich beide Seiten darüber freuen. Wenn das nicht der Fall ist …«

»Tja, ich habe versucht, sie irgendwie kennenzulernen, und ich werde es weiter versuchen.«

»Und hab ein Auge auf deine anderen Möglichkeiten«, ergänzte meine Mutter ernst. »Dein Vater und ich haben Jeff sehr gern, aber wir wollen vor allem, dass du glücklich bist, und Schwiegereltern, die eine Beziehung missbilligen, sind nicht gerade ein Erfolgsrezept für ein glückliches Leben.«

»Mach ich, aber Jeff wird es merken.« Und er konnte es genauso wenig ausstehen, wenn ich andere Männer als potenzielle Partner in Betracht zog, wie es ihn wurmte, dass ich noch regelmäßig mit Chuckie sprach und seinen Klingelton noch nicht geändert hatte. Martinis Eifersucht war beinahe ebenso beeindruckend wie seine Leistungen als Liebhaber.

»Ein bisschen Konkurrenz ab und zu ist sicher nicht schlecht für ihn.«

»Sobald ich die besagte Konkurrenz ausfindig gemacht habe, sage ich dir Bescheid.«

Mum seufzte. »Manchmal bist du wirklich schwer von Begriff.«

»Das ist eine Gabe.«

Kapitel 7 Martini kam gerade, als der Braten aus dem Ofen geholt wurde. Er sah schwer genervt aus. »Ich hasse es, mit der CIA zu verhandeln«, rief er sozusagen zur Begrüßung. »Können wir die nicht irgendwie loswerden?«

»Falls ja, hat noch niemand herausgefunden, wie«, entgegnete Mum trocken, während alle Katzen zu schnurren begannen und zu Martini hinüberwuselten, damit er sie streichelte. Im Handumdrehen hatte er eine Katze auf dem Arm und jeweils eine auf der Schulter sitzen.

Auch die Hunde hatten Martinis Stimme gehört und jaulten fordernd, damit man sie zu ihm ließ. Unsere Hunde mochten uns zwar auch ziemlich gern, aber Martini vergötterten sie geradezu. Aus irgendeinem Grund spielte die Vorliebe, die unserer Hunde und Katzen für Martini hegten, eine wichtige Rolle für meine Eltern. Sie legten sowieso mehr Wert auf die Meinung der Haustiere als auf meine – tragisch, aber wahr.

Nachdem sich die Katzen gerade noch rechtzeitig in Sicherheit gebracht hatten, erreichte Dotty, die Dalmatinerhündin, ihn als Erste, dicht gefolgt von Duke, dem schwarzen Labrador und der Pittbull-Dame Duchess. Unsere Dänische Dogge Dudley ließ es zwar gemächlicher angehen, dafür belegte sie Martini dann aber vollends mit Beschlag, indem sie ihm die Vorderpfoten auf die Schultern legte und seinem Gesicht eine Generalreinigung verpasste.

Nachdem diese tierische Standardbegrüßung überstanden war, ging sich Martini waschen, und wir deckten den Tisch. Wir plauderten oberflächlich, bis schließlich wieder irgendwie das Thema Klassentreffen auftauchte. Sowohl meine Eltern als auch Martini versuchten, mich davon zu überzeugen, dass es eine gute Idee wäre hinzugehen. Um nicht schreiend auf die Straße rennen zu müssen, versuchte ich es mit einem Ablenkungsmanöver.

»Also, warum fahrt ihr beide eigentlich morgen nach Washington?«

»Ein paar Politiker machen Probleme«, antwortete Mum seufzend.

»Was für Probleme?«

»Probleme, die der höchsten Geheimhaltungsstufe unterliegen.«

»Zu der ich Zugang habe, wie ihr wisst. Also raus damit.«

Mum funkelte mich an. »Nein.«

Ich sah zu Dad hinüber. Er schien sich zu winden. »Oh. Es geht um die Centaurionische Division.«

Martini furchte die Stirn. »Was ist denn jetzt wieder los?«

Erneut stieß Mum einen Seufzer aus. »Eigentlich hat die Centaurionische Division gar nicht so viel damit zu tun. Auch wenn der Vorfall in Paraguay aus mehreren Gründen besorgniserregend ist. Wir bekommen Druck von allen Seiten. Mehrere Unterausschüsse des Repräsentantenhauses und des Senats beschäftigen sich mit Angelegenheiten, die entweder direkt oder indirekt mit der Centaurionischen Division zu tun haben.«

»Wow, das war aber eine Menge schwammiges Blabla.«

Jetzt erwischte mich ihr Mutterblick. »Welcher Teil von ›ich erzähle es dir nicht‹ ist so schwierig zu verstehen?«

»Und welchen Teil von ›erzähl es mir trotzdem‹ verstehst du nicht?«

Sie rollte mit den Augen. »Warum ich?«

»Wie die Mutter, so die Tochter?«, schlug Martini vor. »Mich würde das natürlich auch interessieren.«

Mum schnaubte. »Da du der Leiter aller A.C.-Militäraktionen bist und damit gleichzeitig A.C.-Regierungschef, ist es mir nicht gestattet, es dir zu erzählen, Jeff.«

Er schüttelte den Kopf. »Richard ist der Führer unseres Volkes.«

»Der religiöse Führer, ja«, stimmte Mum zu. »Aber wer erteilt den Befehl, das Feuer zu eröffnen oder einzustellen? Wer entscheidet, ob ihr kämpft oder nicht, oder welche Forschung vorangetrieben wird? Das bist du.«

Martini zuckte die Schultern. »Christopher entscheidet genauso. Und wenn man’s genau nimmt, auch mein Vater. Und Richard.«

Ich hüstelte. »Aber wenn es hart auf hart kommt, müssen sie alle drei deinem Befehl folgen.«

Er wirkte verlegen. »Ich schätze schon.«

Dad räusperte sich. »So einfach ist es nicht.« Wir sahen ihn an, und er zuckte die Schultern. »Ist es wirklich nicht. Ich habe mir einmal genau angesehen, welche Vereinbarungen die Centaurionische Division mit der Regierung der Vereinigten Staaten getroffen hat. Es gibt zwar eine festgelegte Rangfolge, aber auch ein System der gegenteiligen Kontrolle und Gewaltenteilung.«

»Und Jeff und Christopher sind die gegenseitige Kontrolle, und Richard ist die Gewaltenteilung?«

Dad lächelte mich an. »So ungefähr, ja. Die Forschung liegt allerdings in einem allgemeineren Zuständigkeitsbereich. Aber«, fügte er unter Mums strengem Blick an, »wenn Jeff anordnen würde, dass ein Projekt durchgeführt oder eingestellt werden soll, würde es dementsprechend passieren.« Martini nickte. »Das gilt auch für Richard. Und es gibt einige Bereiche, auf die Christopher und ich keinen Einfluss haben.« Plötzlich wirkte er verlegen und aufgebracht und vertiefte sich völlig in die Betrachtung seines Essens.

Man musste kein Genie sein, um zu erraten, warum. »In allen sozialen und religiösen Angelegenheiten ist das, was der Pontifex sagt, Gesetz, richtig?«

»Ja. Und er muss dabei sehr viel mehr als nur seine eigene Meinung berücksichtigen«, sagte Martini seufzend.

Auch das war nichts Neues. »Ich weiß. Die ältere A.C.-Generation ist nicht besonders begeistert davon, sich mit Menschen zu vermischen.«

»Einige der jüngeren auch nicht«, warf Dad leise ein.

»Seit wann das denn?« Alle jüngeren A.C.s, die ich kannte, waren sehr wohl begeistert davon.

»Ich treffe andere A.C.s als du, Kätzchen. Und einige sind, na ja, sagen wir mal konservativer als andere. Natürlich ist das nicht die Mehrheit. Die meisten hoffen, dass sich die Dinge ändern und dass sie dann Menschen heiraten dürfen. Für ein paar von ihnen wäre es in Ordnung, wenn die Menschen vorher zur A.C.-Religion konvertieren. Aber genau wie nicht alle älteren A.C.s gegen solche Verbindungen sind, sind auch nicht alle der jüngeren dafür.«

Tja, irgendwie war dieses Thema inzwischen sogar noch unerfreulicher geworden als das Klassentreffen. Ich versuchte noch einen Themenwechsel, auf die Gefahr hin, damit in puncto Tischgespräch zum dritten Mal ins Klo zu greifen. »Also, Mum, mit welchen Politikern triffst du dich denn so?«

»Mit dem Präsidenten und seinen engsten Beratern«, erwiderte sie schnell. Ich hatte den Eindruck, sie wollte uns auf ein Thema bringen, bei dem wir einen gemeinsamen Feind hatten. »Und mit etlichen der einflussreicheren Senatoren und Repräsentanten.« Sie verzog das Gesicht. »Und dann natürlich noch mit ein paar echt widerlichen Typen.«

»Zum Beispiel?« Ich liebte Klatsch. Ich kannte keinen dieser Menschen persönlich, also war das hier wie eine D.C.-Spezialausgabe vom Klatschmagazin E!. »Gibt es da irgendwelche schmutzigen Affären?«

Mum brach in Gelächter aus und prustete beinahe ihren Apfelsaft über den Tisch. Auch Martini und Dad amüsierten sich köstlich. »Kitty, das ist Washington, da gibt es praktisch nichts als schmutzige Affären, egal, in welcher Hinsicht.«

»War doch nur ein Witz«, murmelte ich. Na, immerhin hatten die anderen ihren Spaß. »Ich dachte nur, es wäre vielleicht interessant zu hören, wie diese Politiker, mit denen du zusammenarbeitest, so sind. Ich weiß zwar, dass du den Präsidenten magst, aber ich dachte, vielleicht gibt es da die eine oder andere Info, die du uns weitersagen kannst.« Zum Beispiel, wer wen im Visier hatte, aber das fragte ich lieber nicht laut.

»Bete, dass du niemals einem von diesen Typen über den Weg läufst, mit denen ich es gerade zu tun habe«, befand Mum.

»Reid zum Beispiel«, bestätigte Dad. Mums Blick traf ihn, und er klappte den Mund zu.

»Welche Unterausschüsse sind denn in die Sache verwickelt?«, fragte Martini, bevor ich nachhaken konnte, wer Reid war und warum ich ihm oder ihr aus dem Weg gehen sollte. Ich hatte den Eindruck, Martini wollte einen Familienstreit vermeiden, und wer, wenn nicht er, musste es merken, wenn andere aufgebracht waren. Ich beherrschte meine Neugier.

»Der Ausschuss des Repräsentantenhauses für Südamerikapolitik, der Gemeinsame Ausschuss für Nationale Sicherheit und der Immigrationsausschuss des Repräsentantenhauses.«

Oh, na klar, wenn ich eine Frage stellte, lachte sie mich aus, aber wenn Martini etwas wissen wollte, sagte sie ihm sofort alles. »Und was ist an denen so wichtig, dass du es nicht mit uns besprechen kannst?« Okay, aber immerhin hatte ich meine Neugier bezüglich dieses Reid-Menschen und wie er mit vollem Namen hieß beherrscht.

Alle sahen mich resigniert an. Ich überlegte und rief mir wieder ins Gedächtnis, was Chuckie mir jahrelang darüber gepredigt hatte, nichts und niemandem zu trauen. »Wir hatten gerade Überwesen in Paraguay, das dürfte auf jeden Fall ungemütlich sein, egal, wer was weiß. Sicherheit und Überwesen hängen auf jeden Fall schon mal zusammen.« Ich sah Martini an. »Und ich schätze, wir haben tatsächlich einen Haufen Immigranten, die genauso in den amerikanischen Melting-Pot gehören wie alle anderen.«

Mum nickte. »Genau. Schön zu sehen, dass nicht alles Geld, das wir in deine Ausbildung investiert haben, für Studentenpartys, Comics, CDs und Footballspiele draufgegangen ist.«

»Vergiss den Beitrag für die Studentinnenverbindung nicht. Apropos, ist Caroline in Sicherheit?«

»Ja, und über mehr sprechen wir nicht. Jedenfalls nicht jetzt.« Ein besorgter Ausdruck flackerte über ihr Gesicht, doch dann lächelte sie wieder. »Zum Nachtisch gibt es Schokoladenkuchen.« Sie stand auf und ging in die Küche.

Auch ich wollte mich erheben, doch Dad räusperte sich leise. »Lass sie, Kätzchen. Glaub mir.«

Martini nickte. »Wir finden bestimmt schnell genug heraus, worum es geht.«

Ich musterte ihn. Er sah ein wenig zu beiläufig aus und schien kein bisschen aufgebracht zu sein. »Mit anderen Worten, du meinst, dass du es schon weißt und dass ich es eines Tages vielleicht auch noch herausfinden werde.«

Martini grinste. »Ich stehe auf kluge Frauen.«

Kapitel 8 Der Rest des Abends verlief ereignislos. Kurz nach dem Dessert gingen wir, da meine Eltern noch für ihre mysteriöse Reise packen mussten, bei der jeder außer mir wusste, worum es ging. Ich kutschierte uns zurück zum Caliente-Stützpunkt, während sich Martini auf dem Beifahrersitz lümmelte und strikt weigerte, mir irgendetwas zu erzählen. Ich war mir sicher, dass er es lustig fand, mich in den Wahnsinn zu treiben. Er musste den Sitz zwar so weit zurückschieben, wie es nur ging, behauptete aber trotzdem, er würde mein Auto lieben. Sein Glück, denn ich würde es nicht weggeben. Niemals.

Der Schleusentransport zum Forschungszentrum war nicht so schlimm, weil ich Martini ansehen konnte, bis mein Magen mich zwang, die Augen zu schließen, und weil er dann meine Hand hielt und ich seine so fest drücken konnte, wie es nötig war.

Kein Jammern, Betteln oder Schmeicheln half, also schliefen wir nach ein paar Stunden unfassbar gutem Sex schließlich ein. A.C.s hatten unglaubliche Selbstheilungs- und Regenerationskräfte, woran Martini mich mit erfreulicher Regelmäßigkeit erinnerte.

Mein erster Tag als Pilotin mit Fluglizenz oder jedenfalls als Pilotin, bei der es für A.C.-Einsätze reichte, war langweilig. Auf der ganzen Welt passierte nichts Besonderes. Es gab zwar ein paar Überwesen, doch sie manifestierten sich in ländlichen Gegenden Kaliforniens und Frankreichs und waren schnell erledigt, kein Leiter von irgendwas wurde benötigt.

Ich war es nicht gewohnt, dass das Alpha Team nichts zu tun hatte, und es machte mich extrem nervös.

»Baby, beruhig dich«, sagte Martini ungefähr zum zehnten Mal, während wir mit dem Rest des Alpha Teams um die Kommandozentrale im Hauptquartier herumlungerten, weil wir schon alle »Einsatzorte« des Forschungszentrums abgeklappert hatten. Doch an denen war auch nichts los gewesen. »Auch wir dürfen mal ruhige Tage haben.« Er klang und wirkte so entspannt, als wären wir im Urlaub.

Das machte mich nur noch angespannter. Der Rest des Teams entfernte sich, vermutlich, weil meine Nervosität ihre innere Ruhe störte oder so. »Das ist nur die Ruhe vor dem Sturm. Wir müssen uns bereithalten.«

Er seufzte. »Nicht nötig. Wir können in Sekundenschnelle loslegen, wir müssen nicht die ganze Zeit wie auf Kohlen sitzen.« Er blieb stehen und schob mich vor sich. Dann begann er, meine Schultern zu massieren. »Du bist unglaublich besorgt. Warum?«

Ich wollte gerade antworten, als Freddy Mercurys Stimme erklang. Ich kramte mein Handy aus der Tasche, Martini grollte. Ich entschied, dass Feigheit in diesem Fall der bessere Teil der Tapferkeit war, und entfernte mich flugs ein Stück von ihm. Martinis Haltung zeigte deutlich, dass er seine Gelassenheit verloren hatte und wirklich in Sekundenschnelle loslegen wollte – allerdings damit, Chuckie grün und blau zu prügeln. Es war vermutlich wirklich besser, wenn sie sich nicht allzu bald kennenlernten.

»Hi«, sagte ich so leise ich konnte, ohne zu klingen, als würde ich bewusst leise sprechen. »Was gibt’s?«

»Geht es dir gut?« Chuckie klang besorgt und aufgebracht.

»Ja, warum?«

»Da kommt … komisches Zeug in den Nachrichten.« Er klang vage, als wollte er mir etwas mitteilen, könnte es aber nicht.

»In den Nachrichten kommt immer komisches Zeug.« Stimmte doch. Und Chuckie hatte komisches Zeug immerhin zu seinem Hobby erkoren, schon bevor ich ihn kennengelernt hatte. »Ist es denn noch komischer als sonst?«

»Ja.«

»Und verrätst du mir auch, was es ist, oder spielen wir hier irgendein Spiel, von dem ich nichts mitgekriegt habe?«

Er gab ein entnervtes Geräusch von sich. »Sei einfach vorsichtig, ja?«

»Ich bin immer vorsichtig.«

Chuckie schnaubte so laut, dass ich glaubte, Martini könnte ihn hören. »Ich habe noch nie erlebt, dass du vorsichtig bist.«

Dagegen konnte ich nichts sagen – er kannte mich wirklich gut. »Okay, ich passe auf. Worauf genau soll ich denn aufpassen?«

»Auf alles und jeden.«

»Oh. Wie immer also.«

»So sollte es jedenfalls sein, ja.«

»Du machst mir Angst, Chuckie.«

»Das beruht auf Gegenseitigkeit, Kitty. Ich …« Seine Stimme wurde weicher. »Ich will nicht, dass dir etwas zustößt.«

»Ich will auch nicht, dass dir etwas zustößt.« Ich überlegte, was ich ihm wohl sagen könnte, um ihn zu beruhigen, wenigstens ein bisschen. »Ich trainiere wieder Kung Fu.«

»Na, da bin ich gleich viel beruhigter.«

»Sarkasmus ist eine hässliche Angewohnheit.«

»Ach ja? Soweit ich weiß, stehst du drauf.« Leider war auch das wahr. Er seufzte. »Pass einfach auf dich auf und sei dir bei nichts, bei absolut nichts sicher.«

»Okay, ich werde so argwöhnisch sein, wie ich kann.«

»Mir wäre es lieber, wenn du so argwöhnisch wärst, wie ich kann.«

»Aber du bist hier der Verschwörungskönig, und ich bin nur deine schlichte, demütige Untertanin.«

Er lachte. »Auf keinen Fall demütig. Und auch auf keinen Fall schlicht.«

»Das ist doch schon mal was.« Martini fing meinen Blick auf. Er sah noch immer zornig aus. »Ich muss los.«

»Okay. Und denk dran, Kitty, wenn du in irgendetwas hineingerätst, mit dem du nicht klarkommst, dann ruf mich an.«

»Mache ich, versprochen.«

Wir legten auf, und ich ging zu Martini zurück. »Wie war dein kleines Privatgespräch mit Mr. My Best Friend?«, grummelte er.

»Prima. Du könntest dich diesbezüglich wirklich mal entspannen …« Ich hätte das noch weiter vertieft, doch da fuhr Martini zusammen und wirbelte herum. In diesem Moment erkannte ich, dass sich mehrere Leute um uns herum auf einmal so benahmen, als wäre etwas nicht in Ordnung. Einige, von denen ich wusste, dass sie Menschen waren, rannten los, und ich sah viele grimmige Gesichter. »Was ist los?«

»Ich weiß es nicht.« Martini klang wie immer, wenn er zu viele Emotionen auf einmal empfing, nämlich verwirrt und besorgt.

Jetzt rannten noch mehr Menschen, und zwar direkt auf Martini zu. Ich wusste, was das bedeutete: Etwas wirklich Schlimmes war passiert. Reader erreichte uns als Erster, in der Hand hielt er ein Handy. »Jeff, dein Vater hat mich gerade angerufen.«

»Warum hat er James und nicht dich angerufen?«

Martini stieß einen Seufzer aus. »Mein Handy ist ausgeschaltet.«

Das war eine echte Neuheit in der A.C.-Welt, hier waren sämtliche Telefone stets angeschaltet, für den Fall, dass jemand gebraucht wurde, besonders die Oberbosse. »Warum?«

Wie aus dem Nichts tauchte Christopher vor uns auf. Ich zuckte zusammen, dann erinnerte ich mich daran, dass er sich offensichtlich mit Hyperspeed bewegt hatte. »Weil er immer noch Tante Lucinda aus dem Weg geht«, blaffte er.

Martini zuckte die Schulter. »Es war ein ruhiger Tag.«

»Jetzt nicht mehr.« Reader lächelte Martini mitfühlend an und reichte ihm das Handy. »Dein Vater meinte, du sollst versuchen, deine Mutter zu ignorieren, und ihn bitte zurückrufen.«

Martini seufzte, nahm das Telefon und wählte. »Ja, ich bin’s. Mhmm. Was?« Er wirbelte herum und entfernte sich ein paar Schritte. »Bist du sicher? Ja, das ist schlimm. Ja, wir werden da sein. Ja, ich meine auch Kitty, sie ist immerhin Leiterin der Luftlandedivision. Oh, wirklich? Danke. Nein, im Ernst, danke. Ja, ich freue mich auch, dich zu sehen.« Er legte auf und wandte sich wieder an uns, plötzlich ganz geschäftsmäßig. »Das Alpha Team muss zusammengerufen werden, sofort. Wir haben einen Vorfall in Florida.«

Christopher und Reader wirkten erschrocken. Sie liefen los, wohl um den Rest des Alpha Teams darüber zu informieren, dass wir aufbrechen mussten.

Ich verstand nichts. »Was ist los?«

»Mein Vater arbeitet in Cape Canaveral. Sie haben dort einen Vorfall im Kennedy Space Center. Wir müssen sicherstellen, dass es keine größere Manifestation ist.«

Ich sah mich um. Alle bewegten sich mit Hyperspeed oder rannten, je nachdem, ob sie A.C.s oder Menschen waren. »Wie schlimm ist es? Müssen meine Jungs in die Luft?«

Gower kam auf uns zu. »Wir brauchen die Luftlandedivision im Moment noch nicht, aber ich habe deine Jungs in Alarmbereitschaft versetzt.« Er schüttelte den Kopf. »Richard will nicht, dass ich dieses Mal dabei bin.«

»Warum nicht?« Martini runzelte die Stirn. »Was ist da los?«

»Es ist vor allem eine politische Angelegenheit. Richard will nicht, dass es aussieht, als wäre die Centaurionische Division involviert.«

»Und warum rückt das Alpha Team dann aus?«

Das Alpha Team war ein Hybrid, bestehend aus den Leitern jeder aktiven Division. Es gab den Feldeinsatz, das war Martini, die Bildkontrolle, das war Christopher, die Luftlandedivision, also mich, und die Rekrutierung, das war Gower. Auch Reader gehörte zum Alpha Team, als Fahrer und Pilot, und weil ich nun ebenfalls ein Mitglied war, hatte sich auch Tim zu uns gesellt. White, als der Hohe Pontifex, war meistens auch mit von der Partie. Dass er angeordnet hatte, Gower sollte zurückbleiben, war mehr als merkwürdig.

Gower reichte mir eine Akte. »Das solltet ihr lesen, bevor ihr ankommt.«

»Die ist fast drei Zentimeter dick, Paul. Ich bin eine Schnell-Leserin, aber so schnell nun auch wieder nicht.«

»Ihr werdet keine Schleuse nehmen, ihr fliegt. Mit einem Linienflug.«

»Was?« Martini klang so entsetzt, wie ich mich fühlte.

»Ich hab dir doch gesagt, dass es eine politische Angelegenheit ist.« Gower sah nicht besonders glücklich aus.

»Mist. Das heißt, dass ich ein Kostüm tragen muss, oder? Und hohe Schuhe.«

»Du siehst gut aus, wenn du dich schick machst, also kümmern wir uns am besten gleich darum.« Martini nahm meine Hand, und wir machten uns auf den Weg zu einer Schleuse.

»Jeff, ihr müsst sofort los.«

Martini drehte sich um. »Nein. Wenn wir sofort los müssen, nehmen wir eine Schleuse. Zur Hölle, ich bin der Leiter des Feldeinsatzes, und du erzählst mir, dass ich unser hochrangigstes Team via öffentlichem Flugverkehr in den Einsatz schicken soll. Da könnte man genauso gut Tiger Woods sagen, er soll die Meisterschaft mit einem Minigolfschläger gewinnen. Wir werden jetzt erst einmal für die Reise packen, und wenn das bedeutet, dass wir unseren Lahme-Enten-Flug verpassen, nehmen wir eben doch eine Schleuse und sind da, bevor alles vorbei ist.«

Er drehte sich wieder um und zog mich mit sich. »Wir beeilen uns beim Packen«, rief ich Gower zu.

Wir erreichten eine Schleuse, und Martini kalibrierte. Ich ignorierte es in der Annahme, dass Übelkeit jetzt nicht besonders hilfreich wäre.

Reader und Tim kamen hinter uns her gerannt. »Gut, dass du uns packen lässt, Jeff«, sagte Reader. »Was zum Teufel ist eigentlich los?«

»Keine Ahnung, er ist dein Freund.« Da erst schien Martini zu begreifen, was er da gesagt hatte. »Moment mal, dann hat Paul dir auch nicht gesagt, was los ist?«

Reader schüttelte den Kopf. »Nein. Aber er ist wirklich nicht besonders glücklich darüber, was es auch ist.«

Ich hielt die Akte hoch. »Hier, es geht doch nichts über leichte Lektüre.«

Die Schleuse war bereit, und Martini hob mich hoch. In seinen Armen reiste ich immer am liebsten.

Normalerweise gingen wir in eiligen Situationen einzeln durch die Schleuse, doch er war wütend. Mir war es recht. Dass ich mein Gesicht in Martinis Hals vergraben konnte, half gegen die Übelkeit.

Er trat mit mir auf den Armen hindurch, ich verbarg mein Gesicht, und er drückte mich noch fester an sich. Es war tröstlich, wenigstens das war noch normal.

Wir landeten auf dem Stockwerk der Bat-Höhle im Forschungszentrum. Hier ging es kaum weniger hektisch zu. Wir rannten zu den Fahrstühlen und fuhren abwärts, Reader und Tim in den achten Stock, in dem der Besucherflügel lag, und Martini und ich in den fünfzehnten Stock, in dem die Forensik untergebracht war, außerdem noch einige Hochsicherheits-Besprechungsräume und das, was ich Martinis Menschenhöhle nannte und wo ich zufällig auch wohnte. Theoretisch hatte Martini sowohl ein eigenes Zimmer im Besucherflügel als auch eine Wohnung irgendwo in der Nähe des Oststützpunkts. Aber eigentlich gab es sie nur noch, damit wir nach außen hin so tun konnten, als würden wir noch nicht zusammen wohnen. Und um mir selbst etwas vorzumachen. Ich wusste, es war eine fromme Lüge, aber irgendwie brauchte ich sie noch.

Wir gingen ins Schlafzimmer. Das Bett war ordentlich gemacht, was einer der Vorteile war, wenn man im Forschungszentrum lebte. Martini hatte mir noch immer nicht verraten, wer das tat und wie es funktionierte, und auch für andere Merkwürdigkeiten fehlte mir noch jede Erklärung. Zum Beispiel, wie es möglich war, dass Kleider immer in genau der richtigen Größe genau dort auftauchten, wo man sie gerade brauchte. Bisher war es mir noch nicht gelungen, das auf eigene Faust herauszufinden.

Doch es funktionierte auch dieses Mal. Zwei kleine Rollkoffer warteten neben dem Bett auf uns. Ich ging zum Schrank hinüber, Martini steuerte die Kommode an, und wir begannen zu packen. »Soll ich das Standardoutfit tragen oder lieber eines von meinen eigenen Kostümen?«

Er überlegte kurz, während ich ein paar Konzert-T-Shirts und eine saubere Jeans aussuchte. Vielleicht musste ich bei unserer Ankunft offiziell aussehen, aber wenn wir eine Weile blieben, musste ich auch etwas Bequemes dabeihaben, oder ich würde eingehen.

»Nimm dein blaues Kostüm mit, das so sexy aussieht.«

»Jeff, werde ich auf dieser Reise deine Eltern treffen?«

»Meinen Vater wahrscheinlich.« Er sah mich nicht an, sondern hantierte mit seinem Koffer herum.

»Warum dann ausgerechnet dieses Kostüm?«

Jetzt sah er zu mir auf. »Er ist ein Mann. In diesem Kostüm siehst du sogar noch schärfer aus als in unserem Standardoutfit, und das will schon was heißen.«

»Ich will aber nicht, dass dein Vater mich heiß findet, sondern, dass er mich mag.«

Er senkte den Blick. »Da würde ich mir keine allzu großen Hoffnungen machen.« Seine Stimme war leise und klang wieder sehr niedergeschlagen. Dabei war er vor nur ein paar Minuten noch so heiter gewesen.

Normalerweise war Martini immer fröhlich, wenn wir uns nicht gerade stritten, weshalb mir das Ganze langsam wirklich Angst machte. Natürlich spürte er es und zog mich in seine Arme. Einige Augenblicke lang hielt er mich einfach nur fest, ohne zu sprechen. Ich entspannte mich an seiner Brust, in seinen Armen fühlte ich mich immer wohl.

»Es tut mir leid, meine Eltern sind einfach nicht so … tolerant wie deine«, meinte er schließlich.

»Meine Eltern haben dich immerhin kennengelernt. Vielleicht braucht es einfach nur das, Jeff. Vielleicht machst du dir zu viele Sorgen.«

Er seufzte. »Wir werden sehen.« Er küsste mich auf den Scheitel. »Lass uns fertig packen und dann auf ins Gefecht.«

Ich löste mich aus seiner Umarmung und begann, mich auszuziehen. Als ich nur noch in Unterwäsche dastand, fühlte ich seinen Arm um meine Taille. Er knabberte an meinem Ohrläppchen, und ich schmolz dahin. »Müssen wir uns denn nicht beeilen?« Er begann, meinen Bauch zu streicheln, und strich in immer weiteren Kreisen um meinen Bauchnabel. Ich begann zu keuchen.

»Vielleicht«, flüsterte er mir ins Ohr, sein Atem war heiß. Ich stöhnte. Er drückte meinen Kopf in den Nacken. »Vielleicht auch nicht.« Dann küsste er mich.

Kapitel 9 Das alles wäre vermutlich auf eine Runde wilden und zügellosen Sex hinausgelaufen, wenn sich nicht die Sprechanlage zu Wort gemeldet hätte. »Commander Martini, Commander Katt, die Zeit drängt. Bitte beenden Sie das Packen und machen Sie sich unverzüglich auf den Weg zum Startbereich.«

Martini stieß einen Seufzer aus und hörte auf, wunderbare Dinge mit meinen Brüsten zu tun, während er mich an sich gedrückt und ich die Beine um seine Taille geschlungen hatte. »Ist gut, Gladys. Vielen Dank für den kleinen Ansporn.«

»Ist mir ein Vergnügen.« Die Sprechanlage verstummte.

Ich hatte Gladys nie getroffen und war mir nicht sicher, ob ich das jemals wollte.

Martini setzte mich ab, und ich zog meine Unterwäsche wieder an. »Lass uns diese Unterhaltung später fortsetzen.«

»Ja.« Er strich mir über den Nacken. »Ich warte im Wohnzimmer, ich kann dich nicht nackt sehen, ohne mit dir schlafen zu wollen.«

Ich drehte mich um und küsste ihn. »Gut. Ich kann dich nicht mal angezogen sehen, ohne dass es mir so geht.«

Er lachte. »Schön zu wissen.« Er gab mir einen Klaps auf den Hintern und trollte sich dann mit unseren Koffern. Er schien um einiges entspannter zu sein als bei unserer Ankunft hier unten.

Schnell zog ich mich an, kämmte mir die Haare, warf alles, von dem ich glaubte, dass ich es vielleicht brauchen könnte, in meine Handtasche – natürlich auch Haarspray und Bürste – und schlüpfte in meine Pumps. Dann war ich abmarschbereit.

Martini saß auf der Couch und las etwas. Die Akte hatte ich an Reader weitergegeben, also handelte es sich dabei nicht um die Infos zu unserer Mission. Ich setzte mich neben ihn. »Ich bin so weit. Was ist das?«

Er reichte es mir. Es war der letzte »Hast du dich schon fürs Klassentreffen angemeldet?«-Brief. Warum jeder wollte, dass ich dorthin ging, war mir unbegreiflich. Ich war damals im Leichtathletik-Team und, dank Chuckie, auch im Schachclub gewesen. Außerdem hatte ich natürlich viele Freunde gehabt, doch seit dem Ende der Highschool hatte ich sie nicht ein einziges Mal vermisst.

Und warum ausgerechnet Martini dorthin wollte, begriff ich erst recht nicht. Meine Mutter wollte vermutlich einfach, dass ich mein Leben mit dem meiner Altersgenossen verglich, und Chuckie wollte vielleicht seinen Triumph über die Fieslinge genießen, die ihm damals das Leben zur Hölle gemacht hatten, und ich sollte ihm dabei Rückendeckung geben. Aber was Martini vorhatte, war mir schleierhaft, Neugier hin oder her.

Allerdings wusste ich, dass meine Eltern füreinander Dinge taten, die sie nicht aus eigenen Stücken tun würden. Dies war einer der Gründe, warum sie ihre Ehe als Erfolg verbuchten. Und Martini beschwerte sich schließlich auch nie, dass ich ein Comic-Freak und eine altmodische Feministin im Zeitalter der TV-Sternchen und des Reality-TV war. Er hatte sogar das Feministische Manifest gelesen, ohne dass ich allzu sehr hatte betteln müssen.

»Okay, wir gehen hin.«

»Wirklich?« Er sah so glücklich aus, dass ich ihn am liebsten geknuddelt hätte.

»Ja, wirklich. Sobald wir zurück sind, reserviere ich uns ein Zimmer.«

Wieder erwachte die Sprechanlage zum Leben. »Oh, Commander Martini? Ich wollte Sie nur wissen lassen, dass das Princess Resort angerufen und Ihre Suite bestätigt hat.«

Im Princess Resort fand mein Klassentreffen statt.

Martini versuchte, überrascht auszusehen. »Das Princess Resort?«

»Ja«, flötete Gladys, und ich hätte schwören können, dass sie feixte. »Sie haben dort nächsten Monat drei Nächte gebucht. Im Bereich, der für die Teilnehmer des Klassentreffens der Desert Sun Highschool reserviert ist.«

»Oh, ähm, danke.« Er wirkte sowohl verwirrt als auch einer Panik nahe.

»Und wann genau hast du diese Zimmer gebucht?«

»Na ja, man kann sie bis vierundzwanzig Stunden vor der Anreise stornieren. Und ich dachte, vielleicht möchtest du ja am Ende doch hingehen und bekommst dann keine Zimmer mehr.« Er konnte mir nicht mal in die Augen sehen.

Was nicht schlecht war, denn ich war überhaupt nicht sauer. Ich wollte es nicht zugeben, aber ich fand es tatsächlich irgendwie süß.

Er bemerkte es und sah mich jetzt doch an. »Dann bist du also nicht böse auf mich?«

Ich umarmte ihn. »Nein, ich bin nicht böse. Ich weiß doch, wie gern du dorthin möchtest. Also gehen wir eben. Allerdings glaube ich nicht, dass wir uns eine Suite im Princess leisten können.«

»Wieso nicht? Geld haben wir genug.«

Das stimmte. Ich hatte keine Ahnung, wo all der Reichtum herkam, doch mir war noch nie ein Agent – ob nun menschlich oder A.C. – begegnet, dem das Kleingeld ausgegangen wäre. Martini gab mir jede Woche eine gewisse Summe, wie Taschengeld, fragte jedoch nie, wofür ich es ausgab. Was gut war.

»Dann melde ich uns also an, sobald wir zurück sind.«

Er blieb stumm. Ich zog ein paar Schlüsse. »Okay, und unter welchen Namen hast du uns angemeldet?«

Er seufzte. »Katherine Katt und Jeffrey Martini. Nicht, was ich gewollt habe, aber …«

»Aber die Wahrheit.« Und da ich keinen Verlobungs- und schon gar keinen Trauring vorzuweisen hatte, auch eine weise Entscheidung, aber das sagte ich ihm nicht. Martini hätte mich vom Fleck weg geheiratet, doch dazu war ich noch nicht bereit und, wie sich während unserer Unterhaltung beim Abendessen herausgestellt hatte, waren auch die anderen A.C.s nicht bereit, unseren offiziellen Bund abzusegnen. Die wenigen, denen erlaubt worden war, Menschen zu heiraten, waren Teil eines Genexperiments gewesen, das die ältere A.C.-Generation als Misserfolg betrachtete. Ich sah das anders, aber ich hatte leider nicht so viel Einfluss auf den Hohen Pontifex, wie ich mir wünschte. Noch nicht.

Ich küsste Martini. »Ist schon gut. Ich sollte eigentlich böse sein, aber ich bin es nicht. Und ich betone noch mal, nur, weil es dir so viel bedeutet. Du wirst es zwar bestimmt bereuen, aber wir gehen trotzdem hin.«

»Apropos gehen, wir sollten wirklich rauf zum Startbereich.« Martini erhob sich und zog mich auf die Beine. Wir nahmen beide einen Koffer, reichten uns die freien Hände und machten uns auf den Weg zum Fahrstuhl.

Ich liebte es, mit ihm Fahrstuhl zu fahren, auf dem ganzen Weg knutschten wir wild herum. Wenn es nach mir gegangen wäre, hätten wir noch ganz andere Sachen getan, und ihm ging es sicher genauso, aber die Pflicht rief. Außerdem war ich nicht sicher, ob Gladys uns auch hier erreichen konnte, und ich war nicht scharf darauf, es herauszufinden.

Wir kamen im obersten Stockwerk des Forschungszentrums an, wo Reader und Tim schon auf uns warteten. Gower war nirgends zu sehen, was mich tief erschütterte. Wir waren noch nie zu einer Mission aufgebrochen, ohne dass er sich von Reader verabschiedet hatte.

Während Martini einige Angelegenheiten regelte, schnappte ich mir Reader und zog ihn beiseite. »Ist alles in Ordnung?«

Er verzog das Gesicht. »Ich weiß es nicht, Süße. Wir haben uns vorher nicht gestritten oder so. Aber Paul ist wirklich aufgebracht. Ich bin nicht ganz sicher, ob er nicht hier ist, weil er mitkommen wollte, oder weil er nicht will, dass wir überhaupt gehen.«

Ich umarmte ihn. »Tut mir leid.«

Er lachte und legte den Arm um meine Schultern. »Kein Problem. Wenn er sich immer noch komisch benimmt, wenn wir zurück sind, sage ich ihm einfach, dass ich beschlossen habe, hetero zu werden und dich hier rauszuholen.«

Das war unser Dauerscherz, der eigentlich gar kein Scherz war. Es würde unser Leben erheblich erleichtern, wenn wir zusammen wären. Und Reader war mindestens genauso hinreißend wie Martini. Tatsächlich war er einer der wenigen Menschen, die locker als A.C. durchgehen konnten. Ich war bei ihm noch nie ins Fettnäpfchen getreten, und seine Eltern wären überglücklich, wenn er hetero würde. Nur Vorteile also. Aber natürlich war er trotzdem schwul und in Gower verliebt, und ich liebte Martini weit mehr, als ich mir selbst eingestehen wollte. Aber scherzen konnte man ja allemal. Allerdings fand Martini das nie besonders lustig.

Ein vertrautes Räuspern erklang hinter uns. »Ich übernehme, danke.« Martini nahm meine Hand und zog mich weg von Reader.

»Du machst dir zu viele Sorgen, Jeff«, sagte Reader und schenkte uns sein Titelblattlächeln.

Martini knurrte. »Klar. Wir können gehen.«

Während ich mit Reader gesprochen hatte, war Christopher zu uns gestoßen. Wie wir anderen zog auch er einen kleinen Rollkoffer hinter sich her.

»Wohin denn?«

»Durch die Schleuse zum Saguaro International Airport, da startet unser Flieger.« Bei seinem Ton hätte man annehmen können, dass uns dabei auch gleich noch sämtliche lebenswichtige Organe entfernt werden sollten.

Da wir Gepäck dabeihatten, mussten wir einzeln durch die Schleuse. Martini ging als Erster, dann kam ich, gefolgt von Christopher und Reader. Tim bildete das Schlusslicht. Ich trat in die Schleuse, und das rasante Rauschen durch Raum und Zeit begann. Natürlich wurde mir umgehend schlecht. Wie immer verließ ich die Schleuse gerade noch rechtzeitig, um nicht alles vollzukotzen.

Das war gut, denn diesen Luxus hätte ich mir in Anbetracht der vielen Männer, die sich vor den Kabinen im Toilettenraum versammelt hatten und mich wie vom Donner gerührt anstarrten, nicht leisten können. Na wunderbar. Es waren wirklich viele. Und weil ich ein echter Glückspilz war, befand sich unter ihnen auch ein Polizist. Und in Arizona war es eine ernste Sache, wenn man als Frau in einer Herrentoilette erwischt wurde.

Kapitel 10 Der Polizist sah mich an, und ich griff in meine Tasche. Seine Hand schnellte zu seiner Waffe. Martinis Bewegungen waren zu rasch für mein Auge, doch im nächsten Moment lag der Polizist bewusstlos am Boden.

»Jeff, was zum Teufel soll das?«, rief Christopher, während er mich zur Seite zog.

»O je, das zu erklären, dürfte schwierig werden«, sagte Reader, als auch er aus der Wunderkabine trat.

»Richtig«, echote Tim und gesellte sich zu uns. »Warum hast du ihn ausgeschaltet?«

Genau diese Frage schienen sich auch alle anderen vor Schreck zur Salzsäule erstarrten Männer in der Toilette zu stellen.

A.C.s konnten einfach nicht lügen, auch nach jahrelangem Training nicht, weshalb die Sache mal wieder an mir hängen blieb, wie immer bei unseren Toiletteneskapaden.

»Bundespolizei«, bellte ich. »Niemand rührt sich.«

Die Männer gehorchten, die meisten hatten sich ohnehin schon vorher nicht bewegt. Ich ruckte den Kopf in Richtung Cop. »Schaffen wir ihn hier raus.«

Martini nickte und warf sich den Mann über die Schulter. A.C.s waren ebenso stark wie schnell. Ich schaffte es, nicht zu sabbern. Immer wenn Martini etwas tat, das ich als ungeheuer männlich empfand, wollte ich ihn sofort, egal, wo und wie.

Ich sah mich um und funkelte die Männer eisig an. Jedenfalls hoffte ich, dass es eisig war. Ich hatte diesen Blick geübt, und im Spiegel war er wirklich einschüchternd gewesen, aber jedes Mal, wenn ich ihn an Reader und Martini ausprobierte hatte, waren sie in Gelächter ausgebrochen. »Gentlemen, Sie haben Glück gehabt. Ich schlage vor, Sie vergessen am besten, dass dieser kleine Vorfall je passiert ist.« Ich stolzierte hinaus, meine Männer im Schlepptau. Also funktionierte mein eisiger Blick wenigstens bei Fremden.

Wir verließen die Toilette und erreichten einen Warteraum, der größtenteils verlassen war, da glücklicherweise in nächster Zeit kein Flugzeug landen oder starten würde. Martini ließ den Polizisten auf einen Sitz fallen.

»Du könntest etwas netter mit ihm umgehen«, meinte Reader.

»Er wollte Kitty erschießen«, blaffte Martini.

»Na ja, er wollte vermutlich seine Waffe ziehen, aber das heißt noch lange nicht, dass er auch abdrücken wollte.«

»Doch.« Nun sah Martini mich direkt an. »Er wollte dich erschießen. Ich habe es gespürt. Er hat Panik gekriegt und nach seiner Waffe gegriffen. Er wollte erst schießen und dann fragen.« Martini hatte ruhig gesprochen, doch seine Augen funkelten zornig.

»Ist schon gut«, sagte ich sanft. »Du warst ja da.«

Ich zog das aus der Tasche, wonach ich auch in der Toilette schon gefischt hatte, und ohrfeigte den Polizisten damit so lange, bis er die Augen aufschlug. Martini hielt die Arme des Cops hinter seinem Rücken gefangen. »Jo, Rambo, vielleicht denkst du das nächste Mal lieber ein bisschen nach, bevor du eine Agentin der Bundespolizei abknallst.« Ich klappte die dünne Ledermappe auf und hielt sie ihm vors Gesicht.

»P.T.K.E.?«, fragte er benommen.

»Präsidiale Terrorismus-Kontrolleinheit. Du solltest dir diese Buchstaben besser merken, Junge. Sonst sorge ich dafür, dass du den Rest deiner Tage in Alaska verbringst.«

Er nickte. »Entschuldigung, Ma’am. Sie haben mich einfach erschreckt.«

»Dein Glück, dass du noch jung bist und ich so gutmütig bin.« Ich sah zu Martini hoch. »Lass ihn los.«

Er tat es, wenn auch widerwillig, und der Cop rieb sich die Handgelenke. »Bitte erzählen Sie das nicht meinen Vorgesetzten, sonst bekomme ich eine offizielle Rüge.«

Martini verlor die Beherrschung. Er packte den Polizisten am Nacken und schleuderte ihn gegen die Wand. Sofort stand er über ihm und hielt ihn an der Kehle ein paar Zentimeter über dem Boden. »Du wolltest sie umbringen«, knurrte er. »Eine Rüge wird noch deine geringste Sorge sein, wenn ich mit dir fertig bin.«

Christopher sprang über die Sitze und packte Martini am Arm. »Jeff, nicht jetzt und nicht hier.«

Reader sprach angestrengt in sein Handy. Tim schaffte die Leute aus dem Weg und erklärte ihnen, das alles hier sei Sache der Polizei. Und ich hatte keine Ahnung, was ich tun sollte.

Der Cop bekam Panik und fingerte schon wieder nach seiner Waffe. »Junge, du legst es darauf an zu sterben, was?«, fragte ich ruhig.

Sein Blick traf den meinen. »Er wird mich umbringen.«

»Nein.« Gowers Stimme erklang hinter mir. Wenigstens hatte Reader genug Geistesgegenwart besessen, um Verstärkung zu rufen. »Das wird er nicht. Ich werde allerdings dafür sorgen, dass Sie Ihre Dienstmarke verlieren. Jeff, nimm ihm die Waffe weg und lass ihn los.«

Martini rührte sich nicht. »Jeff … bitte«, sagte ich sanft.

Ein paar weitere Sekunden stand er da, dann endlich nickte er, lockerte seinen Griff und schnappte sich die Pistole mit einer so raschen Bewegung, dass meine Augen nicht folgen konnten. Er überreichte Gower die Waffe, wobei er den Blick nicht von dem Cop löste.

Zittrig atmete der Polizist ein. »Danke«, sagte er zu Gower.

»Danken Sie nicht mir«, entgegnete Gower mit eisiger Stimme. »Ich werde der Letzte sein, dem Sie danken wollen, wenn mein Bericht fertig ist.« Er sah sich um, und ich tat es ihm nach. Dort warteten vier A.C.s. »Bringt ihn in die Zentrale.« Sie nickten, packten den Polizisten, nahmen die Waffe von Gower entgegen und marschierten in Richtung Toilette davon.

Martini hatte sich nicht gerührt. Ich ging zu ihm hinüber. »Jeff, ist schon gut.« Ich streichelte ihm über den Arm. Christopher und ich wechselten einen besorgten Blick. Das hier sah Martini so gar nicht ähnlich, und Christopher wirkte genauso verwirrt, wie ich mich fühlte.

Martini schüttelte den Kopf. »Nein, ist es nicht.« Er wandte sich an Gower. »Danke.«

Gower nickte. »Da ich schon mal da bin, kann ich euch fünf auch gleich zum Flugzeug bringen.«

Wir gingen weiter, doch ich behielt meinen Dienstausweis vorsichtshalber draußen. »Seit wann bist du Agentin der Bundespolizei?«, wollte Reader leise wissen, während Gower und Martini vorausgingen, beide offensichtlich sehr wütend. Christopher blieb an meiner anderen Seite, und Tim bildete den Schluss.

»Meine Mutter dachte, es wäre eine gute Idee und recht nützlich.«

»Ach, dann bist du also gar keine Agentin, du tust nur so.« Reader lachte leise.

»Wenn es funktioniert. Außerdem hat Mum ihn mir gegeben.«

»Ich schätze mal, wenn die Chefin der P.T.K.E. dir einen Dienstausweis ausstellt, dann darfst du ihn auch benutzen. Selbst wenn es illegal ist«, überlegte Christopher laut.

»Ähm, was wir mit diesem Cop gemacht haben, ist auch illegal.«

Reader zuckte mit den Schultern. »Sie bringen ihn in die Zentrale und führen eine Gedächtnislöschung der letzten Minuten durch.«

»Wie? Indem sie ihm eins über den Schädel ziehen?«

»Nein, wir haben Technologien für so was.«

»Genial«, sagte ich zu Christopher.

Reader hustete. »Nein, das sind Technologien der amerikanischen Regierung, Süße. Unsere Brüder vom anderen Planeten benutzen sie wirklich nicht gern, aber wenn etwas so schiefläuft wie jetzt gerade, ist es ganz nützlich.« Christopher warf mir einen ziemlich süffisanten Blick zu.

»Da ist was dran. Irgendeine Idee, was mit Jeff nicht stimmt?«

»Vermutlich das Gleiche, was mit Paul los ist.«

»Christopher? Du bist nicht einmal halb so angefressen wie die beiden. Was ist eigentlich los?«

»Keine Ahnung, ich habe Jeff schon lange nicht mehr so wütend gesehen.«

Ich erinnerte mich nur zu gut daran, wann Martini das letzte Mal so wütend gewesen war, nämlich, als Christopher und ich wild herumgeknutscht hatten, während er bewusstlos war. Ich wollte niemals wieder der Grund für diese Wut sein.

»Da haben wir also die Arschkarte gezogen.« Ich wusste nicht, was ich sonst sagen sollte.

»Vielleicht beruhigt er sich ja, wenn wir erst in Florida sind.« Christopher klang nicht überzeugt, das war ich allerdings auch nicht.

Ich wollte schon fragen, warum diese Reise nach Florida eine so große Sache war – immerhin hatten meine Großeltern eine Zeit lang dort gelebt, und sie schienen es unbeschadet überstanden zu haben –, doch da gelangten wir an unser Gate.

Martini und Gower sprachen mit einer Frau, die sehr offiziell aussah, und ich betrachtete die Fluginformationstafel. Der Flug nach Florida war verschoben worden. Um zwei Stunden. Ich schlängelte mich nach vorn, um zu hören, worüber die anderen redeten.

»… halte dieses Flugzeug jetzt seit über zwei Stunden für Sie hier fest«, sagte die Flughafenangestellte gerade mehr als genervt. »Die anderen Passagiere befinden sich noch immer an Bord.«

Gower nickte, und Martini widersprach nicht. Ich jedoch war vor meiner Zeit bei den A.C.s Marketingmanagerin gewesen und dabei eine Menge gereist. Und das hier versetzte meine, wie Martini es nannte, »weibliche Intuition« in Aufruhr.

»Entschuldigung, wollen Sie damit sagen, dass Sie eine komplette Passagiermaschine wegen fünf fehlender Passagiere aufgehalten haben?«

Die Frau sah mich an. »Ja«, zickte sie. »Und ich musste mir deswegen auch unglaublich viele Beschwerden anhören.«

»Das tut uns leid. Und entschuldigen Sie die Frage, aber fliegen wir erster Klasse?«

»Nein.«

»Tja, ähm, warum haben Sie dann gerade diesen Flug aufgehalten? Ist es der letzte, der heute nach Florida geht?« Ich wusste, dass das nicht sein konnte, es war immerhin erst Nachmittag. Bis Mitternacht musste es mindestens noch ein Dutzend Flüge geben, wenn nicht mehr.

»Nein, bis heute Abend neun Uhr gibt es noch drei weitere Flüge. Eine Maschine ist bereits gestartet, doch ich durfte keine Passagiere aus diesem Flugzeug darauf umbuchen.« Sie klang frustriert und erschöpft.

»Wow, das ist ja echt ätzend. Sie durften niemanden umbuchen? Nachdem Sie von allen angebrüllt wurden? Und niemand hat sich darum geschert, wie Sie sich dabei fühlen?«

Dankbar lächelte sie mich an. »Nein. Das tut nie jemand.«

»Das ist ja noch ätzender. Dann war der andere Flug also nicht ausgebucht, und Sie mussten trotzdem alle Passagiere in diesem Flieger behalten? Nur unseretwegen? Ich meine, dafür sind wir eindeutig nicht wichtig genug.« Ich stupste Martini mit dem Fuß an und hoffte, dass er mir zu Hilfe kommen würde.

Er verstand und schenkte ihr sein umwerfendstes Lächeln. Sie schmolz sichtlich dahin. Ja, das passierte mir auch jedes Mal. »Das tut uns wirklich schrecklich leid«, sagte er sanft. »Wir gehen jetzt einfach an Bord, und dann sind Sie uns los.«

»Ähm, nein«, warf ich schnell ein.

Beide sahen mich an.

»Ich frage mich nur, wer all diese Entscheidungen trifft, die«, ein schneller Blick auf ihr Namensschild, »Alicia das Leben so schwermachen. Ich möchte wissen, bei wem ich mich beschweren kann. Das war nicht richtig, und es war schon gar nicht richtig, dass sie ganz allein mit der Situation fertig werden musste.« Ich schenkte ihr ein mitfühlendes Lächeln. »Ich weiß, wie es ist, wenn man dauernd herumkommandiert wird …« Mit den Augen wies ich in Martinis und Gowers Richtung.

Sie lächelte. »Verstehe.« Sie drückte ein paar Tasten ihres Computers. »Meine Chefs waren auch nicht gerade begeistert«, sagte sie. »Derjenige, der das genehmigt hat, war Mr. Leventhal.«

Ich blickte zu Gower hinüber. »Kennst du den?«

Er sah verwirrt aus. »Nein. Absolut nicht.«

Ich nickte. »Alicia, ich glaube, die Lage ist ernst.« Ich hielt ihr meinen Dienstausweis unter die Nase. »Präsidiale Terrorismus-Kontrolleinheit. Wir sind verdeckte Ermittler, und unsere Tarnung scheint aufgeflogen zu sein.«

Sie sah verängstigt aus. »Was soll ich jetzt tun?«

»Noch nichts. Aber ich will, dass dieses Flugzeug nirgendwo hinfliegt, okay?« Sie nickte, und ich zog Gower und Martini zur Seite. »Irgendetwas stimmt hier nicht. Ganz und gar nicht.«

Gower wollte widersprechen, aber Martini schnitt ihm das Wort ab. »Sie ist ein Mensch, du nicht.«

Ich kramte mein Handy aus der Tasche. »Tut nichts, ich muss jemanden anrufen.«

Kapitel 11 Ich wählte, und glücklicherweise nahm sie schon beim zweiten Klingeln ab. »Hi Mum, ich brauche deine Hilfe.«

»Kitty, was ist los? Du klingst gestresst.«

»Mum, bist du zufällig noch in der Stadt?«

»Nein, Kätzchen, du weißt doch, dass Dad und ich schon in D.C. sind. Wir sind ganz früh geflogen.«

Ich vermutete, dass sie wohl kaum einen Linienflug genommen hatten, doch mir blieb keine Zeit nachzufragen. »Ich brauche jemanden hier am Saguaro International, und zwar schnell. Einen aus deinem Team. Gibt es hier jemanden in der Gegend?«

»Klar, Kevin Lewis, er ist mein Einsatzleiter und wohnt in der Nähe. Was ist denn los?«

»Etwas Großes, glaube ich, aber sicher bin ich mir nicht. Es sollte aber auf jeden Fall ganz schnell jemand herkommen, der tatsächlich berechtigt ist, einen P.T.K.E.-Ausweis herumzuschwenken. Ich bin dabei, hier einen echten Aufstand anzuleiern.«

»Bleib mal dran.« Ich hörte, wie sie meinem Vater etwas zurief und mit seinem Handy einen weiteren Anruf tätigte. »Wo genau bist du?«

»Terminal drei, Abflüge, Gate Neunundzwanzig.«

Sie sprach weiter auf der anderen Leitung. »Okay, er wird gleich da sein. Willst du mir nicht erzählen, was eigentlich los ist?«

»Das Alpha Team wurde zu einem Einsatz in Florida abkommandiert.«

»Und?«

»Und ist dir aufgefallen, dass wir am Sanguaro International Airport sind und nicht in Miami? Uns wurde gesagt, wir sollen einen regulären Flug nehmen statt einer Schleuse oder einem A.C.-Jet.«

Sie schwieg ein paar Augenblicke. »Vielleicht hat das politische Gründe.«

»Ja, genau das haben sie uns auch erzählt. Aber der Flug, auf den wir gebucht waren – zweiter Klasse wohlgemerkt, – wurde zwei Stunden lang aufgehalten, um auf uns zu warten. Abgesehen von unseren fünf Plätzen ist der Flieger voll besetzt, und sie haben ein weiteres Flugzeug zum selben Zielort starten lassen, das nicht voll war. Und das Mädchen hier am Schalter durfte keine Passagiere aus unserem Flieger auf das andere Flugzeug umbuchen.«

»Was, glaubst du, ist da los?«

Es war eine Testfrage, ich wusste, dass Mum bereits begriffen hatte. »Ich glaube, dass in diesem Flugzeug eine Bombe platziert wurde, um das Alpha Team auszulöschen.« Ich ließ unerwähnt, dass dadurch auch all die Unschuldigen an Bord ausgelöscht werden würden. Vor fünf Monaten hatte ich schon erleben müssen, wie grausam die Bösen sein konnten.

»Ja, so muss es sein. Hast du einen Plan?«

»Den habe ich tatsächlich.«

»Okay, ruf mich wieder an, wenn du mich brauchst. Setz deinen Plan um. Kevin wird jeden Moment da sein und dich unterstützen.«

»Mach ich. Ich hab dich lieb, Mum, und liebe Grüße auch an Dad.« Ich legte auf und wandte mich an Gower. »Ich bin ja so froh, dass du da bist. Und glaub mir, wenn du mir hier und jetzt nicht den Rücken deckst, wirst du es bereuen.«

Ich wartete seine Antwort nicht ab und ging zu Alicia zurück. »Okay, wir haben hier eindeutig einen Notfall. Lassen Sie das Terminal räumen. Nichts und niemand verlässt das Flugzeug, besonders nicht das Gepäck, und auch die Crew und die Passagiere sollen an Bord bleiben. Ich will, dass niemand im Flugzeug über die Lage informiert wird, und ich will jeden sehen, der mit diesem Flugzeug zu tun hatte, seit es heute hier gelandet ist.«

Sie nickte und wirkte völlig verstört. Ich beugte mich über den Schalter und legte meine Hand auf ihren Arm. »Ich übernehme für alles die volle Verantwortung. Wir geben Ihren Vorgesetzten über alles Bescheid, okay? Sie werden entweder als Heldin oder vollkommen unschuldig dastehen, das verspreche ich Ihnen.«

Erleichterung legte sich über ihr Gesicht. »Vielen Dank, Miss Katt.«

»Nennen Sie mich Kitty.«

Sie versuchte, sich das Lächeln zu verkneifen.

»Schon gut, ist ja auch wirklich albern.«

Sie kicherte. »Aber süß.«

»Genau das haben sich meine Eltern auch gedacht. Wie wär’s, wenn wir diese lustige kleine Panikattacke jetzt überwinden und weitermachen? Ich kümmere mich darum, dass das Terminal geräumt wird, Sie schaffen das Wartungspersonal her, und danach wenden wir uns den Passagieren und dem Gepäck zu.«

Während sie zum Telefon griff, wandte ich mich wieder an mein Team. »Ich will, dass alle Passagiere hier rausgebracht werden. Ich möchte, dass sie ruhig und fröhlich hier verschwinden, und ich möchte sie irgendwo haben, wo es wirklich sicher ist, in der Gepäckausgabe zum Beispiel.

Gower öffnete den Mund, vermutlich, um zu widersprechen. Ich hob die Hand. »Paul, ich habe die Akte noch nicht gelesen, aber ich sage dir, das hier ist eine Falle. Ich will ungern sterben, besonders nicht jetzt. Also noch mal: Entweder du hilfst mir, oder ich mach dir die Hölle heiß.«

Er seufzte schwer. »In Ordnung. Ich habe zwar keine Ahnung, was hier vor sich geht, aber ich stehe hinter dir.«

»Zeit für eine kleine Halluzination, Jungs. Und ein bisschen fix, wenn ich bitten darf.«

Martini nickte und sah Christopher an. »Alle Flüge verschoben, gratis Essen und Getränke in der Gepäckrückgabe? Und den überflüssigen Sicherheitskräften erzählen wir, es wäre ein Werbegag?«

Christopher grinste. »Klar, warum nicht?«

Beide schienen sich zu konzentrieren. Eines der vielen Dinge, die ich in letzter Zeit gelernt hatte, war, dass auf der Erde gewisse Gase existierten, mit deren Hilfe die A.C.s Massenhalluzinationen hervorrufen konnten. Den Agenten, die im Außeneinsatz tätig waren, wurde etwas ins Gehirn transplantiert, und damit und mithilfe dieser Gase konnten sie jede erdenkliche Halluzination erzeugen.

Menschliche Agenten bekamen eine monatliche Injektion, die gegen diese Trugbilder immun machte. Das Mittel wurde uns mithilfe einer außerirdischen Injektionsapparatur verabreicht, die zwar aussah wie ein Dosenöffner ohne Klinge, ihren Zweck jedoch erfüllte und dabei glücklicherweise nicht einmal wehtat. Leider konnte man dieses Gerät jedoch nicht für alles einsetzen, wie ich bereits auf die harte Tour hatte lernen müssen. Einige Substanzen, wie etwa Adrenalin, mussten mit Spritzen verabreicht werden, was bei Martinis Adrenalinbedarf bedeutete, dass die entsprechende Kanüle eher einer Harpune als einer Nähnadel ähnelte. Und das Etui, das ich dazu mit mir herumschleppen musste, sah mehr nach einem Waffenkoffer als nach einem Sanitätsartikel aus.

Einzeln oder in Kleingruppen verließen die Passagiere das Terminal, bis nur noch eine Handvoll übrig blieb, die anscheinend nicht hungrig oder durstig war.

»Was sollen wir mit denen anstellen?«, fragte mich Martini.

»Sie einer Leibesvisitation unterziehen.«

»Was?« Wow. Wenn fünf Männer gleichzeitig losbrüllten, war das schon beeindruckend.

»Sie hat recht«, pflichtete mir eine unbekannte Stimme hinter meinem Rücken bei.

Ich drehte mich um und entdeckte einen großen, gut aussehenden Afro-Amerikaner. Er war ein Mensch, doch das konnte ich nur anhand des fehlenden Armani-Anzugs feststellen. Er war sehr athletisch gebaut, und ich fragte mich kurz, wie schnell ich wohl eine Unterwäschenkampagne finden konnte, bei der er mitgewirkt hatte. Er streckte mir die Hand entgegen. »Agent Lewis. Zu Ihren Diensten.« Er schenkte mir ein Lächeln, das beinahe mit Martinis mithalten konnte. »Angela meinte, Sie hätten hier die Leitung«, fügte er augenzwinkernd hinzu. »Oh, und nennen Sie mich doch Kevin.«

»Ich bin Kitty.« Ich schaffte es knapp, ein Kichern zu unterdrücken. Meine Güte, als ich Martini und Reader zum ersten Mal begegnet war, hatte ich mich doch auch nicht wie ein Teenager aufgeführt. Das war ja peinlich. Aber Kevin war auch wirklich ein Ausbund an Charme. Ich stellte ihm den Rest des Teams vor und bemerkte, dass Reader ihn genauso unverhohlen musterte wie ich.

Martini, Gower und Christopher starrten Kevin dagegen finster an, und mir dämmerte, dass Readers und meine Hechelei wohl etwas zu auffällig war.

»Wie viel hat meine Mutter dir über die Situation erzählt?«

Kevin lächelte wieder. Er hatte phantastische Zähne. »Ich weiß über die Centaurionische Division Bescheid. Und«, fügte er mit Blick auf die anderen hinzu, »ich möchte mich bei Ihnen allen bedanken. Wenn Ihre Agenten nicht rechtzeitig gehandelt hätten, wären meine Frau und meine Kinder während des Einsatzes gegen Al Dejahl getötet worden.«

Verflixt. Also verheiratet. Tja, da war wohl nichts zu machen. Auf Readers Gesicht sah ich die gleiche Reaktion. Obwohl Martinis Miene freundlich wirkte, schätzte ich, dass er ziemlich sauer auf mich war.

Zähneblitzend lächelte er Kevin an. »Kinder, hm? Wie viele?«

»Zwei. Einen Jungen und ein Mädchen.«

»Haben Sie Fotos dabei?«

»Klar. Und ich zeig Sie Ihnen gern, wenn die Sache hier vorbei ist. Die zwei sind einfach das Größte für mich.« Kevin wandte sich wieder mir zu. »Also, wie willst du vorgehen?«

»Ich will, dass alle, die noch hier sitzen, durchsucht und dann sicherheitshalber in irgendeinen Aufenthaltsraum gebracht werden.«

»Was glaubst du, wonach wir suchen?«, fragte mich Reader. »Es muss ja alles schon einmal durch die Sicherheitskontrollen gekommen sein.«

Das hatte ich mir irgendwo zwischen meiner Bewunderung für Kevin und dem Versuch, diese Bewunderung vor Martini zu verbergen, auch schon überlegt. »Es gäbe da zwei Möglichkeiten. Die eine wäre, dass ein Mitglied des Wartungspersonals eine Bombe in den Flugzeugbauch geschmuggelt hat. Die andere wäre, dass wir es hier mit mehr als einem zu tun haben und dass jeder von ihnen Bestandteile bei sich trägt, die einzeln zwar harmlos sind, aus denen aber eine Bombe gebaut werden kann.«

Kevin sah beeindruckt aus. »Du bist eindeutig Angelas Tochter, so viel ist sicher.« Er seufzte. »Ich trommle das Sicherheitspersonal zusammen. Das hier ist zu groß, als dass wir es allein schaffen könnten.«

»In Ordnung, tu, was immer die P.T.K.E. am besten kann. Aber bausch es ordentlich auf und mach möglichst viel Wirbel darum, einen Haufen Einsatzkräfte und wenn’s geht auch Bombenhunde und den ganzen Krempel.«

Lachend zog er sein Handy hervor, entfernte sich ein paar Schritte von uns und begann zu telefonieren. Meine Jungs und ich steckten die Köpfe zusammen. »Okay, ich setze auf Möglichkeit Nummer zwei.«

»Warum?«, wollte Gower wissen. »Das mit dem Wartungspersonal erscheint mir einfacher.«

»Sie haben das Flugzeug aufgehalten«, stimmte auch Christopher zu. »Also liegt der Verdacht nahe, dass es etwas mit den Wartungsarbeiten oder dem bereits eingecheckten Gepäck zu tun hat.«

»Nein. Sie haben die Passagiere nicht aussteigen lassen. Wenn man die Flüge tauscht, darf man das eingecheckte Gepäck in den meisten Fällen sowieso nicht mitnehmen, und es wird entweder schon mal vorausgeflogen oder hinterhergebracht. Wenn sich ein Flug verzögert, werden normalerweise so viele Personen wie möglich auf den nächsten verfügbaren Flug umgebucht, zuallererst wahrscheinlich die Passagiere der ersten Klasse und diejenigen, die einen Anschlussflug kriegen müssen.«

»Sie haben den Flug unseretwegen aufgehalten. Wir sind wichtig.« Christopher klang frustriert.

Tim lachte. »Christopher, außer uns weiß das aber niemand.«

»Da hat Tim recht. Das hier ist eine verdeckte Operation. Dafür hält man keine Linienflüge auf. Bei verdeckten Operationen fliegt man verdammt noch mal mit einem eigenen Flugzeug, wie wir es sonst auch tun. Jeff hatte vollkommen recht, als ihm deswegen der Kragen geplatzt ist, und, Paul, wenn du ehrlich bist, gefällt dir das auch nicht. Denkt nach, das hier ist eine verfluchte Falle.«

Reader hatte die Akte hervorgezogen und blätterte sie durch. »Was hat unsere Alicia doch gleich gesagt? Wer hat ihr die Anweisungen erteilt?«

»Leventhal. Den Vornamen weiß ich nicht.«

»Oh.« Reader verstummte und starrte auf die Akte. »Das muss dann wohl Leventhal Reid sein, der Leiter des Unterausschusses zur Terrorbekämpfung.« Er blickte auf. »Und fürs Protokoll, er weiß von uns und kann uns nicht ausstehen.«

Ich fragte mich, ob das wohl derselbe Reid war, den meine Eltern während des Abendessens erwähnt hatten. Wahrscheinlich. »Sitzt er auch im Unterausschuss des Repräsentantenhauses für Südamerikapolitik, im Gemeinsamen Nationalen Sicherheitsausschuss und im Immigrationsausschuss des Repräsentantenhauses?«

Reader nickte. »Er hat eine Menge Einfluss in einer Menge Gebiete, die uns allesamt irgendwie betreffen.«

»War ja klar.« Vor gestern Abend hatte ich zwar noch nie von ihm gehört, doch das war nicht besonders verwunderlich. Ich kannte mich in Sachen Popkultur nun mal immer noch besser aus als in der Politik. Ich war eher auf dem Laufenden, was Brad und Angelina gerade so trieben, als darüber, was in Bereichen vor sich ging, die mich tatsächlich betrafen. Meine Mutter war nicht die Einzige, die das etwas nervig fand. »Von welcher Behörde stammt die Anordnung, dass wir auf diese merkwürdige Weise nach Florida kommen sollen?«, fragte ich Gower.

»Das wollte Richard mir nicht sagen«, gab er zu. »Aber ich schätze, sie war einflussreich genug, um ihn zum Nachgeben zu bringen. Und diese Vorgehensweise war ihre Idee, nicht die von Richard.«

»Reid ist sehr einflussreich«, bemerkte Reader. »Ich wette, er hat seine Verbindungen spielen lassen, um das hier einzufädeln.«

»Aber warum sollte er?« Kevin war zurückgekehrt und hatte die letzten Sätze mit angehört. »Nicht, dass ich es ihm nicht zutrauen würde, er ist wirklich ein widerlicher Kerl. Aber es wäre ziemlich riskant.«

»Nicht, wenn wir dabei in die Luft geflogen wären.«

»Diese Gefahr muss erst noch bestätigt werden«, warf Martini ein. »Wenn wir nichts finden, dann war Kitty eben einfach nur übertrieben misstrauisch.«

»Das stimmt. Also, wir werden folgendermaßen vorgehen: Wir werden alle durchsuchen, auch die Piloten und die Flugzeugbesatzung. Wir stellen uns der Reihe nach auf – James, Paul und ich links und Tim, Christopher und Kevin rechts – und lassen sie alle zwischen uns durchgehen.«

»Und was mache ich? Stricken?« Martini klang leicht verschnupft.

»Nein, du stehst hinter uns und lächelst freundlich.«

»Warum das?«

»Weil wir sechs uns jede Person sehr genau ansehen werden. Tim und James picken die auffälligen Subjekte heraus. Christopher und Paul ziehen jeden raus, der vielleicht verdächtig sein könnte, und noch ein paar andere, um alle nervös zu machen. Und Kevin und ich schauen uns diejenigen, die bis zu uns durchkommen, ganz genau an und schnappen uns auch noch mal ein paar von denen. Jeff, ich will, dass du alle Emotionen überprüfst. Angst werden sie natürlich alle haben.«

Kevin musterte mich scharf. »Und auf was hast du es abgesehen? Auf diejenigen, die erleichtert sind, weil sie zwischen uns durchgekommen sind?«

Martini grinste. »Nein. Sie will, dass ich diejenigen aufspüre, die sich schuldig fühlen oder triumphieren.«

Umwerfend attraktiv und klug. Und meiner. Okay, Kevin konnte meinetwegen glücklich verheiratet bleiben.

Kapitel 12 Die Einsatzkräfte der Flughafen-Security strömten scharenweise heran. Außerdem traf noch das Bombenentschärfungskommando von Pueblo Caliente mitsamt Hundestaffel und einem SWAT-Team ein. Es war ein Mordsspektakel, und Kevin sorgte dafür, dass es sogar noch größer wirkte. Ich beruhigte Alicia; ihre Gefühle hatte Martini bereits überprüft, und er glaubte nicht, dass sie irgendwie in die Sache verwickelt war. Allmählich hoffte ich fast, dass wirklich jemand versuchte, uns umzubringen. Das hier jemandem erklären zu müssen, falls wir tatsächlich nichts fanden, wäre vermutlich schwieriger, als eine Bombe zu entschärfen.

Wir führten unsere Testlauf-Leibesvisitationen durch, fanden aber nichts. Die wenigen Menschen, die noch nicht zur Gepäckausgabe aufgebrochen waren, wurden dorthin eskortiert. Der gesamte Gebäudeflügel des Terminals wurde evakuiert.

Als Nächstes kam das Wartungspersonal. Wir stöberten drei illegale Einwanderer aus so exotischen Regionen wie Mexiko und Guatemala auf und schicken sie mit der Anordnung, sich Greencards zu besorgen, zur Gepäckausgabe. Wir hielten es nicht für nötig, zu hart mit ihnen umzuspringen, sie waren nur hier, um zu arbeiten, nicht, um Unschuldige umzubringen. Außerdem entdeckten wir ein junges Pärchen, das zum Wartungspersonal gehörte und Drogen bei sich trug, und ein weiteres Pärchen, das während der Arbeitszeit Sex hatte, außerdem einen Arbeiter, der schlief. Sie wurden gerügt und ebenfalls zur Gepäckausgabe geschickt.

Ich glaubte nicht, dass wir die Bombe in den bereits überprüften Gepäckstücken finden würden, aber falls doch, wollte ich keine Menschen mehr in der Maschine haben, also nahmen wir uns als Nächstes die Passagiere vor.

Alicia war großartig. Sie erklärte, wir würden nach einem Terroristen suchen, wie ich es ihr aufgetragen hatte. Sie klang verängstigt, was sie ja auch war und ruhig zeigen sollte. Dadurch wollten wir erreichen, dass auch die Passagiere und die Flugzeugbesatzung ängstlicher waren als unter normalen Umständen.

Für Martini würde es eine harte Nuss werden; zahlreiche Faktoren zerrten an seinen Blockaden und Empathiesynapsen. So gut wie jede Woche lernte ich neue Faktoren kennen. Eine solche Operation durchzuführen, ohne dass er seine Schutzfilter einsetzen durfte, war vermutlich auch etwas Neues, aber wir konnten nicht riskieren, dass ihm etwas entging. Außerdem hatte ich ja die Adrenalinharpune in meiner Handtasche und konnte ihn notfalls wiederbeleben, falls die Sache aus dem Ruder lief. Während der letzten fünf Monate hatte ich das so oft tun müssen, dass ich mittlerweile Expertin darin war. Ich schätzte diese Fertigkeit zwar nicht besonders, aber sie rettete ihm das Leben, also war es das wert.

Martini standen vier stämmige menschliche Security-Wachmänner zur Verfügung, und Gower hatte außerdem weitere zehn A.C.s als Rückendeckung angefordert. Jeder, den Martini herauspickte, würde als höchste Sicherheitsbedrohung angesehen werden, und wir wollten schließlich nicht, dass sie entkamen oder Geiseln nahmen.

Die Passagiere verließen der Reihe nach das Flugzeug. Wir ließen sie ihr Handgepäck behalten. Wenn wir die Terroristen ausfindig machen konnten, würden wir auf eine Untersuchung des gesamten Gepäcks verzichten können. Was auch immer in Florida vor sich ging, wäre zwar längst vorüber, bevor wir dort eintrafen, aber ich zog es trotzdem vor, lebend anzukommen.

Die einzige Änderung, die wir am Plan vorgenommen hatten, waren die beiden Bombenhunde mitsamt ihren Hundeführern neben Tim und Reader. Das Bombenentschärfungskommando hatte darauf bestanden, und von uns hatte niemand etwas dagegen einzuwenden. Die übrigen Hunde befanden sich in dem Bereich, der für die Hauptverdächtigen vorgesehen war. Ein weiterer Warteraum stand für jene Passagiere bereit, die wir für sauber hielten. Alles in Sichtweite des Gates.

Es war ein großes Flugzeug mit vielen Passagieren. Tim und Reader zogen ein paar offensichtliche Verdächtige heraus, und die Suche begann. Wir nahmen nicht viel Rücksicht auf Privatsphäre. Zwar hatten wir Wandschirme zwischen Männern und Frauen aufgestellt, doch alle befanden sich im selben Raum mit uns. Ich scherte mich nicht um eventuelle Klagen. Massenhalluzinationen waren äußerst praktisch, wenn es darum ging, die Erinnerungen der Menschen an das, was sie durchlebt hatten, zu verändern. Und sollten wir tatsächlich Bauteile für eine Bombe finden, dann würden sich die übrigen Passagiere eher darüber beklagen, dass sie so lange im Flugzeug gesessen hatten, nicht darüber, dass sie später durchsucht worden waren.

Wir machten weiter und untersuchten mehrere Männer und auch ein paar Frauen. Ich musterte jeden scharf, der an mir vorüberging. Kevin und ich spielten die bösesten unserer drei Böse-Cops-Teams, und ich gab mir alle Mühe, unfreundlich auszusehen.

Ein älteres Pärchen lief durch das Kontrollspalier. Mein erster Impuls war, sie freundlich anzulächeln und nicht weiter zu beachten. Besonders nachdem die alte Dame Tims Hand getätschelt und ihm gedankt hatte, weil er sie alle beschützte.

Aber irgendetwas war faul an ihnen. Ich war mir nicht sicher, was mich störte, doch ich musterte sie schärfer als alle anderen, die bisher an uns vorbeigekommen waren. Sie lächelten mich matt an und stolperten weiter an uns vorüber.

Doch irgendetwas störte mich noch immer, sodass ich schließlich den Kopf wandte, um ihnen nachzusehen. Martini fing meinen Blick auf und nickte mir beinahe unmerklich zu. Sie gingen an ihm vorbei, und er gab seinen Sicherheitsleuten ein Zeichen. Die beiden Alten wurden angehalten.

Und begannen sofort lautstark zu protestieren. Besonders die Frau machte eine Szene. Sie wurden zu unseren anderen Verdächtigen geführt und voneinander getrennt. Die Oma zeterte und schimpfte über die grobe Behandlung. Die übrigen Passagiere, die sich nicht mit unseren Hauptverdächtigen hinter der Absperrung befanden, warfen ihr mitfühlende Blicke zu.

Als Nächster wurde Kevin misstrauisch. Ein junger Mann mit Kopfhörer und iPod verließ die Maschine und wippte im Rhythmus mit dem Kopf. Er sah nicht gefährlich aus, und unsere ersten beiden Reihen ließen ihn passieren. Kevin packte ihn, warf ihn zu Boden und entriss ihm die Ohrhörer mitsamt iPod. »Untersucht die hier, sofort«, bellte er einem Agenten des Bombenentschärfungskommandos zu.

Dann ließ er den Jungen wieder aufstehen, drehte ihm jedoch den Arm auf dem Rücken und hielt ihn fest. Ein Polizist kam herüber und legte dem Jungen Handschellen an. »Jep«, sagte er zu Kevin, dann brachte er auch ihn zum Verdächtigenbereich.

»Was war in dem iPod?«, fragte ich leise, während weitere Passagiere die Reihen passierten.

»Vermutlich irgendein Plastiksprengstoff.«

»Wie hast du ihn erkannt?«

»Er wirkte zu bemüht.«

Genau das war es. Ich drehte mich um und ging zu Martini hinüber. »Mit diesem älteren Paar ist wirklich etwas faul.«

Er nickte. »Ich bin nicht sicher, was es ist, aber die beiden haben sich verdammt noch mal gefühlt, als hätten sie im Lotto gewonnen, als sie an dir vorbei waren.« Er lächelte mich schief an. »Dein neuer Freund macht sich ziemlich gut.«

»Ach, hör doch auf.«

Martini grinste. »Merkwürdig, ich bin gar nicht eifersüchtig.«

»Na klar, er ist ja auch glücklich verheiratet.«

»Nee, das ist es nicht. Ich fand es toll, dass du stolz auf mich warst, als ich gleich wusste, worauf du hinauswillst. Das hat deine Schwärmerei wieder wettgemacht.« Er nickte in Richtung der Menschenschlange. »An die Arbeit, Baby. Da kommen noch mehr.«

Ich kehrte an meinen Posten zurück, und weitere Menschen drängten sich hindurch. Zwei der Stewardessen, eine blond, die andere braunhaarig, kamen an die Reihe. Die Hunde schlugen an und bellten den Koffer der Blondine an. Sie schien erschrocken. Die Brünette wollte schnell weitergehen, doch Reader schnappte sie sich. Beide wurden in den Warteraum gebracht.

Ich warf einen Blick über die Schulter. Martini unterhielt sich mit einem unserer zusätzlichen A.C.s, der sich gleich darauf zu den Bombenleuten aufmachte.

Und so ging es weiter. Es folgten noch ein paar weitere Verdächtige, dann schien die Maschine leer zu sein. Christopher führte drei der A.C.s in das Flugzeug, um die Kabine zu durchsuchen. Als sie wieder herauskamen, hatten sie einen schmächtigen Mann im Schlepptau, der aussah wie ein Wiesel. »Der da war noch auf der Toilette«, rief Christopher und zerrte ihn zu Martini hinüber.

»Ich musste eben!« Der Mann war kleiner als ich, und ich schätzte, dass ich es vermutlich mit ihm aufnehmen konnte. Er war dünn, ärmlich angezogen und, seinen Zähnen nach zu urteilen, Raucher.

Martini zuckte die Schultern. »Das werden wir schon herausfinden.« Er sah zu den Security-Leuten hinüber. »Irgendjemand muss die wenig beneidenswerte Aufgabe übernehmen und nachsehen, was er im Klo loswerden wollte.«

»Urin!« Er klang panisch. »Im Ernst, ich konnte es einfach nicht mehr länger aushalten, wir saßen immerhin stundenlang rum und haben auf euch gewartet.«

Martini sah mich an, und wir lächelten. »Wie heißen Sie, Sir?«, fragte ich ihn.

»Shannon.«

»Ist das nicht ein Frauenname?«, wollte Tim wissen.

»Traditionell ist er männlich«, entgegnete Shannon beleidigt.

»Stimmt. Also, Shannon, lass es mich so sagen … Du kannst uns einfach erzählen, welche Rolle du in diesem Spiel spielst, oder wir demonstrieren deinen Kumpeln mit deiner Hilfe, was passiert, wenn sie nicht singen.«

»Wovon redet ihr überhaupt?«, keuchte er. »Ich hab keine Ahnung, was hier los ist.«

»Und … woher wusstest du dann, dass die Maschine auf uns gewartet hat?« Ich ließ meine Worte wirken, während seine Augen hektisch hin und her wanderten.

Martini lachte leise. »Er hat es gewusst, weil er bis zum Hals mit drinsteckt.« Er zog mich zu sich herüber. »Sollen wir ihn als Lackmustest benutzen, um herauszufinden, wer seine Komplizen sind?«, flüsterte er mir ins Ohr.

»Mmmm … ja.« Ich musste mich beherrschen, um mich nicht an ihm zu reiben. Irgendetwas hatten diese gefährlichen Stresssituationen an sich, das mich noch schärfer auf Martini machte, als ich sowieso schon war.

»Du bist ein Adrenalinjunkie«, flüsterte er. »Aber das ist schon okay. Ich finde es heiß.«

Ich schaffte es, mich zusammenzureißen, hauptsächlich wegen Shannons armseliger Entschuldigungen, die mich wieder in die Realität zurückbrachten. Ich ging zum Rest unseres Teams zurück. »Und jetzt finden wir heraus, wer von ihnen was hat. Oh, und Shannon? Du wirst auspacken, oder wir werden austesten müssen, wer von uns dich am härtesten ins Gesicht schlagen kann.«

»Nicht ins Gesicht«, keuchte er.

Ich verstand nicht recht, warum nicht – eine gebrochene Nase hätte sein Aussehen wahrscheinlich sogar verbessert.

Kevin wusste es. Er drückte Shannons Kiefer auseinander und nahm ihm die Zähne heraus.

Kapitel 13 »Plastiksprengstoff«, sagte Kevin und reichte dem Bombenexperten, der angerannt kam, die Prothese.

Reader zog ein Taschentuch aus der Innentasche seines Anzugs. »Hier bitte, das muss ja eklig sein.«

»Danke.« Kevin lächelte Reader freundlich zu.

Reader grinste zurück, und ich sah, wie sich Gowers Miene verfinsterte. Sowohl Reader als auch ich würden definitiv Ärger mit unseren jeweiligen Partnern bekommen, sobald wir allein waren, so viel war klar. Denn auch wenn meine Schwärmerei für Kevin Martini nichts auszumachen schien, würde er mich auf jeden Fall dafür büßen lassen. Allerdings auf eine Weise, bei der ich vermutlich schreien würde vor Lust. Ich hoffte, Readers Strafe würde ähnlich ausfallen. Wir konnten wirklich nichts dafür, Kevin hatte einfach Charisma ohne Ende.

Shannon wurde in den Verdächtigenbereich geschleift, wobei er unentwegt protestierte und seine Zahnprothese zurückverlangte.

»Wie blöd ist dieser Typ eigentlich? Ich meine, wer besorgt sich schon eine Zahnprothese, die so mies aussieht?«

»Er wirkt wirklich nicht gerade helle, aber das könnte alles nur Show sein«, seufzte Kevin. »Die Prothese und der iPod reichen noch nicht. Uns fehlt unter anderem noch der Zünder. Ich schätze, dass noch mindestens fünf andere beteiligt sind, vielleicht auch mehr. Und wir müssen herausfinden, welche Organisation so viele Selbstmordattentäter auf einmal auftreiben konnte.«

Darüber dachte ich nach, während wir uns in den Bereich begaben, in dem unsere Hauptverdächtigten festgehalten wurden. »Diese beiden Alten. Irgendetwas ist mit denen wirklich faul.«

»Tja, das wird nicht leicht, die werden uns eine echte Szene machen.« Kevin sah nicht gerade glücklich aus.

Sobald wir eintrafen, legte die alte Lady wieder los. »Das ist wie damals in Uganda! Erst haben sie die Juden ausgesondert und dann versucht, sie umzubringen!«

Meine Mutter war eine ehemals katholische Amerikanerin mit italienischen Wurzeln, die es irgendwie fertiggebracht hatte, die erste nicht israelische, nicht jüdische Agentin des Mossad zu werden. Meinen jüdisch-amerikanischen Vater hatte sie in Tel Aviv kennengelernt. Meine helle Haut hatte ich von ihm geerbt, ähnelte ansonsten aber meiner Mutter, weshalb ich zwar nicht jüdisch »aussah«, doch nichtsdestotrotz Jüdin war. Im Gegensatz zu diesen beiden hier.

»Warum behaupten Sie, wir würden versuchen, die jüdischen von den anderen Passagieren zu trennen?«, fragte ich sie.

Sie kreischte los. »Weil das immer passiert!«

»Nicht in Amerika.«

Auch Kevin kaufte ihr die Show nicht mehr ab. Dass Martini es nicht tat, wusste ich bereits.

Martini schenkte ihr sein gewinnendstes Lächeln, das er normalerweise für meine Eltern reserviert hatte. »Ma’am, warum glauben Sie, dass ein freundlicher Jude wie ich Ihnen das antun würde?«

Sie warf ihm einen bösen Blich zu. »Sie sind kein Jude.«

Er lächelte. »Da haben Sie recht. Und Sie sind keine alte Frau.« Er packte ihren Schopf, das Haar löste sich, und eine eindeutig gefärbte blonde Kurzhaarfrisur kam darunter zum Vorschein.

»Uäh.«

Martini ließ die Perücke fallen. »Das sollten wir näher untersuchen. Durchsucht sie und ihren ›Ehemann‹.«

Der angebliche alte Mann in ihrer Begleitung begann zu protestieren. »Das ist nicht meine Frau! Hilfe, sie haben meine Frau vertauscht!«

»Die beiden gehören eindeutig zu den schlechtesten Schauspielern, die ich je gesehen habe.« Es war wie bei einer Dinnershow, nur ohne Essen.

Reader zog an den wenigen Haaren auf dem fast kahlen Schädel des Alten. Sie lösten sich mitsamt der Gummiglatze ab und entblößten einen straff umwickelten Haarschopf.

Die Durchsuchung des angeblichen älteren Ehepaars, das sich strikt weigerte, uns ihre Namen zu verraten, ob nun echt oder erfunden, des jungen Mannes und von Shannon, dem zahnlosen Wiesel, nahm mehrere Minuten in Anspruch. Während die Polizisten aus Pueblo Caliente die Leibesvisitation übernahmen, filzten Kevin, Martini, Christopher und ich die Portemonnaies und Handtasche der »alten Dame«. Reader, Tim und Gower untersuchten zur Sicherheit alles noch einmal. Die Männer waren dabei sehr viel schneller als ich – diese Tussi hatte einen Haufen Mitgliedskarten, und sie alle durchzusehen, dauerte seine Zeit.

Es war ein Leichtes, unsere Verdächtigen zu identifizieren, denn sie hatten alle ihren Führerschein dabei. Shannons Nachname lautete O’Rourke, was die Entschlossenheit seiner Eltern unterstrich, ihm um jeden Preis eine grässliche Schulzeit zu bescheren. Der junge Bursche war Curtis Lee. Er trug ein Dokument mit sich herum, das ihn als direkten Nachfahren des Bürgerkriegshelden Robert E. Lee auswies. Doch ich war sicher, dass die Südstaaten es verschmerzen konnten, diesen speziellen Sohn zu verlieren. Die Frau hieß Maureen Thompson, und da der Kerl, der ihren Mann mimte, Robert Thompson hieß, nahm ich an, dass sie tatsächlich verheiratet waren.

»Wonach suchen wir eigentlich genau?«, fragte ich, während ich Maureens fünfzigste Mitgliedskarte anstarrte.

»Nach irgendetwas, das sie miteinander in Verbindung bringt.« Kevin klang frustriert. »Das hier ist einfach zu groß, zu gut organisiert.«

»Und die vier, die wir identifiziert haben, sind einfach zu blöd.«

»Genau«, gab Martini mir recht. »Also haben nicht sie es geplant, es muss jemand anders dahinterstecken.« Mein Blick flog zu ihm hinüber. »Was? Ich habe auch ein Hirn.«

»Ich weiß, deswegen habe ich dich ja auch nicht angeschaut. Mir ist nur aufgefallen, dass du gesagt hast ›jemand anders‹ und nicht ›Reid‹.«

Er zuckte mit den Schultern. »Wir wissen ja auch noch nicht, ob es wirklich Reid ist.«

»Genau.« Irgendwo in meinem Kopf regte sich etwas. Ich sah wieder hinab auf die Karte in meiner Hand, es war eine Mitgliedskarte des Club 51. »James, gibt es irgendeinen Großmarkt namens Club 51?«

»Nein, nicht dass ich wüsste. Aber … irgendwie kommt es mir bekannt vor.«

»Na ja, wir leben und arbeiten ja auch in Area 51«, warf Tim lachend ein.

Ach nee. Chuckie war ein echter Ufo-Experte gewesen. Von ihm kannte ich alle wichtigen Namen und auch die meisten Gerüchte, die sich während der vergangenen fünf Monate fast alle als wahr erwiesen hatten. Ich schob meine Schuldgefühle, die ich Chuckie gegenüber empfand, weil ich ihm nichts von all dem verraten konnte, beiseite – für so etwas hatten wir jetzt keine Zeit.

»Okay, untersucht die anderen nach einer Karte wie dieser hier.« Ich reichte ihnen die Club-51-Karte. Sie war aus Pappe und schien aus einem größeren Pappbogen ausgestanzt worden zu sein. Besonders offiziell wirkte sie nicht. Der Name war unter Maureens Unterschrift von Hand in Druckbuchstaben daraufgeschrieben worden.

Wir durchsuchten alles noch einmal, und tatsächlich besaßen alle eine solche Karte. »Ähm, na und jetzt?«, fragte Christopher. »Vielleicht ist es einfach die Mitgliedskarte für irgendeinen örtlichen Verein, was ist schon dabei?«

»Ein Verein ist es schon, aber kein lokaler.« Ich musste tief in meinen Erinnerungen nach dieser Information wühlen, Chuckie hatte diese Typen nicht gemocht und daher nicht viel über sie geredet. »Ich muss kurz jemanden fragen«, versetzte ich und zog mein Handy heraus.

»O klasse, jetzt ruft sie wieder Mr. My Best Friend an«, grummelte Martini. »Hast du in letzter Zeit nicht oft genug mit ihm gesprochen?«

»Er ist seit der neunten Klasse mein bester Freund, und beste Freunde reden miteinander, manchmal auch öfter. Komm doch bitte endlich damit klar.«

Aus Martinis Knurren schloss ich, dass er wohl nicht allzu bald damit klarkommen würde. Erst wollte ich Chuckie tatsächlich anrufen, doch allmählich setzte die Anstrengung Martini deutlich zu, und es würde ihn noch mehr aufregen, wenn ich mit Chuckie sprach. Außerdem würde Chuckie eventuelle Lügen in einer SMS schwerer aufspüren können.

Er antwortete sofort und nahm meine ausweichenden Formulierungen tatsächlich besser auf, als er es während eines Telefonats getan hätte. Ich gratulierte mir zu meiner klugen Entscheidung und versuchte, die sofort einsetzenden Schuldgefühle zu verdrängen. So behandelte man seine Freunde einfach nicht, und trotzdem wurde ich darin allmählich zum Profi. Ein Teil von mir verachtete mich dafür.

Martini spürte mein schlechtes Gewissen. »Nationale Sicherheit, Kleines«, sagte er sanft. »Denk daran, dass deine Eltern das seit Jahren schaffen.«

»Stimmt.« Ich räusperte mich und schüttelte alle Schuld ab. Zurück an die Arbeit – die Welt retten. Mal wieder. »Nach dem, was Chuckie sagt, glaubt diese Gruppierung fest daran, dass es Aliens auf der Erde gibt.«

»Und?« Christopher klang genervt, was meiner Erfahrung nach seinem Normalzustand entsprach.

»Und es gefällt ihnen nicht. Sie sind gegen Aliens, nicht dafür. Die meisten Menschen, die irgendwelchen Verschwörungstheorien anhängen, wollen, dass es Aliens gibt. Oder sie wollen beweisen, dass die Regierung lügt. Aber sie sind auf jeden Fall Alienfans.« Was ich ihnen nicht verübeln konnte, ich war ja auch ganz verrückt nach meinen Aliens.

»Okay, die Club-51-Typen mögen also keine Außerirdischen, und?« Kevin klang nicht besonders überzeugt.

»Genau, und ihre Abneigung ist wirklich extrem. Sie sind praktisch die Skinheads der Ufo-Szene.«

Martini, Gower und Christopher nahmen meine Äußerung mit verständnislosen Blicken auf, Reader und Tim nickten allerdings. Kevin sah noch immer skeptisch aus. »Aber Skinheads verprügeln andere, sie führen keine Selbstmordattentate aus.«

»Diese Typen sind eben Verrückte.«

»Aber es gibt doch Außerirdische«, sagte Martini. »Falls du das vergessen hast.«

Ich rollte mit den Augen. »Ja, ich weiß. Aber die breite Öffentlichkeit weiß es nicht, und wenn jemand glaubt, dass es hier tatsächlich Aliens gibt, dann wird er im besten Fall als Spinner bezeichnet.« Immerhin hatte Chuckie seinen Spitznamen Chuck der Verschwörer hauptsächlich wegen seiner Ufo-Faszination angehängt bekommen. »Es ist also nur logisch anzunehmen, dass jemand, der Mitglied einer großen Anti-Alien-Untergrundorganisation ist, noch abgedrehter ist als ein gewöhnlicher 08/15-Spinner.«

»Stimmt.« Gott sei Dank, Reader gab mir Rückendeckung. »Wenn man nicht sicher weiß, dass die Roswell-Gerüchte wahr sind, muss man schon ziemlich durchgeknallt sein, um daran zu glauben. Wir können sie auch gern als ›leidenschaftliche Gläubige‹ bezeichnen, wenn euch ›Verrückte‹ nicht passt. Immerhin haben sie ja recht.«

»Glauben unsere Verdächtigen wirklich daran, oder wollen sie nur daran glauben? Kannst du das sagen, Jeff?«

Er schloss die Augen. »Nein … nicht genau. Die vier, die wir schon aussortiert haben, fühlen im Moment nur Hass auf uns.«

»Hass, aber keine Angst?«

Er nickte. »Hass. Es gibt auch noch ein paar andere hier, die uns hassen.«

»Dann untersuchen wir die als Nächste. Oh, und ich will, dass alle aus dem Flugzeug nach diesen Club-51-Karten durchsucht werden, ob sie verdächtig sind oder nicht.«

»Okay, ich übernehme das mal.« Kevin setzte sich in Bewegung.

Bevor Martini ihm folgen konnte, zog ich ihn beiseite. »Zeig sie Kevin und komm dann gleich zurück. Ich möchte, dass du in meiner Nähe bleibst. Und ihr auch«, fügte ich an den Rest des Teams gewandt hinzu. »Ich möchte da meinen eigenen kleinen Test starten.«

»Und was wird das?«, fragte Martini.

»Vertrau mir.«

»Gott, ich kann es nicht ausstehen, wenn du das sagst.«

Kapitel 14 Wir gingen zu unseren überführten Verdächtigen. Ich verscheuchte die menschlichen Polizeibeamten, und Gower ersetzte sie durch mehrere A.C.s. Unsere speziellen Freunde wurden eingekreist und sahen gar nicht glücklich aus.

Ich wollte, dass jemand auspackte. Shannon wäre vermutlich die leichteste Wahl gewesen, aber wo blieb da der Spaß? Außerdem konnte ich Maureen echt nicht ausstehen.

Ich wies Reader und Tim an, Thompson auf einen Stuhl zu schubsen, während sich die übrigen drei dahinter aufstellten. »Ich weiß von nichts«, protestierte er.

»Oh, da bin ich aber anderer Meinung.« Ich ließ meine Stimme leise und sanft klingen, so wie ich mit Martini sprach, kurz bevor wir uns die Kleider vom Leib rissen. Mit schwingenden Hüften stolzierte ich zu ihm hinüber und ließ meine Hände über seine Schultern gleiten. »Ich glaube, ihr wisst sehr genau … was … wir sind.«

Seine Augen weiteten sich. »Rühr mich nicht an.« Seine Stimme bebte.

Gut, entweder hielten sie uns also wirklich für Aliens, oder er fand mich potthässlich. Da Martini, der himmlische Sexgott, mich, was Letzteres anging, permanent eines Besseren belehrte, musste es wohl die Alien-Geschichte sein.

»Ihr könnt uns entweder freiwillig verraten, wer euer Anführer ist, oder … tja, lasst es mich so sagen: Wir haben Mittel und Wege, euch zum Reden zu bringen.« Ich sah, dass sich Reader schwer zusammenreißen musste, um nicht laut loszuprusten. Hey, immerhin hatte ich keinen blöden Akzent imitiert oder so.

»Ich weiß von nichts.« Seine Blicke flogen durch den Raum. Er konnte auch nicht besser lügen als die A.C.s.

Ich erhaschte einen Blick auf Maureen, sie sah zornig aus. Gut so. Ich schwang ein Bein über ihn und ließ mich mit dem Gesicht zu ihm auf seinem Schoß nieder. So konnte ich die anderen mühelos im Blick behalten. Beinahe fühlte ich mich geschmeichelt, weil Shannon tatsächlich neidisch aussah. Lee wirkte einfach nur erschrocken. »Oh, ich bin mir sicher, dass ich dich zum Sprechen bringen kann, und es wird dir gefallen, glaub mir.« Ich fuhr mit den Händen über sein Gesicht und durch sein Haar. Es war ekelhaft, aber alles für die Sache, oder? Ich war nur froh, dass ich weder Martini noch Christopher sehen konnte, die inzwischen dankenswerterweise hinter mir standen.

»Ich … ich …« Thompson begann zu schwitzen. Und er begann auch mit noch ganz anderen Dingen.

»Gib es zu, du magst es auf die harte Tour«, raunte ich in meiner besten Mae-West-Imitation. Ich packte sein Haar und riss ihm den Kopf zurück, als wäre ich ein Vampir, der ihn beißen wollte. Ich hoffte, Maureens Widerstand würde möglichst bald gebrochen, denn ich wollte meine Lippen ebenso wenig an den Hals dieses Kerls legen, wie ich vorhatte, eine Männertoilette sauber zu lecken.

Doch ich tat als ob. Während sich mein Mund seiner Kehle näherte, fixierte mein Blick die übrigen drei Verdächtigen. Ich sah Shannon an. »Du kommst als Nächster dran.«

Er sah aus, als wüsste er nicht, ob er bei dieser Ankündigung in Tränen oder Jubelrufe ausbrechen sollte.

Mein Blick wanderte zu Lee. »Und dann du, Süßer.«

Er schluckte, aber ich registrierte, dass er schon weniger entsetzt und etwas williger aussah.

Dann sah ich wieder zu Maureen und lächelte sie überlegen an. »Du darfst leider nur zuschauen.«

Das war zu viel für sie. »Nimm die Finger von ihm, du Alienschlampe!« Sie wollte sich auf mich stürzen.

Gower warf sich nach vorn, packte sie am Nacken und hob sie hoch. »Kein menschliches Wesen darf unsere Anführerin berühren.« Ooooh, er ging voll seiner Rolle auf. Wie schön.

Ich lächelte weiter hinterhältig. »Wenn du uns sagst, was wir wissen wollen, lasse ich ihn und die anderen gehen.«

»Warum lest ihr nicht einfach unsere Gedanken?«, fauchte sie. »Ich weiß, dass ihr das könnt.«

Das konnten wir zwar nicht, aber warum sollten wir das zugeben? »So macht es aber … mehr Spaß.« Irgendwo in meinem Inneren nagte das Schuldbewusstsein an mir, ich hatte auch schon mit ansehen müssen, wie jemand Martinis Leben bedrohte, und es kam mir falsch vor, das jemand anderem anzutun. Allerdings wollten diese anderen sowohl Martini als auch den Rest von uns töten, mitsamt einer Flugzeugladung voll unschuldiger Menschen. Ich beschloss, dass das moralische Dilemma hiermit ein Ende hatte. War ja mal ganz nett gewesen.

Ich schwang die Hüften an Thompson Oberkörper heran. Für sie sah das aus, als würde ich mich lasziv an ihm reiben, während ich ihn in Wirklichkeit nicht einmal berühren musste. Sie zappelte und schlug mit zu Krallen gekrümmten Fingern um sich, doch sie war so klein, dass sie Gower nicht einmal mit einem Fußtritt treffen konnte.

»Entweder sagst du es mir freiwillig … oder ich ruiniere ihn unwiederbringlich für andere Frauen. Hat man einmal eine Außerirdische gehabt, will man nie wieder etwas anderes.« Was außerirdische Männer anging, war das meiner Erfahrung nach jedenfalls absolut zutreffend.

»Ist schon gut«, rief Thompson ihr zu. »Ich kann es aushalten.«

Maureen drehte durch. »Du Mistkerl, du willst es doch mit ihr treiben! Ich bringe euch alle beide um!«

Wieder lächelte ich sie an. »Willst du mir erzählen, was hier vor sich geht? Oder willst du zusehen, wie ich es vor deinen Augen mit allen dreien tue? In dem Bewusstsein, dass sie dich danach nie mehr auch nur ansehen werden?«

Maureen sah aus, als wollte sie auspacken. »Nein, sag es ihr nicht!«, brüllte Shannon. »Wir werden stark sein, Maureen, ich verspreche es. Soll sie doch mit uns machen, was sie will, wir werden hart bleiben.«

Reader und Tim mussten einen Schritt hinter den Gefangenen zurücktreten. Sie wurden von Lachkrämpfen geschüttelt und mussten sich gegenseitig stützen, wobei sie versuchten, keinen Laut von sich zu geben. Gower grinste mich breit an, doch er schaffte es immerhin, das Gelächter zu unterdrücken.

»Du hast die Wahl, Maureen. Bekommen wir die Infos auf die leichte Tour, oder«, ich riss Thompsons Kopf noch weiter zurück und ließ meine andere Hand seine Kehle hinab bis zu seiner Brust gleiten, »auf die spaßige?«

»Ich werde reden, runter von ihm«, fauchte sie.

»Rede, und vielleicht lasse ich ihn dann in Ruhe.« Ich konnte es kaum erwarten, endlich von diesem Typen runterzukommen. Meine Beine schmerzten schon, weil ich die Oberschenkel die ganze Zeit gespannt hielt, um möglichst wenig mit ihm in Berührung zu kommen. Er genoss diesen Alien-Lapdance sehr viel mehr, als man es von jemandem erwarten würde, der sämtliche ETs vom Angesicht der Erde fegen wollte.

»Ich werde ein braver Junge sein«, flüsterte er mir zu. »Ich sehe meine Fehler ein.«

Ich erhob mich, drückte seinen Kopf dabei jedoch weiter nach hinten. Wieder zu stehen, war eine Wohltat. »Sag mir, was ich wissen will.«

Er starrte mir auf die Brust. »Unser Boss ist ein Mann namens Howard.«

»Und das ist alles? Das soll mich davon abhalten, mit dir meinen Spaß zu haben?«

Sein Blick klebte noch immer an meinen weiblichen Attributen. »Vielleicht könntest du mich ja, du weißt schon, unter vier Augen verhören?«

Das brachte das Fass zum Überlaufen. Martini schaltete auf Hyperspeed und riss den Kerl von seinem Stuhl. Thompson flog drei Meter weit durch die Luft und landete krachend auf dem Boden, doch im Bruchteil einer Sekunde packte Martini ihn schon wieder am Hals und drückte zu. »Vielleicht könntest du uns ja, du weißt schon, sagen, was wir wissen wollen, bevor ich dir das Genick breche.«

Ich sah Maureen an. »Willst du uns nicht etwas Besseres liefern als ›Howard‹?« Sie sah wieder finster drein. »Babe, lass uns ganz offen reden. Alle deine Jungs hier wollen es mit mir treiben. Meine Männer würden zwar ein bisschen eifersüchtig werden, aber sie gehorchen mir. Und deine Jungs für andere Frauen zu verderben, würde mir wirklich Spaß machen. Du kannst jetzt entweder noch einen Typen decken, der es genauso mit mir treiben wollen würde, wenn er hier wäre, wie wir beide sehr genau wissen, oder du kannst dir selbst einen Gefallen tun, indem du auspackst. Du hast die Wahl.«

Ich vermied es, Martini anzusehen. Denn ich fand, dass er gerade etwas sehr Männliches, Beschützendes und Besitzergreifendes getan hatte. Außerdem war er der Einzige, den ich tatsächlich gern nackt verhört hätte. Und zwar sofort. Ich fragte mich, ob es im Flughafen vielleicht irgendwo ein Separee gab, das wir ausfindig machen konnten.

»Töte mich nicht«, keuchte Thompson. »Wir packen aus.«

»Sie kann reden, dann brauchen wir dich nicht, und ich kann dich trotzdem umbringen«, knurrte Martini.

O Mann, er musste dringend damit aufhören. Ich war bereit, ihn hier, vor allen Augen, flachzulegen. Vielleicht hätten wir Gladys vorhin im Forschungszentrum einfach ignorieren sollen. Verpasst hätten wir hier kaum etwas.

Seufzend verscheuchte ich diese Fantasien und zwang mich, mich wieder auf das Geschehen zu konzentrieren. »Also, Maureen, was darf’s sein?«

»Unser Oberster Anführer ist Howard Taft.«

»Du verarschst mich doch, oder?«

Maureen schüttelte den Kopf. »Nein, er ist wirklich nach dem verstorbenen Präsidenten benannt.«

Beinahe hätte ich gefragt, wer denn sein Kind nach Taft benannte, doch dann wurde mir klar, dass die einzig mögliche Antwort nur »ein Vollidiot« lauten konnte, und das bedurfte keiner näheren Erläuterung. »Setz sie ab«, sagte ich zu Gower. »Aber lass sie nicht los.«

Sobald sie wieder stand, erzählte Maureen weiter. »Wir sind eine große Organisation. Damit kommt ihr nicht durch.«

»Maureen, ihr seid Mitglieder des Club 51, was bedeutet, dass ihr eine große Organisation Bekloppter seid. Und obwohl Bekloppte durchaus gefährlich sein können, zeigt eure momentane Lage, dass eure organisatorischen Fähigkeiten durchaus noch ausbaufähig sind. Und jetzt rück die Details raus oder schau zu, wie ich deine Männer vernasche, sehr bösartig und nach allen Regeln der Kunst.«

Shannon ächzte leise. Martini, der Thompson noch immer an der Kehle festhielt, packte mit seiner freien Hand auch Shannon am Hals. Beide pendelten in der Luft. Ich fragte mich, ob er das nur tat, um mir völlig den Verstand zu rauben. Jedenfalls funktionierte es, Absicht hin oder her.

»Oh«, fügte ich noch hinzu. »Und denk dran, dass du schon einen grandiosen Anwalt bräuchtest, wenn du nicht den Großteil deines restlichen Lebens hinter Gittern verbringen willst. Du gehörst einer terroristischen Verschwörung an, und glaub mir, wir können das auch beweisen.« Bei diesen Worten brachte Kevin die beiden Stewardessen, die von den Bombenhunden entdeckt worden waren, und zwei Geschäftsmänner herein. »Deine einzige Chance ist, mit uns zusammenzuarbeiten.«

Maureen seufzte schwer. »In Ordnung.«

Bevor wir noch irgendetwas sagen konnten, ergriff die brünette Stewardess das Wort. »Was hat das hier zu bedeuten?«

»Oh, bitte. Club 51. Und jetzt pack aus oder halt den Mund. Punkt. Eine weitere Möglichkeit gibt es nicht. Allmählich werde ich wirklich ungeduldig.« Und scharf wie Nachbars Lumpi. Martini schien inzwischen eine Art Hanteltraining mit Thompson und Shannon zu machen. Ich wusste, dass er es nur tat, um mich weichzukochen, doch das kümmerte mich schon nicht mehr. Der Teil in mir, der sich Sorgen um seinen emotionalen Zustand machte, wurde von dem Teil überstimmt, der ihm einfach nur die Kleider vom Leib reißen wollte.

Unsere vier Neuankömmlinge versuchten, möglichst unschuldig auszusehen, doch da ich die vergangenen Monate mit Leuten verbracht hatte, die nicht lügen konnten, arbeitete mein innerer Lügendetektor auf Hochtouren. Wir hatten also acht, zwei von ihnen gehörten zur Crew, was wohl hieß, dass Kevin und das Bombenentschärfungskommando eine komplette Bombe aus dem bauen konnten, was diese Typen an Bord gebracht hatten.

Maureen sprach jetzt schneller. Vermutlich wollte sie nicht, dass jemand leichter davonkam als sie. »Es gibt mehrere Ortsgruppen des Club 51. Howard Taft ist der Chef des gesamten Clubs. Er arbeitet von Florida aus.«

Ach? Interessant.

»Er weiß alles über euch Aliens, und er hat einflussreiche Freunde in der Regierung.«

»Auch einen namens Leventhal?«

Maureen, Thompson, Shannon und Lee sahen ratlos drein, genau wie die beiden Geschäftsmänner und die blonde Stewardess. Doch das Gesicht der Brünetten wurde vollkommen ausdruckslos. Ich deutete auf sie. »Isoliert sie von den anderen. Das ist unsere Anführerin.«

Maureen wandte den Kopf so weit, wie Gower es zuließ. Die Brünette protestierte und wehrte sich, während einer unserer A.C.s sie wegbrachte. »Ja, das ist Casey Jones. Sie ist die Leiterin unserer Ortsgruppe.«

Wer hatte diesen Leuten nur solche Namen verpasst? Aber immerhin hieß ich Kitty Katt und sollte daher wirklich nicht mit Steinen werfen.

»Casey wird uns sicher mehr sagen können als du, Maureen. Also, wie viel wirst du uns verraten?«

Maureen sah resigniert aus. »Ich sage euch alles, was ich weiß.« Sie schien es ernst zu meinen.

Kapitel 15 Den Rest des Verhörs überließ ich Kevin. Ich hatte genug. Das Gepäck wurde aus dem Flugzeug geschafft und die Taschen und Koffer unserer Verdächtigen gründlich durchsucht.

Reader recherchierte alles nach, was er über Howard Taft und seine Verbindungen in Washington, inklusive Leventhal Reid, herausfinden konnte. Gower organisierte einen Privatjet für uns, nachdem er und Christopher einen Streit mit dem Pontifex über den Einsatz von Schleusen verloren hatten. Auf keinen Fall würden wir einen Linienflug nehmen. Christopher befehligte die anwesenden A.C.s, und ich passte auf Martini auf. Das war die härteste Aufgabe von allen, doch ich war bereit.

Martini war noch immer der Meinung, wir sollten eine Schleuse nehmen, und es heiterte ihn nicht gerade auf, dass er überstimmt worden war. Außerdem hatte er jetzt seine Mutter am Telefon. Ich wollte nicht lauschen, was bedeutete, dass ich möglichst intensiv die Ohren spitzte, während ich so tat, als würde ich den Bombenhunden zusehen, die vorsichtshalber noch einmal alle gründlich durchcheckten.

»Ja, wir haben Verspätung, weil eine Anti-Alien-Organisation versucht hat, uns umzubringen. Ja. Nein. Ja, du hast richtig gehört, sie war diejenige, die herausgefunden hat, was da vor sich geht. Ja, sie ist klug, das ist einer der Gründe, warum ich mit ihr zusammen bin. Unbegreiflicherweise nein, sie hält mich nicht für einen Trottel, und nein, sie ist deshalb weder minderbemittelt noch anspruchslos. Natürlich kommen wir trotzdem nach Florida, wenn es denn noch einen Grund dafür gibt. Nein, ich habe keinen Polizisten getötet. Natürlich hätte ich es getan. Warum? Kennst du überhaupt die ganze Geschichte, oder hast nur was aus der Gerüchteküche aufgeschnappt?«

Es entstand eine lange Pause, in der Martini mit den Augen rollte, flehentlich zum Himmel aufsah, als wollte er Gott bitten, ihn doch jetzt gleich zu sich zu holen, und mit den Zähnen knirschte. »Natürlich war es nicht so. Aber warum überrascht es mich so gar nicht, dass du anderen eher glaubst als mir? In Ordnung, ich erzähle dir alles, wenn wir da sind, wann auch immer das sein wird. Gott sei Dank, ich bin ja so froh, dass sich der Notfall noch nicht erledigt hat, ich hätte ihn wirklich ungern verpasst. Ja, das war jetzt sarkastisch gemeint. Nein, ich glaube nicht, dass das ihr Einfluss ist, ich war schon früher sarkastisch, du hast es einfach nicht bemerkt.«

Noch eine lange Pause, während der er die Augen geschlossen hielt und aussah, als hätte er Migräne. »Ja, da hast du recht, ich habe lieber bei Tante Terry gelebt. Ihr Tod ist jetzt zwanzig Jahre her, wie schön, dass du deinen Groll inzwischen überwunden hast. Nein, wirklich, ich will nicht zu einem großen Familienessen kommen. Nie. Genau. Ja, in Ordnung, dann sehen wir uns, sobald wir diese Sache hier erledigt haben. Nein, nicht mehr heute Abend. Wenn es so weitergeht, dann frühestens morgen. Großartig. Denk doch bitte daran, dass ich keinen Hackbraten mag. Ja klar, wir sehen uns etwa dreimal im Jahr, Gott bewahre, dass du da etwas kochst, das ich mag. Ja, ich weiß, dass dein Hackbraten in gleich zwei Universen berühmt ist. Bestimmt schmeckt er mir dieses Mal.«

Längere Pause. »Ja, in Ordnung, ich weiß. Ja, natürlich, Christopher auch. Das würde ich ihn doch auf keinen Fall verpassen lassen. Paul und James sind auch dabei, und Tim, er ist ein menschlicher Agent, den du noch nicht kennst. Ja, natürlich bringe ich sie alle mit, keiner soll doch den Hackbraten verpassen. Ich hab dich auch lieb.« Er legte auf und hämmerte sachte mit dem Kopf gegen die Wand.

Ich strich ihm über den Rücken. »Alles in Ordnung, Jeff?«

»Bitte versprich mir, dass du auch noch mit mir zusammensein willst, nachdem du sie kennengelernt hast.« Wieder klang er entnervt und traurig.

»Das weißt du doch.«

Er schüttelte den Kopf. »Nein, weiß ich nicht. Ich kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, dass du dann noch mit mir zusammensein willst.« Er rieb sich die Stirn. »Vielleicht kann ich ja vorher heldenhaft in diesem Einsatz sterben.«

»Ich will aber nicht, dass du stirbst.« Ich versuchte es zu verbergen, doch sein Verhalten machte mir wirklich Sorgen.

Natürlich merkte er es trotzdem. Er zog mich in seine Arme und drückte mich an sich. Ich legte den Kopf an seine Brust und streichelte ihm wieder über den Rücken. »Es tut mir so leid«, sagte er schließlich. »Das wird eine Katastrophe, und ich weiß einfach nicht, wie ich dich vor ihnen beschützen soll.«

Ich rieb meine Nase an seiner Brust. »Auf dem College war ich mal ganz kurz mit einem Typen zusammen, dessen Familie die größten Neonazis aller Zeiten waren. Ich wusste nichts davon, bis er mich eines Tages mit zu sich nach Hause genommen hat, um mich vorzustellen. Mein Onkel Mort, der von der Marine, musste buchstäblich einrücken und mich mit einem kompletten Einsatzkommando seiner Ledernacken da rausholen, weil ich Angst hatte, die würden mich umbringen, sobald sie herausfanden, dass ich Jüdin bin. Ich kann mir wirklich nicht vorstellen, dass deine Familie noch schlimmer sein kann.«

»Tja, stimmt wohl. Ich glaube nicht, dass jemand in meiner Familie dich umbringen will.«

»Siehst du? Dann ist doch alles in Ordnung.«

»Gott, ich liebe deinen Optimismus.«

»Wie geht es dir so in empathischer Hinsicht?« Das war meine verschleierte Art zu fragen, ob ich das Adrenalin bereithalten musste oder nicht.

Martini seufzte. »Nicht berauschend, aber es wird schon gehen.«

»Ich hatte gehofft, der Einsatz würde dich nicht allzu fertigmachen.« Die Sorge um ihn überwältigte mich, wie immer, wenn er auf einen empathischen Zusammenbruch zusteuerte.

»Das ist es nicht, Kleines.« Martini umarmte mich noch fester. »Ehrlich gesagt sind meine Eltern, besonders meine Mutter, schlimmer als jeder Einsatz.«

»Tja, so sind Eltern eben manchmal.«

»Deine nicht.«

»Meine haben einfach akzeptiert, was ich tue und mit wem ich zusammen bin.« Ich vertiefte mich mit allen Sinnen in die Vorstellung einer Blume. Manchmal funktionierte das, und ich konnte auf diese Weise etwas vor Martini verbergen. Und Blumen würden ihn wohl kaum darauf bringen, dass ich mir nach Meinung meiner Eltern mögliche Alternativen durch den Kopf gehen lassen sollte.

»Meine zeigen mir immer wieder gern, wie unerträglich sie mich finden.« Martini klang niedergeschlagen, und ich hoffte, dass es nicht meinetwegen war.

»Das kann ich mir nicht vorstellen, Jeff. Warum sollte es sie kümmern, wen du heiratest, wenn sie dich nicht lieben würden?«

»Weil sie auch wirklich ganz sichergehen wollen, dass ich in mein Unglück renne?«

Ich versuchte es anders. »Und was ist damit, dass deine Mutter eifersüchtig auf Terry ist? Eifersucht entsteht nicht aus Abneigung, sondern meistens aus Liebe. Oder etwas in der Art.«

»Ich sollte vielleicht betonen, dass wir jedes verdammte Mal Hackbraten essen, wenn ich komme. Ich glaube, meine Mutter kann einfach nicht verlieren, und wenn ich bei Tante Terry glücklicher war, ist das für sie eine Niederlage.«

»Vielleicht. Aber wenn sie immer noch eifersüchtig ist, dass du bei Terry gelebt hast und dass Terry für dich da war, als sie es nicht sein konnte, dann geht es vielleicht nicht nur ums Verlieren, sondern um Verlust.«

»Vielleicht. Aber nichts, was sie je getan hat, deutet für mich darauf hin. Auch nicht für Christopher.« Er seufzte. »Ich kann es nicht ausstehen, nach Hause zu gehen. Lieber wäre ich in die Luft geflogen, als jetzt meine Eltern besuchen zu müssen.«

»Wie hältst du es überhaupt aus, dort zu sein?« Wenn es ihm schon so mies ging, obwohl noch ein ganzer Kontinent zwischen ihm und seiner Mutter lag, dann waren meine Adrenalinreserven vermutlich nicht ausreichend. Vielleicht nicht mal die Reserven im Forschungszentrum.

»Ich ziehe sehr … starke … Blockaden hoch, wenn ich zu Hause bin. Tante Terry hat mir beigebracht, wie das geht. Wird schon werden, Kleines. Hoffe ich jedenfalls.«

Bevor die Unterhaltung noch trostloser werden konnte, kam Kevin zu uns herüber, und wir lösten uns voneinander. »Okay, wir haben genug Bestandteile. Damit hätten sie auf jeden Fall eine kleine, aber effektive Bombe basteln können, besonders mit den beiden Stewardessen an Bord.«

»Was hatten sie vor? Sollten die Stewardessen beim Mülleinsammeln alle Bauteile abholen, und eine sollte sie dann in der Bordküche zusammenbauen, während die andere Wache hielt?«

Kevin sah mich lange an. »Ja, genau das war ihr Plan. Bläut Angela dir solches Zeug ein, oder was?«

»Ich denke einfach wie ein Psycho, schätze ich.« Eine tolle Gabe. Kein Wunder, dass Martinis Mutter nicht begeistert war.

»Warum waren sie bereit zu sterben?«, fragte Martini.

»Taft scheint ihnen weisgemacht zu haben, dass sie nicht sterben könnten.« Kevin schüttelte den Kopf. »Sie waren überzeugt, dass die Bombe keinen von ihnen umgebracht hätte.«

»Nur sie nicht, oder auch keinen anderen?«

Kevin zuckte mit den Schultern. »Keine Ahnung.«

»Dann fragen wir wohl mal das Wiesel.«

Wir gingen dorthin, wo Shannon festgehalten wurde. Ich rückte ihm ganz nahe auf die Pelle.

»Was wollt ihr?«, fragte er und beäugte Martini misstrauisch. An seinem Hals konnte man noch immer rote Fingerabdrücke erkennen.

»Ich will wissen, warum du bereit warst, für diese Sache zu sterben.« Er schüttelte den Kopf, doch ich packte sein Kinn und zwang ihn, mich anzusehen. »Er wird seinen ganzen Frust an dir auslassen.« Mit dem Kopf wies ich Richtung Martini. »Und glaub mir, davon hat er eine ganze Menge.«

Shannon sah zwar ängstlich, aber entschlossen aus. »Was wäre für mich drin?«

»Du stirbst nicht«, knurrte Martini.

»Wir brauchen dich nicht, Shannon. Wir haben die Führerin eurer Ortsgruppe, und sie hat die wirklich wichtigen Infos. Das Beste, was du kriegen kannst, wenn du uns hilfst, ist eine Strafminderung. Wenn du es nicht tust … tja, ich weiß, worauf sich jemand mit deiner Größe, der außerdem zufällig keine Zähne mehr hat, im Gefängnis freuen kann.«

Shannon schluckte. »Okay. Wenn es mir wirklich hilft, nicht ins Gefängnis zu kommen?«

Ich nickte. Konnte ja sein.

»Taft hat uns alles über eure telepathischen und telekinetischen Fähigkeiten erzählt.«

»Wie bitte?« Für was hielten diese Typen uns denn? Für die X-Men?

»Wir wollten das Flugzeug hochjagen, um zu beweisen, dass ihr hier auf der Erde seid. Jeder weiß, dass ihr unverwundbar seid, und wir wissen auch, dass ihr Dinge mit eurem bloßen Willen zusammenhalten könnt. Wenn mehrere von euch in einem Flugzeug wären, von dem ein Teil in die Luft fliegt, dann würdet ihr alle eure übernatürlichen Fähigkeiten einsetzen, um das Flugzeug zu retten. Dann hätten wir den Beweis, und niemand könnte es mehr abstreiten.«

Ich ließ Shannons Kiefer los. »Und ihr habt euch nie gefragt, ob das, na ja, wahr ist?« Sie hielten uns also wirklich für die X-Men. Wow.

»Aber es gibt Aliens. Ihr seid ja schließlich auch hier.« Punkt für ihn, aber nicht sehr lange.

»Nein, es gibt sie nicht. Wir sind menschliche Undercover-Agenten einer Antiterroreinheit der Bundesregierung. Wir haben eure kleine Club-51-Gruppe aufs Korn genommen, weil ihr terroristisches Verhalten fördert.«

Shannon schüttelte den Kopf. »Das glaube ich nicht, und das wird auch keiner in Club 51 glauben. Wir wissen, dass ihr hier seid, und wir wissen auch, dass ihr böse seid und vom Angesicht der Erde getilgt werden müsst.«

Kapitel 16 Ich hätte liebend gern mehr Zeit mit Shannon verbracht und mir von ihm erzählen lassen, was Aliens nach Meinung dieser Gruseltypen von Club 51 noch so alles konnten, aber wir mussten immer noch nach Florida. Irgendwann. Aber wie sich herausstellte, nicht allzu bald.

Kevin hatte einen ganzen Haufen Bundesbeamter angefordert, die ihm ohne Widerrede zu gehorchen schienen. Meine Mutter hatte also keine Scherze gemacht – sie stand im Rang wirklich höher als alle anderen.

Die Verschwörer wurden weggebracht, in Handschellen und unter schwerer Bewachung. Ihre Habseligkeiten wurden mit ihnen fortgeschafft. Die übrigen Passagiere waren noch ein drittes Mal durchsucht worden, doch es wurden weder weitere Bombenteile noch Club-51-Karten gefunden.

Ich hielt Wort und sorgte dafür, dass Alicia mit reichlich Lob bedacht wurde. Kevin erklärte ihr, was sie sagen und was sie nicht sagen sollte, sobald die unschuldigen Passagiere entlassen wurden und die Reporter hereinkommen durften. Sie war so benommen, dass Tim sie stützen musste. Ich hatte den Eindruck, dass sich Tim so ritterlich benahm, weil er sie süß fand, und Alicia beschwerte sich nicht, dass er seinen Arm um ihre Taille gelegt hatte.

Auch Reader hatte es bemerkt. »Wir decken nicht jeden Tag ein Terrorkomplott auf und verkuppeln dabei gleich noch eines unserer Teammitglieder. Das letzte Mal war es, als wir dich rekrutiert haben, Süße.«

»Wir könnten uns ja in das ›Love-Team‹ umbenennen.«

»Würg.« Martini massierte mir den Nacken. »Wann können wir hier weg?«

»Wir müssen noch mindestens drei Stunden warten, bis unser Jet fertig ist und hergebracht wird«, antwortete Reader. »Ich will, dass das ausschließlich unsere Leute übernehmen, aber sie müssen erst herkommen, ohne die Kuppel oder eine mobile Schleuse zu benutzen.«

Die Kuppel an der Absturzstelle war mehr oder weniger die Drehscheibe der Schleusen. Dort waren die ersten Außerirdischen, die sogenannten Ältesten, abgestürzt, und es gab noch reichlich Restenergie. Wenn größere Dinge transportiert werden mussten, brachte man sie entweder zur Kuppel und schleuste sie von dort aus weiter, oder man errichtete eine mobile Schleuse. Ich hatte noch immer keine Ahnung, wie das funktionierte, und Christopher behauptete immer, ich würde es auch gar nicht wissen wollen.

»Können wir auch nachts im Kennedy Space Center landen?« Martinis Finger fühlten sich phantastisch an, und ich musste mich zusammenreißen, um mich nicht genüsslich zu räkeln.

Martini schüttelte den Kopf. » Da wird niemand mehr da sein. Es wäre sinnvoll, wenn wir sofort eine Schleuse dorthin nehmen und heute noch etwas ausrichten könnten.«

Reader seufzte. »Da bin ich ganz deiner Meinung, Jeff.«

»Versteht jemand, warum Richard immer noch so strikt dagegen ist?« Ich wartete darauf, dass irgendjemand »Aus politischen Gründen« antwortete.

»Keine Ahnung«, entgegnete Reader.

Tja, also war ich vielleicht doch die Einzige, die hier einen politischen Zusammenhang sah. »Paul weiß es auch nicht, aber er hat darauf bestanden, uns doch zu begleiten.« Gower war fortgegangen, um seine Sachen zu packen, wir erwarteten ihn jedoch bald zurück.

»Bist du sicher, dass Richard ihn nicht aufhalten wird?«, wollte Martini wissen.

»Ganz sicher. Paul ist echt sauer.«

»Was auch immer da vor sich geht, der Druck auf Richard muss wirklich hoch sein. Immerhin haben wir gerade einen Mordanschlag auf seinen Sohn und seinen Neffen verhindert, und er besteht immer noch darauf, dass wir ein Flugzeug nehmen.« Da fiel mir etwas ein. »Wartet mal einen Moment.« Ich kramte in meiner Handtasche nach meinem Handy und wählte. »Hey Mum.«

»Wie sieht’s aus? Hattest du recht?«

»Und wie. Übrigens, Kevin ist super.«

»Ich weiß. Ich hoffe, du und James habt euch nicht völlig blamiert.« Meine Güte, meiner Mutter konnte man wirklich nichts vormachen.

»Ähm, schon irgendwie.«

»Das kann ich mir denken. Und wie geht es jetzt weiter?«

»Wir haben noch immer vor, nach Florida zu fliegen, weil Richard darauf besteht, dass wir keine Schleuse nehmen.«

»Setzt euch auf keinen Fall in ein Linienflugzeug.«

»Daran haben wir auch schon gedacht.« Wenigstens dieses eine Mal. »Einer unserer Jets ist schon auf dem Weg, und James hat dafür gesorgt, dass er ausschließlich von der Centaurionischen Division abgefertigt wurde.«

»Gut.« Sie seufzte. »Und jetzt willst du wissen, was hier eigentlich los ist, richtig?«

»Genau. Raus damit. Es hat etwas damit zu tun, dass Dad und du in D.C. seid, stimmt’s?«

»Sozusagen. Es wird eine Menge Druck gemacht, die Centaurionische Division in eine reguläre Militäreinheit umzuwandeln, besonders da die Bedrohung durch die Parasiten in den letzten Monaten anscheinend nachgelassen hat.«

»Weil wir das Oberscheusal, das sie alle hergelockt hat, erledigt haben. Allerdings würde ich bei einem Massenvorfall mit gleich zwölf Überwesen nicht gerade von ›nachlassender Bedrohung‹ sprechen.«

»Ein Massenvorfall, wirklich? Und wie sah es mit der Aktivität der Überwesen vor heute aus?«

Darüber musste ich nicht groß nachdenken. »Sie hat tatsächlich nachgelassen, es wurde immer weniger, seit ich der Centaurionischen Division beigetreten bin.«

»Ganz genau. Ihnen gehen allmählich die Aufgaben aus. Und das bedeutet, dass die Regierung Druck macht, weil sie die Division effektiver einsetzen will.«

»Deshalb sind sie aber nicht hier.«

»Das weiß ich, und ich teile diesen Standpunkt auch nicht. Aber es ist trotzdem Diskussionsstoff, und genau deshalb sind wir hier. Im Moment muss sich die Centaurionische Division so menschlich wie nur möglich verhalten.«

Aha, jetzt ergab die Sache Sinn. »Also tauchen wir in einem Flugzeug auf und sagen damit ›Seht ihr? Wir reisen genau wie ihr.‹ Allerdings nutzt das irgendjemand aus, um uns umzubringen.«

»Nicht allen gefällt die Vorstellung, dass Außerirdische auf unserem Planeten leben.«

»Da fällt mir ein, Leventhal Reid, kennst du den?«

»Ich kenne ihn und kann ihn nicht ausstehen.«

»Ist das der Reid, über den Dad und du gestern beim Abendessen gesprochen habt?«

»Ja, warum?«

»Ich glaube, er steckt hinter diesem Terroranschlag.«

Mum schwieg einige Sekunden. »Ich überprüfe das.«

»Und durchleuchte doch auch gleich noch einen Typen namens Howard Taft. Er ist der Oberste Anführer des Club 51. Das ist diese Anti-Alien-Organisation, die für den gescheiterten Terrorangriff verantwortlich ist.«

»Oberster Anführer?«

»Ich weiß, das sind alles Verrückte.« Natürlich hatten sie mit ihren Vermutungen irgendwie recht, aber verrückt waren sie trotzdem.

»Ich werde auch ihn und diese Organisation überprüfen. Was hat James denn schon herausgefunden?«

Ich reichte Reader das Handy. »Bitte einmal Uhrenvergleich mit meiner Mutter.«

Reader nahm es grinsend entgegen. »Angela, wie schön, deine Stimme zu hören. Mm-hmm. Ja, das habe ich schon überprüft. Das auch. Jep. Wir haben definitiv eine Verbindung zu einem Mann namens Leventhal, der die Anweisung erteilt hat, den Linienflug aufzuhalten, aber das ist leider alles, was nicht reichen wird. Genau. Ja.« Er lachte. »Wahrscheinlich schon. Ja, wir wissen, dass er verheiratet ist.« Er lachte noch einmal. »Kein Problem, aber ich werde es mir merken. Ja, bisher noch nichts über Taft. Ich wette, das ist ein falscher Name. Mm-hmm. Ja, ich werd’s nachprüfen und an Kitty weitergeben. Okay, sehr gut. Bis bald.« Er reichte mir das Telefon zurück.

»Ich wünschte, er wäre hetero.« Mum seufzte. »Das wäre ein Schwiegersohn nach meinem Geschmack.«

Ich konzentrierte mich wieder auf das Blumenbild. »Kann ich verstehen, irgendwie. Wie auch immer, wie sieht’s aus?«

»James und ich haben nur dafür gesorgt, dass wir uns keine doppelte Arbeit machen. Gib mir auf jeden Fall Bescheid, wenn ihr in Florida angekommen seid. Ich schätze mal, ihr fliegt wegen der Shuttle-Sache dorthin.«

»Keine Ahnung, das hat mir noch keiner verraten, und bisher waren wir ziemlich beschäftigt.«

»Na ja, wir werden es bald wissen, halt mich auf dem Laufenden.« Ich hörte Dads Stimme im Hintergrund. »Dein Vater lässt dich grüßen und meint, wir wären spät dran.«

»Abendessen im Weißen Haus?«

»Das haben wir schon hinter uns. Wir sind spät dran für einen Empfang, und ich bin noch nicht umgezogen. Also dann, ich liebe dich, wir müssen los.«

»Ich liebe dich auch, Mum. Grüß den Präsidenten und seine hohen Tiere von mir.«

Ich legte auf und führte mir vor Augen, wie sehr sich mein jetziges Leben von dem unterschied, das ich noch vor einem halben Jahr geführt hatte. Beinahe alles hatte sich verändert.

Kevin kam zurück. »Ich schätze, wir sollten besser weg sein, wenn die Presse eintrudelt.«

»Gute Idee. Aber können wir Alicia einfach allein lassen?«

»Stimmt. Wenn es für euch in Ordnung ist, dann kann sich doch Tim um sie kümmern. Er hat mir geholfen, sie vorzubereiten.«

»Er ist ein Mensch, also eine gute Wahl. Und du willst auch nicht auf die Presse warten?«

Kevin schüttelte den Kopf. »Wir bleiben lieber im Dunkeln, wenn möglich.« Er lächelte. »Außerdem habe ich uns etwas zu essen organisiert, und das sollten wir auf keinen Fall verpassen.«

Kapitel 17 Das Essen war gut und ausgedehnt, wir hatten ja auch reichlich Zeit totzuschlagen.

Kevin hatte es von einem meiner Lieblingsitaliener aus der Stadt kommen lassen, und man hatte uns tatsächlich einen eigenen Raum zur Verfügung gestellt, von dem ich bisher noch nichts gewusst hatte, der aber offensichtlich für die Sicherheitsleute bereitstand. Die Bundespolizei war noch immer überall präsent, doch der einzige nicht centaurionische Agent, der sich zu uns gesellte, war Kevin.

»Das ist ja alles ganz toll, aber warum machen wir uns nicht einfach auf den Weg zum Forschungszentrum?«, fragte ich mit dem Mund voller Cannelloni.

»Das habe ich auch vorgeschlagen«, entgegnete Gower. »Mehrmals. Aber Richard würde es vorziehen, wenn wir hierbleiben.«

Martini grollte und grummelte, doch er sagte kein Wort. Das hier war eindeutig eine der Situationen, in denen der Hohe Pontifex das Sagen hatte und nicht die Leiter von Feldeinsatz und Bildbearbeitung.

»Warum?«

Gower seufzte schwer. »Wir müssen weiterhin ›unauffällig‹ wirken.«

»Indem wir die Nacht am Flughafen verbringen?« Das schien sogar ganz objektiv betrachtet ein ziemlich unüberzeugender und bescheuerter Plan zu sein.

Christopher und Martini wechselten Blicke. Reader lachte in sich hinein. »Richard weiß, dass Jeff sofort ein Protokoll erlassen und uns via Schleusentransport weiterschicken würde, wenn wir erst wieder im Forschungszentrum wären.«

»Wir haben so etwas wie Protokolle?« Nie erzählte mir jemand was.

»Ein paar«, gab Martini zu. »Ich glaube, Richard versucht, einem Streit aus dem Weg zu gehen. Außerdem«, er seufzte, »solange wir hier irgendwann vor Sonnenaufgang loskommen, sind wir immerhin noch morgens in Florida.«

»Oh. Klasse.« Ich war nicht gerade ein Morgenmensch. »Wir könnten auch zum Haus meiner Eltern gehen.«

Die Männer schüttelten den Kopf. »Wir müssen hierbleiben«, meinte Kevin. »Wenn die Centaurioner den Einsatzort verlassen, ändert sich der Zuständigkeitsbereich. Und das wollen wir nicht.«

Ich gab auf. »Und wie schlafen wir?«

»In Schichten«, erklärte Martini. »Wenn überhaupt.«

Bevor ich noch weiterjammern konnte, gesellten sich Tim und Alicia zu uns. Er erntete einige vielsagende Blicke, weil er sie mitgebracht hatte, aber ich konnte ihm keinen Vorwurf machen, sie sah fix und fertig aus und wusste sowieso fast alles, was hier vor sich ging.

»Hat die Presse ihre Story bekommen?«, fragte Christopher vielsagend.

Tim nickte und schaufelte Lasagne auf seinen Teller. »Ging klar. Alicia war großartig, sie hat genau das gesagt, was Kevin ihr aufgetragen hat.«

Sie lächelte schwach. »Ich bin zu müde, um noch kreativ zu sein.«

»Wie bekommen wir Alicia nach Hause?«, fragte ich leise an Kevin gewandt.

»Gar nicht.« Er lächelte über meinen erschrockenen Gesichtsausdruck. »Sie würde es vorziehen, lieber keinem Reporter in die Arme zu laufen, also bleibt sie hier, bis wir aufbrechen. Dann wird sie nach Hause gebracht.«

Alicia hörte das. »Agent Lewis, könnten wir das vielleicht auf mein Schichtende morgen verschieben? Ich habe Frühdienst und müsste mir so nicht freinehmen.« Ich hatte den Eindruck, dass Alicia gern bei uns und besonders bei Tim bleiben wollte, solange es ging.

»Natürlich.« Kevin stand auf und streckte sich. »Ich sehe mal nach dem Rechten. Wenn ihr euch ein bisschen die Beine vertreten wollt, ist das okay. Aber verlasst bitte dieses Terminal nicht, und sorgt dafür, dass alle wissen, wo ihr seid, wenn ihr herumlauft.« Er verließ den Raum.

Einige unserer A.C.s legten sich lang, so gut es eben ging, und schliefen sofort ein. A.C.s konnten einfach immer schlafen, wenn es gerade sicher war.

Martini strich mir über den Nacken. »Also müssen wir wohl etwas Zeit totschlagen.«

»Jep.« Reader grinste uns wissend an. »Wollt ihr beide nicht ein bisschen spazieren gehen und euch die Geschäfte anschauen? Ich glaube, ein paar haben noch geöffnet.«

»Großartige Idee«, sagte Martini. »Ja, wir werden wohl für eine Weile verschwinden.«

Reader zwinkerte mir zu. »Viel Spaß. Wenn ihr bis dahin noch nicht zurück seid, rufe ich an, sobald wir aufbrechen.«

Wir nahmen unsere Rollkoffer mit, um weniger verdächtig zu wirken. Jedenfalls versuchte ich mir einzureden, dass es so weniger verdächtig wirkte. »Wohin gehen wir?«

»Egal, Hauptsache weg von hier.« Martini drückte meine Hand. »Du kennst dich hier besser aus als ich.«

Das stimmte. Aber ich hatte bisher noch nie ein privates Zimmer gebraucht. »Ich weiß, dass es Alarm gibt, wenn man die Fahrstühle zwischen den Stockwerken anhält.«

»Verdammt.«

»Wir könnten uns zum Forschungszentrum zurückschleichen.«

»Nein, mir ist nicht danach, mit Richard zu diskutieren. Oder von Gladys unterbrochen zu werden.«

»Macht sie das eigentlich absichtlich?«

»Manchmal. Aber nicht immer. Sie kann uns weder sehen noch hören, außer wenn sie über die Sprechanlage mit uns spricht.«

Gott sei Dank. Wir schlenderten an den Essens- und Souvenirbereichen vorbei. Nicht besonders privat. Allerdings gab es zwischen dem letzten Geschäft und dem Parkplatz eine Tür. Ich führte Martini zu ihr hin, es stand Verwaltung darauf, doch sie war verschlossen. Außerdem lag sie weit ab vom Schuss, und vom Parkplatz drang eine Menge Lärm herüber, was bedeutete, dass eventuelle verdächtige Geräusche übertönt würden.

Martini zog uns weiter Richtung Parkplatz, griff in seine innere Jackettasche und zog ein schmales Etui heraus. Als er es aufklappte, erkannte ich, dass es eine ganze Sammlung Dietriche enthielt. »Du kannst Türschlösser knacken?« Warum konnte ich keine Türschlösser knacken?

»Jep.« Er sah mich aus dem Augenwinkel an. »Ich bringe es dir bei, wenn du mit dem Flugunterricht fertig bist.«

»Versprochen?«

»Natürlich. Und jetzt warte hier. Ich deaktiviere die Überwachungskamera für diesen Bereich, öffne die Tür, hole dich rein und schalte die Kamera dann wieder ein, damit wir keine neugierigen Besucher bekommen.«

»Und überprüf auch, ob der Raum schalldicht ist.«

Er grinste, ließ seinen Rollkoffer bei mir zurück und verschwand. Ich zählte innerlich und lauschte auf mögliche Geräusche. Nach acht Sekunden war er zurück, packte mich und die Koffer und wirbelte mich in den Raum. Während sich mein Magen beruhigte, verschwand er wieder, tauchte nach weiteren drei Sekunden erneut auf und schloss flugs die Tür hinter sich.

»Bist du sicher, dass dich niemand gesehen hat?« Jetzt, da er wieder zurück war, sah ich mich um. Wir standen in einer ziemlich geräumigen Allzweckkammer voller Klopapierrollen, Papierhandtücher, Putzutensilien und ähnlichem Kram.

Martini schnaubte. »Nein, ich hab’s überprüft.« Hyperspeed war doch eine tolle Sache. »Und ich habe ziemlich viel herumgebrüllt. Hast du irgendwas gehört?«

»Keinen Ton.«

»Gut.« Martini verschloss die Tür und klemmte unsere Koffer und meine Handtasche unter die Klinke. Dann drehte er sich zu mir um, ein feines, verführerisches Lächeln auf den Lippen. Mit glühendem Blick knöpfte er sein Jackett auf. Allein bei diesem Anblick ging mein Atem schwerer. »Komm her, Baby.«

Kapitel 18 Martini zog mich in seine Arme. Eine Hand vergrub er in meinem Haar, die andere ließ er meinen Rücken hinabgleiten. Er küsste mich, heftig und beinahe raubtierhaft. Ich ließ mich gegen ihn sinken. Er lehnte sich an die einzige freie Wand im Raum und schob ein Bein zwischen meine. Ich presste mich gegen seinen Schenkel.

»Du warst ein böses Mädchen«, raunte er, bog meinen Kopf zur Seite und fuhr mit der Zunge über meinen Hals. Ich versuchte zu protestieren, doch mein Hals war eine meiner empfindlichsten erogenen Zonen, und das wusste er genau. »Du warst scharf auf andere Männer.«

»Nein«, japste ich. »War ich nicht.« Das war gelogen, gehörte aber zum Spiel.

Er zog meinen Kopf in den Nacken, wie ich es zuvor mit Thompson getan hatte, doch er war sanfter. »Lügnerin.« Er strich mit den Zähnen über meine Kehle, als wollte er mir in den Hals beißen. Mein Atem wurde zu einem Keuchen, meine Hände krallten sich in seine Brust, und meine Schenkel umschlossen sein Bein.

Mit der anderen Hand zog er mir das Jackett aus. Unter diesem Kostüm trug ich immer einen Balconette-BH. Er schob ihn hinunter, dann wanderte sein Mund von meinem Hals zu meinen Brüsten, während er weiter meinen Kopf im Nacken hielt.

Martini reizte erst eine, dann die andere Brust mit Lippen, Zungen und Zähnen. Er war der einzige Mann, der mich schon beim Vorspiel zum Höhepunkt gebracht hatte, und dieser Höhepunkt war einfach der Hammer. Ich war froh, dass er die Schalldämmung überprüft hatte, denn ich jaulte schon.

Er ließ meinen Kopf los, und ich riss sein Shirt auf. Der Anblick der steinharten Bauchmuskeln und seines unglaublich muskulösen Oberkörpers, der gerade genug Flaum aufwies, um männlich auszusehen, verfehlte auch diesmal nicht seine Wirkung. Ich stürzte mich auf seine Brust, ich musste einfach meinen Mund daraufpressen, überall zugleich.

Er gab ein leises Grollen von sich, das beinahe wie ein Schnurren klang. »Braves Mädchen. Aber du warst noch nicht brav genug.« Er fuhr mir durchs Haar und dirigierte meinen Kopf. Mit der anderen Hand streichelte er abwechselnd meinen Hals und meine Brüste.

Ich ließ die Hände über seinen Körper zu seiner Hose gleiten. Langsam öffnete ich sie, während er mir rhythmisch entgegenpulsierte. Während meine Zunge die Vertiefung zwischen seinen Brauchmuskeln nachzeichnete, fand meine Hand das, was ich mittlerweile als den großartigsten Körperteil in der Geschichte der Menschheit betrachtete. Er war hart wie Stahl und zugleich samtweich an meiner Haut. Ich streichelte ihn, bis ich vor Verlangen am ganzen Körper bebte.

Er schob meinen Kopf zurück, weg von seinem Körper. Die Augen hatte er halb geschlossen, ein leises Lachen ließ seine Brust vibrieren. »Böse Mädchen bekommen nicht immer gleich, was sie wollen.« Seine Hände glitten an meinen Armen herab, lösten meinen Griff und hielten mir die Hände auf dem Rücken fest. Mit der einen Hand umschlang er meine Handgelenke, während er mit der anderen meine Brüste liebkoste.

Ich stöhnte. »Ich … werde brav sein.« Seine Hand fuhr an meinem Körper herab und schob meinen Rock nach oben. Seine Finger streichelten meine Schenkel. »Jeff … bitte …«

»Bitte was?« Sein Lächeln wurde breiter, war aber noch immer raubtierhaft. Er ließ seine Hand in meine Unterwäsche gleiten. Ich konnte nicht sprechen, ich konnte kaum atmen. Ich konnte nur wimmern, und das tat ich auch, während meine Augen nach oben rollten und er mich liebkoste und reizte. Seine Finger bewegten sich so schnell und gekonnt, dass mich dieser Orgasmus blitzartig überrollte. »Mmmm, das ist schön. Da möchte ich dich gern noch etwas mehr bestrafen.«

»O Gott, bitte Jeff … bitte …«

»Bitte was?« Seine Stimme war leise und samtig. »Was willst du, Baby?«

Es gab nur eines, was ich jetzt wollte. Natürlich wusste er es, doch er mochte es, wenn ich es laut aussprach. »Ich will dich … in mir haben. Bitte, Jeff …«

Seine Finger nahmen ihren Tanz wieder auf. Es war herrlich und gleichzeitig quälend, denn mein Körper verzehrte sich nach einem anderen Teil von ihm.

»Wie sehr willst du es?«

»Mehr … als alles andere.« Es war die Wahrheit. Wenn er mich so weit hatte, gab es nichts, was ich mehr wollte, als ihn tief in mir zu spüren. Natürlich wollte ich das auch, wenn ich gerade nicht halb wahnsinnig vor Verlangen war, aber das spielte jetzt keine Rolle.

Er presste den Mund auf meine Lippen, seine Zunge glitt in mich hinein, während seine Finger das Gegenteil taten und er mich an sich presste. Martini löste den Griff um meine Handgelenke, ließ beide Hände hinabgleiten, umfasste meine Pobacken und hob mich hoch. Meine Beine gaben ihn frei, und er zog meinen Slip hinunter. Er wirbelte uns herum, sodass sich jetzt mein Rücken gegen die Wand presste. Seine Hände massierten mein Fleisch, während ich mir die Schuhe von den Füßen kickte.

Ich schlang die Arme um seine Schultern und die Beine um seine Taille. Er grollte und zog mich noch enger an sich, sein Mund fand wieder meinen Hals. Ich schaffte es, seinen Namen zu keuchen, und presste mein Becken gegen seins.

»Genau das will ich«, flüsterte er an meinem Hals.

Ich bog mich ihm entgegen. Seine Zunge und Zähne hatten einen Punkt gefunden, der mich nur noch wirres Zeug stammeln ließ. Dann dirigierte er mich auf sich – in meinem Kopf startete ein Feuerwerk, und mich klar auszudrücken, war erst einmal nicht mehr meine Hauptsorge.

Ich krallte mich an ihn und riss den Mund auf, doch dieser Orgasmus war so intensiv, dass ich keinen Laut hervorbrachte. Sein Mund presste sich auf meinen, er schlang die Arme um mich. Seine Stöße waren hart und schnell und ließen meine Ekstase nicht abebben.

Unser Kuss wurde tiefer und intensiver, während mein letzter Höhepunkt allmählich nachließ. Ich fuhr ihm durchs Haar und ließ die Hüften kreisen, um Martini so tief in mich aufzunehmen wie möglich. Wieder und wieder und wieder stieß er in mich.

Mein ganzer Körper wurde zu einer erogenen Zone, überall, wo er mich berührte, prickelte und brannte es. Martinis Brustkorb rieb über meine Brüste, während seine Hände mir über den Rücken strichen und mich Schockwellen der Lust durchfuhren. Ich ließ meine Beine etwas tiefer sinken und schloss sie dann um seinen Po, damit er noch tiefer kam. Unsere Bewegungen wurden immer wilder, dann schrie ich. Mein Schrei wurde von unserem Kuss gedämpft, als mich ein weiterer Höhepunkt überrollte.

Er warf den Kopf zurück und brüllte auf, als er in mir explodierte. Der Raum drehte sich, während sich mein Orgasmus mit seinem verband und noch steigerte, dann vergrub ich mein Gesicht an seinem Hals und schluchzte vor erotischer Überforderung, während unsere Körper zuckten.

Es kam mir vor, als seien Stunden vergangen, während das Zucken allmählich zu schwachem Pulsieren abebbte und schließlich ganz aufhörte. Martini küsste mich auf den Scheitel, und ich schaffte es, mich so weit zu bewegen, dass er meinen Mund erreichen konnte. Sein Kuss war sanft und zärtlich, und mein Körper entspannte sich, während er uns langsam und ohne den Kuss zu unterbrechen zu Boden gleiten ließ.

Ich wollte nicht, dass es aufhörte, aber das wollte ich ja nie. Doch die Pflicht rief und, ob abgelegen und schallisoliert oder nicht, ich musste annehmen, dass bald jemand an die Tür hämmern würde und herausfinden wollte, wie um alles in der Welt eine rollige Katze in diesen Raum gekommen war.

Ich spürte Martinis Lächeln auf meinen Lippen. »Du machst dir zu viele Sorgen.«

»Mmmm, dafür gibst du mir auch immer gute Gründe.«

»Solange es immer nur gute sind.«

»Immer.« Er küsste mich wieder tief und innig, und ich beschloss, die Sorgen noch eine Weile aufzuschieben.

Kapitel 19 Langsam löste sich Martini von mir und strich mir übers Gesicht. »Ich liebe dich.«

»Ich liebe dich auch, Jeff.«

Er schüttelte den Kopf. »Nichts auf der Welt ist mir wichtiger als du. Dass du glücklich und in Sicherheit bist. Ich würde dich am liebsten im Forschungszentrum einschließen, um dich aus dieser Sache herauszuhalten, aber ich weiß genau, dass du dich doch irgendwie rausschleichen würdest.«

»Genau das würde ich, weil ich nicht zulassen kann, dass dir etwas passiert.«

Er schenkte mir ein leichtes Lächeln. »Ich weiß. Das sage ich mir selbst jedes Mal, wenn wir in Gefahr sind – wenigstens kann ich dich auffangen, wenn du fällst.«

Das meinte er wörtlich, ich konnte schon gar nicht mehr zählen, wie oft er mich schon aufgefangen hatte, bevor ich am Boden zerschellt wäre.

»Irgendjemand muss schließlich dafür sorgen, dass deine Herzen weiterschlagen.« Auch ich meinte das wörtlich. Als wir uns erst zwei Tage gekannt hatten, war ich gezwungen gewesen, ihm eine Adrenalinspritze in die Herzen zu rammen. Es war beinahe romantisch, »unsere Abmachung«: Er würde mich auffangen und ich ihn mit einer riesigen Nadel aufspießen. Vielleicht waren wir ja tatsächlich Adrenalinjunkies, die Sid und Nancy der Centaurionischen Division.

Er schob meinen BH wieder hoch und streichelte meine Brüste. Ich hätte ihm gern die Hose wieder angezogen, aber wir hatten inzwischen festgestellt, dass wir, wann immer ich das tat, am Ende wieder mit weniger Kleidern dastanden als vorher. Ich wäre das Risiko eingegangen, doch bevor ich es vorschlagen konnte, klingelte mein Handy.

Ich seufzte und ging zur Tür hinüber. Martini zog mir den Slip hoch, während ich in meiner Tasche kramte. Außerdem nahm er sich genügend Zeit, um sich an mir zu reiben, hörte jedoch auf, als ich abnahm. Wer auch immer gerade anrief, ich hasste ihn.

»Süße, ich hoffe, du bist angezogen, wir müssen los.«

»Ich hasse dich, James.«

Er lachte. »Kann ich mir vorstellen. Beeilt euch einfach, wir müssen gestern in der Luft sein.«

Reader gab mir die Gate-Nummer durch, dann legten wir auf, und ich tauschte das Handy gegen meine Bürste. »James sagt, wir sollen uns beeilen.«

Martini strich mir den Rock glatt und nutzte die Gelegenheit auch diesmal, um sich gegen mich zu drücken. »Ich kann deinen anderen Schuh nicht finden.« Er übereichte mir einen der beiden Pumps.

»Ich habe sie weggekickt.«

»Ja, das hast du allerdings. Der hier steckte in der Decke.«

»Ich kann nichts dafür, dass es ein Stiletto ist.«

»Ich beschwere mich auch gar nicht. Ich hab nur gesagt, dass ich den anderen nicht finden kann.«

Meine Haare waren so weit frisiert, und ich sah mich suchend um. »Oh, da ist er ja.« Er steckte in einer Rolle Klopapier.

Er zog ihn heraus. »Wie hast das denn hingekriegt?«

»Keine Ahnung. Ich habe auf nichts außer auf dich geachtet.«

»Na ja, so soll es ja auch sein.« Er kniete sich hin und streifte mir den Schuh über. Mit unergründlicher Miene sah er zu mir auf. Er wirkte, als wollte er mir etwas sagen. Oder mich vielleicht etwas fragen. Mein Herz schlug schneller. Ich wusste nicht, ob ich schon bereit dafür war, aber genauso wenig wusste ich, ob ich es nicht schon längst war.

Martini holte tief Luft, doch bevor er noch etwas sagen konnte, drehte sich ein Schlüssel im Schloss, und jemand drückte gegen die Tür. Er schloss die Augen, ich sah Enttäuschung über sein Gesicht huschen. Dann stand er auf und zog mich hinter sich her.

Er legte die Hand gegen die Tür. A.C.s waren stärker als Menschen, also blieb die Tür zu. Martini reichte mir meine Handtasche und rollte den Koffer zu mir herüber. Dann zog er auch seinen weg und warf einen Blick über die Schulter. »Es ist ein Mensch, und er wirkt nicht gefährlich. Willst du das übernehmen?«

Das war die männliche Art zuzugeben, dass diese Situation nach einer guten Lügnerin verlangte und ihn somit überforderte. »Klar.« Ich ließ ihm seine Illusion, dass er mir großzügig eine Chance gab, auch mal die Führung zu übernehmen, statt zuzugeben, dass er mich dafür brauchte und ich es deshalb eben tat. Meine Mutter hatte immerhin keine komplette Idiotin großgezogen.

Martini öffnete die Tür, und wir wurden mit dem Anblick eines nervösen Putzmannes mit einem leeren Reinigungswagen belohnt. Als er uns sah, weiteten sich seine Augen. »Was … was tun Sie denn hier drin?«

»Hi!« Ich kam hinter Martini hervor, schnappte mir mehrere Rollen Klopapier und schlängelte mich durch die Tür. Der Reinigungsmann trat zurück, um uns durchzulassen. »Entschuldigung. Können Sie sich das vorstellen? Da sagen die uns doch tatsächlich, wir sollen selbst das Klopapier für unseren Flug besorgen. Diese Sparmaßnahmen sind echt nicht zu fassen, jetzt müssen wir Piloten uns auch noch darum kümmern.« Ich ruckte mit dem Kopf zu Martini hinüber, der den Wink verstand, sich auch ein paar Rollen Klopapier schnappte und hinter mir aus dem Raum preschte.

»Und dafür bin ich zur Flugschule gegangen«, murmelte er, ohne den Reinigungsmann anzusehen.

Für mich war das ein Zeichen, dass Martini noch immer so gut wie überhaupt nicht lügen konnte. Der Putzmann fasste es jedoch als ein Zeichen von Scham auf. »O Mann, ist ja echt übel. Hier, warten Sie mal.« Er ging in den Raum, griff sich einen vollen Karton mit Toilettenpapier und reichte ihn uns. Die einzelnen Rollen nahm er zurück. »Nehmen Sie doch den vollen Karton mit. Dann müssen Sie für den nächsten Flug vielleicht nicht wieder auffüllen.«

Martini sah mich mit aufgerissenen Augen an, die mir »Was jetzt?« zuriefen.

»Großartig. Jeff, kannst du den Karton allein tragen?«

Jetzt sagte sein Blick: Ich liebe dich zwar, aber im Moment hasse ich dich. »Klar.« Er hob ihn ohne Probleme hoch. Dieser Mann konnte mich mit einer Hand tragen, da stellte ein Karton Klopapier keine Herausforderung dar. »Danke«, fügte er an den Reinigungsmann gewandt hinzu.

Ich umarmte den Mann kurz. »Sie sind der Beste.«

Wir ließen ihn stehen, während er noch den Kopf darüber schüttelte, wie schlimm die Zustände in der Flugbranche mittlerweile waren.

»Was zum Teufel soll ich jetzt mit diesem Karton anstellen?«, fragte mich Martini, als wir um eine Ecke bogen.

»Ähm, wir nehmen ihn mit. Unser neuer Freund wird vermutlich nichts sagen, wenn er das Klopapier nie wiedersieht. Aber wenn er es in irgendeinem Mülleimer findet, könnte er den Vorfall melden.«

»Ich hasse mein Leben.«

»Soll ich das persönlich nehmen?«

»Alles außer dir. Und auch nur in diesem Moment.«

»Glaubst du, man hat uns gesehen, wie wir aus der Besenkammer gekommen sind?«

»Vielleicht. Allerdings wurde kein Alarm ausgelöst, also muss ich Christopher dank deines Klopapiertricks nicht bitten, das Filmmaterial zu ändern.«

»Siehst du? Meine Pläne funktionieren immer.«

Er schnaubte. »Na klar.«

Wir begaben uns an das richtige Gate und schlossen uns den anderen an. Ihre Mienen waren unbezahlbar. Ich wusste, dass Martini mich das später büßen lassen würde.

»Wow, wie schön, dass ihr beide an alles gedacht habt«, sagte Reader mit einem breiten Grinsen.

»Wollt ihr uns damit irgendetwas sagen?«, fragte Christopher.

»Ich war schon pinkeln«, meinte Tim.

Gower schüttelte den Kopf. »Und du leitest die Feldeinsätze jetzt tatsächlich schon seit fast zehn Jahren?«

»Das sollte einem wirklich nie ausgehen«, erklärte ich.

»Ihr könnt mich alle mal«, grummelte Martini. »Können wir jetzt gehen?«

»Herrje«, sagte Kevin hinter uns. »Ich wusste ja nicht, dass wir Extravorräte mit an Bord nehmen müssen, nur weil ich auch mitkomme.«

»Alles voller Komiker hier«, grollte Martini.

»Dann kommst du also mit?« Ich beschwerte mich nicht und sah, dass auch Reader keine Einwände erhob.

Er nickte. »Die Situation hier ist unter Kontrolle, aber nachdem, was Paul mir erzählt hat, könntet ihr bei eurem nächsten Einsatz wohl Unterstützung gebrauchen. Wenn das für dich in Ordnung ist«, fügte er an Martini gewandt hinzu.

»Klar«, seufzte Martini. »Dann macht’s gleich noch mal so viel Spaß.« Er warf Tim den Karton zu, der ihn gerade noch auffangen konnte. »Oh, da fällt mir ein – du unterstehst ja meinem Befehl.«

»Genau genommen«, erwiderte Tim mit von dem Karton gedämpfter Stimme, »unterstehe ich Kittys Befehl.«

»Während eines Einsatzes«, rezitierte ich aus dem Gedächtnis, »sind wir alle Jeff unterstellt.« Ich hatte dieser Regel noch nie gehorcht, doch jetzt tat ich gern so, besonders weil ich wusste, dass es Martini Überwindung kostete, Kevin gegenüber freundlich zu bleiben. Was eine ganze Reihe von Ursachen hatte, unter anderem auch die Tatsache, dass ich Kevin für einen waschechten Adonis hielt.

Unser grauer, kaum gekennzeichneter Jet war gelandet und stand bereit. Auch Alicia war bei uns, um sich zu verabschieden, und begleitete uns die Rampe hinunter. Ich sah, wie sie ein Zettelchen in der Innentasche von Tims Jackett verschwinden ließ. Dann rückte er den Karton so zurecht, dass man ihre Gesichter nicht sehen konnte. Als wir Tim in den Jet zerrten, sah Alicia allerdings ziemlich rot und verlegen wie ein kleines Mädchen aus. Sie winkte uns zu, die Tür schloss sich, und wir waren wieder in Aktion.

Reader und Tim kümmerten sich ums Fliegen beziehungsweise um die Navigation, also konnte sich der Rest von uns entspannen. Das Flugzeug war dasselbe, in dem ich auch an dem Tag geflogen war, als ich herausfand, dass es echte Aliens gab. Es war auf größtmögliche Bequemlichkeit ausgerichtet worden, die Sitze waren breit und weich, und es gab genug Beinfreiheit, sodass sich auch Martini problemlos ausstrecken konnte.

Das Flugzeug hatte außerdem eine hübsche Bordküche und ein Schlafzimmer, das auch als Sanitärstation dienen konnte. Sosehr ich mich danach sehnte, gemeinsam mit Martini Mitglied im Mile High Club zu werden, war mir das mit all den vielen Leuten in der Kabine doch zu unangenehm. Auch wenn ich es schaffen würde, beim Sex leise zu sein – was ich mit Martini bisher noch nie bewerkstelligt hatte –, würde doch jeder wissen, was wir taten, und ich hatte da so ein Gefühl, dass das meine Autorität untergraben könnte. Also setzte ich mich einfach neben ihn, statt ihn ins Hinterzimmer zu zerren. Die anderen ließen sich hinter uns nieder, je eine Person pro Zweiersitz.

Die Sitze ließen sich zurückklappen, also verteilte Christopher Kissen und Decken, sobald wir in der Luft waren, und alle legten sich hin. Es war immerhin schon nach Mitternacht, sofort setzte allgemeines Schnarchen ein. Auch Kevin schlief bereits.

Ich schob die Armlehne zwischen mir und Martini hoch und kuschelte mich an ihn. Er legte den Arm um mich und zog die Decke über uns. Meine Hand wanderte unter seine Gürtellinie. Er fing sie ab, legte sie an seine Lippen und küsste meine Fingerkuppen. »Böses Mädchen«, murmelte er zufrieden wie ein Kätzchen.

»Man kann’s ja mal probieren.«

Er legte meine Hand auf seine Schulter und einen Finger unter mein Kinn, hob mein Gesicht an, gab mir einen nachdrücklichen Kuss und drückte mich enger an sich. »Schlafenszeit.«

»Okay.« Ich lehnte mich an seine Brust und dämmerte weg.

Eine leichte Turbulenz weckte mich. Es schien nichts los zu sein, doch ich fühlte mich wach. Martinis Atem ging regelmäßig. Ich schloss die Augen. Nichts. Und wenn ich nicht sehr müde war, machte es mich auch nicht schläfriger, an Martini gekuschelt dazuliegen, sondern heiß.

Langsam löste ich mich aus seiner Umarmung, deckte ihn sorgsam zu und strich ihm übers Haar. Er gab ein zufriedenes Seufzen von sich. Ich küsste ihn auf die Stirn und ging den Mittelgang entlang. Alle schliefen. Ich widerstand der Versuchung, auch Christopher zuzudecken. Es gab keinen Grund, uns in eine Situation zu bringen, die man auch nur im Entferntesten als romantisch missverstehen konnte. Martini hatte seinen Standpunkt überdeutlich klargemacht, ich hatte meinen einzigen entschuldbaren Liebesfehltritt bereits begangen. Sollte ich mir noch einen leisten, würde Martini für immer aus meinem Leben verschwinden.

Beim bloßen Gedanken daran verkrampfte sich mein Magen. Meine Mutter wollte zwar, dass ich mich nach Alternativen umsah, aber mir gefiel die Idee nicht besonders. Auf der Suche nach einem Softdrink lief ich in die Bordküche.

»Coca-Cola.« Ich öffnete den Kühlschrank, und da standen sie, in jeder nur erdenklichen Variation und alle eisgekühlt. Ich schloss die Tür wieder. »Wie steht’s mit Mountain Dew und Dr Pepper?« Ich öffnete die Tür wieder, und natürlich fand ich jetzt Dew und Dr Pepper, so kalt, als stünden sie schon seit Stunden da.

Ich spielte dieses Spielchen noch eine Weile, wobei ich lauter regionale und schwer aufzuspürende Softdrinks auswählte. Jedes Mal erschien genau das, was ich wollte. Es machte mich wahnsinnig, dass ich nicht wusste, wie das funktionierte, doch Martini weigerte sich noch immer, mir auch nur den leisesten Hinweis zu geben.

Ich griff mir einen Cactus Cooler und schloss den Kühlschrank ein letztes Mal. Es funktionierte auch mit Essen, aber aus irgendwelchen Gründen war ich nicht besonders hungrig. An dem großartigen Abendessen konnte es nicht liegen, denn es war schon beinahe Frühstückszeit, doch ich spürte trotzdem keinerlei Appetit.

Ich ging durch die Kabine und fühlte mich bei all dem Geschnarche wie eine Stewardess auf einem Übernachtflug. Also machte ich mich auf dem Weg ins Cockpit. Um dort zu hören, wie sich Reader über Funk mit jemandem stritt.

Kapitel 20 »… das ist mir egal. Die Situation ist eskaliert und außer Kontrolle.« Reader klang wirklich aufgebracht.

Als ich eintrat, sah sich Tim um. »Hi. Wollen Sie das Funkgerät übernehmen, Commander?«

Oh, also so eine Situation war das.

Reader nickte zustimmend, Tim setzte sein Headset ab und reichte es mir. Ich räusperte mich und versuchte, in den strengen militärischen Modus zu schalten. Ich war zwar nicht sehr gut darin, doch ich machte meine mangelnde Kompetenz in Sachen Militärsprech durch hartnäckige Entschlossenheit wett, das zu bekommen, was ich wollte – um jeden Preis.

»Hallo, hier spricht Commander Katt. Mit wem spreche ich?«

»Hier spricht Karl Smith, Canaveral Ops, Spezialeinheit für Geheimoperationen. Ich möchte, dass Sie und Ihr Team in die Zentrale der Centaurionischen Division zurückkehren und sich nicht einmischen, Commander, und ich möchte, dass Sie mir Ihr Umkehren umgehend bestätigen.«

Ich sah Reader an und formte stumm die Worte: »Was zum Teufel …?« Er rollte mit den Augen und zuckte die Schultern, dann konzentrierte er sich wieder aufs Fliegen.

»Entschuldigen Sie, aber warum genau wollen Sie uns jetzt wieder nach Hause schicken, wo Sie uns doch zuerst hergebeten haben?«

»Die Anfrage kam nicht von unserer Spezialeinheit.« Smith klang wütend. Ich hatte den Eindruck, dass Martini senior einige Vorschriften umgangen hatte, als er seinen Sohn kontaktiert hatte. Ich beschloss, die A.C.s zu verteidigen.

»Wissen Sie, Mr. Smith, ich würde liebend gern einfach umkehren und nach Hause fliegen, aber jetzt haben wir schon so viel Treibstoff verbraucht, und das dann den Buchhaltungsfritzen erklären zu müssen, ist echt ätzend.«

Im Funkgerät herrschte Grabesstille, doch Tims Schultern zuckte unkontrolliert vor unterdrücktem Gelächter.

»Wie bitte? Für wen halten Sie sich eigentlich?«

»Ich halte mich für die Leiterin der Centaurionischen Luftlandedivision. Ich halte mich außerdem für jemanden, der enge Verbindungen zu der P.T.K.E. unterhält.«

»Die geht das hier gar nichts an.«

»O doch, und wie es die etwas angeht. Was auch immer bei Ihnen passiert, hat es erforderlich gemacht, dass die Centaurionische Division eingeschaltet wurde. Es ist zwar nur eine Vermutung, aber ich wette, wir haben einen oder zwei spezielle Besucher aus dem Weltraum, die im Space Center rumhängen. Was wiederum bedeutet, dass sowohl die Centaurionische Division als auch die P.T.K.E. betroffen ist.«

Wieder Grabesstille. Reader nickte und rückte sein Headset zur Seite. »Ich wünschte, du hättest die verdammte Akte gelesen. Ja, ein Shuttle ist gestartet, mit irgendetwas zusammengestoßen und wieder im Space Center gelandet, und jetzt befindet sich dieses Irgendetwas dort zusammen mit den Astronauten in Quarantäne.«

Ich überlegte. »Mr. Smith?«

»Ja?«, sagte er durch hörbar zusammengebissene Zähne.

»Es ist ziemlich ungewöhnlich, dass ein Shuttle wieder umkehrt, oder?«

»Es ist noch nie vorgekommen.«

»Aber genau das ist passiert, oder?«

»Ja.« Es klang gepresst.

»Karl, darf ich Sie Karl nennen? Karl, ist Ihnen vielleicht schon mal in den Sinn gekommen, dass die einzigen Wesen auf diesem Planeten, die möglicherweise mit dem fertig werden können, was dieses verdammte Shuttle zurückgebracht hat, der Centaurionischen Division angehören?«

»Sie dürfen mich nicht Karl nennen.«

»Zu spät, Karl, schon passiert. Und jetzt beantworten Sie die Frage.«

Er seufzte. »Ja, Ihre Leute sind hierfür am besten ausgerüstet.« Ihre Leute. Ich fragte mich, ob Smith wohl Anti-Alien eingestellt war.

»Und warum wollen Sie meine Leute dann nicht da haben?«

Es entstand eine bedeutungsschwere Pause. »Machen Sie das Gespräch abhörsicher.«

Ich sah Reader an. »Wir sind noch nicht abhörsicher?«

Reader drückte auf ein paar Knöpfe. »Centaurionische Funkverbindung gesichert.«

Smith sprach schnell. »Da geht noch viel mehr vor sich als nur dieser Vorfall. Während der letzten Tage hat es bereits mehrere Angriffe auf Mitglieder der Centaurionischen Division gegeben. Die meisten wurden vereitelt, doch ich habe hier zwei A.C.s in kritischem Zustand. Ich will nicht, dass noch mehr von Ihnen in Gefahr geraten. Wir haben auch so schon genug Probleme, wir können es uns nicht leisten, die Centaurionische Division zu verlieren.«

Nett zu wissen, dass er pro-Alien war oder jedenfalls so rüberkommen wollte. »Hören Sie, Karl, alle A.C.s sind miteinander verwandt. Wussten Sie das?«

»Ja.«

»Dann lassen Sie uns Klartext reden. Sie werden mit Sicherheit nicht zu Hause sitzen, während ihre Familien in Gefahr sind.«

»Dann sind Sie also ein Mensch?«

Ups. »Ja.«

»Sind Sie alle bewaffnet?«

Ich sah Reader an. Er machte mir ein Zeichen, dass wir eventuell auch Waffen im Gepäck hatten. »Sozusagen. Warum?«

»Gut. Hören Sie mir zu, wenn Sie so versessen darauf sind, herzukommen, dann kann ich Sie nicht aufhalten. Aber stellen Sie sicher, dass Sie sich jederzeit verteidigen können, lassen Sie in Ihrer Wachsamkeit nicht eine Sekunde nach und trauen Sie niemandem.«

»Sie eingeschlossen?«

»Nach allem, was ich weiß, ja. Es geht hier ziemlich hässlich zu. Sie sind ein Mensch, Sie verstehen das – wenn die Lage hässlich wird, tun gute Menschen manchmal schlimme Dinge.«

»Manchmal. Manchmal tun gute Menschen auch das Richtige, und böse Menschen ändern sich.«

»Ich rede hier von der Realität, nicht von einem Kinofilm.«

»Ich auch.«

»Wir tun, was wir können, aber es kann sein, dass das nicht reicht. Merken Sie sich unbedingt, dass nicht jeder die A.C.s hier haben will und einige alles tun werden, um sie loszuwerden.« Ich hörte Geräusche im Hintergrund. »Vergessen Sie nicht, was ich gesagt habe. Wir wollen, dass Sie umkehren.« Seine Stimme klang nun wieder zornig.

Ich konnte noch weitere Stimmen hören, entfernt, aber es waren mindestens noch zwei weitere Leute bei ihm. Ich hörte, wie Smith mit ihnen sprach, doch seine Stimme klang gedämpft, als hätte jemand die Hand über die Sprechmuschel gelegt.

Die Stimmen wurden lauter, ich hörte einige plötzliche Geräusche. Auch sie waren gedämpft, aber ich sah Reader an, und er machte die universelle Geste für »Schusswaffe«.

»Karl?« Keine Antwort. »Karl, sind Sie noch da? Sind Sie in Ordnung?« Stille. »Karl Smith, können Sie mich hören, ich wiederhole, können Sie mich hören?« Dann war die Leitung tot.

Reader und ich sahen uns an. Er schaltete das Funkgerät aus. »Wir sind in Schwierigkeiten, Süße.«

»Ich glaube, Karl steckt in noch größeren Schwierigkeiten.«

»Ich glaube, Karl ist tot. Tim, sieh zu, ob du im Space Center irgendjemanden erreichen kannst.«

Ich gab Tim sein Headset zurück, und er legte sofort los. »James, erzähl mir, was in der Akte stand.«

»Du hast noch Zeit aufzuholen.«

»Zum Teufel damit. Sag mir alles, was wichtig ist, und ich blättere das verdammte Ding später durch.« Ich versuchte, nicht daran zu denken, dass Smith, falls er tatsächlich tot war, vermutlich gestorben war, weil er es riskiert hatte, uns zu warnen.

»Also gut. Das Shuttle war eigentlich gar kein Shuttle. Es war ein Prototyp für ein Langstrecken-Raumschiff mit dem schönen Namen Valiant, alles streng geheim. Es waren nur drei Astronauten an Bord. Sie waren unterwegs in Richtung Mars und wurden von irgendetwas getroffen, keiner weiß, von was. Was es auch war, hat es geschafft, ins Innere zu kommen, ohne einen Riss zu verursachen.«

»Klingt nach einem Parasiten.«

»Vielleicht, aber keiner der Astronauten hat sich in ein Überwesen verwandelt.«

»Na, das ist doch gut.«

»Einer der Astronauten war ein A.C., die anderen beiden waren Menschen.«

Ach? Das waren allerdings Neuigkeiten. »Wer war der A.C.?«

Reader seufzte. »Pauls Bruder.«

Kapitel 21 »Paul hat einen Bruder?« Ich wusste selbst nicht, warum das ein solcher Schock für mich war, aber während der ganzen fünf Monate, die ich mein Team jetzt schon kannte, hatte mir das nie jemand verraten.

»Ja, Paul ist der älteste von vier Geschwistern. Michael ist ein paar Jahre jünger. Sie haben außerdem noch zwei Schwestern.«

»Warum hat mir das nie jemand gesagt?«

Reader zuckte die Schultern. »Es war einfach nie wichtig. Pauls gesamte Familie lebt und arbeitet am Canaveral- oder am Oststützpunkt. Niemand wollte dir etwas vorenthalten, Süße, es gab nur einfach keinen Grund, dir davon zu erzählen.« Das traf alles auch auf Martinis Familie zu, und trotzdem wusste ich über sie Bescheid. Allerdings schlief ich ja auch mit Martini, und Reader schlief mit Gower, also war dieser kümmerliche Informationsfluss wohl verständlich.

»Kein Wunder, dass Richard Paul lieber in der Zentrale behalten wollte.«

»Irgendwie schon, ja. Niemand weiß, was da vor sich geht, aber die drei Astronauten stehen unter strengster Quarantäne, und niemand, zu dem wir Verbindung haben, durfte bisher mit ihnen sprechen.«

»Können wir sicher sein, dass sich keiner von ihnen in ein Überwesen verwandelt hat?«

»Nicht hundertprozentig, aber bisher sieht’s nicht danach aus. Ich glaube nicht, dass ein Quarantäneraum der NASA ein Überwesen aufhalten könnte.«

Jedenfalls keines von denen, die ich bisher getroffen hatte, aber wer konnte das schon wissen? »Wie lange brauchen wir noch bis Florida?«

»Etwa eine Stunde«, antwortete Tim.

Über Gini Koch

Biografie

Gini Koch lebt im Südwesten der USA, arbeitet hart am Tag und schreibt in der Nacht, während sie jede Menge Rock´n´Roll hört – vor allem Aerosmith. Sie probiert gerne aus, wie oft sie ihrem Mann etwas über ihr neuestes Projekt erzählen kann, bevor er verrückt wird, geht mit ihrer Tochter zu...

Pressestimmen

Phantastik-Couch.de

»Gerade die vielen spritzigen Dialoge tragen zum Lesevergnügen bei, die Anspielungen, die Selbstironie und die witzige Situationskomödie machen die Lektüre zum Selbstläufer.«

Kommentare zum Buch

Alien Tango - Gini Koch
Elke Hullmann am 25.03.2013

Wieso wird diese wundervolle Serie nicht fortgesetzt ? Wenn Ihnen die Umsatzzahlen zu gering sind, sollten Sie etwas mit Ihrer Werbung anstellen, denn diese Serie kann bestimmt nichts dafür.

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