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9 1/2 perfekte Morde9 1/2 perfekte Morde

9 1/2 perfekte Morde

Wenn Schuldige davonkommen – Ein Strafverteidiger deckt auf

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9 1/2 perfekte Morde — Inhalt

Geschätzt 1200 Tötungsdelikte bleiben jährlich unentdeckt. Doch auch wenn die Taten entdeckt werden, heißt das nicht, dass die Täter auch überführt werden können. Selbst in Zeiten von Handyortung und hochentwickelten DNA-Analysen kann es ihn noch geben: den perfekten Mord. Strafverteidiger Alexander Stevens beschreibt in seinem neuen Buch 10 wahre und aktuelle Mordfälle, bei denen die Täter fast alle ungeschoren davonkommen. Spannend und detailreich berichtet er von den Geschehnissen und den Ermittlungen und erklärt, wie es möglich ist, dass die Mörder mit ihren Verbrechen durchkommen – jeder auf seine ganz eigene Art.

€ 10,00 [D], € 10,30 [A]
Erschienen am 02.11.2017
224 Seiten, Broschur
ISBN 978-3-492-31144-1
€ 9,99 [D], € 9,99 [A]
Erschienen am 02.11.2017
256 Seiten, WMEPUB
ISBN 978-3-492-97793-7

Leseprobe zu »9 1/2 perfekte Morde«

Vorwort:

Den perfekten Mord gibt es nicht? »Der Mörder wird mit lebenslanger Freiheitsstrafe bestraft.« – So steht es im Strafgesetz. Eine vorzeitige Haftentlassung ist frühestens nach 15 Jahren möglich, bei besonders schwerer Schuld meist nicht vor 24 Jahren. Es kann sich also durchaus lohnen, einer Verurteilung wegen Mordes zu entgehen. Nur wie soll man das anstellen, ohne das Ergebnis für das tote Opfer zu ändern?   Die Antwort lautet: Einen perfekten Mord begehen! Doch was ist der perfekte Mord? Und kann es ihn wirklich geben? Alfred Hitchcock [...]

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Vorwort:

Den perfekten Mord gibt es nicht? »Der Mörder wird mit lebenslanger Freiheitsstrafe bestraft.« – So steht es im Strafgesetz. Eine vorzeitige Haftentlassung ist frühestens nach 15 Jahren möglich, bei besonders schwerer Schuld meist nicht vor 24 Jahren. Es kann sich also durchaus lohnen, einer Verurteilung wegen Mordes zu entgehen. Nur wie soll man das anstellen, ohne das Ergebnis für das tote Opfer zu ändern?   Die Antwort lautet: Einen perfekten Mord begehen! Doch was ist der perfekte Mord? Und kann es ihn wirklich geben? Alfred Hitchcock sagte einmal: »Natürlich hat es schon perfekte Morde gegeben, sonst wüsste man ja etwas von ihnen.« Der allsonntägliche Tatort, Fernsehserien à la CSI, reißerische Kriminalliteratur oder einschlägige Sachbücher diverser Kriminalisten behaupten hingegen das Gegenteil. Zu hoch entwickelt seien Forensik und Kriminalistik, was schließlich auch durch die Aufklärungsquote von rund 98 % aller Tötungsdelikte bewiesen werde. DNA-Spuren, Handyortung, Telefonauswertung, Fingerabdrücke, Faserspuren, Rechtsmedizin, Kriminalbiologie und nicht zuletzt die hartnäckigen und umfassenden Bemühungen erfahrener Kriminalbeamter werden über kurz oder lang jeden Täter überführen. In der öffentlichen Wahrnehmung entsteht so der Eindruck, dass es sich bei den wenigen unaufgeklärten Morden lediglich um Zufälle handelt, um unvermeidliche Fehler in der Statistik.   Vereinzelt werden immerhin Fälle bekannt, in denen ein scheinbar perfekter Mord am Ende doch noch aufgeklärt werden konnte. Sei es, weil der Täter sein geheimes Wissen doch nicht für sich behalten konnte, sei es, weil er schlicht und ergreifend durch einen dummen Zufall überführt wurde. Ob diese Fälle allerdings der Beweis sind, dass am Ende doch jeder Mörder seiner gerechten Strafe zugeführt wird, daran habe ich meine Zweifel. Vielmehr bin ich der Ansicht, dass gerade diese Fälle uns erst eine dunkle Ahnung vermitteln können, wie die Wirklichkeit in Wahrheit aussieht. Aber lesen Sie selbst …

 

Reise ohne Rückkehr

Während meiner Zeit als Strafverteidiger erreichten mich bisher so einige skurrile Briefe, auch aus dem Ausland. Darin ging es in den meisten Fällen um Fragen der Verjährung von Straftaten und eine straffreie Rückkehr nach Deutschland. Die Bandbreite der Delikte jener Flüchtigen reichte von Mord über Vergewaltigung bis hin zu Bankraub. Nur selten war es mir möglich, befriedigende Antworten zu geben. Mord verjährt nach deutschem Recht nicht und auch Delikte wie eine Vergewaltigung haben eine so lange Verjährungsfrist, dass der mutmaßliche Täter alt und grau ist, ehe seine Straftat verjährt – wenn die Frist denn überhaupt abläuft; denn bei Tätern, die sich im Ausland aufhalten und deren Auslieferung seitens der deutschen Behörden beantragt ist, ruht die Verjährung. Dann bleibt dem Täter nur noch die Flucht in ein anderes Land, um die Verjährungsfrist in Gang zu setzen. Natürlich ist man auch als Strafverteidiger vor Anfragen von Trittbrettfahrern, die sich mit ihren Mandatsanfragen nur wichtig- oder einen Spaß machen wollen, und psychisch auffälligen Scharlatanen nicht gefeit. So erhielt ich im Laufe der Jahre auch schon Post mit der Bitte um anwaltliche Vertretung vom »König von Thailand« oder dem selbst ernannten »Konsul von Bayern«, deren Seriosität selbstredend wenig ernst zu nehmen war. Doch dann bekam ich einen Brief in meine Kanzlei geschickt, der sich von allen übrigen unterschied.

Sehr geehrter Herr Dr. Stevens, vielleicht erinnern Sie sich an unsere Unterhaltung im Sommer 2015 auf Key West. Ich habe Ihr letztes Buch inzwischen mit einigem Vergnügen gelesen. Im letzten Kapitel deuten Sie dort einen perfekten Mord an, ohne es beim Namen zu nennen. Schade eigentlich, denn alle Welt will einen glauben machen, dass es den perfekten Mord nicht gibt.

Ich erinnerte mich tatsächlich sofort an ihn. Ich hatte damals eine Kreuzfahrt in der Karibik unternommen, um an besagtem Buch zu schreiben. In einer Bar auf Key West war ich mit dem freundlichen Mittvierziger ins Gespräch gekommen, und wir unterhielten uns länger über meine Arbeit und das Buch. Warum er bei mir einen so bleibenden Eindruck hinterlassen hat, weiß ich nicht. Auf den ersten Blick war er ein eher unauffälliger Typ, den man leicht verwechselt. Zwar war mir die höfliche und ruhige Aufmerksamkeit, die er mir entgegenbrachte, damals angenehm aufgefallen, aber das Gespräch war eigentlich nicht besonders spektakulär verlaufen. Ganz anders stand es hingegen mit dem Inhalt seines Briefes. 

Warum ich Ihnen schreibe? Ich habe meine Frau getötet. Ich hatte es längst getan, als wir uns kennenlernten, aber ich konnte in der Bar verständlicherweise nicht offen mit Ihnen darüber sprechen. Ich schreibe Ihnen auch nicht, um meine Tat zu rechtfertigen oder mein Gewissen zu erleichtern. Auch will ich nicht Ihren rechtlichen Rat einholen, ich weiß sehr wohl, dass Mord nicht verjährt. Ich schreibe Ihnen, weil ich die vielen Sachbücher, Interviews, Filme, Dokumentationen und Artikel leid bin, in denen stets behauptet wird, dass es den perfekten Mord nicht gibt. Den Entschluss, meine Frau zu töten, fasste ich eher spontan. Wir befanden uns auf einer Kreuzfahrt in der Karibik. Die Reise hatte ich ihr zum siebten Hochzeitstag geschenkt. Sie begann in den USA und führte von dort ins Karibische Meer. Schon am ersten Abend gab es Streit. Wie immer war es eine belanglose Auseinandersetzung, die aber dennoch einen recht heftigen Verlauf nahm. Es ging um das Abendessen: Sie wollte in schicker Kleidung zum Captain’s Dinner gehen, ich hingegen leger gekleidet und ohne viel Aufwand zum Büfett. Am Ende fügte ich mich ihrem Willen – wie immer. Um den Abend so erträglich wie möglich zu gestalten, lud ich meine Frau später auf ein paar Drinks an die Bar des Bordbistros ein. Der Alkohol sollte uns helfen, einander einigermaßen gut zu verstehen und einen halbwegs liebevollen Umgang miteinander einzustellen. Auch an den folgenden Abenden trank ich mit meiner Frau einige Cocktails, und jeden Abend wurden es ein paar mehr. Am fünften Tag der Reise hatten wir zwei volle Tage auf See hinter uns und damit einige Hundert Meilen seit dem letzten Halt an einer Karibikinsel zurückgelegt. Zwei weitere Tage auf See lagen noch vor uns. Wie schon zuvor, waren wir nach dem formellen Teil des Abends zur Bar gegangen. Wir bestellten Cocktails. Bei ihr waren es diesmal eindeutig zu viele. Wie immer, wenn sie zu viel Alkohol intus hatte, philosophierte sie darüber, wie gut es ihr doch im Leben ergangen wäre, hätte sie mich nie kennengelernt und geheiratet. Dabei blieb sie ganz ruhig und sachlich. Ihre Ausführungen aber hätten kaum verletzender sein können. Ein Schlappschwanz sei ich, der sie nicht ordentlich zu befriedigen wisse. Selbst der Barmann an der Theke, etwa zwanzig Jahre älter als ich und mit schütterem Haupthaar, mache sie mehr an als ich. Zum Glück verstand der Barkeeper sie nicht, er sprach kein Deutsch und kümmerte sich nicht weiter um die Gespräche seiner Gäste. Es war nicht das erste Mal, dass ich mir ihre Hasstiraden anhören musste, aber diese Intensität war selbst für mich eine neue Stufe der Eskalation, ihre Beschimpfungen nur schwer zu ertragen. Als der Abend schon sehr weit fortgeschritten war, drohte sie mir, sie werde mir meinen kleinen nichtsnutzigen Penis abschneiden. Sie werde einfach behaupten, ich hätte sie seit Jahren vergewaltigt. Sie fantasierte darüber, dass sie am Ende straflos davonkommen würde. »Alle werden mir voller Mitleid zuhören, und ich, ich werde daran denken, wie schlecht du mich immer gefickt hast!« Sie lachte und schrie das hemmungslos in den Raum hinein. Ein Publikum hatte sie allerdings nicht: Neben zwei russischen Saufkumpanen, die bereits seit Stunden nur noch starr auf ihre im Minutentakt wechselnden Wodkagläser blickten, waren wir die letzten Gäste an der Bar. In einem günstigen Moment signalisierte ich dem Barkeeper augenrollend, dass meine Frau deutlich zu viel getrunken hatte. Woraufhin der Barmann sich meiner erbarmte und uns keine Getränke mehr ausschenkte. Er hatte zwar sicherlich nichts von unserem Gespräch verstanden, aber die Situation war auch so leicht zu deuten. Trotz all dem Geschimpfe hielt ich meine Frau unterstützend am Arm, als wir die Bar verließen. Sie schien sich sogar etwas beruhigt zu haben, vielleicht musste sie sich aber auch einfach darauf konzentrieren, einen Fuß vor den anderen zu setzen und konnte mich deshalb nicht weiter beschimpfen. Sie stolperte mehrfach und musste sich an mir festhalten. Der freundliche Barkeeper begleitete uns noch ein Stück in Richtung unseres Zimmers, einer luxuriösen Kabine mit Balkon in den oberen Etagen des Schiffs. Dort angekommen, legte ich meine Frau auf das Bett, worauf sie, kaum dass sie die Laken berührte, sofort zu weiteren Schimpftiraden ansetzte. Ich trat auf den Balkon hinaus, um wenigstens dort, abgelenkt vom Rauschen der Wellen und dem Blick auf die vollmondbeschienene Weite des Meeres, einen Moment der Ruhe und Entspannung zu finden. Doch der Moment war nur von kurzer Dauer. Der Unmut meiner Frau hatte sich noch nicht gelegt, weshalb sie versuchte, mir auf den Balkon zu folgen. Sie hatte sichtliche Schwierigkeiten, die Schiebetür zum Balkon zu öffnen, und wirkte dabei wie ein zierliches Mädchen, dem man sofort zur Hilfe eilen will. Aber ich half ihr nicht, ich starrte sie nur an. Ich wusste, sie würde dort weitermachen, wo sie an der Bar aufgehört hatte. Sie würde abermals meine Männlichkeit infrage stellen und den ohnehin nicht mehr vorhandenen Sex durch den Dreck ziehen. Der Moment, als sie die Tür endlich aufbekam und unsere Blicke sich trafen, zog sich nahezu endlos in die Länge und hat sich mir unwiderruflich ins Gedächtnis eingebrannt. Ihre dunklen Augen waren weit geöffnet, und das Mondlicht spiegelte sich in ihren Pupillen. »Du schaffst es ja noch nicht mal, mich zu ficken, du armseliges Würstchen!«, zischte sie. »Aber keine Sorge, das erledigen längst andere. Ich will die Scheidung.« Ohne auch nur ein Wort zu sagen, zog ich sie an beiden Händen zu mir hin, küsste sie und bugsierte sie zur Reling des Balkons. Mit dem rechten Arm griff ich ihr zwischen die Beine, hob sie unvermittelt hoch, und mit viel weniger Kraftaufwand, als ich erwartet hätte, warf ich sie schwungvoll über Bord, die fünfzig Meter hinunter ins Meer. Bis heute wundere ich mich darüber, dass sie keinen Laut von sich gab. Jedenfalls hörte ich nichts, nicht einmal einen Aufprall auf dem Wasser, er wurde vermutlich von dem Lärm der wuchtigen Schiffsschrauben übertönt. Nur für einen kurzen Moment, gefühlt aber für eine ganze Ewigkeit, dachte ich an gar nichts und verweilte in der Stille auf dem Balkon. Ich blieb ganz ruhig und war einfach nur erleichtert, wobei die Schuldgefühle nicht lange auf sich warten ließen. Wie dem auch sei, alles Weitere führte ich mit einer geradezu unheimlichen Professionalität durch, die ich mir nie zugetraut hätte. Ich wühlte die Bettseite meiner Frau auf, sodass es so aussah, als hätte sie etwas länger darin gelegen. Dann eilte ich zurück zur Bar. Und tatsächlich, die beiden Russen und der ältere Barmann waren immer noch da. Erstaunlich gut gelaunt erzählte ich dem Barkeeper auf Englisch, dass ich meine Frau soeben aufs Zimmer gebracht hatte und sie sofort eingeschlafen war. Ich witzelte, dass Frauen einfach nicht so viel vertrügen wie wir Männer. Der Barkeeper pflichtete mir mit einem Lächeln und routiniert chauvinistischen Bemerkungen bei. Ich bestellte noch einen letzten Drink und stieß mit dem Barkeeper auf meine Frau an. Dann stieg ich auf einen kleinen Small Talk mit ihm ein, wusste aber nicht, ob er mir wirklich zuhörte – und es war mir auch egal. Danach ging ich zurück zu meiner Kabine. Und rannte kurz darauf zurück zur Bar, wo ich den Barkeeper besorgt nach meiner Frau fragte. Er schüttelte leicht amüsiert den Kopf und meinte in etwas gebrochenem Englisch, dass meine Frau es mir sicher gleichgetan und sich noch irgendwo auf dem Schiff einen Drink gegönnt hätte: »Lady wants have fun somewhere else, maybe disco?« Ich solle mir keine Sorgen machen, das käme durchaus häufiger vor. Entsprechend beruhigt ging ich zurück zu meinem Zimmer und wartete den Sonnenaufgang ab. Am Morgen meldete ich dem Schiffssteward voller Sorge, dass meine Frau seit dem gestrigen Abend immer noch nicht zurückgekehrt war. Zu meiner Überraschung versuchte auch dieser Mitarbeiter zunächst nur, mich zu beschwichtigen. So taktvoll wie möglich erklärte er mir, dass der ein oder andere Partner auf dem Schiff über Nacht verschwände, um ein kleines Abenteuer in den Armen einer anderen Person zu erleben. Natürlich protestierte ich vehement dagegen. Aber nach diesem Gespräch wagte ich nun wirklich zu hoffen, dass ich mit dem Mord an meiner Frau tatsächlich davonkommen würde. Erst am späten Vormittag wurde eine Suche auf dem Schiff organisiert und erbrachte erwartungsgemäß keinen Erfolg. Durchsagen oder dergleichen unterblieben – man wolle die anderen Gäste nicht verunsichern, so die Begründung der Crew. Gegen 13 Uhr wurde meine Frau nur auf massiven Druck meinerseits auch dem Kapitän als vermisst gemeldet. Hierbei wurde nach einer Anhörung des Barkeepers erstmals der Verdacht laut, dass sie aufgrund von alkoholbedingten Ausfallerscheinungen über Bord gegangen sein könnte. Der Kapitän erfragte, ob ich mich noch erinnern könne, wann ich meine Frau zuletzt gesehen hatte, und errechnete daraus den ungefähren Ort, an dem sie möglicherweise verunglückt war. Allerdings machte er mir schon zu diesem Zeitpunkt wenig Hoffnungen, dass ich meine Frau je wiedersehen würde, schon gar nicht lebend. Die See sei nachts kalt und rau, und ohne Schwimmhilfe könne man sich ohnehin nicht länger als eine halbe Stunde über Wasser halten, wenn man nicht schon durch den Aufprall auf das betonharte Wasser oder den Sog in die Schiffsschrauben versterben würde. Der Kapitän ordnete zunächst an, alle Maschinen zu stoppen und abzuwarten, ob die Reederei ihn auffordern würde, zu der mutmaßlichen Unglücksstelle zurückzukehren. Die Reederei entschied sich dagegen – wohl aus Kostengründen. Sie alarmierte die Küstenwache der nächstgelegenen Karibikinsel. Diese würde die Vermisstensuche übernehmen. Alles Weitere war reine Formalität. Ich erzählte einem philippinischen Sicherheitsmitarbeiter des Schiffs – der ähnlich schlechtes Englisch wie der Barkeeper sprach –, dass ich am Vorabend zusammen mit meiner Frau einige Cocktails an der Bar genossen und ich sie dann in angetrunkenem Zustand aufs Zimmer begleitet hatte. Dort habe sie sich ins Bett gelegt und ich sei wieder zur Bar gegangen, um einen letzten Absacker zu trinken. Bei meiner Rückkehr habe sie aber nicht mehr im Bett gelegen. Nach Zureden des Barmanns sei ich davon ausgegangen, dass sie noch zu einer anderen der unzähligen Bars auf dem Luxusliner gegangen war. Dieselbe Geschichte erzählte ich zwei Tage später einem gelangweilten Polizisten auf einer kleinen Karibikinsel. Nachdem er binnen zwanzig Minuten meine Aussagen notiert und kaum Fragen gestellt hatte, brachte er mich zurück aufs Schiff. Weder machte er sich die Mühe, den Barkeeper näher zu befragen und dessen Aussagen mit meiner abzugleichen, noch suchte er die Kabine oder den Balkon auf, um etwaige Spuren zu sichern. Stattdessen drückte er mir nach Abschluss seiner nicht vorhandenen Ermittlungen eine Sterbeurkunde in die Hand: »Selbst verschuldeter Unfall oder Suizid« stand als Todesursache darauf geschrieben. Eine Leiche, so sagte er mir, sei nach der intensiven Suche der Küstenwache leider nicht gefunden worden, was er sehr bedauerte. Alle Verantwortlichen auf dem Schiff kondolierten mir und sprachen mir ihr tiefes Beileid aus. Ich bekam eine neue Kabine, diesmal eine Suite auf Kosten der Reederei, damit ich nicht im Unglückszimmer schlafen musste. Die Schiffsreise wurde ohne weitere Zwischenfälle fortgesetzt. Von meinem tragischen Verlust bekamen die übrigen Passagiere nichts weiter mit. Als das Schiff wenige Tage später wieder im Heimathafen einlief, nahmen mich zwei gut gekleidete Herren in Empfang, die mich um ein Gespräch baten. Wie sich herausstellte, waren es hochrangige Repräsentanten der Schiffsreederei, die mich in ihr Büro führten und mir zu meinem Erstaunen eine Million Dollar anboten, verbunden mit der höflichen Bitte, den tragischen Unfalltod meiner Frau nicht an die große Glocke zu hängen. Und was soll ich sagen, wir kamen ins Geschäft. Ob Sie diese Geschichte nun veröffentlichen oder nicht, liegt bei Ihnen, Herr Dr. Stevens. Seien Sie aber versichert, dass Sie nie wieder von mir hören werden.

Der Mann hatte seinen Brief unterzeichnet. Ich erinnerte mich auch an seinen Namen, wobei, der könnte auch falsch sein. Laut Poststempel stammte der Brief von den Cayman Islands, aber der Absender war mit Sicherheit längst weitergezogen. Und obwohl es der erste Klient war, der ausnahmsweise einmal nichts von mir wollte, war der Brief für mich Grund genug, ernsthaft zu recherchieren, ob ein solches Verbrechen, wie es der Absender beschrieb, wirklich auf einem Kreuzfahrtschiff so einfach zu begehen war. Die Antwort lautet: Ja! Tatsächlich stieß ich auf eine erschreckend hohe Zahl von Todesfällen auf Kreuzfahrtschiffen. Seit 1999 sind weit über hundert Passagiere unbemerkt über Bord gegangen, wovon immerhin ganze dreiundzwanzig Fälle von Ermittlern und den zuständigen Behörden als verdächtig eingestuft wurden. Die weiteren Recherchen bestätigten die Beschreibungen des mutmaßlichen Kreuzfahrt-Mörders: Die Reedereien scheinen alles daranzusetzen, Informationen über solcherlei Vorfälle nicht an die Öffentlichkeit dringen zu lassen. Natürlich! Denn mal ehrlich: Würden Sie mit einer teuren Kreuzfahrtreederei Urlaub machen wollen, bei der es regelmäßig zu Unfällen und womöglich schweren Straftaten kommt? Dass die Reederei in dem an mich adressierten Brief nur zaghaft ermittelte und dem Ehemann auch noch eine Million Dollar Kompensation bezahlte, sprach also für den Wahrheitsgehalt der Geschichte. Hinterbliebene und deren Anwälte berichten, dass das Prozedere bei so ziemlich allen Kreuzfahrtreedereien ähnlich abläuft, wird eine Person als vermisst gemeldet: So wenig Informationen wie möglich dringen nach außen, alles wird auf ganz kleiner Flamme gekocht. Zunächst sucht das Personal das Schiff unauffällig nach der vermissten Person ab, was bei Schiffen in der Größe von Kleinstädten mit drei- bis achttausend Menschen an Bord sehr, sehr lange dauern kann. Auf eine Mithilfe durch andere Passagiere in Form von Durchsagen wird zumeist verzichtet, um Unruhe unter den Gästen zu vermeiden. Erst nach einer erfolglosen Suche werden Küstenwache und Reederei verständigt. Dann wird abgestimmt, ob es noch Sinn ergibt, in das Gebiet zurückzukehren, in welchem die vermisste Person mutmaßlich über Bord gegangen ist. Davon wird in den meisten Fällen jedoch abgesehen, denn die Chance, einen Sturz vom Kreuzfahrtschiff aus einer Höhe von zwanzig bis sechzig Metern zu überleben, ist verschwindend gering. Wasser wirkt aufgrund der Trägheit seiner Moleküle beim Fall aus solchen Höhen wie Beton. Je nach Wetterlage herrscht hoher Seegang, sodass sich der Verunglückte kaum über Wasser halten kann. Dann ist da noch der Kälteschock, der gerade bei älteren oder alkoholisierten Menschen einen Herzinfarkt oder Schlaganfall auslösen kann, und nicht zuletzt der Sog der Schiffsschraube. Wenn ein Mensch trotz all dieser Gefahren überlebt, ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis er ertrinkt. Denn vom Zeitpunkt des Unglücks bis zum Bemerken des Verschwindens bis hin zur Rückkehr an den Unglücksort dauert es oft zu lange. Jedenfalls haben 99 Prozent aller Fälle, in denen Menschen über Bord eines Kreuzfahrtschiffs gingen, eines gemein: Die Opfer wurden nie gefunden. Es gibt also nur selten eine Leiche und noch seltener jemanden, der sich ernsthaft darum bemüht, diese zu finden. Und wo es keine Leiche gibt, da lässt sich auch ein Tötungsdelikt schwer nachweisen. Ein Sturz über die Reling in betrunkenem Zustand ist stets eine plausible Erklärung dafür. Wenn es nicht doch zufällig Zeugen gibt, die den Tathergang gesehen oder gar mit einer Kamera festgehalten haben. Fehlen aber solche Sachbeweise, ist ohne die Leiche eine Bestimmung der Todesumstände unmöglich. Wenn der Täter sein Opfer dann auch noch vom Privatbalkon der eigenen Kabine schubst, kann er sicher sein, dass es keine Videoaufzeichnungen gibt, denn Kameras sind in diesen Räumen natürlich streng verboten. Und selbst wenn die Leiche in dem einen Prozent der Fälle doch gefunden wird und eine forensische Untersuchung noch möglich ist – man bedenke den Fischfraß oder vom Wasser weggespülte Spuren –, muss diese schon eindeutige Merkmale von Fremdverschulden aufweisen, damit es zu einer Anzeige kommt. Im Schiffsjargon spricht man bei Anzeichen von Fremdverschulden übrigens von »foul play«. Ansonsten gehen die Reedereien auch in diesen Fällen von einem tragischen Unfall oder Suizid aus. Sieht man sich die einzelnen Vermisstenfälle, die in den Statistiken angeführt werden, genauer an, könnte man zu dem Schluss kommen, dass das Kreuzfahrtbusiness ein Eldorado für Mordgetriebene ist, in welchem die Verantwortlichen die gröbsten Anfängerfehler großzügig übersehen. Erst jüngst wurde der folgende Fall bekannt: Eine Frau war von einem Kreuzfahrtschiff über Bord gegangen. Nahe der Absturzstelle stieß die Crew auf einen großen Blutfleck, ein Messer und auf ein geplündertes Portemonnaie, von dem die Fingerabdrücke abgewischt worden waren. Diese recht eindeutigen Spuren sowie die Tatsache, dass die Überwachungskamera am mutmaßlichen Tatort mit einem Pappkarton überdeckt war, weckten keinerlei Verdacht beim bordeigenen Sicherheitspersonal. Ganz im Gegenteil: Nach Aussagen von Zeugen hatten die beiden Sicherheitsmitarbeiter, die als Erste am Unglücksort eintrafen, den Inhalt des Portemonnaies untereinander aufgeteilt und dann die Fingerspuren darauf beseitigt, ehe sie sich auf Anweisung des Sicherheitschefs daranmachten, den roten Fleck wegzuwaschen. Bis heute geht die Reederei von einem Unfall aus. Der rote Fleck sei entgegen anderslautender Aussagen einiger Passagiere kein Blut, sondern ein verschütteter Cocktail. Die Überwachungskamera sei nur deshalb verdeckt gewesen, weil sich zuvor ein Liebespaar dort verlustiert habe. Ein Messer sei da übrigens auch nicht gewesen. Alles Weitere zum Tod der 37-jährigen Annette Mizener können Sie aber auch im offiziellen Bericht der Carnival Reederei nachlesen. Ein geradezu typisches Beispiel für die Haltung der Reedereien in Sachen Aufklärung ist auch der Fall einer gewissen Merrian Carver aus Phoenix, Arizona, deren Kabinenbett fünf Tage lang unberührt geblieben war. Der Steward hatte daraufhin seinen Vorgesetzten informiert, welcher ihn allerdings anwies, sich nicht um Dinge zu kümmern, die ihn nichts angingen, und besser seine Arbeit zu tun. Und obwohl am Ende der Fahrt noch immer jede Spur von Merrian Carver fehlte, packte die Crew ihre Sachen zusammen, lagerte sie ein und informierte weder Familie noch Polizei. Diese beiden Fälle sind nur zwei Beispiele einer ganzen Reihe von sogenannten »suspicious overboard deaths«. Nachlesen können Sie diese unter www.cruiseshipdeaths.com.   Wieso aber wird ein solches Maß an Vertuschung, Begünstigung und fragwürdigen Ermittlungstechniken hingenommen? Die Antwort liegt in unserem Rechtssystem begründet. Kreuzfahrtschiffe sind faktisch eigene Kleinstädte, die der Rechtsordnung desjenigen Landes unterworfen sind, unter dessen Flagge sie segeln – zumindest, wenn sie, was häufig der Fall ist, in internationalen Gewässern unterwegs sind. Und weil ein wirtschaftlich orientiertes Unternehmen Steuern, Gebühren und sonstige lästige Ausgaben sparen will, lässt es sein Schiff natürlich unter der Flagge eines Landes segeln, das es mit den Steuern und dann zumeist auch mit allgemeinen rechtsstaatlichen Grundsätzen nicht ganz so eng sieht. Meist fehlt es Dritte Welt- und Schwellenländern wie den Bahamas (dort ist zum Beispiel der Sitz von Royal Caribbean, der größten Kreuzfahrtreederei) oder Honduras schlicht an den personellen Mitteln und an der nötigen Erfahrung im Umgang mit einer möglichen Straftat auf einem Luxusliner. Darüber hinaus bezweifle ich, dass die örtlichen Behörden ein größeres Interesse an einer Strafverfolgung auf einem weit entlegenen Schiff entwickeln, das vermutlich nicht mal einen einzigen eigenen Staatsbürger an Bord hat. Denn die Behörden haben meist genug mit der Kriminalität im eigenen Land zu tun. Und wahrscheinlich legen sie sich auch weniger gern mit den größten Geldgebern im Land an, und das sind nun mal die Reedereien mit ihren Milliarden, die sie mit den etwa 15 Millionen Passagieren im Jahr verdienen. In unserem Recht ist übrigens verankert, dass deutsche Ermittler auch im Ausland zuständig sind, wenn Opfer oder Täter deutsche Staatsbürger sind. Diese Zuständigkeit kann jedoch nur greifen, wenn ein hinreichender Tatverdacht gegen einen mutmaßlichen Täter vorliegt. Und um diesen zu erhärten, muss eine Reederei, die unter der Flagge der oben genannten Staaten fährt, keine anderen Behörden an Bord lassen als die ihres Heimathafens. Und selbst wenn man Profis von weit, weit her an Bord holen würde, um eine womöglich verdächtige Tat untersuchen zu lassen, hätte sich die Spurenlage bis zur Ankunft der Ermittler schon längst geändert, vielleicht lägen sogar gar keine Spuren mehr vor. Denn derzeit erschöpft sich die Arbeit der Sicherheitsmitarbeiter auf Kreuzfahrtschiffen fast ausschließlich im Scannen von Schiffsausweisen beim Ein- und Aussteigen der Passagiere. Wie man einen Tatort oder gar Spuren sichert, davon haben die Damen und Herren des Sicherheitspersonals meist keine Ahnung. Und etwaige Befragungen von Zeugen und potenziellen Verdächtigen scheitern häufig an einer Sprachbarriere – auch da scheint die Geschichte meiner zwielichtigen Urlaubsbekanntschaft viel Wahres in sich zu tragen. Sieht man sich abschließend die im Durchschnitt etwa vierzehn Fälle pro Jahr an, bei denen Menschen auf Kreuzfahrten auf immer und ewig verschwinden, entsteht ein makabres Bild dieser beliebten Form des Reisens.   Die Chancen stehen also nicht schlecht, dass der Verfasser des Briefes auch weiterhin ungestraft davonkommt. Aber wenn man ihn denn aufspürte, könnte man ihn selbst bei einem vollumfänglichen Geständnis wahrscheinlich nicht zur Rechenschaft ziehen. Denn ein Geständnis allein kann in kaum einer Rechtsordnung zu einer richterlichen Überzeugungsbildung führen, bestünde doch immer die Möglichkeit, dass es sich dabei nur um frei erfundene Erzählungen eines Trittbrettfahrers, psychisch Kranken oder Königs von Thailand handelt – wenn auch in diesem Fall um einen mit einem eine Million Dollar schweren Bankkonto … 

 

Katzenkönig

Es erschien den Ermittlern völlig rätselhaft, warum der stets zuverlässige junge Polizeibeamte die attraktive Blumenhändlerin getötet hatte. Schließlich kannte er sein Opfer nur flüchtig. Und dennoch hatte er sich zu dieser äußerst grausamen Tat entschlossen. Zu diesem Zeitpunkt ahnte niemand, dass ausgerechnet dieser Fall zu einem der berühmtesten der deutschen Nachkriegsprozesse werden würde. Am Vorabend hatte der Polizeibeamte an der Tür der Privatwohnung seines Opfers geklingelt. Normalerweise hätte sie um diese Zeit niemandem mehr geöffnet. Da ihr Mann ihr den Polizisten aber ein paar Tage zuvor als Bekannten vorgestellt hatte, hegte sie kein Misstrauen. Aus ihrer Sicht gab es keinen vernünftigen Grund, ihm nicht die Tür zu öffnen, zumal sie sein Anliegen emotional sehr berührte. Er habe bei seiner Freundin etwas gutzumachen und benötige dringend Blumen, am besten rote Rosen. Was für ein Gentleman, der so viel Herzblut investiert, um noch des Nachts jemandem eine solche Freude zu bereiten, hatte sie noch gedacht, als sie zusammen mit ihm in den Blumenladen ins Erdgeschoss gegangen war. Sie suchte ihm sogar extra ein paar der schönsten roten Rosen aus, eine frische Lieferung aus Holland. Als sie sich dabei nach vorne beugte, zog der Polizist plötzlich ein gut zwanzig Zentimeter langes Messer aus seiner Jackentasche und rammte es der Frau unvermittelt in den Hals. Er verfehlte die Schlagader nur um Haaresbreite. Lebensgefährlich verletzt ging sie zu Boden. Er ließ aber nicht von ihr ab, sondern stach immer wieder mit weit ausholenden Bewegungen auf sie ein. Die Ärzte zählten später siebzehn Einstiche. Beim letzten Stich kniete er sich auf ihren Rücken und drückte sie mit seinem ganzen Körpergewicht nach unten. Dann nahm er das Messer, stach ihr nochmals mit Wucht in den Hals, drehte es in der Wunde herum und zog es langsam über den Hals in Richtung Kehle, um diese aufzuschlitzen. Durch den Lärm und die Schreie aufgeschreckt, eilten einige Nachbarn zu Hilfe, die allerdings bei dem grausigen Anblick des blutüberströmten Opfers, dem bewaffneten Täter und dem im Nachtschatten silbrig glänzenden Messer sofort wieder die Flucht ergriffen. Nun floh auch der Täter. Sein Opfer ließ er in einer riesigen Blutlache zurück. Wie durch ein Wunder hatte die junge Frau den Angriff jedoch überlebt. Sie konnte sogar noch den Täter benennen, ehe sie bewusstlos wurde und die herbeigerufenen Sanitäter sie unter laufender Reanimation ins nächstgelegene Krankenhaus brachten. Der Täter, der fast zeitgleich mit seinen Kollegen bei sich zu Hause eintraf, ließ sich widerstandslos festnehmen. Dass die Polizisten mit ihrem Kollegen den Richtigen festgenommen hatten, stand außer Frage. Nicht nur, dass das Opfer ihn als Täter benannt hatte, bei seiner Festnahme hatte er sogar noch das Tatmesser bei sich, und seine Kleidung war vom Blut seines Opfers getränkt. Die Frage nach dem perfekten Mord erübrigt sich unter diesen Bedingungen eigentlich. Einen Ansatzpunkt für eine erfolgreiche Verteidigung konnte man unter diesen Umständen vergeblich suchen. Der Polizist machte nicht einmal ansatzweise irgendwelche Anstalten, sich herauszureden oder die Tat irgendwie abzustreiten. Bereits bei seiner ersten Vernehmung war alles, was er zu der grausamen Tat sagte oder vielmehr fragte, ob denn sein Opfer endlich tot sei. Mehr nicht. Sein eigenes Schicksal schien dem Verhafteten egal zu sein. Der Kollege, der die Vernehmung leitete, gewann immer mehr den Eindruck, der Täter wünsche sich ungeduldig, ja geradezu ängstlich nichts sehnlicher als den Tod der jungen Frau. Auch als nach einer intensiven ärztlichen Behandlung nahezu sicher war, dass die Blumenhändlerin überleben würde, wollte er es kaum wahrhaben. Immer wieder fragte er nach ihr und ob sie denn nun tot sei. Dabei umklammerte er ein kleines Metallkreuz, das an einer Kette um seinen Hals hing. Offensichtlich war der Mann tiefgläubig. Während der Untersuchungshaft schwieg der Täter eisern über sein Motiv. Die Frage nach dem Warum wurde für die Ermittler zu einem unerklärbaren Mysterium. Der Polizist hatte noch nicht einmal Hass gegenüber dem Opfer gehegt, im Gegenteil, anscheinend bereute er die Tat sogar, wenngleich er offenbar zutiefst bedauerte, dass die junge Frau noch lebte. Alle Bemühungen, ein halbwegs logisches Motiv für sein Handeln zu ermitteln, scheiterten ergebnislos. Der Polizist wurde nach fast einem Jahr wegen versuchten Mordes angeklagt, denn im Gegensatz zum rätselhaften Tatmotiv war seine Täterschaft klar bewiesen. Am ersten Prozesstag rechnete deshalb auch niemand mehr mit besonderen Überraschungen. Der Staatsanwalt verlas eine knappe Anklage, die sich – mangels irgendeiner Motivlage – im Beschreiben der Tathandlung erschöpfte, und rechnete mit einer schnellen Aburteilung. Doch wider Erwarten entschied sich der Angeklagte, eine umfassende Aussage zu den Hintergründen seiner Tat zu machen. Was er daraufhin allerdings erzählte, war derart unglaublich, dass den Fall noch heute – über dreißig Jahre später – jeder Jurastudent rezitieren kann.   Was war also wirklich passiert? Knapp vier Jahre vor der Tat hatte Michael, so der Name des Polizisten, in einer Disco die damals gerade erst 18-jährige Barbara kennengelernt. Barbaras erster Freund Udo hatte vor Kurzem mit ihr Schluss gemacht, sie war aber immer noch zutiefst unglücklich in ihn verliebt. Und Michael verliebte sich sofort in Barbara. Nur kurze Zeit später zog sie bei ihm ein. Allerdings nicht mit in sein Schlafzimmer. Nach der Trennung von Udo konnte sie nach eigenen Angaben mit keinem anderen Mann mehr lustvollen Sex erleben. Außerdem hatte sie in letzter Zeit Schlimmes durchmachen müssen: Sie werde von der internationalen Mafia verfolgt, immer wieder verschleppt und vergewaltigt. Die Polizei könne ihr aber nicht helfen, denn die stecke mit den Gangstern unter einer Decke. Michael war fassungslos und hatte natürlich Verständnis dafür, dass Barbara nach diesen traumatischen Erlebnissen keinen Sex mit ihm haben wollte. Er funktionierte sein Wohnzimmer zu einem Schlafzimmer für Barbara um und machte es sich zu seiner Aufgabe, Barbara vor den Zuhältern zu beschützen. Für die Zeit während seines Schichtdienstes organisierte er sogar einen durchgehenden Personenschutz. Hierfür wendete er sein gesamtes Gehalt auf. Ausgerechnet mit einem dieser Personenschützer erwischte er Barbara aber eines Morgens in seinem Bett. Tief gekränkt warf er sie hinaus, was in seinem Fall bedeutete: Er half ihr beim Umzug. Drei Jahre vergingen, bis Michael Barbara zufällig wiedertraf. Er hatte sie vermisst, sie war seine große Liebe. Barbara für ihren Teil hing aber immer noch ihrem Verflossenen Udo nach. Dennoch konnte Michael nicht anders und zog wieder mit Barbara zusammen. Die Liebe war einfach stärker als der Verstand. Inzwischen lebte Barbara aber zusätzlich mit Peter zusammen, einem Hobbymystiker und Esoterikfreak, der kurzerhand ebenfalls in Michaels Wohnung einzog. Allerdings hatte Barbara sehr zur Freude von Michael auch mit Peter keinen Sex, stattdessen lasen sie gemeinsam Esoterikheftchen über den Untergang von Atlantis, frühmittelalterliche Hexerei und schwarze Magie. Gelegentlich fuhren sie zu abgelegenen Burgruinen, einsamen Kirchen oder Grabstätten, um die Geister der Ahnen heraufzubeschwören und zu befragen. Zunächst verlief alles wie früher, als sie sich kennengelernt hatten. Doch nach einer Weile enthüllte Barbara, dass in der Zeit ihrer Trennung eine Menge passiert war. Ganz schön naiv sei er damals gewesen, erzählte ihm Barbara. Sie habe ihm aber mittlerweile verziehen, dass er an der Geschichte mit dem Zuhälterring Zweifel hatte. Auch wenn die Zuhälter sie in der Zwischenzeit noch viel härter rangenommen, sie sogar nach Hamburg verschleppt hätten, um sie dort nicht nur zu vergewaltigen, sondern auch mittels Hunden und Insekten in nicht näher bezeichneter Weise zu foltern. Dort habe sie aber das Vertrauen des Mafiachefs der »Sektion Deutschland« gewonnen, der sie nunmehr aus der Ferne beschütze. So sei sie mehreren Anschlägen durch vergiftete »Nadler-Geschosse« entkommen. Doch noch viel fürchterlicher als das seien die wahren Hintergründe ihres erneuten Zusammentreffens. Der Geist des im 14. Jahrhundert verstorbenen Grafen Salentin habe ihr die Wahrheit »gechannelt«. Es sei Bestimmung, so Barbara, dass sich Michael, Peter und sie nach so langer Zeit wiedergefunden hätten. Sie alle seien vor dem Untergang von Atlantis bereits dafür bestimmt gewesen, das Böse zu bekämpfen, und schließlich hier und jetzt wiedergeboren worden, um ihre Mission zu erfüllen. Und die Zeit drängte. Immer wieder wurde Barbara, die Auserwählte, von den unsichtbaren vergifteten »Nadler-Geschossen« verwundet. Oft brach sie unvermittelt vor Michaels und Peters Augen zusammen und verlor vorübergehend ihre Sinne. Ins Krankenhaus wollte sie aber nicht. Irdische Hilfe würde nichts bewirken, so ihre profunde Diagnose. Um den zunächst noch ungläubigen Michael gänzlich zu überzeugen, weihten Barbara und Peter ihn nach einiger Zeit in das letzte große Geheimnis ihrer Vergangenheit ein: Vor über 10 000 Jahren hatte Barbara sich geweigert, den Herrscher von Atlantis zu ehelichen. Zur Strafe war sie als Menschenopfer bestimmt worden, um den Gott der Finsternis zu besänftigen, den Katzenkönig. Der Katzenkönig, im Christentum bekannt als der Teufel, sei die Inkarnation des Bösen. Michael und Peter hätten sich damals in ihrem früheren Leben als Einzige gegen das Böse gestellt und Barbara vor dem Opfertod gerettet. Der Katzenkönig seinerseits war damals »not amused«: Zur Strafe hatte er den gesamten Kontinent Atlantis untergehen lassen. Hierdurch hatten die drei Unglücklichen schreckliche Schuld auf sich geladen und einander geschworen, der Menschheit in Zeiten höchster Gefahr auf dem Wege der Reinkarnation zu Hilfe zu eilen. Und jetzt war der Katzenkönig zurückgekehrt.   Die Richter am Schwurgericht wussten zunächst nicht, ob Michael sich über das Gericht lustig machen wollte oder ob sie ihn schleunigst in die Psychiatrie einweisen sollten, und zwar am besten gleich zusammen mit seinem Anwalt, welcher Michael offenbar dazu geraten hatte, diese Geschichte zu erzählen. Andererseits hatte sich Michael immerhin gut vorbereitet – zumindest für einen »Verrückten«: Auf etwa zweihundert Seiten hatte er in der Haft seine Erinnerungen rund um Barbara, Peter und den Katzenkönig zusammengefasst. Detailliert schilderte er seine innere Entwicklung vom zweifelnden Saulus zum tiefgläubigen Paulus. Immer wieder sei das spirituelle Medium Barbara in Trance verfallen und habe ihm neue Aufgaben von Erzengeln sowie dem Geist des Grafen Salentin überbracht. Offenbar war Barbara dabei sehr überzeugend aufgetreten, denn Michaels anfängliche Zweifel wichen schließlich einer schrecklichen Gewissheit – zumindest wenn man seinen Aufzeichnungen Glauben schenkte. Für einen eher rational denkenden Richter, Staatsanwalt oder Rechtsanwalt ist es immer wieder erstaunlich, welche Motive Menschen zu Straftaten treiben. Nicht ohne Grund hört man Pressevertreter immer wieder sagen, dass sich solcherlei Fälle kein Drehbuchautor ausdenken könnte. Menschen scheinen oft gerade den unsinnigsten und abenteuerlichsten Verschwörungstheorien Glauben zu schenken. Die Logik dahinter ist simpel: Es finden sich irgendwelche obskuren Hinweise oder Geheimzeichen, die als Beweise für den Beleg der Verschwörungstheorie gedeutet werden. Fehlen diese, ist das ebenfalls ein klarer Beweis für die Richtigkeit der Theorie. Belegt dies doch eine groß angelegte Vertuschungsaktion der Mächtigen – oder des Katzenkönigs. Und damit zurück zum Fall: Inzwischen hatte der Katzenkönig sein irdisches Lager in einem kleinen See in der Nähe der Stadt aufgeschlagen. Ein gewisser Rückschritt im Vergleich zu seinem Tempel des ultimativ Bösen in den Ruinen des sagenumwobenen Kontinents Atlantis, könnte man sagen. Aber sei es drum. Auf Befehl der Erzengel und des Geistergrafen Salentin hatte Michael immer neue Prüfungen bestehen müssen, um die Menschheit vor dem Katzenkönig zu retten. Aber sosehr sich Michael auch bemühte, er konnte den strengen Anforderungen aus dem Jenseits nie gerecht werden. Immer häufiger wurde er von Barbara und dem strengen Paladin Peter getadelt. Die Versuche, den Katzenkönig unter Kontrolle zu halten, waren gescheitert. Der böse Dämon forderte erneut ein Opfer. Das Reaktorunglück von Tschernobyl war erst ein Vorgeschmack auf den wahren Zorn des Katzenkönigs. Wenn er noch mal um sein Opfer gebracht würde, würde er alles menschliche Leben auslöschen. Als Barbara an einem Sommerabend erneut in Trance verfiel, diktierten ihr die höheren Mächte, wie der Katzenkönig zu besänftigen sei: Nur durch ein Menschenopfer könne die Menschheit gerettet werden. Auserwählt als Retter der Welt und damit als Täter wurde natürlich Michael. Als Opfer auserkoren war diesmal allerdings nicht Barbara, sondern die junge Blumenhändlerin – welche zufälligerweise gerade Udo geheiratet hatte, Barbaras unerwiderte erste Liebe. Es stellte sich heraus, dass Michael der Einzige von den dreien war, der wirklich an den Katzenkönig glaubte. Barbara und Peter hatten sich zunächst einen Spaß daraus gemacht, den naiven Polizisten zu immer absurderen Mutproben zu motivieren. Schließlich aber erkannte Barbara in ihm das ideale Werkzeug, um ihre Nebenbuhlerin aus dem Weg zu räumen und Udo vielleicht doch noch an sich zu binden. Dabei tat sich Michael mit dem Entschluss, die Tat zu begehen, wirklich schwer. Er war ein anständiger Mensch, er wollte niemanden töten, schon gar nicht eine Unschuldige. Er hatte sich sogar zunächst selbst als Opferersatz angeboten, doch die Erzengel hatten ihm über Barbara ausrichten lassen, dass dies nichts helfen würde. Allein der Tod der jungen Blumenhändlerin würde die Menschheit noch vor dem sicheren Untergang bewahren. Peter stand dem jungen Polizisten die ganze Zeit über selbstlos zur Seite. Er hatte Barbaras Plan durchschaut, aber nichts weiter dazu gesagt. Da ihm Michael inzwischen lästig geworden war, half Peter trotzdem tatkräftig bei der Umsetzung des Plans mit. Er redete dem Retter der Menschheit gut zu und überließ ihm sogar zur Begehung der Tat das besagte Messer. »Es muss jetzt eben einfach getan werden«, erklärte er Michael, fast wie ein väterlicher Freund und Ratgeber, der aber in Wahrheit selbst in Barbara verliebt war. Schließlich sah Michael die Notwendigkeit ein. Er schwor, seine göttliche Mission zu erfüllen. Der Rest ist bekannt.   Nach diesem umfangreichen Geständnis war sich das Gericht zunächst unklar darüber, wie es weiter vorgehen sollte. Dass Barbara und Peter auf die gerichtliche Einlassung Michaels tatsächlich verhaftet und befragt wurden, ist aber noch nicht einmal das Highlight dieses Prozesses. Die beiden legten zum Erstaunen aller ein umfassendes Geständnis ab und bestätigten Michaels Geschichte rund um den Katzenkönig, bestätigten sogar das wahre Motiv. So waren es zuletzt Barbara und Peter, die wegen versuchten Mordes an der Blumenhändlerin zu langjährigen Haftstrafen verurteilt wurden, wohingegen Michael eine vergleichsweise milde Strafe erhielt und in ein psychiatrisches Krankenhaus eingewiesen wurde. Die beiden hatten den leichtgläubigen Michael wie ein Werkzeug für ihre eigenen Mordpläne benutzt und waren daher härter zu bestrafen als der eigentlich handelnde Täter. Also Ende gut, alles gut? Vielleicht. Aber ein perfekter Mord ist das nun wirklich nicht, oder? Immerhin wurden die eigentlichen Täter geschnappt.   Doch was, wenn das Opfer den Messerangriff nicht überlebt hätte? Denn das war am Ende der einzige Grund, warum der loyale Michael überhaupt seine Mittäter verraten hatte: Nachdem trotz fehlgeschlagenem Menschenopfer der Katzenkönig über knapp ein Jahr seiner Untersuchungshaft keinerlei Anstrengungen unternommen hatte, die gesamte Menschheit entsprechend Barbaras Prophezeiungen zu vernichten, hatte Michael am Ende wohl doch Zweifel bekommen. Wäre sein Opfer gestorben, hätte er sich vermutlich weiterhin als einsamen Retter der Menschheit gewähnt und eisern geschwiegen, mit der Folge, dass Barbara und Peter nie verhaftet, geschweige denn verurteilt worden wären.   Aber was, wenn Barbara und Peter einfach geschwiegen hätten? Die Beteiligung der beiden konnte ja nur deshalb nachgewiesen werden, weil sie im Nachhinein ein vollumfängliches Geständnis ablegten. Ob sie die Tat gestanden, um ihr Gewissen zu erleichtern, oder ob sie der polizeilichen Vernehmung nicht standhielten: Wer weiß das schon. Eines aber ist klar: Hätten beide einfach die Klappe gehalten, dann hätte der Richter sie höchstwahrscheinlich freisprechen müssen, vermutlich wäre dann schon gar nicht erst gegen sie weiter ermittelt worden. Denn die absurde Geschichte über den eingebildeten Katzenkönig hätte man nicht gerichtsfest beweisen können. Viele Richter hätten es wohl für eine ziemlich abgedrehte Schutzbehauptung gehalten. Auch hätte man nicht beweisen können, dass Barbara oder Peter den verwirrten Michael zu dem Mord getrieben hatten. Die Aussage eines geistig verwirrten Täters, der an einen Katzenkönig glaubt, hätte kaum überzeugt. Die Verurteilung Michaels wegen Mordes war juristisch gesehen übrigens nicht einfach. Immerhin hatte er fest daran geglaubt, mit seiner Tat die Menschheit zu retten. Aus seiner Sicht hatte er sich nicht anders verhalten als zum Beispiel ein Fahrdienstleiter der Deutschen Bahn, der sich aufgrund eines defekten Gleises dazu entschließt, eine Weiche umzustellen, um die Menschen im Zug vor dem sicheren Tod zu retten, obwohl er weiß, dass just an dem intakten Gleis Wartungsarbeiten durchführt werden und der Gleisarbeiter aufgrund der Weichenstellung sterben wird. Den Fahrdienstleiter kann man nicht bestrafen, denn er tötet den Gleisarbeiter zum Wohle der anderen Fahrgäste. Insoweit handelte auch Michael nicht eigentlich, um zu morden, sondern im Gegenteil, um die Vernichtung allen Lebens auf der Erde durch seinen neuen Nachbarn vom See, den Katzenkönig, zu verhindern. Allerdings entschied das Gericht, dass Michaels Irrglaube an die Existenz des Katzenkönigs zwar strafmildernd, nicht aber strafbefreiend berücksichtigt werden konnte – denn bei aller geistigen Anstrengung wäre ein solcher Irrtum durchaus vermeidbar gewesen. Handelt es sich im Ergebnis also doch um einen perfekten Mord? Nicht ganz, wird man womöglich einwenden. Denn war es nicht ein unglaublicher Zufall, dass sich ein so leichtgläubiges Opfer wie Michael für Barbaras Tatplan gefunden hat? Hier möchte ich widersprechen. Denn wie heißt es so schön: »Jeden Tag steht irgendwo ein Dummer auf.« Wenn ich an meine Zeit als Student zurückdenke, kann ich das nur bestätigen. Damals wohnte ich in einer Wohnung oberhalb eines Elektrogeschäfts, schräg gegenüber war ein ziemlich unscheinbarer Laden. Kaum je gingen dort Kunden ein und aus. Was ich hingegen oft vor dem Geschäft sah, waren die diversen Luxuswagen des Ladeninhabers. Komisch, dachte ich mir, wie kann sich jemand solche Autos leisten, zu dem so wenige Kunden ins Geschäft kommen? Ein Blick in das Schaufenster schürte die Neugier nur noch mehr, denn außer ein paar Büchern rund um das Thema Lebens- und Selbsthilfe sowie verschiedenen Tuben und Cremes vom Teebaum konnte ich darin nichts sonderlich Verheißungsvolles entdecken. Der Geschäftsführer des Elektroladens klärte mich dann über alles auf. Wie sich herausstellte, spielten kriminelle Machenschaften keine Rolle, zumindest nicht aus juristischer Sicht. Er musste es wissen, schließlich hatte er dem Ladeninhaber mit den Luxusautos einen besonderen Kundenwunsch erfüllt. Er hatte ihm einhundert Taschenrechner verkauft. Auf diese Taschenrechner hatte er auf Wunsch seines Kunden von gegenüber je ein kleines Metallplättchen gelötet. Kostenpunkt: circa 50 Cent pro Stück. Zusammen mit dem Taschenrechner kostete der ganze Spaß etwa zwei Euro. Diese mit einem Metallplättchen versehenen Taschenrechner verkaufte der Ladeninhaber von gegenüber allerdings nicht für zwei, sondern für stolze 1450 Euro pro Stück. Er behauptete einfach, dass Gegenstände, die man auf das Metallplättchen stellt, unter Eingabe eines entsprechenden Codes in positive Schwingung versetzt würden, die sich dann wiederum positiv aufs Leben auswirkten. Was soll ich sagen, die einhundert mit Metallplättchen versehenen Taschenrechner hatte er alle verkauft – zusammen mit einer CD, die sämtliche Codierungen für diverse Alltagsgegenstände beinhaltete. Kostenpunkt: weitere 750 Euro. Gehen Sie doch mal auf eine Esoterikmesse oder lesen Sie ein paar Verschwörungstheorie-Seiten im Internet. Danach werden Sie am Verstand der Menschheit zweifeln. Denn dort finden sich glühende Anhänger von Theorien, gegen welche die Geschichte vom menschenfressenden Katzenkönig-Teufel geradezu plausibel erscheint. Ob von der CIA gezüchtete Echsenmenschen, die uns unterwandern; von Aliens platzierte »Analsonden«, um uns für eine feindliche Übernahme gefügig zu machen; von der Regierung in die Luft gesprühte Chemtrails, um unsere Gedanken zu kontrollieren – die Liste der absurden Verschwörungstheorien ist lang. Da muss man gar nicht erst von Leuten anfangen, die sich in Erwartung von zweiundsiebzig Jungfrauen einen Sprengstoffgürtel umschnallen oder Flugzeuge in Hochhäuser steuern. Und bedenken Sie noch eines: Barbara und Peter wurden nur durch Zufall erwischt. Wie viele weitere Opfer der Katzenkönig oder sonst ein absurdes Ungeheuer bereits gefordert hat, man weiß es nicht.

Alexander Stevens

Über Alexander Stevens

Biografie

Dr. Alexander Stevens ist Fachanwalt für Strafrecht und einem breiten Publikum als Buchautor und Anwalt in verschiedenen TV-Formaten bekannt (u.a. »Die spektakulärsten Kriminalfälle der Geschichte«, »Richter Alexander Hold« und »Paragraphen-Schlupflöcher«). Zuletzt erschien von ihm bei Piper der...

Pressestimmen

Westfälische Rundschau

»Stevens schreibt detailreich und spannend – das Buch ist unheimlicher als jede Fiktion!«

Inhaltsangabe

Vorwort: Den perfekten Mord gibt es nicht ?

Reise ohne Rückkehr

Der gute Freund

Katzenkönig

Der syrische Arzt

Eigene Sorgfalt

Unter den Wolken

DNA

Ein formvollendeter Tod 

Mordsberufe

Der Parkhausmord

Kommentare zum Buch

Helmut am 08.11.2017

Es gibt keinen perfekten Mord, denn im Universum herrscht zum Glück das unerbittliche Gesetz von Ursache und Wirkung (Karma). Wer also einen "perfekten" Mord begeht, dessen Tat kommt irgendwann zu ihm zurück. In dieser oder in der nächsten Inkarnation!

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