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1795 (Winge und Cardell ermitteln 3)

Niklas Natt och Dag
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Roman

„Es ist faszinierend, wie es dem Autor in seinen auf intensivem Quellenstudium beruhenden und gelegentlich in kleinste Einzelheiten gehenden Schilderungen gelingt, beim Leser das alte Stockholm des ausgehenden 18. Jahrhunderts so realistisch, manchmal auch schockierend lebendig werden zu lassen.“ - Saale-Zeitung

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1795 (Winge und Cardell ermitteln 3) — Inhalt

1795: In Stockholm öffnen sich die Tore zur Hölle

Im dritten Teil von Niklas Natt och Dags großer Trilogie folgt Emil Winge zusammen mit Jean Michael Cardell ein letztes Mal dem Ruf nach Gerechtigkeit im verruchten Stockholm des späten 18. Jahrhunderts.

Nach einer Feuersbrunst, die viele Leben gekostet hat, liegt der beißende Geruch von Verzweiflung in der Luft. Wie ein hungriges Tier schleicht das Böse in Gestalt des zwielichtigen Tycho Ceton durch die verwinkelten Gassen. Niemand weiß, was für ein widerliches Komplott er als Nächstes plant.

Zeitgleich beginnt das Königshaus eine unerbittliche Jagd auf alle Gegner der Regentschaft. Ein Brief mit den Namen der Verschwörer soll im Umlauf sein – und ausgerechnet die vermisste Anna Stina Knapp wurde damit gesehen. Zwei begnadete Ermittler stellen sich der Dunkelheit entgegen und wollen nicht nur Ceton fassen, sondern auch Anna Stina beschützen: Emil Winge und der einarmige Veteran Jean Michael Cardell. Doch während sie noch versuchen, für das Gute einzustehen, bahnt sich unaufhaltsam ein Inferno an …

„Es ist dieser Kontrast zwischen den Idealen dieser Zeit und der Gewalt, die Natt och Dag eindringlich aufeinander prallen lässt.“ – Süddeutsche Zeitung über 1794

€ 16,99 [D], € 17,50 [A]
Erschienen am 27.01.2022
Übersetzt von: Leena Flegler
528 Seiten, Klappenbroschur
EAN 978-3-492-06195-7
Download Cover
€ 14,00 [D], € 14,40 [A]
Erscheint am 02.11.2023
Übersetzt von: Leena Flegler
528 Seiten, Klappenbroschur
EAN 978-3-492-31795-5
Download Cover
€ 12,99 [D], € 12,99 [A]
Erschienen am 27.01.2022
Übersetzt von: Leena Flegler
500 Seiten, WMePub
EAN 978-3-492-61795-6
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Leseprobe zu „1795 (Winge und Cardell ermitteln 3)“

Wer hält in dem dunklen Labyrinth,
in das uns unsere Leidenschaften ziehen,
den Faden in der Hand?
Donatien Alphonse François de Sade, 1795

Personen, die in 1795 Erwähnung finden

Tycho Ceton, ehemals Mitglied des Eumeniderordens und Sklavenhalter in Schwedisch-Westindien. Nach seiner Heimkehr Mäzen eines Kinderheims, um seine Untaten durch Wohltätigkeit zu verschleiern. Auftraggeber des Mordes an der Braut von Erik Drei Rosen und Konstrukteur von dessen Unglück. Seit dem Brand im Kinderheim Hornsberget mittel- und schutzlos auf der Flucht.

Jean Michael [...]

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Wer hält in dem dunklen Labyrinth,
in das uns unsere Leidenschaften ziehen,
den Faden in der Hand?
Donatien Alphonse François de Sade, 1795

Personen, die in 1795 Erwähnung finden

Tycho Ceton, ehemals Mitglied des Eumeniderordens und Sklavenhalter in Schwedisch-Westindien. Nach seiner Heimkehr Mäzen eines Kinderheims, um seine Untaten durch Wohltätigkeit zu verschleiern. Auftraggeber des Mordes an der Braut von Erik Drei Rosen und Konstrukteur von dessen Unglück. Seit dem Brand im Kinderheim Hornsberget mittel- und schutzlos auf der Flucht.

Jean Michael Cardell, genannt Mickel. Ehemaliger Obersappeur, hat den linken Arm im Svensksund eingebüßt, seither bei der Stadtwache tätig. Durch seine Unachtsamkeit kam es zum Brand im Hornsberget, bei dem die Zwillinge von Anna Stina Knapp ums Leben kamen, weshalb er sich für deren Tod verantwortlich fühlt. Vom Feuer gezeichnet, auch wenn das Gewissen schlimmer schmerzt als die Brandnarben.

Cecil Winge, Jurist, im Dienst der Polizeikammer für besondere Fälle zuständig und ein Paradebeispiel für Rationalität. Tot und begraben.

Emil Winge, Cecils jüngerer Bruder. In Auflehnung gegen die Ansprüche und Erwartungen seines Vaters Langzeitstudent an der Universität Uppsala. Von Cardell in die Rolle des toten Bruders gedrängt – mit schicksalsschweren Folgen. Einst Gewohnheitssäufer, um seine Wahnvorstellungen in Schach zu halten, inzwischen trocken.

Anna Stina Knapp, flüchtige Spinnhäuslerin und Witwe, hat zudem jüngst beide Kinder verloren. Wurde vom Menschenhändler Dülitz beauftragt, die wegen Hochverrats verurteilte Magdalena Rudenschöld im Spinnhaus auf Långholmen aufzusuchen und eine Liste mit den Namen sämtlicher Kollaborateure des Verschwörers Armfelt hinauszuschmuggeln.

Maja und Karl, Anna Stina Knapps Zwillinge, die noch vor ihrem ersten Namenstag beim Brand im Hornsberget zu Tode kamen.

Erik Drei Rosen, junger Adeliger, Patient im Tollhaus in Danviken, wo er einer folgenschweren Behandlung unterzogen wurde. Von Ceton hinters Licht geführt, hat er aus Rache das Kinderheim niedergebrannt. Noch im Widerschein des tödlichen Feuers vom wutentbrannten Cardell umgebracht.

Lisa Einsam, Landstreicherin mit Sommerquartier im Stora Skuggan; hat Anna Stina in einer misslichen Lage ausgeholfen; ist im Herbst vor der Verantwortung gen Süden geflohen, um ihrem Namen treu zu bleiben.

Petter Pettersson, Wachtmeister im Spinnhaus auf Långholmen. Hat mit dem Brief der Rudenschöld als Pfand Anna Stina unter einer – nicht eingelösten – Bedingung laufen lassen.

Meister Erik, Petter Petterssons Kosename für die Karbatsche, mit der er die Spinnhäuslerinnen auf Långholmen misshandelt.

Isak Reinhold Blom, Sekretär im Dienst der Stockholmer Polizeikammer, Dichter mit mäßigem Talent. Einst Cecil Winges Kollege, inzwischen Emil Winges Mentor.

Dülitz, aus Polen geflüchtet, handelt mit Menschenleben.

Miranda Ceton, Tychos Ehefrau, gelähmt und bettlägerig, gegen ihren Willen von ihrem Gatten am Leben erhalten. Hat Emil Winge und Mickel Cardell bei deren Jagd auf Tycho – wenn auch aus eigenen Beweggründen – auf die richtige Spur gebracht.

Gustav III., König der Schweden, Goten und Wenden von Gottes Gnaden; im März 1792 in der Stockholmer Oper niedergeschossen und seiner Verletzung erlegen.

Gustaf Adolf Reuterholm, Steuermann des Vormundschaftsregimes, genannt Großwesir; de facto Herrscher über die praktischen Dinge im Königreich; empfindlich, eitel und fest entschlossen, auch den letzten gustavianischen Loyalisten im Lande den Garaus zu machen.

Herzog Karl, jüngerer Bruder des verstorbenen Königs Gustav III. und formal Regent des Reiches bis zur Volljährigkeit des Thronfolgers. Gänzlich uninteressiert an Politik; Reuterholms Hündchen.

Herzog Fredrik Adolf, jüngster Bruder Gustavs III. und hinsichtlich der Thronfolge irrelevant; Lebemann.

Gustav Adolf, einziger Sohn Gustavs III. und dem Titel nach König von Schweden, allerdings noch nicht volljährig und daher unter Vormundschaft.

Gustaf Mauritz Armfelt, Günstling des verstorbenen Königs, außer Landes geflüchtet, nachdem er als Hauptverschwörer gegen die Vormundschaftsregierung enttarnt worden war.

Magdalena Rudenschöld, weiland Hofdame, Armfelts Geliebte und Mitverschwörerin; vorübergehend auf Långholmen in Gefängnishaft.

Johan Erik Edman, Amtssekretär in der Justizkanzlei; verlängerter Arm des Barons Reuterholm; geschäftig und skrupellos; den Gustavianern auf den Fersen.

Magnus Ullholm, Direktor der Stockholmer Polizeikammer, Veruntreuer der Geistlichen Witwenkasse, ein elender Schuft.

Eumeniden, eine Ordensgesellschaft, in der mächtige Männer unter Vortäuschung von Wohltätigkeit gewissen Vergnügungen nachgehen.


Prolog

Herbst 1794


1

Mit der seelenvollen Melodie von Bogen und Saite, die bis vor Kurzem seine Welt erfüllt und alles andere vergessen gemacht hat, ist es nun vorbei. Durch die Herbstnacht dröhnen stattdessen die Glocken der Kirchtürme, und ihr Läuten gleicht nahenden Schritten, die ihn und niemand anderen verfolgen; sie künden von seinem Ausgeliefertsein, auf dass alle es hören. Tycho Ceton zieht die Schultern hoch und den Kopf ein, als er aus dem Schutz der Gassen und auf das Tosen an der Polhemschleuse zuläuft. Die Schnalle seines linken Schuhs verbiegt sich in einem Schlagloch, wo ein Pflasterstein zerbrochen ist, doch er kann deswegen nicht stehen bleiben, sondern passt lediglich seine Schritte an, um seinen Schuh nicht zu verlieren. Er ist allein, Jarrick ist nicht mehr bei ihm; mit der Münze, die er für seinen letzten Botengang bekommen hat, ist er ohne ein Wort des Abschieds in die nächstbeste Gasse verschwunden. Ceton ist nicht weiter überrascht. Nichts anderes hat er erwartet. Er ist entlarvt worden. Sobald der Preis für sein Leben aufgerufen wird, werden die Käufer Schlange stehen. Besser, er geht gleich, als dass er mitansehen muss, wie die Bande, die einst die Gier geknüpft hat, vor die Zerreißprobe gestellt werden. Sein allerletztes bisschen Zuversicht würde sich doch nur als Trugschluss erweisen.

So weit das Auge im Sternenlicht reicht, brodelt auf den Wellen des Saltsjön die Gischt. Er muss sich am Geländer der Zugbrücke festhalten, um auf den rutschigen Planken den Halt nicht zu verlieren. Der Wind presst das Mälarwasser mit gewaltiger Kraft zwischen die Pfeiler, die Gischt dringt durch jede Ritze im Holz, und wo sie über die Mauer leckt, erklingt ein schadenfrohes Flüstern: Die Hunde sind dir auf den Fersen. Jetzt werden die Schulden eingetrieben, und das Blut in deinen Adern ist die einzige Währung, die zur Tilgung taugt. Am anderen Ufer entdeckt er eine Kutsche. Der Fuhrmann hat sich die Hände unter die Achseln geschoben und schläft mit dem Kinn auf der Brust. Tycho Ceton geht hinter dem schmutzigen, gesprungenen Fenster in Deckung, während die Hufe allmählich ihren Rhythmus finden.

Entlang der Mauern versammeln sich die Rosenblätter und wirbeln auf, sobald eine Bö sie aufpeitscht. Er klopft an, zischt seinen Namen und entreißt der Magd, die ihm aufmacht, den Kerzenleuchter. Sie ist geistesgegenwärtig genug, ihm sofort Platz zu machen. Bereits im Eingangsbereich nimmt er den Geruch aus dem Zimmer wahr und das, was kein Parfüm je überdecken könnte. Vor ihrer Tür hält er sich sein parfümiertes Seidentuch unter die Nase, überlegt es sich dann jedoch anders und steckt es wieder ein, weil er durch nichts in der Welt andeuten will, dass ihm irgendetwas an ihr eine Reaktion entlockt, und sei es Ekel. Das Messing fühlt sich kühl an, als seine Hand kurz am Türknauf zaudert. Dann dreht er ihn, öffnet und betritt das dunkle Schlafgemach.

Der Gestank, der ihm auf der Schwelle entgegenschlägt, verleiht der Dunkelheit regelrecht Gestalt, als wäre er eine Art Nebel oder Qualm. Die Kerze in seiner Hand blendet ihn eher, als dass sie den Raum erhellt. Er stellt sie auf einen Tisch an der Wand und bleibt für einen Augenblick vor dem breiten Schatten des Himmelbetts stehen. Tuchbahnen verbergen die Besitzerin. Tycho lauscht seinem eigenen Herzschlag, und erst als der sich verlangsamt, hört er sie atmen – eher bedächtig und wachsam als mit den leisen Schnarchlauten einer Schlafenden. Unmut macht sich in ihm breit. Schon jetzt ist er ihr unterlegen. Dort liegt sie, wie ein Lindwurm in seiner Höhle, und beobachtet ihn mit der Geduld, die all die Jahre sie gelehrt haben und mit der seine eigene sich nie wird messen können.

„Geliebter Tycho. Genau wie ich es mir gedacht habe.“

Beim Klang ihrer Stimme erschaudert er. Er weiß genau, wie sehr der Klang täuscht. Seit ihrer Lähmung ist sie vollkommen aus dem Leim gegangen, die Stimme jedoch ist noch immer dieselbe, die einst der zarten Brust eines Mädchens entsprungen ist. Ihr Leid muss fürchterlich sein, doch sobald sie spricht, hört man eine Befriedigung, als würde sie die Qualen wie süßen Wein genießen. Ihm bricht der Schweiß aus, während er sich zu einer Erwiderung zwingt.

„Miranda …“

Sie bricht in Gelächter aus. Tycho spürt, wie seine Zunge im Mund anschwillt, wie seine Gedanken urplötzlich träge und widerwillig werden, und ihm bleibt nichts anderes übrig, als abzuwarten, dass sie die Initiative ergreift, die er aus der Hand gegeben hat.

„Oh, Tycho. Deine Stimme – sie zittert ja! Und das beim Anblick deiner Ehefrau! Aber die Ehre deiner Scheu gebührt sicherlich nicht mir allein. Die Kirchenglocken läuten ja schon seit Stunden. Ich habe die kleine Gustava auf den Hügel geschickt, um nach dem Rechten zu sehen. Kungsholmen stehe in Flammen, sagt sie, und prompt tauchst du hier auf – und in welchem Zustand! Hemd und Rock sind völlig verschwitzt, und der Gestank deiner Angst stellt sogar den meines offenen Beins in den Schatten. Also, was fehlt meinem Liebsten?“

Ihre Zunge ist seit jeher die Peitsche, die seine empfindlichsten Stellen trifft – was sie letztlich auch ins Verderben gestürzt hat. Häme brennt in jedem Wort. Der Verdruss macht jeglichen Anspruch an Wortgewandtheit zunichte, und wütend faucht er sie an: „Wie viel von alldem ist dein Werk, Miranda?“

„Ach, Tycho, das ist für jemanden, der nicht mal eine Fingerspitze vom Laken heben kann, schwer zu sagen. Aber ich hoffe sehr, dass dieses Unheil nicht ohne mein Zutun über dich hereingebrochen ist. Immerhin habe ich mein Bestes getan, um dazu beizutragen.“

Sie dreht den Kopf auf dem Kissen, und das Glöckchen schlägt an.

„Ich hatte Besuch, Tycho, und zwar solchen, auf den ich lange vergebens gehofft hatte. Ich muss zugeben, dass er anfangs die Erwartungen, die meinen Tagträumen entstiegen waren, kein bisschen erfüllte. Zwei Männer, ein großer und ein kleinerer. Ersterer dermaßen verbraucht und verlebt, dass er kaum noch als Mensch zu erkennen war, obendrein eines Armes verlustig. Und der Kleine … Bei dem stimmte etwas nicht, so viel war klar zu erkennen. Ich hatte nicht den geringsten Zweifel, dass ihr Ansinnen zum Scheitern verurteilt war. Wer bitte schön würde derlei Pack Gehör schenken, selbst wenn es Geständnisse und Beweise vorzuweisen hätte? Aber dieser Einarmige … In ihm loderte eine solche Wut, eine solche Raserei, dass sich die Tapeten fast von den Wänden gerollt haben. Ich frage mich wirklich, welche Lügen du ihm aufgetischt und wie sehr du mit deinen Schandtaten geprahlt hast. Je nun. In der Hoffnung, er werde dich in seinem Zorn auf der Stelle umbringen, habe ich ihn in den Anatomiesaal geschickt. Aber ich muss die Selbstbeherrschung des Kerls unterschätzt haben.“

„Ist das alles?“

„Ein bisschen was habe ich ihm von dir erzählt, lieber Tycho, und von deinen zahlreichen Verirrungen. Aber nicht alles.“

„Und warum nicht?“

„Die Angst vernebelt dir den Verstand. Du weißt, warum. Was die beiden betrifft, habe ich ihnen nicht allzu viel zugetraut. Aber wenn nicht das ungleiche Paar zurückkehrt, um mehr zu erfahren, kommen dafür bald andere, und da erzähle ich alles, sofern du mir nicht endlich gibst, was ich mir schon lange wünsche.“

Er wartet darauf, dass sie fortfährt, während sein Puls immer lauter in den Schläfen rauscht.

„Du lässt mich jetzt frei, Tycho. Etwas anderes bleibt dir nicht übrig. Ich weiß, dass du lieber zusiehst, wenn andere es tun – und nein, schau dich gar nicht erst nach Gustava um! Sie ist nicht mehr da. Ich habe ihr dringend geraten, das Weite zu suchen und keinen Blick mehr zurückzuwerfen, sobald sie dich eingelassen hat. Heute Nacht legst du zur Abwechslung selbst Hand an. Und noch während du das tust und für den ganzen Rest deines erbärmlichen, wertlosen Lebens wirst du diesen einen Gedanken haben: Ich habe gewonnen, Tycho. Die entscheidende Partie zwischen uns habe ich für mich entschieden, und all die Jahre, die ich in diesem Bett verbracht habe, jede Stunde, jede Minute hat sich voll ausgezahlt, wenn ich dich so in deinem Elend sehe. Erinnerst du dich noch an den Tag, an dem du mich zum Altar geführt hast? Damals, ehe ich es besser wusste, fand ich dich schön. Doch so verängstigt und erniedrigt wie heute bist du mir noch tausendmal schöner. Also, beeile dich, Liebster. Sie wissen, wo du dich verkriechst, und deine Feinde lechzen bereits nach Vergeltung. Und diese Niederlage dürfte nicht deine letzte sein. Wer kommt wohl als Erstes – der einarmige Häscher und der dürre Irre? Deine einstigen Ordensbrüder? Oder einer der feinen Herren, deren Gunst du dir erzwungen hast? Wer von ihnen würde dir das schlimmste Ende bereiten? Sofern es einen Gott gibt, kann er mir einen flüchtigen Blick darauf wohl kaum verwehren – selbst nicht aus den Tiefen der Hölle, in der ich bald schmore. Aber nun soll das nicht mehr meine Sorge sein. Tu du endlich wie geheißen, bevor dir die Zeit davonläuft.“

Er weiß, dass sie recht hat. Trotzdem zögert er, versucht vergebens, die Sache irgendwie zu drehen, zu wenden, wie der Verlierer, der argwöhnisch das Brett umrundet, weil er nicht glauben will, dass er schachmatt ist. Wie in einem Albtraum setzt er einen Fuß vor den anderen, nähert sich dem Bett, bis sich ihre aufgedunsene Gestalt unter der Decke abzeichnet und sich der Abscheu in ihm rührt. Seine Lunge füllt sich mit fauliger Luft, und er muss schlucken, um zu verhindern, dass sich sein Magen entleert. Vergnügt kichert sie in sich hinein.

„Mein Tycho. Du siehst aus wie ein verzagter Schuljunge vor dem ersten Beischlaf.“

Er zerrt das Kissen unter ihrem Kopf hervor und legt es ihr mit zitternden Händen übers Gesicht. Mit ausgestreckten Armen presst er es nach unten, doch seine Kraft reicht nicht aus, und mit einem Mal fühlt sich die Zeit in seinem Stundenglas zäh wie Melasse an. Er muss sich auf sie legen, sich wie im Zerrbild einer Umarmung mit der Brust und seinem vollen Gewicht auf sie legen, und er windet sich vor Widerwillen, während ihr weiches Fleisch unter ihm wogt. Noch lange, sehr lange hört er durch Federbett und Seide ihr triumphierendes Lachen und den gedämpften Klang des Glöckchens.

 

Auf dem Weg nach draußen muss Tycho Ceton sich an der Wand abstützen. Er besitzt noch ein paar wenige Wertsachen und Münzen, die ihm von seinem Vermögen geblieben sind, doch nicht einmal davon hat er alles mitnehmen können, weil er sich in der Panik, die seinen Verstand blockiert, an viele Verstecke nicht mehr erinnert. Sie liegt tot in ihrem Zimmer, immer noch mit weit offenen Augen, und ihr Hohnblick folgt ihm sogar durch die Wände. Eine kleine Stofftasche hat er gepackt, das ist alles. Draußen im Hof ist es nach wie vor Nacht, doch es ist eine andere Nacht als zuvor, und sie nötigt ihn, am Tor stehen zu bleiben, als stünde er vor einem Gewölbebogen mit herabgelassenem Gitter. Es ist die Furcht – dieselbe, die er insgeheim schon immer im Herzen getragen hat; eine Kugel, die sich ihm sauber ins Fleisch gebohrt hat, dort stecken geblieben und wenngleich nicht vergessen, so doch vor dem Blick der Welt verborgen ist. Jetzt hat sie ihre Fesseln gesprengt und die Welt in Besitz genommen. Sie ist überall um ihn herum. Er schluckt einen gequälten Laut hinunter und flieht wie ein Hase vor dem Wind, der die Jagdhunde auf seine Fährte führt.


2

Als es klopft, wittert Dülitz augenblicklich Unrat. Er ist von seinen Bittstellern ein demütiges Auftreten gewöhnt, eine Entschuldigung für das Ungemach, das ihr Kratzen an seiner Tür mit sich bringt. Doch dieses harte Klopfen stammt von einem Stock, es ist die rhythmische Salve einer Person, die sich sicher sein kann, für die Schrammen, die der Silberknauf im Holz hinterlässt, nicht zur Rechenschaft gezogen zu werden. Es ist schon spät, trotzdem kann Dülitz durch die Vorhänge am Fenster im Obergeschoss immer noch genügend sehen, auch wenn er selbst achtgibt, dass sein Schatten nicht über die Fensterscheibe huscht. Draußen stehen zwei Männer, die nicht erkannt werden wollen – die Schlapphüte tief im Gesicht. So weit, so gewöhnlich. Nur wenige prahlen damit, dass sie ihn aufsuchen wollen. Hinter den beiden am Hang Richtung Ormsaltaregränd warten zwei Begleiter, die angewiesen sind, Abstand zu halten. Sie ducken sich, um den Hals vor dem Nieselregen zu schützen, zwei kräftige Männer, deren Überröcke Uniformstoff verbergen. Und über den Dachfirsten jenseits der Polhemschleuse schimmern die Laternen in den Gassen und die erhellten Fenster der Stadt zwischen den Brücken, über die Regenschauer niedergehen – ein vieläugiges Ungeheuer, das ihn halb desinteressiert, halb boshaft zu mustern scheint. Unzählige Male hat Dülitz den Blick über Stockholm schweifen lassen, jene Stadt, die ihm trotz all der Jahre immer noch fremd ist, und er hat immer geahnt, dass sie ihm eines Tages das Grab aufzeigen wird, das er sich selbst geschaufelt hat.

Und plötzlich weiß Dülitz, was der Besuch von ihm will; er hat es insgeheim erwartet und nur verdrängt. Trotzdem kann er in diesem Moment nicht umhin, die Entscheidungen infrage zu stellen, die ihn in diese Sackgasse geführt haben. Womöglich kommt für jeden Mann eines Tages der Augenblick, da der Trott der Gewohnheit ihn zu Risiken anspornt. Denn wenn sich das Gewicht des Lebens zusehends aus der Waagschale der Zukunft in jene der Vergangenheit verlagert, hat er nur noch die Möglichkeit, die Jugend rückwirkend als eine Zeit der Tollkühnheit zu betrachten. Er hätte den Auftrag ablehnen müssen, doch er hat der Stimme der Vernunft nicht gehorcht, die ihm abgeraten hat. Es war dieses Mädchen, diese Anna Stina Knapp. Ohne sie hätte an einem Abend wie diesem die Gefahr nie an seine Tür geklopft. Sie kam ihm überaus gelegen, und sie hatte, was er benötigte – ein selten glücklicher Umstand. Möglicherweise war Mitleid im Spiel, vielleicht auch Schwärmerei. Er schiebt den Gedanken beiseite, weil es nun wirklich keine Rolle mehr spielt. Seine Tür wird abermals zur Trommel umfunktioniert. Ottoson ist schwer verkatert erwacht und sieht ihn vom Flur aus ratlos und besorgt an, doch Dülitz scheucht seinen Handlanger bloß zur Seite und zieht den Riegel an der Tür selbst zurück, wohl wissend, dass alsbald ein Würfel geworfen wird. Die Augenzahl wird über sein Schicksal entscheiden.

 

Der Ofen ist eben erst eingefeuert worden, noch hat die Wärme sich nicht in den Kacheln verteilt, und Kammerdirektor Ullholm beschließt, die Handschuhe anzubehalten, als er das Weinglas entgegennimmt, das Ottoson ihm zittrig hinhält. Den beiden Gästen sind Stühle angeboten worden.

„Sie kennen meinen Begleiter möglicherweise vom Sehen?“

Dülitz zündet eine Leuchterkerze nach der anderen an und nickt. Er ist froh, dass seine Hände seine Gefühlslage nicht so deutlich preisgeben wie die seines Handlangers.

„Dem Amtssekretär Edman eilt sein Ruf voraus.“

Johan Erik Edman ist sicher fünfzehn Jahre jünger als der Kammerdirektor, hat einen unsteten Blick und eine geschwollene Nase, die in einem fort läuft und die er sich ein ums andere Mal putzen muss. Ullholm nippt an seinem Wein.

„Nun, in Ihrer Branche ist man gut beraten, sich zu informieren. Dann wissen Sie ja, dass Herr Edman unsere Spinne im Netz aus Kundschaftern der Krone ist, unser Löwe, der Jagd auf die Gustavianer macht. Dank seiner Anstrengungen ist Armfelt, dieser Verräter, mit eingekniffenem Schwanz außer Landes geflohen.“

Dülitz nickt beifällig.

„Selbst in eher lichtscheuen Kreisen wird Herr Edman für seine unversöhnliche Art und die geistreichen Methoden geachtet, mit denen er sogar jenen Geständnisse entlockt, die ihre Schuld so raffiniert vertuscht haben, dass sie sich selbst nicht mehr daran erinnern.“

Edman entfleucht ein pfeifender Laut, möglicherweise ein Lachen, das jedoch sofort in Husten umschlägt, der wiederum immer heftiger wird, bis er sich schließlich hinter seinem Taschentuch verstecken muss; Ullholm klopft ihm so respektvoll wie nur irgend möglich den Rücken, was aber wenig nützt.

„Dem Herrn Sekretär hat es zu Ehren dieses Tages leider die Sprache verschlagen. Die Gesundheit ist seit jeher seine Achillesferse und erste Verbündete seiner Feinde. Die zahlreichen anstrengenden Gerichtsverfahren in diesem Herbst und die anhaltende Nässe haben ihm vollends die Stimme geraubt – hoffen wir mal, dass es nur vorübergehend ist. Sein Ehrgeiz jedoch erlaubt ihm nicht, sich auszuruhen, daher hat er mir die Aufgabe anvertraut, an seiner Stelle mit Ihnen zu sprechen.“

Dülitz antwortet nicht; soll doch die Stille den Kammerdirektor zum Weitersprechen nötigen.

„Also … Wie Sie sicher wissen, stand vor ein paar Wochen auf dem Nytorget Ehrenström am Pranger. Nach Überzeugung des Appellationsgerichts war er Teil der Armfelt’schen Verschwörung – was ihm dank Edmans Nachforschungen nachgewiesen werden konnte. Ehrenström blieb – mit der Kehle am Hackstock – das Schwert letztlich erspart. Stattdessen wurde er in die Feste Carlsten verbracht, wo er verschmachten sollte. Dort hatte er kaum einen Blick auf die Holzpritsche und die Steinwände seines neuen Zuhauses geworfen, als die Sehnsucht nach Daunenkissen und Ledertapeten überhandnahm und sich der Wunsch nach Kooperation, von dem bei Gericht keine Rede war, wie von Geisterhand wieder einstellte.“

Ullholm bildet mit Daumen und Zeigefinger ein enges Rund und lässt den Stock darin kreisen.

„Ehrenström war Diplomat, müssen Sie wissen, und am Petersburger Hof gern gesehen. Ein kluger Kopf, der genau weiß, dass man besser nicht alles auf eine Karte setzt. Er ahnt bereits, dass sein Urteil auf Lebenszeit in zwei Jahren, wenn der König mündig und Reuterholm nur noch eine Erinnerung ist, in Ehrenbezeugungen umgeschrieben werden dürfte. Doch auf diese Gnade mag er nicht in Gott weiß welchen Verhältnissen warten. Um den Preis gewisser Annehmlichkeiten hat er nun Zugeständnisse gemacht, allerdings ohne damit mehr als nötig Verrat an seinen Mitverschwörern zu begehen.“

Edmans Augen blitzen schadenfroh. Sie scheinen sich dem entscheidenden Punkt zu nähern. Ullholm beugt sich vor.

„Das Liedchen, das Ehrenström gesungen hat, ging folgendermaßen: Eine Mittelsperson, deren Namen wir fürs Erste nicht nennen möchten, hat im Herbst hier an Ihre Tür geklopft. Geld wechselte den Besitzer, und für diese Summe erklärten Sie sich bereit, Magdalena Rudenschöld irgendwie zu ermöglichen, mit ihren vormaligen Mitverschwörern zu kommunizieren. Sie sollte ein Register ihrer Verbündeten erstellen, die sich nicht einmal untereinander beim Namen kannten, auf dass die Verschwörer zusammenfänden und es wieder Hoffnung für die gustavianische Revolte gäbe.“

Ullholm, dessen Kehle nach der langen Rede ganz trocken ist, füllt sein Glas nach und nimmt einen Schluck. Als er den Wein wieder abstellt, muss er nach dem Faden tasten, den er verloren hat, und kratzt sich verdrießlich am Rand der Perücke. Edman macht durch ein Räuspern auf sich aufmerksam, und einen Augenblick lang starrt der Kammerdirektor ihn bloß verwirrt an, weil Edman mehrmals rhythmisch den Fuß aufsetzt und einen imaginären Gegenstand in beide Hände nimmt. Dann endlich kann sich Ullholm einen Reim auf die Scharade machen.

„Die Rudenschöld saß bei den Huren auf Långholmen in einer eigenen Kammer, weil man für eine geeignetere Unterkunft erst Fenstergitter schmieden musste. Nun ist das Spinnhaus in derart schlechtem Zustand, dass es Ihnen als besonders geeignet erschienen ist, um Ihren Auftrag zu erfüllen. Wir haben uns unter ein paar Stadtknechten umgehört und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass es genau so gewesen sein muss. Allerdings sind diese Leute ein versoffenes Pack: Diejenigen, die ihre Sinne noch insoweit beisammenhaben, um lügen zu können, sind kaum den anderen vorzuziehen, die zu dumm oder zu betrunken sind, um verlässlich wiederzugeben, was vor der eigenen Nase geschieht.“

Johan Erik Edman beugt sich vor und rückt den Kerzenleuchter zurecht, damit er Dülitz’ Gesicht besser erkennt, ehe Ullholm die entscheidende Frage stellt.

„So, Dülitz. Der Brief der Rudenschöld mit den Namen der Verschwörer – wo ist er?“

Jetzt ist Dülitz an der Reihe, sein Glas nachzufüllen und einen Schluck zu trinken, im Grunde nur, um Zeit zu schinden, doch aus dem Nebel seiner Gedanken will ihm keine rettende List entgegentreten, und den Wein schmeckt er nicht einmal mehr.

„Alles, was Sie sagen, entspricht den Tatsachen. Ich habe darüber hinaus keinen Grund, die Vorkommnisse zu leugnen. Nur ist etwas schiefgegangen …“

Ullholm und Edman wechseln einen Blick, dann gibt Edman Dülitz mit einer Geste zu verstehen, dass er fortfahren soll.

„Ich hatte rein zufällig eine junge Frau namens Anna Stina Knapp aufgetan – soweit ich weiß, die Einzige, die einen Geheimgang ins Spinnhaus auf Långholmen kannte. Es gibt einen Tunnel unter den Mauern hindurch, der ursprünglich zur Trockenlegung der Fundamente dienen sollte, dann aber in Vergessenheit geriet und zudem so eng ist, dass kaum jemand dort hindurchpasst. Auf genau diesem Wege war sie im vorigen Sommer ihrer eigenen Strafe entgangen. Ich habe sie damit beauftragt, denselben Weg zurückzugehen. Seither warte ich vergebens auf Nachricht.“

„Was macht Sie so sicher, dass sie dem Auftrag nachgekommen ist?“

Dieselbe Frage hat Dülitz sich schon oft gestellt.

„Sie hat mir ihr Wort gegeben. Ich habe tagtäglich mit Lügnern zu tun, aber ihr habe ich geglaubt. Sie steckte in Schwierigkeiten, und mein Angebot schien ihr einziger Ausweg zu sein. Das Mädchen befindet sich nicht mehr auf Långholmen, so viel weiß ich immerhin. Sofern tatsächlich ein Brief geschrieben worden sein sollte, weiß ich nicht, wo er abgeblieben ist.“

Edman sucht Dülitz’ Blick. Er weiß den Schatten der Unwahrheit aufzuspüren, wenn er jemanden verhört. Ullholm indes trommelt ungehalten mit den Fingern auf die Tischplatte.

„Ihr eigener Lebenswandel weckt in mir nicht gerade großes Vertrauen.“

Dülitz, der noch immer Edmans Blick erwidert, beugt sich über den Tisch.

„Wenn dieser Brief tatsächlich in meiner Obhut wäre, hätte ich längst begonnen, mit Ihnen einen Preis auszuhandeln – und wenn schon keinen höheren, als er mir ursprünglich angeboten wurde, dann doch einen Freundschaftspreis, der mit dem Wohlwollen der Kammer einhergegangen wäre. Und hätte ich meinen Teil des Händels erfüllt und den Brief bereits an jene Mittelsperson übergeben – deren Namen ich im Übrigen nicht kenne –, hätten die Kundschafter des Herrn Edman doch wohl längst Bewegung in den Verschwörerreihen registriert.“

Edman denkt kurz darüber nach, ehe er sich auf seinem Stuhl zurücklehnt. Er verzieht den Mund, wie um Dülitz’ Schlussfolgerung zu bekräftigen, und nickt Ullholm knapp zu. Mit einem Seufzer steht der Kammerdirektor auf und klopft sich den Rock ab, als hätte er sich in Asche gesetzt.

„Na dann. Anscheinend vergeuden wir hier unsere Zeit. Finden Sie das Mädchen, Dülitz. Sie ist der Schlüssel. Der Brief, von dessen Verbleib nur sie zu wissen scheint, ist derzeit das wichtigste Dokument im ganzen Reich.“

„Sie dürfen mir glauben, dass meine Anstrengungen diesbezüglich jetzt schon beträchtlich waren – aber vergeblich.“

Wie ein römischer Kaiser, der sein Urteil über einen unterlegenen Gladiator fällt, streckt Edman die linke Hand aus und formt die rechte zu einer Zange, mit der er sich in den abgespreizten Daumen kneift. Ullholm gähnt hinter vorgehaltenem Handschuhrücken.

„Was mein Kollege Ihnen sagen will, Dülitz: Womöglich möchten Sie jetzt, da sich die Einsätze verändert haben, umso hartnäckiger suchen. Unsere Daumenschrauben mögen altertümlich daherkommen, aber sie funktionieren noch, und mit einem Tropfen Öl in den Scharnieren sind sie wieder wie neu. Wenn der Knochen erst knackt, singt selbst der Abgebrühteste seine Arie molto vivace, um die Geißel so schnell wie nur möglich wieder loszuwerden. Natürlich lockern wir die Eisen gern, um der Schreierei ein Ende zu setzen. Doch was ist mit Ihnen? Sie würde unser Herr Edman in den Gemäuern sitzen lassen und erst zur Jahrhundertwende vorbeikommen, um herauszufinden, ob Sie immer noch schreien.“

Niklas Natt och Dag

Über Niklas Natt och Dag

Biografie

Niklas Natt och Dag, geboren 1979, arbeitet als freier Journalist in Stockholm. Der Spiegel-Bestsellerautor entstammt der ältesten Adelsfamilie Schwedens. Nicht zuletzt deshalb hat er eine besondere Verbindung zur schwedischen Geschichte. Sein historischer Kriminalroman „1793“ wurde vielfach...

Weitere Titel der Serie „Winge und Cardell ermitteln“

Cardell und Winge ermitteln im verruchten Stockholm des 18. Jahrhunderts. Fantastisch recherchiert und großartig komponiert von SPIEGEL-Bestsellerautor Niklas Natt och Dag.

Pressestimmen
jasminsbooks

„Eine außergewöhnliche Trilogie die ich jedem Thriller Fans ans Herz legen kann.“

histo-couch.de

„Spannend, gewöhnungsbedürftig, blutig und ekelig, und doch muss man gebannt bis zum Ende dabeibleiben. Eine literarische Herausforderung.“

Westfalen-Blatt

„›1795‹ ist eine gut recherchierte Reise in düstere Zeiten und zugleich eine packend erzählte, blutige Detektivgeschichte.“

Südwest Presse

„Eine Zeitreise, die auch ohne die Lektüre der ersten beiden Romane hoch spannend ist.“

Hauptstadt. TV „Hauptsache Lesen!“

„Ein spannender, unterhaltsamer, kluger und deshalb sehr lesenswerten Roman. Die Fans der Winge-Cardell-Reihe dürfen sich freuen, die Geschichte wird gekonnt zu Ende erzählt.“

Anzeiger

„Das Wechselspiel zwischen historischem Zeitporträt und Krimiplot ist einfach meisterlich.“

Saale-Zeitung

„Es ist faszinierend, wie es dem Autor in seinen auf intensivem Quellenstudium beruhenden und gelegentlich in kleinste Einzelheiten gehenden Schilderungen gelingt, beim Leser das alte Stockholm des ausgehenden 18. Jahrhunderts so realistisch, manchmal auch schockierend lebendig werden zu lassen.“

Rhein-Neckar-Zeitung

„Seine Cardell-Winge-Trilogie erweckt das Stockholm des ausgehenden 18. Jahrhunderts zum Leben, und zwar so schonungslos realistisch, dass der beißende Geruch der Latrinen in der Nase kitzelt. Auf ›1793‹ und ›1794‹ folgt mit ›1795‹ der fulminante Abschluss der Reihe.“

OÖ Nachrichten (A)

„Mit ›1795‹ führt Niklas Natt och Dag seine Trilogie zu einem faszinierenden Ende. Lust, Perversion, Machtstreben – wieder ist Stockholm ein Hort des Bösen, den der Schwede dank seiner geschliffenen Fabulierkunst in all seiner Grausamkeit vor den Augen der Leser entstehen lässt. Große Krimikunst, aber definitiv nichts für Zartbesaitete.“

SR2 KulturRadio

„Auch ›1795‹ bietet wieder diese Mischung aus historisch präzis recherchierten Details aus jener Zeit - und tiefen menschlichen Abgründen aller Beteiligten.“

WDR 5 “Scala”

„›1795‹ ist eine brillante Zeitreise in eine Welt, über die man zwar mit wohligem Schauer liest, ohne aber selbst darin leben zu wollen.“

Münchner Merkur

„Lesenswert.“

Die Presse (A)

„›1795‹ ist spannend, historisch profund und grauslich.“

lesbar-online

„Niklas Natt och Dag ist und bleibt ein unbeschreibliches Talent.“

Mariestads-Tidningen

„Eine einzigartige Lektüre!“

Göteborgs-Posten

„Niklas Natt och Dags ›1795‹ ist natürlich Fiktion, aber dank seiner eindrucksvollen Recherche und den Beschreibungen der damaligen Verhältnisse, wirkt das Buch manchmal realer als eine Dokumentation.“

Sveriges Radio

„Sprachlich eine herausragende Leistung.“

Svenska Dagbladet

„Der abschließende Band der Trilogie ist erzählerisch am besten.“

Dagens Nyheter

„Niklas Natt och Dag ist ein brillianter Geschichtenerzähler […] nie zuvor hat es jemand geschafft so bildhaft das 18. Jahrhundert zu beschreiben, mit einer Sprache, die die Atmosphäre der Zeit einfängt, ohne je unverständlich zu werden. […] Niklas Natt och Dag hat eine einzigartige Trilogie geschaffen, ein machtvolles Abbild der Geschichte und eine unglaublich packende, blutige Detektivgeschichte.“

Kommentare zum Buch
1795
Manfred Brück am 07.03.2022

Als deutscher Leser ohne Kenntnis Stockholms kann ich die Irritation durch die vielen Gebäude- und Quartiersnamen lebhaft bestätigen. Die Sprache ist überwältigend, bildhaft, lebhaft, ironisch - Klasse. Ein spannender Beitrag zur mir weitgehend unbekannten Geschichte Schwedens während der französischen Revolution.

Regina Hertz am 01.02.2022

Ein spannendes Sujet und ich liebe wortgewaltige Bildsprache.

Historisch wieder hervorragend, Spannung lässt etwas nach
Sigismund von Dobschütz am 27.01.2022

REZENSION – Man riecht förmlich den Schweiß der Bettler und Obdachlosen in ihren verrußten Absteigen und kaut mit ihnen am steinharten Brotkanten, atmet den Staub auf den von der Sommerhitze ausgedörrten Wegen und spürt nach heftigem Herbstregen den Unrat auf verschlammten Straßen dieser „Stadt zwischen den Brücken“, der einem beim Gehen bis an die Waden spritzt. Wie schon in den beiden ersten Bänden „1793“ und „1794“ seines historischen, insgesamt fast 1 600 Seiten umfassenden dreibändigen Thrillers um die beiden im Dienst der Stockholmer Polizeikammer ermittelnden Brüder Cecil und Emil Winge sowie ihrem Helfer, dem einarmigen Kriegsveteran und Stadtknecht Jean Michael Cardell, schafft es der schwedische Schriftsteller Niklas Natt och Dag (42) auch in seinem dritten Band „1795“, im Januar im Piper Verlag erschienen, die Atmosphäre des ausgehenden 18. Jahrhunderts im historischen Stockholm faszinierend und wortgewaltig wiederzugeben. Großen Anteil am Erfolg der deutschen Ausgabe hat zweifellos Übersetzerin Leena Flegler (45), die sich in teils antiquiert erscheinender Wortwahl und im Stil der bildgewaltigen Sprache des Originals beeindruckend anzupassen vermag. Schweden und vor allem die Hauptstadt des Königreichs befindet sich im spürbaren Umbruch zwischen Absolutismus und Aufklärung, zwischen mittelalterlichen Werten und aus Frankreich überschwappenden revolutionären Gedanken. Die Rechtsprechung liegt noch bei den jeweiligen Machtinhabern, während der Einzelne kaum Rechte hat. In „1795“ findet die Suche der Ermittler nach Gerechtigkeit im eher rechtlosen Stockholm ihren Abschluss: Emil Winge und Cardell sind noch immer auf der Jagd nach dem blutdürstigen Triebtäter Tycho Cetan, einer Charakter-Mischung aus Genie und Wahnsinn, der in den engen Gassen der Stadt untergetaucht ist. Verborgen bleibt auch die junge Mutter Anna Stina Knapp, die beim Brand des Kinderheims ihre beiden Kinder verlor und seitdem traumatisiert ist. Winge und Cardell müssen sie finden, um sie beschützen zu können. Denn die Knapp besitzt eine Namensliste von Gustavianern, jenen Anhängern des 1792 ermordeten Königs Gustav III., die sich gegen den machtbesessenen Regenten Reuterholm verschworen haben. Der skrupellose Vormund des noch unmündigen Kronprinzen Gustav IV. Adolf will vor dessen Volljährigkeit mit aller Gewalt in den Besitz dieser Liste kommen, um seine Gegner ausschalten zu können. Vielleicht liegt es an der heute leider verbreiteten Mode, einen Roman von vornherein auf mehrere Bände aufzuteilen, dass auch bei dieser Trilogie die eigentliche Kriminalhandlung von Band zu Band immer stärker in den Hintergrund des Geschehens rückt, deshalb nur der erste Band „1793“ völlig zu Recht neben anderen Preisen mit dem Schwedischen Krimipreis für das beste Spannungsdebüt ausgezeichnet wurde. Denn im dritten Band wirkt die Handlung gestreckt und büßt deutlich an Dramatik ein, was echte Thriller-Leser enttäuschen dürfte und manche sogar schon beim zweiten Band bemängelt haben. Andererseits dürfte auch „1795“ bei historisch interessierten Leser wieder einen überaus positiven und sicher nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Es ist faszinierend, wie es dem Autor in seinen auf intensivem Quellenstudium beruhenden und gelegentlich in kleinste Einzelheiten gehenden Schilderungen gelingt, beim Leser das alte Stockholm des ausgehenden 18. Jahrhunderts so realistisch, manchmal auch schockierend lebendig werden zu lassen: Wir steigen mit den Protagonisten in die Tiefen der Unterbühne des Theaters und tanzen im prächtig ausgestatteten Opernhaus, beschmutzen uns in den Aborten der Stadt und versinken tief in der städtischen Latrine. Irritierend mögen für deutsche Leser ohne Kenntnis Stockholms die vielen Straßen-, Gebäude- und Quartiersnamen sein. Doch wer will, kann beim Lesen die charakterlich beeindruckend getroffenen Romanfiguren mit dem Finger auf dem Stadtplan begleiten. Während sich Niklas Natt och Dag nach eigener Aussage beim Schreiben von Umberto Ecos Roman „Der Name der Rose“ inspirieren ließ, erinnerte mich seine Trilogie stark an die Romanreihe des französischen Historikers Jean-François Parot (1946–2018), der seinen Commissaire Nicolas Le Floch in den 1760er Jahren zur Anfangszeit der Kriminalistik in Paris ermitteln lässt. Manche Situationsbeschreibungen gleichen sich verblüffend im konkreten Detail und auch atmosphärisch. Wer also ein Freund historischer (Kriminal-)Romane ist, sollte die Trilogie von Niklas Natt och Dag unbedingt lesen.

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