Geiz ist nicht geil!


Schon gar nicht, wenn es um Lebewesen geht.

 

 

 

 

Nicola Förg verrät, worauf beim Kauf von Hundewelpen zu achten ist.

Buchblog: Am Donnerstag, 06. April 2017 von Piper Verlag

Engagement für den Tier- und Umweltschutz

 

Nicola Förg wurde 2012 vom bayerischen Tierschutzbund, 2015 vom Garmischer Tierheim sowie 2015 und 2016 vom bayerischen Jagdverband für ihr Engagement ausgezeichnet. Sie setzt sich nicht nur auf ihrer wöchentlichen Tierseite im »Münchner Merkur« für Tiere und Umwelt ein, sondern widmet sich auch in ihren Romanen oft Themen des Tier- und Naturschutzes.

Frau Förg, dieses Mal haben es die beiden Garmischer Kommissarinnen mit illegalem Welpenhandel zu tun. Gibt es einen derart mafiös organisierten Handel mit Tierbabys aus Osteuropa? 

Leider ja, und zwar mit steigender Tendenz. Die Welpen kommen aus Ungarn, Polen, Tschechien und der Slowakei. Es handelt sich meist um Rassen, die gerade in sind. Die Niederlande und Belgien agieren dabei als Transit- und Umschlagsländer für die armen Wesen, die aus so genannten Vermehrerstationen stammen.

Die Hundemütter sind nichts anderes als Gebärmaschinen, die ohne Unterlass Welpen produzieren. Sie leben unter erbärmlichen Bedingungen und werden später – wenn ausgelaugt – entsorgt.  Die Welpen werden den Müttern viel zu früh entrissen, sind oft krank, traumatisiert und in keiner Weise sozialisiert. Spätere Besitzer geraten in einen Strudel von Verzweiflung – man will dem Tier ja helfen – und die Tierarztkosten explodieren meist.  

Nicola Förg

Lohnt sich das Geschäft für die Welpendealer? Und was riskieren sie, wenn sie erwischt werden?

Allerdings, der illegale Tierhandel ist nach dem Waffen- und dem Drogenhandel das lukrativste Geschäft und fällt aufgrund seiner festen Struktur und des länderübergreifenden Netzwerkes unter die organisierte Kriminalität. Betrug, Korruption, Tierquälerei sind darin ebenso enthalten wie Körperverletzung, Bedrohung und Erpressung. Das Internet macht das Geschäft zudem einfach, die einschlägigen Börsen sind voll von süßen Welpen.

Die Dealer werden immer gerissener: die Annoncen klingen seriöser, schlechtes Deutsch wird vermieden, und verräterische Billigangebote werden durch höhere Preise ersetzt. Diese mafiösen Zirkel zu sprengen ist sehr schwer, doch in den letzten Jahren sind die Behörden sehr aktiv. Da mittlerweile Haftstrafen verhängt wurden, die über einem Jahr hinausgehen, werden die Taten als Verbrechen definiert. 

 

Sie haben wie immer gründlich recherchiert, bevor Sie Irmi Mangold und Kathi Reindl auf diesen Fall angesetzt haben. Wer hat Ihnen dieses Mal als Experte zur Seite gestanden?

Ich hatte mit Birgitt Thiesmann von VIER PFOTEN und Tessy Lödermann, Vizepräsidentin des Bayerischen Tierschutzbundes großartige Expertinnen. Beide haben seit Jahren mit diesem relativ neuen Zweig der organisierten Kriminalität zu tun. Birgitt Thiesmann war selbst in Vermehrerstationen in Osteuropa (wie sie auch Irmi Mangold in meinem Krimi in Ungarn kennenlernt), um das Leid zu dokumentieren und mit Hilfe der örtlichen Tierschützer und der Polizei die Hunde dort herauszuholen. Tessy Lödermann ist auch in der Hinsicht involviert, dass sie – fliegen solche Transporte auf – die sicher gestellten Welpen händeringend in den Tierheimen unterzubringen sucht. Aber das sind oft Hunderte kranker Tiere – wohin damit? 

Scharfe Hunde

Ein Alpen-Krimi kann noch viel mehr… Spannung, alpenländische Kultur & kritische Töne

 

Den ersten Toten gibt es in einer eindrucksvollen Szene bei einem Bulldoggtreffen in Ohlstadt. Man merkt, Sie kennen die Gegend, die Menschen – und auch die Traktoren?

Was die Bulldogs betrifft, haben wir selber drei: ein großes Arbeitstier und zwei Oldtimer, mit denen wir auch auf Bulldoggtreffen fahren. Es ist immer sehr hilfreich und charmant, genau hinzusehen und vor allem hinzuhören. Festzelte wie beim Buchinger Viehmarkt oder beim Gauschützenfest in Prem, Trachtenumzüge und Oldtimerrundfahrten sind Füllhörner für echte Typen und treffende Dialoge.

 

Es geht aber auch nach Ungarn?

Ja, ich war – und bin in weit geringerem Umfang als früher – Reisejournalistin. Die meerglatten Weiten der Puszta waren für mich lange Jahre eine Art zweite Heimat. Man kann nur das beschreiben, was man selber mit dem Herzen gesehen hat.

 

Die Todesarten kann man ja – mit schwarzem Humor – als „orginell“ bezeichnen?

Die Kommissarinnen haben in der Tat zu tun! Eisenhut ist hochgiftig und steht dennoch in vielen Gärten. Das macht die Tätersuche schwierig und gefährlich. Ein fiktiver Tollwutfall zeigt uns zudem auf, dass wir uns in Mitteleuropa nicht in Sicherheit wiegen sollte, gelten solche Krankheiten doch als ausgerottet.

Die »Scharfen Hunde« malen auch gruselige Szenarien – ein Krimi  bleibt ein Krimi. Und Irmi Mangold gerät immer wieder in brenzlige Situationen, denn manche Schurken glaubt man oft fälschlicherweise auf den ersten Blick als solche zu erkennen… Andere erkennt man erst sehr viel später, oft gemeinsam mit der ebenfalls bass erstaunten Kommissarin!

Mit einer gewissen »CoolCard« kommen auch die jüngsten Entwicklungen in der Tourismusbranche zur Sprache und sorgen für reichlich Aufruhr in Irmi Mangolds Ermittlungsgebiet… 

»All Inclusive«-Karten gibt es ja in vielen Alpenregionen. Die Konzepte sind unterschiedlich, die einen kauft man für eine bestimmte Anzahl von Tagen, die anderen sind gratis, die Zusatzkosten werden über die höheren Übernachtungspreise hereingeholt. Für die Gäste ist alles, was umsonst ist, sehr verführerisch, aber auf der anderen Seite stehen eben auch Menschen, die nur noch einen Bruchteil ihres Normalpreises für ihr Angebot bekommen.

Manche Nutzer dieser Karten grasen sie regelrecht ab, versuchen so viel wie möglich mitzunehmen und sonnen sich am Abend darin, wie viel sie gespart haben. »Koscht nix« bringt nicht unbedingt das Beste im Menschen hervor, wir sind auch hier mitten drin in der Geiz-ist-geil-Mentalität.  Und wo es um viel Geld geht und Eitelkeiten der Macher solcher Karten, gibt es natürlich auch jede Menge Mordmotive…

Auch mit diesem Krimi werden Sie wieder ausgiebig auf Lesereise gehen. Mit dabei ist oft die Schauspielerin Michaela May, die auch Ihre Hörbücher einliest. Machen diese Team-Lesungen Spaß?

Unbedingt! Es ist auch für mich immer wieder faszinierend, wie eine arrivierte Schauspielerin die unterschiedlichen Rollen besetzt und die Figuren zum Leben erweckt. Ich habe dann immer mehr den Part der Erzählerin, die über den Fortgang der Handlung plaudern darf und manchmal lesen wir auch Passagen mit verteilten Rollen. Eine runde G´schicht!


Nicola Förg

Nicola Förg, Bestsellerautorin und Journalistin, hat mittlerweile 17 Kriminalromane verfasst, an zahlreichen Krimi-Anthologien mitgewirkt und 2015 einen Islandroman vorgelegt. Die gebürtige Oberallgäuerin, die in München Germanistik und Geografie studiert hat, lebt heute mit Familie sowie Ponys, Katzen und anderem Getier auf einem Anwesen in Prem am Lech – mit Tieren, Wald und Landwirtschaft kennt sie sich aus. Sie bekam für ihre Bücher mehrere Preise für ihr Engagement rund um Tier- und Umweltschutz. 

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