Günter Schabowskis Zettel und der Fall der Berliner Mauer


Ein Zettel der Geschichte schrieb

Die Notizen, die Günter Schabowski bei der legendären Pressekonferenz am 9. November 1989 dabei hatte, gehören zu den 100 Objekten, die deutsche Geschichte geschrieben haben. Erst 2015 ist das lange verschollene Original wieder aufgetaucht.

Ein Auszug aus dem Buch »Deutsche Geschichte in 100 Objekten« von Prof. Dr. Hermann Schäfer.

Pressekonferenzen wollen gut vorbereitet sein – das lehrt jedes Handbuch der Pressearbeit. Günter Schabowskis handschriftliche Notizen für diese Pressekonferenz sind nicht umfangreich, haben fünf klar durchnummerierte Punkte, enthalten noch etliche, offensichtlich nachgetragene Punkte und werden am Ende immer unübersichtlicher, auch unleserlicher. Schabowski war 60 Jahre alt und hatte genug Lebens- sowie politische Erfahrung, um eine Pressekonferenz durchzuführen; auch hatte er Journalismus studiert.

Aber an diesem Tag lief alles für ihn schief – für die deutsche Geschichte aber sensationell.

Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, Bonn;

Seit drei Tagen war er in der neu geschaffenen Funktion eines Sekretärs des ZK der SED für Informationswesen eine Art Regierungssprecher der DDR. Dies war seine zweite Pressekonferenz, und überhaupt war diese Art von Öffentlichkeitarbeit in der Geschichte der DDR ebenso ein Novum wie die Tatsache, dass das Staatsfernsehen diese Pressekonferenz ab 18 Uhr live aus dem Internationalen Pressezentrum in der Berliner Mohrenstraße übertrug.

Bis kurz vor 19 Uhr verlief alles völlig unspektakulär, sogar eher langweilig. Die Pressekonferenz sollte auch nicht länger als bis 19 Uhr dauern, jedenfalls hatte sich Schabowski dies so notiert und vorgenommen. Aber um 18.53 Uhr stellte der italienische Agenturjournalist RiccardoEhrmann (ANSA) die Frage nach dem neuen Reisegesetz. Sie bewegte die DDR-Bürger damals am meisten, sie war das Thema.

Wer die Übertragung live sah, erlebte mit, wie Schabowski mitteilte: »Privatreisen nach dem Ausland können ohne Vorliegen von Voraussetzungen (Reiseanlässe und Verwandtschaftsverhältnisse) beantragt werden.« Er zögerte selbst bei seinem Vortrag, wurde aber bereits mit der nächsten Frage konfrontiert, ob dies auch für Westberlin gelte. Seine Antwort: »Also, doch, doch«, und »Das tritt nach meiner Kenntnis ... ist das sofort, unverzüglich«.


Die Agenturen »überschlugen« sich mit ihren Meldungen.  Die ARD-Tagesschau meldete um 20 Uhr: »Die Grenze ist offen«,und in den Tagesthemen formulierte Hanns Joachim Friedrichs um 22.42 Uhr: »Die DDR hat mitgeteilt, dass ihre Grenzen ab sofort für jedermanngeöffnet sind, die Tore der Mauer stehen weit offen.« Ein trüber Herbstdonnerstag wurde für jeden Menschen, der ihn bewusst erlebte, unvergesslich. Das »folgenreichste Versehen der deutschen Fernsehgeschichte«(SpiegelOnline) nahm seinen Lauf.

Mehr dazu, wie es zu diesem entscheidenen Fehler kam,  in »Deutsche Geschichte in 100 Objekten«

 


 Bildnachweis: „Bundesarchiv Bild 183-1989-1109-030, Berlin, Schabowski auf Pressekonferenz“ von Bundesarchiv, Bild 183-1989-1109-030 / Lehmann, Thomas / CC-BY-SA 3.0. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 de über Wikimedia Commons - commons.wikimedia.org/wiki/File:Bundesarchiv_Bild_183-1989-1109-030,_Berlin,_Schabowski_auf_Pressekonferenz.jpg

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Buchblog: Am Mittwoch, 04. November 2015 von Piper Verlag

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