Die Krimis von Gisa Pauly


Mamma Carlotta ermittelt auf Sylt

Schon lange ist Mamma Carlotta der Meinung, dass ihr Schwiegersohn, Kriminalhauptkommissar Erik Wolf, viel zu langsam Auto fährt. Sie selbst ist eher von der schnellen Sorte. Aber illegale Rennen auf Sylt? Das geht dann doch zu weit. Erst recht, als bei einem dieser Rennen ein Leichenwagen verunglückt. Und ein Sarg heraus­fällt, dessen Inhalt sogar für Eriks gute Nerven zu viel ist.
Mamma Carlottas Neugier ist geweckt und sie beginnt sogleich, Erkundigungen einzuholen – ohne zu ahnen, dass sich hinter dem Ganzen ein gefährliches Geheimnis verbirgt ...


Sylt-Krimis


In den turbulenten Sylt-Krimis von Gisa Pauly prallt das Temperament von Mamma Carlotta auf die Mentalität der Inselbewohner, vor allem aber mischt sich die Italienerin immer wieder in die polizeilichen Ermittlungen ihres friesisch-wortkargen Schwiegersohns ein. Wer Rita Falk und den Eberhofer mag, wird auch von Mamma Carlotta begeistert sein.


Reihenfolge der Mamma-Carlotta-Serie von Gisa Pauly

Vom ersten Fall »Die Tote am Watt« bis zum aktuellen Krimi  - die Sylt-Krimis von Gisa Pauly in chronologischer Reihenfolge:


Gisa Pauly Über ihr Sylt

Gisa Pauly erzählt dem Revolverblatt, was ihr die Insel Sylt, auf der all ihre Krimis mit der temperamentvollen Hobbyermittlerin Mamma Carlotta spielen, bedeutet.

Revolverblatt: Welche Bedeutung hat Sylt für Sie?

Gisa Pauly: Meine Begeisterung für die Insel ist 1972 in einem Familienurlaub entstanden. Natürlich ist Sylt heute nicht mehr nur ein Ferienort, sondern auch Arbeitsplatz für mich: Seit ich die Sylt-Krimis verfasse, nimmt das Schreiben die meiste Zeit auf der Insel in Anspruch. Ich sorge aber dafür, dass das Genießen der Insel trotzdem nie zu kurz kommt.


RB: Was unternehmen Sie eigentlich auf Sylt, wenn Sie nicht schreiben?

GP: Fahrrad fahren! Als Münsteranerin liebe ich es, über die Insel zu radeln. Mein Tipp für Sylt-Besucher: Strandspaziergänge, immer an der Wasserkante entlang, danach in einem Strandbistro einkehren und aufs Meer blicken. Abgesehen vom Fahrradfahren gibt es nichts Erholsameres!


RB: Was macht Sylt für Sie so besonders?

GP: Seine Vielfältigkeit! Man kann dort Jubel und Trubel genauso wie Einsamkeit und absolute Ruhe finden. Sylt ist nie eintönig und immer in Bewegung. Deshalb empfinde ich die Insel als ein Kunstwerk, das stets neu geschaffen wird.


RB: Was macht es so spannend, eine temperamentvolle Italienerin wie Mamma Carlotta auf Sylter Zurückhaltung treffen zu lassen?

GP: Mamma Carlottas laute Fröhlichkeit und ihre Fähigkeit, aus Kleinigkeiten ein Fest oder gar eine Tragödie zu machen, bilden einen tollen Kontrast zu Sylt. Das Reizvolle für mich daran: dass die beiden Mentalitäten, so verschieden sie sind, sich bereitwillig aufeinander zubewegen und sich bemühen einander anzupassen. Das kann rührend und sehr emotional sein!



Buon appetito – jetzt kocht Mamma Carlotta!

Die besten Rezepte von Mamma Carlotta.

Von Amarettinikuchen bis Zuppa veloce - geheimsten Familienrezepte, gespickt mit den schönsten Anekdoten von der besten italienischen Köchin von ganz Sylt!


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Alle Mamma Carlotta-Krimis:

Kurzkrimi von Gisa Pauly – Mama Carlotta ermittelt in »Pollo Marengo«

Mama Carlotta ist auf der Suche nach einem verschwundenen Rezept. Dieses gibt’s am Ende des Kurzkrimis zum Nachkochen.

Pollo Marengo
Erik Wolf strich lange über seinen Schnauzer, bis er wusste, was er sagen wollte: »Du lädst uns zum Essen ein? In ein Restaurant?«
»Sì, Enrico! Warum nicht?« Mamma Carlotta tat so, als wäre es das Normalste der Welt, die Küche kalt zu lassen und auswärts zu essen. In Wirklichkeit waren ihre Restaurantbesuche an einer Hand abzuzählen, und ihre Witwenrente reichte gerade aus, um gelegentlich ein Flugticket von Umbrien nach Sylt zu kaufen.  
»Da steckt doch was anderes dahinter«, mutmaßte Erik, der als Sylter Kriminalhauptkommissar von Natur aus misstrauisch war. »Weißt du eigentlich, was ein Essen im ‚Pollo Marengo‘ kostet?«
Mamma Carlotta wurde nervös. Und wie immer, wenn sie sich durchschaut fühlte, redete sie so lange von etwas anderem, bis sie hoffen konnte, dass die Frage, die sie nicht beantworten wollte, vergessen worden war. Bei ihrem Dino, Gott hab ihn selig, hatte das immer funktioniert, bei Erik klappte es leider nicht.
»Hast du im Lotto gewonnen?«, setzte er nach, als sie weitschweifig auf die Verteuerungen im Allgemeinen und die Kostenexplosion in der Friedrichstraße ausgewichen war. Es half also nichts, sie musste mit der Wahrheit heraus. Das hatte ihre Schwägerin am Ende ihres langen Telefonats ohnehin vorgeschlagen. »Enrico ist un Commissario! Der kann uns helfen!«
Doch Carlotta wusste aus leidvoller Erfahrung, wie korrekt Erik mit Recht und Gesetz umging. Für eine Italienerin heiligte der Zweck jedes Mittel, aber für Erik reichte nicht einmal ein Indiz. Nein, für ihn mussten Beweise her. Dabei war Cesare praktisch überführt, da war Carlotta mit der Frau ihres Bruders sofort einer Meinung gewesen.
»Das Rezept ist weg! Gestohlen!«, hatte Rosamunda berichtet. »Das geheime Rezept der Cicalas, das immer am Tag der Hochzeit auf die Tochter übergeht. Kurz vor der Trauung hat der Brautvater gemerkt, dass es nicht mehr an seinem Platz lag. Die Mutter der Braut hat ‚Pollo Marengo‘ ja noch aus dem Gedächtnis gekocht, aber kurz vor der Hochzeit bekam sie einen Schlaganfall und kann sich nun an nichts mehr erinnern.«
»Madonna!« Das konnte kein Zufall sein, dass Cesare, ein entfernter Verwandter der Cicalas, nach Sylt ging, um ein Restaurant zu eröffnen, und es ausgerechnet ‚Pollo Marengo‘ nannte. Dass er das gleichnamige Gericht dort anbot, wusste Mamma Carlotta inzwischen, nun musste sie nur noch herausfinden, ob es genauso schmeckte wie bei Signora Cicala. Damit wäre Cesare überführt.  
»Du willst da persönlich hin?«, erkundigte sich Erik.
»Cesare hat mich nie gesehen«, antwortete Mamma Carlotta. »Und ich kenne ihn auch nur vom Hörensagen.«
Am Abend bestellten Erik und die Kinder Spaghetti Carbonara, Mamma Carlotta ließ sich wie geplant ‚Pollo Marengo‘ vorsetzen. Schon nach dem ersten Bissen war sie sich sicher: »Das Rezept von Signora Cicala! Kein Zweifel! Cesare hat es gestohlen.«
»Das lässt sich nicht beweisen«, wehrte Erik ab. »Du erwartest hoffentlich nicht, dass das Kommissariat von Westerland sich darum kümmert.«
Mamma Carlotta hatte es ihrer Schwägerin ja gleich gesagt. Nur aufgrund einer Anschuldigung verhaftete Erik niemanden.
»Wegen eines Rezeptes?« Erik tippte sich an die Stirn. Und das tat er noch einmal, als Carlotta ihm erzählt hatte, dass ‚Pollo Marengo‘ etwas ganz Besonderes war. »Für Napoleon erfunden.«
Nach der Schlacht in Piemont habe er sich hungrig in einen Gasthof begeben, wo die Wirtin, eine Vorfahrin von Signora Cicala, für den großen Feldherrn ein Huhn briet. Sie hatte alles herbeigeholt, was es noch in ihrem Hause gab: Tomaten, Hühnerbrühe, Brot und Eier. »So ist ‚Pollo Marengo‘ entstanden.« Mamma Carlotta seufzte tief auf. »Nun ist das Rezept verloren! Dabei kommen viele Touristen extra deswegen in die Trattoria Cicala.«
»Vergiss es!«, sagte Erik. »Ich werde keine Hausdurchsuchung anordnen. Schon deswegen nicht, weil der Diebstahl in Italien geschehen ist. Die deutsche Polizei ist nicht zuständig.«
Carlotta machte gar nicht erst den Versuch, ihn umzustimmen, sie hatte nichts anderes erwartet. Es blieb ihr also nichts anderes übrig, als selbst zur Tat zu schreiten. Wenn Cesare das Rezept nicht in einem Tresor aufbewahrte, würde sie es bekommen! Rosamunda, die Cicalas, das ganze Dorf - alle bauten auf ihre Hilfe. Nein, sie durfte die Erwartungen nicht enttäuschen.
Die Kinder, auf deren Unterstützung sie gehofft hatte, winkten leider schon ab, ehe sie die beiden ins Gebet genommen hatte. »Ne, Nonna! Versuch’s gar nicht erst!« Carolin und Felix wollten keinen Ärger mit ihrem Vater riskieren. »Wenn der rausbekommt, dass wir dir bei einem Einbruch geholfen haben …«
Sie war also allein. Ganz allein mit dem Versprechen, das sie Rosamunda gegeben hatte, allein mit dem Mitleid für die Familie Cicala und mit der Frage, wie man sie in ihrem Dorf ansehen würde, wenn sie mit leeren Händen zurückkam.
Blieben also nur ihre heimlichen Freunde auf Sylt! Tove Griess, der Wirt der schmuddeligen Imbiss-Stube, und sein einziger Stammgast, der Strandwärter Fietje Tiensch, der in Käptens Kajüte seine gesamte Freizeit verbrachte. Beide waren mit dem Gesetz schon so oft in Konflikt geraten, dass es auf ein weiteres Mal nicht ankam. Das behauptete Mamma Carlotta jedenfalls, als sie sich an die Theke setzte, um die beiden zur Komplizenschaft zu überreden.
Tove und Fietje wehrten sich mit Händen und Füßen, aber nachdem sie so lange auf die beiden eingeredet hatte, dass sie gar nicht mehr wussten, worum es eigentlich ging, nickten sie schließlich, nur damit Carlotta endlich stillschwieg. Einer italienischen Mamma, die doppelt so schnell redete wie sie und dabei so heftig gestikulierte, dass man Angst um das Inventar von Käptens Kajüte bekommen konnte, waren sie nicht gewachsen.
So standen sie in der nächsten Nacht mit Mamma Carlotta hinter dem Restaurant ‚Pollo Merengo‘ und suchten nach Ausflüchten aus der leichtfertig gegebenen Zusage.
»Das ist nicht Ihr erster Bruch«, zischte Mamma Carlotta, die merkte, warum die beiden von einem Bein aufs andere traten. »Ich weiß das von meinem Schwiegersohn!«
Tove strich die Segel. »Also gut, drehen Sie sich um«, sagte er, damit die Schwiegermutter des Kriminalhauptkommissars später wenigstens reinen Herzens behaupten konnte, sie hätte nichts gesehen.
Carlotta tat, was er verlangte. Gemeinsam mit Fietje starrte sie in die finstere Nacht, lauschte auf das Rauschen des Meeres, hielt ihr Gesicht dem Wind hin und zuckte mit keiner Wimper, als in das Heulen einer Sturmbö das Geräusch von splitterndem Glas drang. Sie wandte sich erst um, als Tove sagte: »Alles klar.«
Das Fenster der Restaurantküche stand weit offen, Tove machte eine einladende Geste. »Wir wär’s mit Räuberleiter? Aber das Rezept klauen müssen Sie allein.«
Die Räuberleiter klappte erstaunlich gut, und kurz darauf huschte Mamma Carlotta mit einer Taschenlampe durch die Küche, während Tove und Fietje vor dem Fenster die Stellung hielten.
»Beeilung!«, hörte sie Tove leise rufen. »So ein Rezept muss doch in der Nähe des Herdes liegen!«
Er hatte recht. Direkt über dem Herd gab es ein Regalbrett mit Rezeptbüchern. Aus einem sah ein Blatt heraus, und als Mamma Carlotta es hervorzog, wusste sie, dass sie fündig geworden war. »Pollo Marengo!«  
Mit dem Blatt in der Hand huschte sie zum Fenster zurück, durch das der Wind hereinjaulte und mit den Gerätschaften klapperte. Hoffentlich holten diese Geräusche niemanden auf den Plan!
Sie kniete sich in die Fensteröffnung und starrte ängstlich auf die vier Hände, die sich ihr von unten entgegenstreckten.  
»Springen!«, forderte Tove Griess.
»Wir fangen Sie auf«, drängelte Fietje Tiensch.
Doch noch bevor sie ihren Mut zusammengenommen hatte, rief Tove plötzlich: »Polizei!« So friesisch-bedächtig die beiden sonst reagierten - wenn sie eine Uniform sahen, verschwanden sie schneller als jeder italienische Mafioso.
Erschrocken ließ Mamma Carlotta sich zurückfallen und duckte sich unter die Fensterbrüstung. Vor dem Fenster waren Schritte zu hören, dann zwei Stimmen. »Ist jemand bei Cesare eingestiegen? Das Fenster steht offen!«
Mamma Carlotta presste sich in die Dunkelheit unter dem Fenster, als sie das Scharren von Fußspitzen an der Hauswand hörte und ein Schatten auf den Fußboden fiel. Ein Mann spähte über die Fensterbank!
Doch dann verschwand er wieder, und jemand sagte: »Ich sehe nichts. Wir müssen durch den vorderen Eingang.«
Anscheinend hatten die beiden noch nichts von einer Räuberleiter gehört, was Mamma Carlottas Herz mit Dankbarkeit erfüllte. Kaum hatten die Schritte sich entfernt, kletterte sie erneut auf die Fensterbank, das Rezept in ihren zitternden Händen, und ließ sich, diesmal ohne lange nachzudenken, zur Erde plumpsen. Sie landete auf allen vieren, richtete sich stöhnend auf, wollte das Rezept an ihr Herz drücken und ein Dankgebet an den Schutzheiligen ihres Dorfes richten … da wurde es ihr von einer Bö aus der Hand gerissen. Bis zum Gartenzaun hetzte sie ihm nach, aber der Wind war zu heftig und zu unberechenbar. Fassungslos sah sie dem Rezept nach, wie es an der Hausecke des Nachbarn aufgewirbelt wurde und kurz darauf in einer Baumkrone verschwand. »Madonna!« Alles war umsonst gewesen! Nun war das Rezept ein für alle Mal verloren! Das Andenken an Napoleon! Die Attraktion der Trattoria Cicala!
Mutlos schlich sie davon. Ihre Mission war gescheitert. Ein dreister Diebstahl würde ungesühnt und ihr selbst der Dank und die Anerkennung ihres Dorfes verwehrt bleiben.  
Zwei Tage quälte sie sich mit der Niederlage herum, dann glaubte sie, dass ein Besuch in Käptens Kajüte sie aufheitern könnte. Schon vor der Tür merkte sie, dass etwas anders war. Der Geruch! Sonst drangen die Schwaden von mehrfach benutztem Frittierfett nach draußen, jetzt duftete es nach … Mamma Carlotta konnte den Gedanken nicht zu Ende denken und riss die Tür auf. Entgeistert starrte sie das Schild an, das über der Theke hing. ‚Heute Napoleons Leibgericht!‘
Tove Griess grinste breit. »Ich hätte nie gedacht, Signora, dass es Ihnen mal die Sprache verschlagen könnte.«
Er hatte auch noch nie erlebt, dass Mamma Carlotta stotterte: »Wie … kommen Sie … zu dem Rezept?«
»Es hing im Baum hinter dem Haus«, entgegnete Tove.
»Aber seine Gäste«, mischte Fietje sich ein, der an seinem Stammplatz hockte, »wollen nur Pommes und Currywurst. Dieses Pollodingsbums ist ein Ladenhüter.«
Mamma Carlotta hatte ihre Sprache noch immer nicht wiedergefunden. Ohne ein Wort streckte sie die Hand aus. Tove verstand, holte das reichlich ramponierte Rezept unter der Theke hervor und reichte es ihr. »Der Besitzer von diesem piekfeinen Restaurant war übrigens gerade hier.«
»Cesare?«, fragte Mamma Carlotta. »Hat er etwa gemerkt, dass Sie hier ‚Pollo Marengo‘ anbieten?«
Tove nickte, während er nach dem Rotwein suchte, den Mamma Carlotta gerne trank. »Der hatte tatsächlich die Stirn, mir mit Anzeige zu drohen!«
Mamma Carlotta starrte den Wirt entsetzt an. »Cesare glaubt, dass Sie ihm das Rezept gestohlen haben?«
»Habe ich aber nicht!« Tove schien sich in seinem reinen Gewissen sehr wohlzufühlen, ein Genuss, in den er selten kam. »Und dann habe ich ihm von einer Signora erzählt, die aus einem Dorf stammt, in dem ebenfalls Napoleons Leibgericht angeboten wird. Komischerweise hat er von da an nicht mehr von Polizei geredet.« Er goss ein Glas Rotwein für Mamma Carlotta ein und prostete ihr zu. »Geht aufs Haus!«


Rezept: Pollo Marengo (für 4 P.)


Zutaten:

1 Brathühnchen (etwa 1,2 kg), Olivenöl, Salz, Pfeffer, 2 Knoblauchzehen, 2 geschälte Tomaten oder 1 El Tomatenpüree, 100 ml herber Weißwein, 100 ml konzentrierte Hühnerbrühe, 150 g frische Zwiebeln, 12 Perlzwiebelchen, 3 El Butter, 2 Scheiben Toastbrot, 4 Eier, 1 Messerspitze Fleischextrakt, 1 El geh. Petersilie. Signora Cicala fügte noch 150 g frische Pilze und 4 Süßwasserkrebse bei.

Das Brathuhn in 4 Teile schneiden, Olivenöl erhitzen. Die Teile darin ringsum anbraten und mit Salz und Pfeffer bestreuen. Die Flügel und die Bruststücke aus der Kasserolle nehmen. Die Schenkel halb zugedeckt bei kleiner Hitze 5 Min. weiterbraten. Die Schenkel aus der Kasserolle nehmen, etwas Öl abgießen und die kleingeschnittenen Tomaten oder das Tomatenpüree und den zerdrückten Knoblauch hineingeben. Einige Minuten anziehen lassen. Mit Weißwein ablöschen, kurz einkochen, dann die Hühnerbrühe zufügen. (Signora Cicalas besonderer Kniff ist es, mit Madeira abzulöschen, was sie bis jetzt niemandem verraten hat.) Unterdessen die geputzten Pilze vierteln. Mit den geschälten Perlzwiebeln in einem zweiten Topf in 1 El Butter knapp weich dünsten. Das Fleisch wieder zu den Tomaten geben. Zugedeckt 15 Min. schmoren. Die Toastscheiben diagonal halbieren und in der verbliebenen Butter goldgelb rösten. Das restliche Olivenöl erhitzen.
Die Eier in einer Tasse aufschlagen, mit Salz und Pfeffer würzen und in das heiße Öl gießen. Mit einem Löffel rasch das Eiweiß auf das Eigelb zurückschlagen und mehrmals mit heißem Öl begießen. Sobald das Eiweiß fest wird, die Eier warm stellen. Die Fleischstücke aus der Kasserolle nehmen und ebenfalls warm stellen.
Die Sauce etwas einkochen lassen und mit Salz, viel Pfeffer aus der Mühle und Fleischextrakt abschmecken. Sauce, Perlzwiebeln und Pilze auf den Fleischstücken anrichten und das Gericht mit den frittierten Eiern, den Buttercroutons und Krebsen garnieren und mit gehackter Petersilie bestreuen.


Mamma Carlottas Rezepte

Wiebke staunte sie an. »Wie Ihnen das mit dem Kochen von der Hand geht, Signora! Wahnsinn !«
Mamma Carlotta ist eine begnadete und begeisterte Köchin der italienischen Küche. Hier finden Sie drei leckere Rezepte von Mamma Carlotta zum Nachkochen. Weitere leckere Rezepte finden Sie in allen Büchern von Mamma Carlotta.


Crema di Porcini ( Steinpilzsuppe ) – 4 Personen

500 g frische Steinpilze, 4 EL Olivenöl, 1 mittelgroße gehackte Zwiebel, 1 l Rinderbrühe, 4 EL Crème fraîche, Salz, frisch gemahlener schwarzer Pfeffer
Für die Croutons: 2 Scheiben Toastbrot, 1 EL Butter

Guido, mein Ältester, geht gelegentlich in den Wald, um Pilze zu sammeln. Wenn er keine Zeit hat oder keine finden konnte, nehme ich auch getrocknete Pilze.
Allora ... die Pilze müssen gesäubert und gewürfelt werden. Dann das Öl in einem Topf erhitzen und die Zwiebelwürfel glasig werden lassen. Die Pilze darin 6 Minuten dünsten. Mit der Brühe aufgießen und 20 Minuten köcheln lassen. Dann alles pürieren und die Crème fraîche unterrühren. Mit Salz und Pfeffer abschmecken und wieder erhitzen. Ma ... molto lentamente. Sie verstehen? Ganz langsam.
Für die Croutons das Brot in Würfel schneiden und in der Butter
braten. Basta!


Tagliolini Primavera ( Tagliolini mit Pesto ) – 4 Personen

400 g Nudelteig – selbst gemacht oder Bandnudeln aus dem Frischregal – dazu gehackte Kräuter: 2 EL Koriander, 2 EL Petersilie, 1 EL Dill, 1 EL Salbei, 2 EL Basilikum, 30 g Pinienkerne, 2 EL Olivenöl,
100 g Butter, 1 Knoblauchzehe, 30 g frisch geriebener Parmesan, Salz, frisch gemahlener Pfeffer

Sie kennen mich, ich mache den Nudelteig gern selber. Meine Tochter und meine Schwiegertochter kaufen meist die fertigen Bandnudeln. Und ich gebe zu: Die sind auch sehr gut.
Allora ... die Kräuter mit den gehackten Pinienkernen und dem Öl zu einem Pesto vermischen. Die Butter in einer Pfanne zergehen lassen und den Knoblauch hineingeben. Die Nudeln in Salzwasser
kochen, abgießen und dabei etwas von dem Nudelwasser zurückbehalten. Den gehackten Knoblauch zusammen mit der Butter unter den Pesto mischen. Parmesan, Salz und Pfeffer und ganz wenig von dem heißen Nudelwasser zugeben, damit die Soße sämig wird. Den Pesto gut unter die Nudeln mischen und auf vorgewärmten Tellern servieren. Schnelle Küche! Ma buono!


Profiteroles - 6 Personen
150 g Mehl, 250 ml Wasser, 1 Messerspitze Salz, 3 Eier, 1 Tafel Zartbitterschokolade, 1 Tafel weiße Schokolade, 250 ml Sahne, 1 Päckchen Vanillepuddingpulver, 500 ml Milch, 2 EL Rum

Wenn Sie einen Mann verführen wollen, ist das die richtige Methode. Einer Frau, die gute Profiteroles macht, kann kein Mann widerstehen. Wasser aufkochen, Salz dazugeben, dann von der Herdplatte nehmen und das Mehl und die Eier einrühren, bis eine klebrige Masse entstanden ist und sich der Teig leicht vom Topf des Bodens löst. Mit 2 Esslöffeln kleine Portionen auf ein Backpapier geben und bei höchster Temperatur 20 Minuten backen. Inzwischen Pudding kochen und in 2 Teile teilen. Noch im heißen Zustand in den einen Teil die weiße Schokolade geben und in den anderen die Zartbitterschokolade. Ab und zu umrühren, bis der Pudding kalt ist. Sahne schlagen und je die Hälfte unter den Pudding rühren.
Das Gebäck, wenn es kalt ist, halbieren und mit der hellen Puddingmasse füllen, dann mit der dunklen Masse übergießen. Profiteroles sind wie die Sünde selbst! Unwiderstehlich!


Mamma Carlotta und die Malerei

Mamma Carlotta macht mal wieder Urlaub auf Sylt und wie es der Zufall will, erinnern sie die Begebenheiten im Krimi »Strandläufer« an eine Geschichte, die sich einmal in ihrem Heimatort Pandomino zugetragen hat:

 

>> Eine Frage des Geschmacks

In meinem Dorf in Umbrien gibt es un pittore. Einen Maler, Sie verstehen? No, kein Anstreicher! Den haben wir natürlich auch. Allora … ich meine einen Maler, der schöne Bilder pro-duziert. Viel schöner als die von Boy Lindegard, von dem im Buch »Strandläufer« die Rede ist. Der malte nämlich abstrakt, das hat mir meine Enkelin genau erklärt, und das gefällt mir nicht besonders gut. Tachismus, hat Carolina gesagt, heißt es, wenn der Maler nicht malt, was er sieht, sondern das, was er fühlt. Terribile! Wenn er wütend ist, knallt er die Farben auf die Leinwand, ist er gut gelaunt, streicht er sanft mit dem Pinsel hin und her, und das in fröhlichen Farben, wenn er sich verliebt hat. Aber sobald die Liebe vorbei ist, kleckst er graue Farbe darüber oder krakelt alles mit roten Blitzen und schwarzen Kreisen voll. Das soll Kunst sein? Non. Mai! Ricardo, der Maler in meinem Dorf, arbeitet ganz anders. Er malt Vasen mit blühenden Blumen, Obstschalen mit Weintrauben und Pfirsichen und viele Bilder von unserer schönen Landschaft.


Alle Bewohner unseres Dorfes lieben Ricardos Bilder, es gibt kein Haus, in dem nicht mindestens ein Gemälde von Ri-cardo hängt. Leonarda war die Einzige, die Ricardos Bilder nicht mochte. Vielleicht lag das daran, dass sie nicht in Panidomino geboren und aufgewachsen war. Sie hat am Comer See gewohnt, ehe sie Sandro kennenlernte, der damals gerade die Wäscherei seines Vaters übernommen hatte. Seinetwegen war sie nach Panidomino gekommen, und zunächst dachte man, sie wären verlobt, doch das erwies sich schnell als Gerücht. Verliebt waren sie aber ganz sicher, das fiel sogar Signora Fantonello auf, die von Liebe nichts mehr wissen wollte, seit sie von ihrem Mann verlassen worden war.
Ach, es war schön zu sehen, wie Sandro alles tat, um Leonarda eine Freude zu machen. Er schenkte ihr Blumen, führte sie zum Essen aus und half ihr sogar bei der Wäsche. Als sie Geburtstag hatte, rechneten alle damit, dass er ihr einen Ring schenken würde. Aber Sandro sagte, er habe sich etwas viel Besseres ausgedacht. Madonna, das hatte er wirklich! Ein wunderbares Geschenk! Fantastico!

Er bat Ricardo, ein Bild zu malen. Extra für Leonarda! Man stelle sich das vor! An dem Tag vor ihrem Geburtstag traf ich Sandro zufällig. Er kam aus Ricardos Atelier und trug etwas Großes, Viereckiges bei sich. Zweifelsohne ein Gemälde! Aber natürlich unter einer Decke verborgen, damit niemand das Bild sah und Leonarda etwas verriet. Mir hat er es aber doch gezeigt. Sandro weiß ja, wie verschwiegen ich bin. Veramente! Vor allem, wenn es um Amore geht, sind meine Lippen versiegelt.
Das Bild war … meraviglioso! Viele rote Herzen vor einem wolkenlosen Himmel, dazwischen ein paar weiße Tauben, eine davon mit einem Brief im Schnabel. Ein Firmament der Liebe! Darunter der Berg, auf dem Panidomino liegt, und in der Ecke rechts unten ein paar Weinflaschen von Signor Rometti, dem Besitzer des größten Weinbergs in der Gegend. Er verwendet auffällige blaue Etiketten, an denen der Wein aus seiner Produktion sofort zu erkennen ist. Gelegentlich schenkt er Ricardo eine Leinwand oder ein paar Eimer Farbe, damit seine Schaffenskraft nicht versiegt, und Ricardo sorgt als Gegenleistung dafür, dass Signor Romettis Wein überall bekannt wird. Aber wenn man das vergisst, stören die blauen Etiketten nicht weiter. Das Bild war ein Meisterwerk, so viel war klar.

Sandro kehrte am nächsten Tag mit stolzgeschwellter Brust von Leonardas Geburtstagsfeier zurück. »Hat sie sich gefreut?«, habe ich ihn gefragt, obwohl diese Frage natürlich überflüssig war. Welche Frau freut sich nicht über ein solches Geschenk, über ein Bild, das nur für sie gemalt worden war!
Aber dann wurde ich zufällig Zeuge eines Telefongesprächs. Leonarda lief mit ihrem Telefonino durch den Weinberg von Signor Rometti, während ich ein paar Rebstöcke weiter den Weg zum Olivenbauern einschlug. Was konnte ich dafür, dass ich jedes Wort verstand? Keiner kann mir vorwerfen, ich hätte gelauscht. Mio Dio, sie hätte ja auch leiser reden können … Aber laut und vernehmlich hat sie von Kitsch gesprochen und davon, dass sie ein derart hässliches Bild in ihrem Leben noch nicht gesehen hätte. Sie müsse sich sogar überlegen, ob sie mit einem Mann, der einen derart schlechten Geschmack bewiesen habe, überhaupt zusammen sein wolle. Madonna, wie kann man nur so undankbar sein! Ich konnte Leonarda wirklich nicht verstehen!

Lange habe ich überlegt, ob ich Sandro die Wahrheit sagen sollte. Aber ich entschloss mich dann doch zu schweigen, obwohl mich jedes Mal, wenn ich ihn traf, Zweifel überkamen, ob ich richtig handelte. Dann aber vergaß ich die Angelegenheit, weil eine andere Sensation unser Dorf aufrüttelte: Bei Leonarda war eingebrochen worden! Jemand war über ihren Balkon in die Wohnung eingedrungen und hatte das schöne Bild gestohlen, das Ricardo extra für sie gemalt hatte. Sonst war noch alles an seinem Platz, der Dieb hatte es augenscheinlich auf dieses Bild abgesehen.
Ricardo erhöhte daraufhin die Preise für seine Gemälde, weil er fand, dass dieser Diebstahl ein Beweis dafür war, wie hoch seine Kunst geschätzt wurde. »Wenn ich tot bin, Carlotta«, sagte er zu mir, »wird das Stillleben über deinem Sofa Tausende wert sein. Vielleicht sogar Millionen.«
Ich liebe das Bild mit den roten Tulpen in der goldenen Vase, aber … Millionen? Das konnte ich nicht recht glauben.


Von allen Seiten wurde Leonarda tiefes Mitgefühl entgegengebracht. Sogar die Polizei kam zu ihr und sicherte ihr zu, alles zu tun, um den Dieb zu fangen. Aber es gab keine Spuren und keine Verdächtigen, und so musste Leonarda sich damit abfinden, dass Sandros wunderbares Geschenk verloren war. Sie beteuerte überall, dass der Verlust ihr das Herz zerriss, dass sie aber stark sein müsse und sich damit abfinden wolle. Doch dass Leonarda von Kitsch gesprochen hatte, konnte ich noch nicht vergessen, obwohl ich mir große Mühe gab.

Ein Jahr verging, und noch immer waren Leonarda und Sandro nicht verheiratet. Es hieß, er habe schon einige Anträge gemacht, aber Leonarda bisher nur mit »vielleicht« geantwortet. Warum sie zögerte, konnte niemand verstehen.
Dann stand wieder ihr Geburtstag vor der Tür. Was würde sich Sandro diesmal einfallen lassen, um Leonardas Herz zu erobern? Zum Glück waren auch alle Nachbarinnen eingeladen worden und eine wie die andere besonders pünktlich erschienen. Jede wollte dabei sein, wenn Sandro kam und sein Geschenk überreichte. Würde es diesmal ein Verlobungsring sein?
Ich blickte zufällig aus dem Fenster, als er aufs Haus zukam. In den Händen hielt er ein großes, in Geschenkpapier gewickeltes Viereck. Mich beschlich ein banges Gefühl, und Leonarda schien es ähnlich zu gehen. Sie wurde blass, als sie Sandro die Tür öffnete, und fragte, kaum dass er sie umarmt, geküsst und ihr gratuliert hatte: »Was ist das für ein Geschenk?«
Sandro lächelte geheimnisvoll. »Darauf kommst du nie.«
Leonarda allerdings sah so aus, als käme ihr durchaus eine Ahnung. Und ich bin sicher, dass ich außer ihr die Einzige war, der ebenfalls etwas schwante.
Als Leonarda das Geschenkpapier entfernt hatte, sank sie blass und zitternd in einen Sessel. Sandro glaubte natürlich, dass sie von Freude überwältigt worden war, und behandelte sie wie eine Schwerkranke. Vorsichtig nahm er ihr das Bild ab und hängte es auf den Haken, den er vor einem Jahr für eben dieses Bild in die Wand geschlagen hatte. Die roten Herzchen, die weißen Tauben, unser Dorf auf dem Berg und Signor Romettis Weinflaschen – alles wie vor einem Jahr.
»Anscheinend hat der Dieb es gleich an den nächsten Kunsthändler verkauft«, klärte Sandro seine Liebste auf, die immer noch fassungslos dasaß. »In Città di Castello habe ich es zufällig bei einem Antiquitätenhändler entdeckt und zurückgekauft. Der Inhaber des Ladens wollte mir nicht verraten, woher er es hatte, aber das muss man wohl verstehen. Er will natürlich nicht zugeben, dass er Diebesgut verkauft.«
»Du hast es zweimal bezahlt?«, flüsterte Leonarda.
Sandro griff nach ihrer Hand. »Du weißt ja, dass mir für dich nichts zu teuer ist.« Und dann sank er vor ihr auf die Knie und machte ihr einen weiteren Heiratsantrag, diesmal in der sicheren Erwartung, dass sie ihn annehmen würde.
Alle Nachbarinnen suchten schon nach ihren Taschentüchern, Leonardas Mutter kam aus der Küche und begann zu weinen, ihr Vater suchte bereits nach einer gut gekühlten Flasche Sekt … da sagte Leonarda: »Nein!« Es gäbe unüberbrückbare Differenzen, erklärte sie zum Entsetzen aller, sie hätten in wichtigen Dingen einen unterschiedlichen Geschmack. Ich glaube, ich war die Einzige, die verstand, was sie damit meinte.

Schon zwei Tage später zog Leonarda an den Comer See zu-rück. Was aus dem Bild geworden ist? Ich weiß es nicht. Wenn Leonarda es auch Kitsch genannt hat, ich wünsche dem Bild trotzdem nicht, dass es ihm so ergeht wie dem Gemälde von Boy Lindegard. »Strandläufer« hieß es – so wie das Buch – und es hat ein schreckliches Schicksal erleiden müssen.

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