Die Krimis von Wolfgang Burger


... und seinem Kripochef Alexander Gerlach

Buchblog: Am Donnerstag, 28. September 2017 von Piper Verlag

Von »Heidelberger Requiem« bis »Die linke Hand des Bösen« - die Krimis von Wolfgang Burger in chronologischer Reihenfolge



Wolfgang Burger im Interview

»Die Depressivität skandinavischer Krimis ist nicht mein Ding.« Wolfgang Burger

Wolfgang Burger schrieb seine erste Kriminalkurzgeschichte mit zwölf Jahren und strich dafür fünf Mark ein. Danach spielte Schreiben für den studierten Ingenieur lange keine Rolle. Bis ihn das Krimifieber wieder packte. Heute ist er einer der erfolgreichsten deutschen Krimiautoren.

Herr Burger, anders als viele Ihrer Autoren-Kollegen kommen Sie nicht aus einem Berufsfeld, in dem täglich viele Zeilen zu Papier gebracht werden. Sie haben Elektrotechnik studiert und danach einen Forschungsbereich in einem Maschinenbauinstitut geleitet. Treffen da Welten aufeinander?

Ganz und gar nicht! Sowohl als Ingenieur als auch Autor konstruiert man, sorgt für logische Abläufe. Und in beiden Berufen sucht man nach kreativen Lösungen für ein Problem.

Sie haben erst mit Mitte 40 so richtig mit dem Schreiben begonnen. Oder haben Sie es wieder entdeckt?

Wieder entdeckt trifft es besser. Ich habe in meiner Jugend Kurzkrimis geschrieben, aber dann den Faden verloren. Obwohl ein Krimi sogar gedruckt wurde. Ich habe damals fünf Mark dafür erhalten. Die Lust am Schreiben schlummerte aber immer in mir.

Wie sehr prägt Ihr früherer Beruf Ihre Arbeit als Autor?

Sehr! Ich muss gestehen, dass ich als Autor ein kontrollierter Planer bin. Ich gebe mir viel Mühe beim Exposé. Ich brauche diese klare Linie. Ich mache mir sogar einen Zeitplan, oder wie wir in der Ingenieurwelt sagen:einen Projektplan (lacht).

Ihr Kripo-Chef Alexander Gerlach ermittelt in und um Heidelberg. Sind Ihre Bücher daher spannender für Leser aus der Rhein-Neckar-Region?

Nein. Die geografische Umgebung spielt in meinen Geschichten nur eine winzige Nebenrolle. Ich ärgere mich deshalb auch sehr, wenn meine Bücher im Handel als Regionalkrimis beworben werden. Denn damit wird häufig der sogenannte »Mord hinterm Gartenzaun« assoziiert – und das trifft auf die Alexander-Gerlach-Reihe überhaupt nicht zu.

Was zeichnet denn Ihre Krimis aus?

Neben der Logik sind mir mehrdimensionale Charaktere und glaubwürdige Figuren wichtig. Schwarz-Weiß-Malerei – der eine ist gut, der andere böse – mag ich nicht. Bei mir versinkt die Welt auch nie im Chaos. Depressivität, wie sie zum Beispiel in vielen skandinavischen Krimis transportiert wird, ist nicht mein Ding. Da streue ich lieber die eine oder andere humvorvolle Situation ein. Außerdem gehe ich auch immer auf private Ereignisse oder Entwicklungen im Leben des Ermittlers ein.



Kripochef Alexander Gerlach

 

»Alexander Gerlach, mein Protagonist, mogelt sich durch wie wir alle, hin und wieder ist er sogar richtig gut. Oft wächst ihm alles über den Kopf, aber irgendwie klappt es dann am Ende doch. Er hat – natürlich nicht ganz ohne Absicht – eine Menge mit mir gemein. Wie ich, ist auch er Vater von Töchtern und durchlebt alle damit verbundenen Freuden und Leiden.

Und auch mein Gerlach glaubt natürlich nicht an das Böse im Menschen, obwohl er das in Gesprächen manchmal anders darstellt. Tief drinnen trägt er nämlich dieselben Überzeugungen, denselben Optimismus wie sein Schöpfer. Dennoch möchte ich nicht in seiner Haut stecken. Ständig muss man Angst um ihn haben. Aber am Ende freue ich mich regelmäßig mit Gerlach, wenn es wider alle Erwartung noch einmal gut gegangen ist. Auch wenn es ihm wieder nicht gelang, das Böse aus der Welt, oder wenigstens Ordnung auf seinem Schreibtisch zu schaffen.«

Wolfgang Burger über seinen Protagonisten Alexander Gerlach
     
   



Über Wolfgang Burger

Wolfgang Burger
© Eckhard Waasmann


Der Ingenieur hat sich seinen großen Traum erfüllt: Er kündigte seinen Job am Karlsruher Institut für Produktentwicklung (IPEK) und widmet sich seitdem ausschließlich dem Schreiben von Kriminalromanen. Burger lebt abwechselnd in Karlsruhe und Regensburg. Zwei Mal war er schon für den Friedrich-Glauser-Preis nominiert (2006: »Heidelberger Requiem« und 2013: »Die falsche Frau«). Seine Romane stehen regelmäßg auf der Spiegel-Bestsellerliste.

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