Willkommen im Leben des Pubertiers


»Quäle nie ein Pubertier im Scherz, denn es könnte geladen sein.«

Fragen zum Leben mit Teenagern
-
Überlebenstipps für Eltern

 

Mit Teenagern haben es Eltern nicht immer leicht. Sie sind häufig unmotiviert, ständig müde oder können sich nur für weniges interessieren.

Bestseller-Autor Jan Weiler weiß, wie Teenager funktionieren und beantwortet in seinem neuen Buch »Und ewig schläft das Pubiertier« die wichtigsten Fragen, die pubertätsgeplagte Eltern haben.


Wo chatten Teenager?

 

Facebook, WhatsApp oder Snapchat - die Liste der Nachrichtendienste ist lang. Sich morgens in der Schule für nachmittags zu verabreden war mal:

 

 

Jan Weiler: Flohaffäre
© Till Hafenbrak

»Unter den teuflischen Hervorbringungen der Gegenwart nimmt WhatsApp eine Sonderstellung ein. Dieser Messenger-Dienst hält nämlich nicht nur jene auf Trab, die sich dort angemeldet haben, sondern auch sämtliche unschuldig zufällig in deren Umkreis lebende Menschen. Seit Carla bei WhatsApp angemeldet ist, werden wir ununterbrochen Zeuge ihres Mitteilungsdranges und, was noch gravierender ist, des Mitteilungsdranges ihrer ungefähr 12 000 Freunde. Wobei ich zugeben muss, dass ich auch bei WhatsApp bin. Alle mir bekannten Menschen haben diesen tosenden Kurzmitteilungsdienst installiert. Nachrichten kündigen sich durch ein Geräusch an, das in etwa so klingt wie der vergebliche Versuch einer Stubenfliege, sich aus einem Glas Pflaumenmus zu befreien, ungefähr so: ›Wwwh wwwh.‹ WhatsApp hat Facebook bei uns längst den Rang abgelaufen, was ich irgendwie seltsam finde, denn im Grunde genommen ist das ja nur SMS in etwas schicker. Unsere Tochter ist Teil von ungefähr zwanzig Gruppen mit verschiedenen Interessen, die sich ununterbrochen darüber austauschen, wer einen Feuerlöscher zum Grillabend auf der Wiese mitbringt (offenbar niemand) oder wer mit ins Kino kommt und wer den süßen Typen von der S-Bahn-Haltestelle kennt. Meine Jugend kommt ihr absurd vor, aber sie findet es völlig normal, mit ihrer Freundin Emma zu whatsAppen – und zwar während diese neben ihr auf dem Bett sitzt. Manchmal möchte ich ihr Handy gerne mit einem großen Hammer zerschmettern, dann ist Schluss mit ›wwwh-wwwh‹.«

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Wann sind Teenager Teenager?

 

Beginnt das Teenager-Alter mit dem zehnten Lebensjahr und endet mit dem 20. Geburtstag? Jan Weiler weiß, dass sich das Alter von Teenagern ändern kann - je nach aktuellem Stimmungsbild.

 

 

Carla ist inzwischen siebzehn, und manchmal ist sie auch schon vierzig. An anderen Tagen aber auch erst sechs. Ich höre immer genau hin, wenn sie nach Hause kommt und versuche anhand der Geräusche, auf ihr momentanes Alter zu schließen.

 

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Was tragen Teenager heute?

 

Trends kommen und gehen, besonders im Modebereich. Was finden Teenager cool und was brauchen sie um cool zu sein?

»Später versuchte ich vergeblich, Nick von schönen Schuhen für den Schulsport zu überzeugen. Das ist jedoch unmöglich. Er und seine Freunde tragen nur noch Sportschuhe, die an den Füßen aussehen wie Knallbonbons. Was war bitte falsch an den Modellen Samba, Gazelle und Allround?
Es gibt sie immer noch, ich zeigte sie ihm, aber er schüttelte nur mitleidig lächelnd den Kopf. Dann probierte er zunächst neongrüne, dann rosa und schließlich orange Plastiklatschen an. Er entschied sich für Letztere. Das Beste, was man über die hässlichen Dinger sagen kann, ist, dass sie für eine große Errungenschaft der zweiten Moderne stehen, nämlich einer gewissen, der allgemeinen
Metrosexualität geschuldeten Bekleidungstoleranz.
In meiner Schulzeit wäre man für solche Turnschuhe noch über den Schulhof und auf den nächsten Baum gejagt worden.«

 

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Jan Weiler - Und ewig schläft das Pubertier

Und ewig schläft das Pubertier

Jan Weiler

176 Seiten

€ 14,00 (D) | € 14,40 [A]

Chillen, relaxen, ausruhen: Willkommen im Leben des Pubertiers!

Wenn es erst einmal wach ist, hält es die Welt in Atem: Das Pubertier. Dann besticht es durch seine Begeisterungsfähigkeit für ganz schlechtes Essen und seltsame Musik. Außerdem wächst es wie Chinagras und trägt T-Shirts und Frisuren, die uns dringend etwas sagen wollen. Ansonsten allerdings ist die Kommunikation mit dem Pubertier auf ein Mindestmaß reduziert, es spricht wenig, dafür müffelt und chillt es ausgiebig. Auch spielt die Liebe eine immer größer werdende Rolle sowie natürlich die Wahl der richtigen Schuhe. Kurzum: Es wird erwachsen. Ihm dabei zuzusehen ist aufregend, lustig - und eines der letzten großen Abenteuer.

 

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Warum sind Teenager so müde und schlafen so lange? Wann sollten Teens ins Bett?

 

Dauermüde und Antriebslos. Teenager sollten früher ins Bett, das ist klar. Dies ist aber nicht der einzige Grund für ihre Müdigkeit:

 

 

»Nick erinnert mich an den berühmten Wanja aus einer Geschichte von Otfried Preußler. Wanja verpennt darin Jahre seines Lebens, die er im Wesentlichen schlummernd auf einem Ofen verbringt. Wenn er wach ist, futtert er Sonnenblumenkerne. Eines Tages steht er auf, zieht los und wird am Ende Zar von Russland. Letzteres ist von unserem Nick nicht zu erwarten, und ich will auch gar nicht, dass er Zar wird, weil Zaren historisch betrachtet eine kurze Lebenserwartung haben. Es würde mich aber freuen, wenn er mich beim Sprechen wenigstens nicht immer angähnen würde.

Forscher sprechen dieser Symptomatik einen gewissen Krankheitswert zu, manchmal ist dann die Rede von Narkolepsie, an der Nick jedoch nicht leidet. Er kann nämlich überraschend aufgeweckt sein, wenn es ihm Spaß macht oder das Wachsein sich lohnt.

Unser Arzt sagte dann auch, die ganze Sache habe bei ihm mit dem Melatoninspiegel zu tun. Und dass die Jugendlichen eben allgemein abends früher ins Bett müssten. Wenn sie dies beherzigten, sei der Spuk schnell vorbei. Es gibt auch mindestens einen sehr sympathischen Aspekt an der Dauermüdigkeit unseres Kindes, den man mit einem Zitat gut veranschaulichen kann. ›Im Kino einzuschlafen bedeutet, dem Film bedingungslos zu vertrauen‹, hat der Filmkritiker Michael Althen einmal bemerkt. Dieses Bonmot lässt sich aufs ganze Leben anwenden: Ständig einzupennen bedeutet, dem Leben bedingungslos zu vertrauen. Dies ist am Ende eine wirklich beruhigende Erkenntnis. Schlaft schön, liebe Kinder. Wenn ihr aufwacht, liegt immer noch das ganze Leben vor euch.«

 

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Wie ticken Teenager?  – Was Teens bewegt und warum sie so merkwürdig sind

 

Das Verhalten von Teenagern können sich Eltern nicht immer erklären. Dabei haben pubertäre Jugendliche durchaus fundierte Begründungen:

 

 

 

Jan Weiler: Und ewig schläft das Pubertier
© Till Hafenbrak

» ›Würdest du lieber nackt mit der U-Bahn von der Münchener Freiheit bis zum Marienplatz fahren oder in der Schulcafeteria einen Pudding vom Boden lecken?‹ Finn entscheidet sich für die U-Bahn, weil ihn dort womöglich niemand kenne. Außerdem liege auf dem Zielbahnsteig ein Mantel bereit. Die Prüfung findet er nicht so schlimm.
Klack. Toast raus, klick, Toast rein.
Finn fragt: ›Würdest du lieber eine Stunde lang auf dem Schulhof Lieder von Helene Fischer singen oder dir öffentlich mit einem Laubrechen selber ein Muster auf den Hintern ritzen?‹
Ich glaube, ich höre nicht richtig, zumal sich Nick spontan für den Rechen entscheidet. Aber die Begründung gefällt mir dann wieder: Nick kratzt sich lieber den Hintern mit einem Drahtrechen, weil er, um Lieder von Helene Fischer singen zu können, diese vorher mehrmals anhören müsse, was ihm entschieden mehr Schmerzen verursache als das bisschen Gekratze auf seinem Po.«

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© Till Hafenbrak


Wie motiviert man Teenager? Motivation für Schule und Lernen

 

Fehlende Motivation ist ein weiteres Phänomen, das Teenager quasi perfekt beherrschen - besonders an Sonntagen:

 

 

»Während an Werktagen bei Pubertieren ein steter Wechsel von einerseits geradezu katatonischer Zockerstarre und andererseits rastlosem Sporttreiben zu verzeichnen ist, wird der Sonntag im Wesentlichen dadurch gefüllt, dass Pubertiere lange schlafen, um dann etwas auszuruhen und auf der Couch zu chillen.
Zwischendurch sind sie empfänglich für Nahrung, nicht jedoch für Gespräche oder körperliche Betätigungen. Das findet der Versuchsleiter prinzipiell in Ordnung, denn die Pubertiere sind auf diese Weise wehrlos seinen Vorträgen ausgeliefert, in denen er das Nichtstun geißelt und seinen Pubertieren erzählt, dass es zu Zeiten seines eigenen Urgroßvaters so etwas wie einen Sonntag für Kinder gar nicht gegeben habe, weil sie erst in die Kirche, dann in die Sonntagsschule und schließlich in den Garten mussten, um Dicke Bohnen auszumachen. Die Pubertiere ignorieren ihn und widmen sich brummenden, zischenden und piependen Vorgängen an ihren Mobilgeräten.«

 

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                 Jan Weiler

Jan Weiler, 1967 in Düsseldorf geboren, ist Journalist und Schriftsteller. Er war viele Jahre Chefredakteur des SZ Magazins. Sein erstes Buch »Maria, ihm schmeckt’s nicht!« gehört zu den erfolgreichsten Büchern der vergangenen Jahrzehnte. Es folgten unter anderem: »Antonio im Wunderland« (2005), »Mein Leben als Mensch« (2009), »Das Pubertier« (2014), »Kühn hat zu tun« (2015) und »Im Reich der Pubertiere« (2016). Jan Weiler verfasst zudem Hörspiele und Hörbücher, die er auch selber spricht. Jan Weiler lebt bei München.


Welche Musik hören Teenager?


Geschmäcker sind bekanntlich verschieden, auch in der Musik. Doch für welche Genres begeistern sich Teenager? Von HipHop bis Schlager ist alles dabei - die Musik der Eltern von früher spielt allerdings keine Rolle:


»Untermalt von Klängen aus Nicks feiner Musiktruhe, die HipHop und Autoscooter-Techno beinhaltet. Das klang unwahrscheinlich aufregend für mich. Ich regte an, vielleicht das Musikprogramm noch durch irgendwas zu ergänzen, was Mädchen gerne hören, zum Beispiel Cat Stevens. Oder Kajagoogoo. Kannte er beides nicht und sagte, ich hätte, was Mädchen angeht, nicht genug Swag, um ihm Ratschläge zu geben. Gut, da hat er absolut recht.« [...]
»Lustige Clips, in denen sie Mäuseöhrchen haben oder in denen männliche Klassenkameraden zu sehen sind, Lieder von Helene Fischer singen. Letzteres ist sehr verstörend, denn man wünscht sich die Jugend ikonoklastisch oder wenigstens gemäßigt anarchistisch. Aber sie singen nicht Degenhardt und nicht einmal Wader, sondern Atemlos durch die Nacht. Was soll nur aus dieser Jugend werden?«

 

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Was machen Teenager in ihrer Freizeit?

 

Wie verbringen Teenager ihre Freizeit? Jan Weiler nennt zwei Beispiele, wie Teenager ihre freie Zeit nutzen und wofür sie sich interessieren.

 

 

Jan Weiler: Und ewig schläft das Pubertier
© Till Hafenbrak

»Eine halbe Stunde später störe ich sie beim Multitasking: Sie verfolgt einen YouTube-Kanal, zupft dabei ihre Wimpern, telefoniert und fertigt Hausaufgaben an. Das sind vier Tätigkeiten, die man ausgezeichnet miteinander verbinden kann.‹ […]»Da erinnerte ich sie an ein Spiel, von dem mir Nick erzählt hat. Es ist das Lieblingsspiel aller 14-jährigen Jungs bei uns in der Gegend, und es geht so: Einer sagt leise Penis , dann ist der Zweite dran und sagt etwas lauter Penis, dann wieder der Erste, wieder etwas lauter. Wer sich nicht mehr traut, hat verloren. Nick und sein Kumpel Finn spielen das immer in der S-Bahn. Jedenfalls muss man auch mal ein Wagnis eingehen, man muss mal mutig sein, man darf sich nicht alles gefallen lassen, man muss hier und da über persönliche Grenzen gehen.«

 

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Warum sind Teenager so schwierig?

 

Rebellisch, egoistisch, streitlustig - die Pubertät hat viele Facetten, wie dieser Auszug aus »Und ewig schläft das Pubertier« von Jan Weiler zeigt:

 


»Und als ich ihr bei anderer Gelegenheit mit dem Elternklassiker Immer musst du das letzte Wort haben kam, konterte sie gespielt unschuldig:
›Woher soll ich denn wissen, dass dir nichts mehr einfällt?‹ Und so ist Carla zu einem sehr starken Pubertier geworden.

Bei Bedarf kann sie sich übrigens auch blitzschnell in andere Tiere verwandeln. In ein Lamentier zum Beispiel. In ein Boykottier und besonders gerne in ein Diskutier. Als solches sucht sie regelmäßig die Auseinandersetzung mit ihrem Vater und bringt ihn nicht selten an den Rand seiner intellektuellen Möglichkeiten. Im Moment doziert sie gerne zu ihrem aktuellen Lieblingsthema, der geschlechtergerechten Sprache. Sie gendert auf Teufel komm raus. Vor Kurzem kam sie aus dem Zirkus, den sie als Begleitperson für einen Kindergeburtstag besucht hatte, und teilte mit, es habe dort Elefantinnen und Elefanten gegeben. Das schreit nach Notwehr.«

 

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Welche Pflegeprodukte nutzen Teenager?

 

Schon früh greifen pubertäre Jugendliche zu allen Mitteln, um beispeilsweise Hautunreinheiten vorzubeugen oder sich in Schale zu werfen. Teenager und Kosmetik behandelt der folgenden Auszug aus »Und ewig schläft das Pubertier« von Jan Weiler.

 

 

 

»Als ich ihn trotzdem noch darauf hinwies, dass eine astreine Körperhygiene absolute Voraussetzung für das Klarmachen von Chicks darstelle, warf er mir einen mitleidigen Blick zu und verwies auf die eindrucksvolle Batterie von Duschgelflaschen und anderen chemischen Keulen, die in unserem Badezimmer unheilvoll oszillierend auf ihren Einsatz warten.
Am Samstag um halb sieben gingen Sara und ich aus dem Haus. Nick, Finn und ihr Kumpel Aziz saßen in Nicks Zimmer vor dem Rechner und rochen wie eine Douglas-Verkäuferin.«

 

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