Corine Hartman und Tomas Ross im Interview


Ein packender Actionthriller über Politik, Mafia und Geheimpläne – und drei Geheimagenten, die einen Krieg verhindern müssen …

Corine Hartman und Thomas Ross sprechen über den Entstehungsprozess von »Operation Butterfly« und gehen hierbei besonders auf das gemeinsame Schreiben sowie auf die Entwicklung der Charaktere und Handlung ein.

Corine Hartmann
© Keke Keukelaar

1. Sie haben »Operation Butterfly« gemeinsam geschrieben. Wie kam es dazu, dass Sie zusammenarbeiten? 

 

Corine: Wir haben uns ein paar Mal getroffen, um über einen möglichen Plot zu sprechen, und es schien uns von Anfang an eine blendende Idee, gemeinsam an diesem Projekt zu arbeiten. Schreiben ist normalerweise eine sehr einsame Tätigkeit, als Team zu schreiben war deshalb eine schöne Abwechslung. Ich sah es auch als Herausforderung, und wir beide waren, denke ich, neugierig, was uns die Zusammenarbeit bringen würde.


Tomas: Außerdem ist eine männliche und weibliche Perspektive immer wichtig – nicht nur im Leben allgemein, sondern auch, was das Schreiben betrifft. Obwohl Corine aus hartem Holz geschnitzt ist, was ihre schriftstellerische Arbeit angeht, hat sie zusätzlich auch einen interessanten psychologischen Faktor in den Roman hineingebracht. Es ist also keine Überraschung, dass die weiblichen Charaktere auf ihr Konto gehen.

2. Wie kamen Sie beide überhaupt zum Schreiben? 

 

Corine: Seit ich meinen ersten Agatha Christie Roman gelesen habe, träumte ich davon Schriftstellerin zu werden. Ich habe schon immer geschrieben und Bilder dazu gezeichnet, später wurde ich Werbetexterin und Grafik Designerin. Mit Mitte Dreißig wäre ich beinahe an einer Bauchfell-Entzündung gestorben. Nachdem ich mich wieder erholt hatte, dachte ich, dass es höchste Zeit war, meinen Kindheitstraum vom eigenen Buch endlich zu erfüllen.

 

Tomas: Ich habe in den Siebzigerjahren mit dem Schreiben begonnen, genauer gesagt nach zwei einschneidenden Erlebnissen: Zum einen starb mein Vater ganz plötzlich. Er war Mitgründer des niederländischen Geheimdienstes und ein fantastischer und mysteriöser Mann, der niemals über seinen Beruf redete, was mich immer fasziniert hat. Zum anderen las ich Frederick Forsyths »Der Schakal«. Das war ein wahrer Augenöffner: Wie offenbart man die verborgene Geschichte in einem Roman.

 

 

3. Es macht doch einen Unterschied, ob man alleine oder zu zweit schreibt. Wie lief der Arbeitsprozess zwischen Ihnen ab? 

 

Corine: Wir sprachen über den Plot, die Hauptcharaktere und deren Entwicklung, dabei sind wir aber nie wirklich ins Detail gegangen. Danach legten wir einfach los. Jeder schrieb abwechselnd ein Kapitel, dann tauschten wir die Texte aus. Das klingt einfach, erfordert aber viel Zeit und Redebedarf.

 

Tomas: Es gab aber verblüffenderweise niemals Streit!


4. War es einfacher, die Handlung gemeinsam zu planen und Charaktere zu zweit zu erfinden oder mussten oft Kompromisse eingegangen werden? Gab es noch andere Schwierigkeiten?

 


Corine: Natürlich musste man Kompromisse eingehen, schließlich hatte jeder von uns eigene Ideen. Der ständige Austausch trieb uns aber auch an, während wir diskutierten, kamen wir oft auf völlig neue Lösungen. Ich denke wir hätten »Operation Butterfly« nicht so schreiben können, wenn wir alleine gearbeitet hätten. 


Tomas: Ein Problem ist natürlich, dass jeder einen anderen Blick auf bestimmte Aspekte hat – vielleicht nicht so sehr im Hinblick auf den Plot, sondern eher was die Figuren und ihr Denken und Handeln anbelangt. Interessant, aber manchmal auch schwierig, ist es, wenn ein Charakter sich komplett anders verhält, als man es selbst erwartet hätte. Das war auch ein Grund, warum wir die Figurenentwicklung unter uns aufgeteilt haben. Kniffliger wurde es dann bei Kapiteln, in denen die Helden Carry und Adam aufeinandertrafen. 

 

 

Thomas Ross
© Ben Kleyn

5. Woher kam die Inspiration für »Operation Butterfly« und speziell für die Charaktere im Buch? Nehmen Sie hierbei Menschen, die Sie kennen als Vorbild für Ihre Protagonisten? 



Corine: Manchmal werden Romanfiguren zu einer Mischung aus Leuten, die ich wirklich kenne, und einem Bisschen von meiner Persönlichkeit. Wenn ich allerdings einen Serienmörder erschaffen möchte, benutze ich meine ganze Fantasie, um diesen zu konzipieren. Ich nehme ihn dann gedanklich überallhin mit, sodass er in meinem Kopf wirklich lebendig werden kann. 


Tomas: Es gibt immer Figuren, die jemanden aus meinem wahren Leben ähneln, sonst könnte ich mich nicht so gut mit ihnen identifizieren. Für mich war das in diesem Buch zum Beispiel der ältere Herr, Sir Charles – eine Mischung aus einem guten alten Freund von mir und meinen Vater. Natürlich fließen auch eigene Charakterzüge in die Figuren mit ein.


6. Was würden Sie sagen, zeichnet Ihre Charaktere in »Operation Butterfly« aus?



Corine: Natürlich mussten sie hart im Nehmen sein und stark, denn sie haben es mit allerhand gefährlichen Leuten und Situationen zu tun. Sie brauchten aber auch eine sensible Seite, damit sich die Leser um sie sorgen und mit ihnen mitfühlen konnten. 


Tomas: Und natürlich brauchten sie auch eine dunkle Seite, so wie wir sie alle haben. Ein Geheimnis aus der Vergangenheit, das die Figuren antreibt und menschlicher macht.

Buchblock Operation Butterfly

7. Herr Ross, Ihr Vater war im Inlandsgeheimdienst tätig. Findet sich deshalb diese Thematik in »Operation Butterfly« wieder? 

 

Tomas: Aber sicher. Meine eigenen Bücher basieren meistens auf wahren Begebenheiten. Wie ich schon sagte: Ein Geheimnis aus der Vergangenheit, um Geschichten glaubhafter und authentischer zu machen.


8. Welche Buchgenres lesen Sie beide privat sehr gerne? 

 

Corine: Wenn ich jogge oder mit meinem Hund Gassi gehe, höre ich gerne Hörspiele. Ich habe früher selbst einmal ein Hörspiel namens »Solomon« verfasst, seitdem bin ich süchtig danach. Abgesehen davon lese ich viel und in den unterschiedlichsten Genres, meistens jedoch Belletristik. Ich versuche mich auf den Laufenden zu halten, was international anerkannte Romane betrifft. 


Tomas: Einer meiner Lieblingsautoren im Thriller-Genre ist Philip Kerr, der in einem ähnlichen Stil und über ähnliche Themen schreibt. Als Teilzeit Lektor lese ich auch viele Krimis, meistens sind es aber Biographien und Bücher zu geschichtlichen Themen. 


Operation Butterfly


Der Code, der die Welt ins Chaos stürzen könnte

 

Der niederländischer Diplomat Jan-Willem de Brauw verschwindet auf einer Undercover-Mission spurlos; mit ihm der Schmetterlingsatlas ein verschlüsseltes Geheimdokument, das brisante Informationen der NATO enthält. Würden diese in die falschen Hände geraten, könnten sie sogar den Ausbruch eines Dritten Weltkriegs bedeuten. Charles Cavendish, Leiter des NATO-Sicherheitsdienstes, vermutet zunächst die sizilianische Mafia hinter der Entführung und beordert ein Team aus zwei ungewöhnlichen Geheimagenten, um das Leben des Botschafters zu retten und den geraubten Code wiederzubeschaffen: Carrie Montevagio, die ein ganz persönliches Schicksal mit den Machenschaften der Cosa Nostra verbindet, sowie das ehemalige Mitglied der Special Forces, Adam Kaplan, der vom tragischen Tod seiner Frau schwer gezeichnet ist. Während Adam sich auf die Suche nach dem verschwundenen Dokument macht, die ihn nach Rhodos und später über die Türkei nach Syrien führt, reist Carrie in ihre alte Heimat Sizilien. Doch schnell wird den beiden Agenten klar, dass nicht nur die Mafia hinter dem Schmetterlingsatlas her ist, sondern noch weitaus mächtigere Gegner an diesem gefährlichen Wettlauf beteiligt sind.


Die Autoren

 

Corine Hartman wurde 1964 in Den Haag, Niederlande, geboren. Von 1994 bis 2005 leitete sie ihre eigene Werbeagentur, bis sie sich ganz dem Schreiben widmete. »Operation Butterfly« ist ihr erstes auf Deutsch erschienenes Buch.

Tomas Ross wurde 1944 in Den Bommel, Niederlande, geboren. Sein Vater arbeitete beim Inlandsgeheimdienst der Niederlande. Er hat bisher über vierzig Kriminalromane, unter anderem zusammen mit Maj Sjöwall, außerdem Kinder- und Jugendbücher und Drehbücher verfasst.

Buchblog: Am Freitag, 03. November 2017 von Piper Verlag

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