»Als wir in den Wellen tanzten


Lucy Clarke nimmt uns mit auf die Reise zu ihrem neuen Roman

Buchblog: Am Donnerstag, 02. Juni 2016 von Lucy Clarke


Die Schriftstellerin Lucy Clarke liebt das Meer - das spiegelt sich auch in ihren Romanen wider.

»Für mich gibt es keinen besseren Ort zum Schreiben, als mit dem Meer zu beiden Seiten.«

Hier erzählt sie wie aus einer Idee ein Buch entsteht.

Der Segeltörn, der zum Roman inspirierte

Die Inspiration


Drei Jahre bevor ich begann »Das Haus, das in den Wellen verschwand« zu schreiben, hatten mich Freunde zu einem einwöchigen Segeltörn eingeladen. Es war ein unglaubliches Erlebnis: Wir verbrachten Tag und Nacht auf dem Wasser, aßen an Deck, ankerten in einsamen Lagunen und schliefen zum Rauschen der Wellen ein. Am Ende der Woche wusste ich, dass einer meiner zukünftigen Romane an Bord einer Segeljacht spielen würde.


Drei Jahre später: Ich hatte gerade meinen dritten Roman zur Hälfte geschrieben. Es lief okay, aber ich war nicht mit Begeisterung bei der Sache. Während ich mich abmühte, segelte immer wieder diese wunderschöne Jacht mit lauter Weltenbummlern und Abenteurern an Bord vor meinem inneren Auge vorüber. Ich versuchte sie zu ignorieren und mit meinem Roman voranzukommen – aber die Crew ließ nicht locker! Also stellte ich meinen Laptop für ein paar Stunden zur Seite, griff mir einen Stift und hörte mir an, was sie für eine Geschichte zu erzählen hatten. Ich bewegte mich den restlichen Tag nicht von der Stelle und füllte Seite um Seite. Der erste Schritt zu »Das Haus, das in den Wellen verschwand« war gemacht.

Meine ersten Notizen zu »Das Haus, das in den Wellen verschwand«

So sieht Segeln lernen in England aus

Segeln lernen

Sobald ich die Struktur der Geschichte im Kopf hatte, hieß es für mich: Lernen! Ich war nie zuvor gesegelt (die Jacht von damals hatte eine eigene Besatzung gehabt), daher beschloss ich, einen Segelkurs in England zu machen, um praktische Erfahrung zu sammeln. Außerdem las ich, so viel ich zu dem Thema finden konnte. Ich interviewte Seeleute, besuchte Jachthäfen und wurde süchtig nach Blogs von Frauen, die die Welt umsegeln.


Recherche auf den Philippinen


Als Nächstes konzentrierte ich mich auf die Philippinen, wo der Roman spielen sollte. Die Philippinen bestehen aus über 7.100 Inseln, eine Vielzahl davon abgeschieden und unbewohnt. Das perfekte Setting für meine Crew von Abenteurern. Ich plante eine einmonatige Recherchereise, um einige der Inseln näher erkunden zu können. Auf der Reise füllte ich ein ganzes Tagebuch mit Notizen und versuchte kleine Details festzuhalten: Wie riecht die Luft, wo geht die Sonne unter, welche Geräusche hört man nachts auf den Inseln?

Mit meinem Reisetagebuch an Bord

Die ersten Biografien der Romanfiguren

Der erste Entwurf

Zurück in England hatte ich ein mit Ideen prall gefülltes Reisetagebuch, ein Fotoalbum voller meerblauer Bilder, die Biografien all meiner Crewmitglieder und eine Spotify-Liste mit Liedern, die mich direkt auf das Deck der BLUE zurückversetzten. Ich hatte alles, was ich brauchte, um mich an meinen ersten Entwurf zu wagen. (Ach ja, außerdem habe ich zu der Zeit auch erfahren, dass ich schwanger war! Warum sonst bin ich wohl fast jeden Morgen von meinem Schreibtisch zum Waschbecken im Bad gesprintet?)


Wieder und wieder …


Nach einigen Monaten hatte ich den ersten Entwurf von DAS HAUS, DAS IN DEN WELLEN VERSCHWAND fertig – doch eine Menge Arbeit lag noch vor mir. Acht Entwürfe, um genau zu sein. Ich zeichnete Schaubilder der Handlung, um herauszufinden, wo die Schwachstellen waren, strukturierte den gesamten Roman um, fügte eine weitere entscheidende Wendung hinzu und löschte im Laufe dieses Prozesses 20.000 bereits geschriebene Wörter.

Schaubild zum Roman

Geschafft!

Der letzte Akt

Im November 2014, zwei Tage vor dem errechneten Geburtstermin und nach einem Monat intensiver Redaktionsarbeit (bei der mich mein wundervoller Verlag unermüdlich unterstützte), war DAS HAUS, DAS IN DEN WELLEN VERSCHWAND endlich fertig. Es gab ein schönes Abendessen, Champagner (nur ein kleines Schlückchen, Ehrenwort!), einen erleichterten Seufzer und dann – schon wenige Tage später – ein Baby …


Wie es weiterging

Thomas Oak wurde am 9. November 2014 geboren und machte seine Mama sehr glücklich. Während ich nachts stillte und Windeln wechselte, ging »Das Haus, das in den Wellen verschwand« in Produktion. Das Manuskript wurde gesetzt, das Cover entworfen, Leseexemplare versandt. Und jetzt, viele Monate später, erobert »Das Haus, das in den Wellen verschwand« die Buchregale.

Englische Leseexemplare

Mein Roman in - ähem - sicherer Verwahrung bei Thomas

Zum Schluss

Oh, und wer hat sich denn da die allererste englische Ausgabe geschnappt? Mein kleiner Frechdachs, der unwissentlich mit mir die Segel gesetzt hat auf dieser langen, aufregenden und ereignisreichen Reise.


Alle Bücher von Lucy Clarke

Lucy Clarke studierte Englische Literatur an der Universität von Cardiff, bevor sie sich ganz ihrer Karriere als Schriftstellerin widmete. Ihre Romane erobern auf der ganzen Welt die Bestsellerlisten. Sie ist passionierte Tagebuchschreiberin und mit einem professionellen Windsurfer verheiratet, mit dem sie einen Sohn hat und ihre Liebe zum Meer und zum Reisen teilt. Den Sommer verbringen sie an der Südküste Englands, den Winter in fernen, exotischen Ländern.

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