Buchblog: Am Dienstag, 10. Juni 2014

Interview mit der Autorin

Im Interview spricht Cara Black unter anderem über die Inspiration, ihre Krimi-Reihe in Paris spielen zu lassen.   

1. Wie würden Sie die Krimi-Reihe mit Aimée Leduc beschreiben?

Aimée ist eine durch und durch moderne Pariserin und arbeitet im Bereich der Computersicherheit. Ihr Vater war Polizist, ebenso ihr Großvater, wo- durch sie mit der kriminal-investigativen Welt vertraut ist. Als die Mutter sie im Stich lässt, wächst Aimée bei ihrem Vater auf. Sie macht ihre Haus- aufgaben auf dem Marmorfußboden des Kommissariats und lauscht den Polizeigeschichten während Pokerabenden am Küchentisch. Als ihr Vater die Polizei verlässt, um im Detektivbüro seines Vaters einzusteigen, beginnt auch Aimée dort auszuhelfen. Immer wieder wird sie gegen ihren Willen in Ermittlungen hineingezogen.

2. Warum entschieden Sie sich dazu, die Serie in Frankreich spielen zu lassen?

Manchmal glaube ich, Paris entschied sich für mich. Viele haben mich gefragt, wo ich die Idee herhabe. Die Inspirationen waren vielfältig, aber der Ursprung liegt in Paris. Im Marais. Ich hatte den Stadtteil erstmals 1984 besucht, als eine Freundin, Pariserin, mich einlud, einen Teil der Stadt zu erkunden, den zu der Zeit nicht viele kannten. Wir traten damals aus dem grünen Bus auf eine schmale Straße mit Kopfsteinpflaster. Unsanierte Hotelbauten aus dem 16. Jahrhundert, Schuster, jüdische Buchhandlungen und Restaurants mit  duftendem, mitteleuropäischem Essen säumten die Rue de Rosiers. Ich wusste, dieses Viertel war etwas Besonderes und Einzigartiges, das sich auf sehr merkwürdige Weise wie „zu Hause“ anfühlte. Wir kamen an ehemaligen Aristokratenvillen mit Gedenktafeln vorbei, die an dort erschossene Opfer der Gestapo erinnerten. Irgendwann deutete meine Freundin auf ein altes Stein- gebäude und erzählte mir von ihrer Mutter. Den ganzen Nachmittag, während wir durch die Straßen des Viertels liefen, erzählte sie mir die Geschichte ihrer Mutter, die sich als jüdisches Kind vor den Deutschen verstecken musste.  Ihre Schwester, ihr Bruder und ihre Eltern hingegen waren im Auftrag der Deutschen von der französischen Polizei verhaftet worden und kehrten niemals zurück.
Die Geschichte ihrer Mutter verfolgte mich, ebenso wie dieser historische Stadtteil.  Wenn diese Gemäuer sprechen könnten! Zehn Jahre später fuhr ich abermals nach Frankreich. Mit meinem Ehemann Jun und meinem kleinen Sohn Shusei besuchten wir eine Lavendelfarm im Süden. Die letzten Tage unserer Reise verbrachten wir in Paris. Wir wohnten nahe der Place des Vosges, einem prachtvollen mittelalterlichen Turnierplatz aus der Zeit Henrich IV. Nachts liefen wir umher, und die Erzählung meiner Freundin kam mir wieder in den Sinn, so lebendig, als stünde sie neben mir in den engen, gepflasterten Gassen.
Zurück in San Francisco, ließ mein Jetlag mich nicht schlafen. Ich stand mitten in der Nacht auf, setzte mich an meinen Computer und Hartmuths Geschichte strömte aus mir heraus, dann Sarahs. Zu der Zeit war ich Teil einer Schreibgruppe, in der ich lernte, meine Ideen und Gedanken zu konkretisieren. Die Arbeit in der Gruppe half mir, die Figuren zu charakterisieren und ihre Geschichten über eine Spanne von fünfzig Jahren zu erzählen. Dreieinhalb Jahre später war »Die dunklen Lichter von Paris« fertiggestellt.
Seitdem war ich noch viele Male in Paris, recherchierte und dokumentierte die Geschichte und das tägliche Leben dieser Zeit. Ich besuchte das Dokumentationszentrum des Bundes Jüdischer Verfolgter des Nazi- regimes, um die Schuluniformen zu sehen, die Rationierungskarten und viele weitere spezifische Details dieser Zeit. Das Wichtigste war jedoch, diese Pflastersteine wieder unter meinen Füßen zu spüren, die Mischung aus frisch geröstetem Kaffee und Gauloises in den Gassen zu riechen. Ich sprach mit drei der vier selbstständigen Privatdetektivinnen von Paris. Mit einer von ihnen bin ich noch immer gut befreundet. Sie stellte mich weiteren Privatermittlern und dem ehemaligen Polizeichef von Paris vor, der inzwischen im Ruhestand ist.
Was mich während meiner Besuche in Paris verstörte, waren die Anti- Migranten-Demonstrationen und Aufstände, die mich so sehr an die Vichy-Gesetze gegen Juden zu Kriegszeiten erinnerten. Es fühlte sich an, als würde sich die Geschichte wiederholen. Ich bemühte mich, die Reaktionen der heutigen Franzosen auf den Immigrationszuwachs, das Erbe des Kolonialismus, zu verstehen.
Während meines letzten Besuchs in Paris, als ich für mein drittes Buch recherchierte, hatte ich die phantastische Möglichkeit, eine Tour durch den Quai des Orfèvres, den offiziellen Amtssitz der Pariser Kriminalpolizei, mitzumachen und das Büro von Simenons berühmtem Kriminalkommissar Inspector Maigret zu sehen.   

3. Haben Sie etwas von sich selbst in Aimée verwirklicht? Sind Sie genauso hip wie sie?

Ich wünschte es. Und ich wünschte, ich hätte ihr Apartment auf der Île Saint-Louis.

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