Buchblog: Am Freitag, 21. April 2017 von Piper Verlag

Denunziation: Erzählungen aus Nordkorea

Die erste unzensierte Stimme aus dem kommunistischen Nordkorea

Bandi, zu Deutsch »Glühwürmchen«, ist das Pseudonym eines nordkoreanischen Schriftstellers. Als erstem Autor aus Nordkorea gelang es ihm, ein regimekritisches Manuskript über die Grenze in den Süden zu schmuggeln – denn als Dissident soll er weiterhin unerkannt in seinem Land leben. Würde seine Identität enttarnt, sähe er dem sicheren Tod entgegen.


Do Hee-Yoon ist Vorsitzender einer Hilfsorganisation für nordkoreanische Flüchtlinge. Er verfasste das Vorwort der koreanischen Ausgabe (dem Nachwort des deutschen Buchs). Im Interview spricht er über die Arbeit seiner Organisation und erläutert, was über die Identität des unter Pseudonym schreibenden Schriftstellers bekannt. 



Erzählungen aus einem abgeschotteten Land

Worin genau besteht die Arbeit Ihrer NGO (nichtstaatliche Organisation)?

Wir bemühen uns um eine Verbesserung der Menschrechtssituation in Nordkorea und suchen zu diesem Zweck den Dialog mit Menschen, die in Nordkorea leben oder aus Nordkorea geflohen sind. So kam es auch zur Kontaktaufnahme mit Bandi. Mehr zu unserer Arbeit findet sich auf unserer Website. Dort fassen wir unsere Aktivitäten in englischer Sprache zusammen.


In Ihrem Vorwort erfährt man einige biographische Details zu Bandi. Macht ihn das nicht identifizierbar?

95 Prozent der Biographie ist verändert, einschließlich der Angaben zu seinem Alter oder zu seinem Wohnort. Eine Maßnahme, die allein seinem Schutz dient. Die bleibenden 5 Prozent sind wahr: Er lebt als Schriftsteller in Nordkorea und schreibt weiterhin im Verborgenen.

 

Sind seine Manuskripte überarbeitet worden?

Die Erzählungen in »Denunziation« sind eine detailgetreue Wiedergabe dessen, was Bandi  geschrieben hat. Der Text wurde allerdings in zweierlei Hinsicht überarbeitet: Nordkoreanische Wendungen wurden in ihre südkoreanischen Entsprechungen übertragen. Und alle Eigennamen von Personen, Städten und Regionen wurden verändert, um eine Identifizierung durch die nordkoreanischen Behörden auszuschließen. 

 

Stimmt es, dass sich Bandis Einstellung gegenüber dem nordkoreanischen Regime nach der großen Hungersnot verändert hat? Lässt sich dieser Wandel  in den Erzählungen nachvollziehen?

Ich glaube, Bandi stand dem nordkoreanischen System schon länger kritisch gegenüber. Einige Kurzgeschichten datieren offenbar aus der Zeit vor der Hungersnot. Danach schien Bandi jedoch endgültig davon überzeugt, dass das nordkoreanische System keine Zukunft hat. Die Geschichten, die eindeutig nach der Hungersnot geschrieben wurden, lassen diesen Schluss zu.




Einblicke in ein abgeschottetes Land

»Bandi« ist das Pseudonym des ersten literarischen Dissidenten aus dem Inneren von Nordkorea. Im Interview spricht Do Hee-Yoon, Vorsitzender der Hilfsorganisation, der es gelang, die bereits aus den 90er Jahren stammenden Erzählungen nach Südkorea zu schmuggeln, über seine Arbeit.

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