Your home is my castle - Erfahrungen mit Haustausch


»Haustausch ist Urlaub in der Wohnung von Freunden, die man noch nicht kennengelernt hat.«

Wohnungstausch – das ist in der Fremde wohnen, essen und feiern, wo es auch die Einheimischen tun. Seit Jahren gehen Jessica Braun und Christoph Koch auf Reisen, indem sie mit vorher völlig Fremden die Wohnung tauschen.

Natürlich waren auch sie anfangs skeptisch: Wollten sie wirklich, dass andere in ihrem Bett schliefen? In ihrem Buch und im Interview erzählen die beiden ihre durchweg positiven Erlebnisse und beantworten zahlreiche Fragen zur richtigen Vorbereitung, dem Umgang mit Vertrauen, Verantwortung und Privatsphäre. Ihr Fazit: Die meisten Menschen sind unglaublich zuverlässig. Und aus manchem Tausch entsteht eine Freundschaft.

 

© Jessica Braun / Christoph Koch

Wie funktioniert Haustausch?
Erfunden haben es Lehrer in den Fünfzigerjahren. Damals wurden noch kopierte Adresslisten per Post herumgeschickt. Heute geht es dank zahlreicher Internetplattformen einfacher: Man erstellt ein Profil, beschreibt sich selbst und seine Wohnung – ihre Größe, Lage, Ausstattung – und stellt ein paar Fotos online. Dann kann man entweder in den anderen Profilen nach jemandem suchen, mit dem man tauschen möchte. Oder man macht es so wie wir: Wir lassen uns eher finden. Wir schauen uns an, welche Tauschanfragen reinkommen und tauschen dann mit denen, die uns am besten gefallen.

Wie oft habt Ihr schon Wohnungen getauscht?
Wir bereiten uns gerade auf unseren elften Tausch vor: Es geht für drei Wochen nach Turin. Juhu!

Wie sind Eure Erfahrungen mit Haustausch?

Bisher rundweg positiv. Wir waren an tollen Orten wie Paris, Kopenhagen oder Barcelona und haben statt in teuren und austauschbaren Hotels in Wohnvierteln mit echten Nachbarn gewohnt. Manche dieser Orten hätten wir ohne Tauschangebot für eine Reise wohl nicht in Erwägung gezogen: die US-Unistadt Princeton zum Beispiel, das kanadische Calgary oder die mexikanische Stadt Oaxaca. Alle diese Reisen haben sich aber als absolute Volltreffer erwiesen und wir waren glücklich und dankbar, dass uns das Tauschen dorthin gebracht hat.

Was war die längste Zeit, die Ihr woanders verbracht habt?
Im Herbst 2015 waren wir für drei Monate in der San Francisco Bay Area. Genauer gesagt in Piedmont, einem Stadtteil von Oakland. Das war eine wundervolle Zeit, an die wir heute noch gerne zurückdenken. Hätten wir auf normalem Weg eine Reise gebucht, wäre wohl eher San Francisco unser Ziel gewesen. Am Ende hat uns dann die Schwesterstadt Oakland auf der anderen Seite der Bucht sogar besser gefallen als San Francisco.

Gab es besondere Erlebnisse?
Jede Menge! In Princeton waren wir auf dem Straßenfest in unserer Straße eingeladen und haben beim Grillen und Marshmellows-Rösten alle Nachbarn kennengelernt. In Stockholm sind wir mit den Einheimischen um den Midsommarbaum gehüpft und haben dabei Volkslieder gesungen. In Australien luden uns Freunde unserer Tauschpartner zum Weihnachtsessen ein.

Haustausch mit Kindern – klappt das?
Wir selbst haben keine Kinder, haben aber schon mehrmals mit Familien getauscht. Und haben von denen, aber auch von Freunden gehört, dass Haustausch dann besonders toll ist, wenn man mit jemandem tauscht, der Kinder im ähnlichen Alter hat wie man selbst. Denn statt Unmengen an Spielzeug, Kinderwagen und so weiter durch die Welt zu karren, hat man dann fast alles Nötige vor Ort. Wie auch in allen anderen Bereichen des Haustauschens gilt natürlich: Man muss sich vorher ein wenig absprechen. Was ist da? Was dürfen wir benutzen? Was braucht Ihr?

Welche Kosten entstehen?
Bis auf die etwa 80 bis 150 Euro Mitgliedsgebühr bei der jeweiligen Onlineplattform: gar keine. Diese Gebühr ist aber auch ein ganz guter Mechanismus, um Spaßvögel und unseriöse Spam-Angebote von den Plattformen fernzuhalten. Und nach zwei Übernachtungen, die man nicht im Hotel verbringt, hat man diese Kosten wieder drin.

Vor Ort spart man außerdem Geld, weil man eine komplette Küche zur Verfügung hat und sich selbst versorgen kann, statt dauernd essen zu gehen. Es gibt eine Waschmaschine und wenn der Tauschpartner dazu bereit ist, darf man auch das Auto nutzen und spart so den Mietwagen. Ein bisschen, wie in einer Ferienwohnung, nur meistens besser ausgestattet und schöner eingerichtet, weil die Tauschpartner die übrige Zeit selbst dort wohnen.

Habt Ihr noch Tipps für jemanden, der zum ersten Mal Wohnungstausch macht?
Genügend Vorlaufzeit einplanen und flexibel sein, was die Ziele betrifft. Wer sagt: »Nächste Woche ist Ostern – genau da will ich unbedingt nach London«, wird sich schwertun, einen Tauschpartner zu finden.

Ist schon mal was schiefgegangen?
Ja, leider. Unsere Tauschpartner in Oakland hatten zwei sehr alte Katzen. Eine ist schon vor unserer Ankunft gestorben, die andere haben wir gehegt und gepflegt und richtig ins Herz geschlossen, obwohl sie schon fast taub und blind war. Kurz vor Ende unseres Tauschs haben dann leider ihre Nieren versagt und der Tierarzt musste sie einschläfern. Das war sehr traurig, natürlich auch für die Besitzer. Die waren aber sehr verständnisvoll und dankbar, dass wir am Ende für ihre Seniorenkatze da waren.

Seid Ihr mit manchen Tauschpartnern noch in Kontakt?
Ja, das ist einer der schönen Nebeneffekte: Man schließt Freundschaften auf der ganzen Welt. Je länger der Tausch, umso besser lernt man sich meistens vorher und währenddessen schon kennen – wenn auch vor allem über Mails und Videotelefonate. Und umso mehr erfährt man über die anderen und bleibt hinterher in Kontakt. Bisher hat es sich noch nicht ergeben, aber wir sind sicher, dass wir einige unserer Tauschpartner noch einmal wiedersehen werden. Entweder weil wir in ein paar Jahren noch mal tauschen – oder weil man einander besucht. Haustausch ist Urlaub bei Freunden, die man noch nicht kennengelernt hat.

© Jessica Braun / Christoph Koch

Haustausch Buch

Von Kopenhagen bis Princeton, von Mexiko bis Australien – seit Jahren gehen Jessica Braun und Christoph Koch weltweit auf Reisen, indem sie mit völlig Fremden die Wohnung tauschen. Sie schlafen, essen und feiern, wie es auch die Einheimischen tun; machen Ferien, wo sich der Alltag abspielt: in echten Wohngegenden, mit Nachbarn am Gartenzaun und Lieblingscafé an der Ecke.

Ein inspirierender Erfahrungsbericht, der Lust auf eine neue Art des Reisens macht.

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