Harry G. gibt Tipps fürs Münchner Oktoberfest


Buchblog: Am Montag, 11. September 2017 von Piper Verlag

 

 

Über die Wiesn, Wälder und Auen

Auch wenn der Isarpreiß den Maßkrug mit beiden Händen hochhebt und bei der Bedienung in völliger Unwissenheit »ein halbes Helles« bestellt, haben sich die echten Bayern unter uns meist ganz gut im Griff. Vor allem zur Wiesnzeit! Aber manchmal möchte man schon meinen, dass die ganze Welt ihre deppertsten Deppen im September nach München schickt und hofft, dass die sich da für den Rest des Jahres glücklich saufen. Aber nein, das schaffen die nicht, wir setzen sie hernach sogar noch samt ihrer Polyester-Lederhosn und Maßkrug-Hüte wieder in den Fliaga oder in den Zug.

 

 

Damit Sie sich dennoch als gmiatlicher Wiesnbesucher nicht in der Ballermannisierung des Oktoberfestes verlieren, folgen Sie den Ratschlägen des Harry G, der trotz allem immer noch jeden der achtzehn Wiesn-Tage im Bierzelt verbringt und dabei eine Fetzengaudi hat!

© Christian Brecheis

 

 

 

 

Die Bavaria: ist die Münchener Version der Freiheitsstatue. Dort sollten Sie sich während der Wiesn jedoch keinesfalls aufhalten, außer Sie möchten verwaiste iPhones zum Fundbüro bringen, über Kotzepfützen hüpfen oder schlafende Mini-Dirndl-Besitzerinnen vor Spannern beschützen.

 

Die »Oide Wiesn«: Zum Glück gibt’s seit ein paar Jahren diese Ausweichmöglichkeit. Allein die Tatsache, dass beim Betreten des abgesperrten Geländes ein Euro Eintritt verlangt wird, sorgt schon dafür, dass die ganz brutalen Boaznbriada draußen bleiben. Die Gäste aus dem Ausland denken, es handelt sich bei der »Oidn Wiesn« um ein seltsames Fahrgeschäft oder Bierzelt, das zusätzlich Eintritt zu kosten scheint, und meiden es allein schon deswegen. Somit kann man als Münchner, zudem mit Kindern, tatsächlich recht gefahrlos und entspannt auf die »Oide Wiesn« gehen, sich alte Fahrgeschäfte, Kasperltheater und Standl anschauen, und im Bierzelt gibt’s nur Blasmusik ohne »Dschinghis Khan«, »Hey Baby« oder den »Fliegersong«.

 

Das Teufelsrad: Kenner ziehen sich vor dem Betreten der drehenden Scheibe die Schuhe aus, Betrunkene nehmen ihren besten Kumpel als Stütze mit und Menschen auf Brautschau klammern sich bereits bei einer Umdrehung pro Minute an ihren Nachbarn. Das Teufelsrad vereint nicht nur Jung und Alt, es hat auch noch den besten Fahrgeschäfteansager der Welt!

 

Damenklos: Gehen. Sie. Nicht. Hin!

 

Der Olympia-Looping: Auch wenn sich die Preise der Fahrgeschäfte fast so rasant entwickeln wie die Preise der Maß, sollten Sie die Looping-Bahn unbedingt besuchen. Außer, Sie haben bereits zu viele Maß intus, dann könnte es sein, dass Sie diese recht schnell wieder umgekehrt proportional aus Ihrem Körper herausspeien müssen ...

 

Der Umzug der Wiesn-Wirte: Ist das einzige Spektakel, bei dem sich Trachtler und Ministerpräsidenten kaum auseinanderhalten lassen. Die Buh-Rufe beim Vorbeifahren der CSU-Garde sind im roten München bereits Tradition – der Applaus für das Fahrzeug der Stadtreinigung am Ende des Zuges ebenso.


 

 

Bazi-Wörterbuch: Was die Bayern im Bierzelt wirklich sagen ... Das ultimative Nachschlagewerk von Abruiaff bis Zamperl.

 

Abruiaff, der: [abruiaff] eine Person, die am 1. April aufs Glatteis geführt wurde. Zur Wiesn-Zeit ebenfalls gebräuchlich, weil man es super durchs Bierzelt rufen kann.

 

Bachratz, der: Flussratte, eine ungepflegte Person

 

Bagasch: von frz. Bagage = Gepäck, eine Gruppe von Menschen die im übertragenen Sinne als »Belastung« empfunden wird. Auch als Bezeichnung für die Familie oder eine Clique verwendet, da nicht unbedingt boshaft, eher salopp

 

Bazi, der: Ein Schlingel, egal welcher Altersstufe, kann je nach Kontext ironisch oder auch todernst im Sinne von »Gauner« gemeint sein.

 

Biffe, der: Büffel

 

Boazn, die: Recht abfällige Beschreibung für eine Kneipe, die vorrangig dem Konsum von Alkohol dient.

 

Boaznbriada (Pl.), Boaznbruada (Sing.): Aus »die Boazn«, eine kleine Kneipe, die vorrangig für den Alkoholkonsum ausgelegt ist, und »Bruada«, der Bruder. Also Saufbrüder.

 

Bockfotzn, die: Nicht zu verwechseln mit dem andernorts geläufigen, abfälligen Wort über das weibliche Geschlechtsteil ist »die Fotzn« tatsächlich das Gesicht im Bayerischen. Drum ist die

»Bockfotzn« auch die Ohrfeige – mutmaßlich mit der Heftigkeit eines Paarhuftritts –, und der »Fotznhobel« ist natürlich die Mundharmonika.

 

Breznsoiza: Brezensalzer, ein Depp, der zu nichts anderem taugt, als halbwegs unfallfrei Brezen zu salzen.

 

Brunzkachel, die: Pissoir

 

Damisch: Vertrottelt, gelegentlich auch im Sinne von »schwindelig«.

 

Doagaff, der: Wörtl. »Teig-Affe«, aber eher im übertragenen Sinne zu verstehen, also eine dümmliche Person, die auch so dreinschaut.

 

Dregghamme, der: Dreckhammel, eine rücksichtslose, unverschämte Person

 

Dummes Gschau, das: Wie eine Person dreinschaut, also der Gesichtsausdruck.

 

Fackl, das: Ferkel im Sinne von Schmutzfink, auch im übertragenen Sinne anwendbar.

 

Flitschen, die: Flittchen

 

Foamzuzler: Eher dumpfe Stammtischbrüder mit viel Sitzfleisch, die sozusagen immer nur am Bierschaum herumzuzeln

 

Furor, der: lat. furor, »Wut« oder auch »Raserei«, durchaus als typisch bayerisch bzw. münchnerisch empfunden und mit dem »Münchner im Himmel« und dem Zitat »Luia, sog i!« über die Landesgrenzen hinaus bekannt geworden.

 

Gachgiftig: Jähzornig

 

Gaggerl, das: Ei

 

Gemma naus auf’d Bluadwiesn: Folge mir hinaus auf die Wiese des Blutes, also eine Aufforderung zur tätlichen Auseinandersetzung, durchaus ernst gemeint und selten im Scherz verwendet.

 

Gfries, das: (dummes) Gesicht

 

Goaßlschnalzer, der; Gfries, das: Alpenländischer Brauch, bei dem junge Männer riesige Peitschen schwingen, die sie besser nicht ins Gfries (Gesicht) bekommen sollten, sonst gibt’s a Gschroa!

 

Gwax oder Gwachs, das: Gewächs im Sinne einer Wucherung am Körper, kann aber auch positiv bewundernd eingesetzt werden: »Der is scho a besonderes Gwachs.« Harrys »Vorgwachs« ist also das »Vorgewächs«, das dem Jungen voranging → die Eltern.

 

Häuslschleicher, der: Unaufrichtiger Mensch, auch ein (schmieriger) Vertreter

 

Hundsbeitl, der: Mistkerl

 

Kaifzanga, die: Wortspiel mit K(n)eifzange, zänkisches Weib.

 

Kaschberlkopf, der: Depp

 

Krampfhenna, die: Krampfhenne, zumeist weibliche, anstrengende und wichtigtuerische Person, die »Krampf« – also Blödsinn – redet.

 

Krummer Hund, der: Eigentlich eine zwielichtige Person oder ein Betrüger, dem man selbiges auch ansieht. In diesem Zusammenhang aber eine spezielle bayerische Zigarre von der Dicke eines Zigarillos, die sich durch ihre deutliche Unregelmäßigkeit und »Krummheit« von selbigen abhebt.

 

Lackl, der: Ein auffällig großer, mitunter auch kräftiger Mann

 

Lurade Loas: Lurad, von luren = (heimlich) schauen, voyeuristisch. Loas, die: Laus, eigentlich ungepflegte »verlauste« Person, meistens aber verwendet für unehrliche, unmoralische Personen.

 

Massl, das: (Unerwartetes) Glück

 

Mistkrampen, der: Ungezogenes, unfolgsames Kind

 

Muhackl, der: Grober Kerl

 

Nackeln, das: Ein Objekt hin und her bewegen, damit es endlich da reinrutscht, wo es reinsoll, oder sich endlich löst.

 

Nasendraller, der: Hanswurst, Kasperl

 

Ned unrecht: »Er ist in Ordnung«. Verbreitet ist auch das ähnliche »Der is ned so unguad« im Sinne von »Der ist nett«. Es ist auffallend, dass hier eigentlich etwas Positives ausgedrückt werden soll, es aber dank der zwei prägenden Negativismen trotzdem klagend rüberkommt.

 

Oids Glump: Altes Gelumpe, Zeug

 

Plattert: Glatzköpfig

 

Schmirage, die: (Gesprochen in pseudo-frz.: Schmiraasch) Unleserliche Handschrift, Geschmiere

 

Schoas, der: Ein Furz, in der Version als »Radischoas« besonders nachhaltig, weil vom Rettich kommend.

 

Watschnabstand, der: Die maximale Distanz, aus der man sein Gegenüber noch ohrfeigen kann.

 

Wos bin i?: Wörtlich »Was bin ich?«, aber eigentlich meint dieser er - staunte Ausruf eher so etwas wie: »Ich hab kein Wort verstanden und nehme deswegen an, du hast mich beleidigt.« Also die weniger aggressive Version von »Ich versteh nur Bahnhof«.

 

Wuidling, der: Wilder Mensch – ungestüme, ungehobelte Person

 

Zamperl, der: Ein kleiner Hund, vorzugsweise ein Dackel

 

 



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