Was Frauen zu ihrem Zyklus sagen


Sabeth Ohl und Eva Dignös haben nachgefragt

Was bedeutet der Zyklus für uns Frauen? Die Autorinnen der »Zyklus-Strategie« haben nachgefragt. Einige Antworten können Sie hier nachlesen. Und sich vielleicht selbst wiederfinden ...

 

 

Lynn*, 39, Leiterin Qualitätsmanagement einer Klinik

Ich habe eine Kollegin, eine Ärztin, mit der ich auch befreundet bin. Die beobachtete ich, als sie akribisch ihr Behandlungszimmer aufräumte, hier und da rumputzte. Etwas, was gar nicht ihre Aufgabe war. Habe ihr spontan auf den Kopf zugesagt: »Ich glaube, Du menstruierst gerade.« Sie hat mich erst angeschaut wie ein Mondkalb und dann losgelacht: »Ja!« Ich kenne das Phänomen nämlich von mir.

 

Hannah*, 35, Immobilienverkäuferin bei einem Finanzdienstleister

Meine Mutter war im Umgang mit mir und meiner Entwicklung immer verständnisvoll und auch pragmatisch. Sie konnte viele meiner Empfindungen teilen. Ihr Verhalten hat meinen Umgang mit dem Thema Zyklus stark geprägt. Auch ich versuche, nicht so empfindlich zu sein, die Dinge pragmatisch zu sehen. Ich erinnere mich noch genau an den Tag, als ich zum ersten Mal meine Tage bekam: Es war der Super-Gau, denn ich war mit meinem Onkel, meinem Bruder und meinem Cousin in der Türkei im Cluburlaub. Alleine unter Männern! Was mache ich, dass sie nichts merken? Wie gehe ich bei 35 Grad im Schatten trotzdem schwimmen – ohne je zuvor einen Tampon benutzt zu haben? Also rief ich meine Mutter an und führte ein sehr langes Gespräch mit ihr, wie ich jetzt am besten den Tampon anwende, wie oft ich ihn wechseln muss, damit ich schwimmen gehen kann, ohne dass etwas schief geht usw. Dieses Telefonat beschreibt für mich am besten wie meine Mutter mit diesem Thema umging und wie sie versucht hat, mir zur Seite zu stehen. Sie coachte mich mit Tipps und Aufmunterungen, ermutigte mich zu einem offenen Umgang gegenüber den drei Männern. Es war das teuerste Telefonat, das ich je mit meiner Mutter geführt habe. Ich bin ihr heute noch dankbar dafür.

 

Maja*, 26, Jungbäuerin

Ich nehme meinen Zyklus sehr bewusst wahr – mit seinen negativen und positiven Seiten. Vor den Tagen plagt mich Heißhunger. Da mache ich auch spät abends noch Licht im Kühlschrank. Ich bin gereizt und kann mich selbst nicht leiden. Diese Pickel! Am liebsten würde ich den Spiegel zerschlagen. Leider kann ich mich nicht verkriechen, denn ich arbeite viel. Mein Motto an diesen Tagen: »Lasst mich alle in Ruhe!« Ich kenne aber auch das Hoch an anderen Tagen, wenn ich mich toll finde, gerne ausgehe, flirte. Da kann mir keiner was. Das macht die trüben Tage wieder wett.


Maribel*, 34, Verhaltensbiologin an einer Universität

Meine Studentinnen amüsieren mich manchmal. Wenn sich eine zum Beispiel morgens besonders gestylt und gekleidet hat. Dann kann ich nicht umhin und frage mich: »An welchem Tag des Zyklus ist sie wohl heute?« Es gibt eben diese Tage, da zeig ich mich, es gibt die Tage, da verhülle ich mich. Das kenne ich auch von mir. Auch so Konkurrenzsituationen: Wenn ich mit Kolleginnen zu tun habe, die nicht kooperationsbereit sind. Das nehme ich dann als Revierverhalten. Das ist ganz bestimmt zyklusabhängig – wie ich es empfinde und wie sie sind. Und wie ich dann reagiere – großzügig, furchtsam oder angriffslustig.

 

Helen*, 43, Friseurin

Ich freue mich darauf, wenn es vorbei ist. Wenn ich frei bin vom Zyklus. Aber ich bin auch unsicher: Hoffentlich bleibe ich sexuell attraktiv, und habe noch ein Lustempfinden. Hoffentlich halte ich die üblichen Wechseljahresbeschwerden aus, man liest ja so viel darüber. Hoffentlich werde ich nicht so eine übellaunige Zicke. Ich kenne nämlich Frauen, die mit den Wechseljahren übellauniger wurden und gereizter, die dicker oder hagerer geworden sind, nachts nicht mehr schlafen, viel schwitzen. So will ich nicht werden.

 

 

Was unsere Autorinnen Eva Dignös und Sabeth Ohl dazu sagen?

»Als wir mit Frauen für unser Buch sprachen, war unsere erste Frage: Was fällt Ihnen spontan ein, wenn Sie an den Zyklus denken? Die Antworten drehten sich meistens um PMS, Periode, Verhütung und ihre Nebenwirkungen und ums Kinderkriegen samt Schwierigkeiten, den richtigen Zeitpunkt zu treffen.

Der Zyklus ist aber einer der Faktoren, die uns Frauen beeinflussen. Ein Faktor neben Gesundheit, Partnerschaft, Lebensverhältnissen, aber ein bedeutender Faktor. Weil er immer da ist. Und weil er mehr kann, als nur lästig zu sein. Der Zyklus kann Kräfte freisetzen, er kann attraktiv machen, sensibel, empathisch, schlagfertig und belastbar.«

 

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(* Um ihre Privatsphäre zu wahren, haben wir die Namen der Frauen verändert)

Ohl, Sabeth · Dignös, Eva »Die Zyklusstrategie«

Buchblog: Am Dienstag, 14. April 2015 von Sabeth Ohl / Eva Dignös

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