Gerüstet für das Iran-Abenteuer

Wer in den Iran reisen will, sollte sich vorher mit einigen Besonderheiten des Landes vertraut machen. Zehn ultimative Tipps von Stephan Orth, dem Autor von »Couchsurfing im Iran« – damit seid ihr garantiert gerüstet fürs Persien-Abenteuer!

 

 

 

1. Ali kennen:

Lerne unbedingt zwei Fußballspielernamen: Ali Daei und Mehdi Mahdavikia. Wenn du die nennst, gewinnst du auch ohne weitere Persischkenntnisse problemlos neue Freunde.

 

2. Nein sagen:

Es ist sehr wichtig, die Taarof-Höflichkeitsprotokolle zu verstehen. In vielen Fällen gilt die Regel: Erst wenn jemand mehr als dreimal etwas anbietet, sollte man es auch tatsächlich annehmen. Selbst Taxifahrer und Teppichhändler bieten ihre Dienste manchmal gratis an – doch wer so ein Geschenk ohne Zögern annimmt, begeht einen groben Fauxpas.

 

3. Zebras misstrauen:

Glauben Sie in einer beliebigen iranischen Großstadt niemals, dass Zebrastreifen Autofahrer zum Bremsen animieren. Iraner sind halsbrecherische Autofahrer, und Zebrastreifen sind Fallen.

 

4. Couchsurfing nutzen:

Mehr als 13.000 Mitglieder verzeichnet die Internetseite couchsurfing.org bereits im Iran. Die Menschen sind unglaublich gastfreundlich und sehr interessiert an Berichten aus dem Alltag in Europa. Allerdings schläft man fast nie auf einer Couch – meistens dient ein Perserteppich als Schlafunterlage.

 

5. Viber klarmachen:

Lade dir die Kommunikations-App „Viber“ herunter. Fast jeder junge Iraner nutzt den Dienst, WhatsApp dagegen ist blockiert.

 

6. Tee trinken:

Es ist kaum möglich, 15 Minuten auf einem beliebigen Basar zu verbringen, ohne mindestens einmal zum Tee eingeladen zu werden. Am besten trinken wie die Einheimischen: Das Stück Zucker kommt in den Mund, dann wird das Heißgetränk daran vorbeigespült.

 

7. Cash bunkern:

Bislang gibt es im Iran keine Geldautomaten, die europäische Karten akzeptieren. Man muss alles benötigte Geld in bar mitnehmen und vor Ort in Wechselstuben eintauschen.

 

8. Heiraten:

Wenn ein Mann mit einer Frau reist, darf er mit ihr kein Hotelzimmer teilen, wenn sie nicht verheiratet sind. Von Ausländern wird aber zumindest in den Touristenorten wie Isfahan, Shiraz oder Yazd meist kein Beweisdokument verlangt. Es bringt also gewöhnlich keinen Ärger, wenn man sich als Ehepaar ausgibt.

 

9. Reisetipps Einheimischer ignorieren:

Fast jeder Iraner schwärmt von der Insel Kish und von den grünen Wäldern im Norden Irans. Doch für viele europäische Gäste ist beides eher eine Enttäuschung: die Insel wegen der vielen Hotelhochhäuser und Shoppingcenter (wie Dubai vor 20 Jahren). Und die Wälder, weil sie auch nicht spektakulärer sind als der Teutoburger Wald. Lieber stattdessen in die Wüste fahren!

 

10. Khayyam lesen:

Gotteslästerung und Saufpoesie: Die Verse, die der persische Universalgelehrte Omar Khayyam im 11. und 12. Jahrhundert schrieb, haben bis heute nichts von ihrer subversiven Frechheit eingebüßt. Unbedingt vor der Abreise lesen! Zum Beispiel dieses Gedicht:

 

Dass einst ich trinken würde zu meiner Zeit,

Hat Gott gewusst seit aller Ewigkeit.

Drum reich mir nur den Trunk, denn tränk ich nicht,

Wo bliebe da seine Allwissenheit?

 

 

Im März 2015

Stephan Orth

Stephan Orth »Couchsurfing im Iran«


Sightseeing in Teheran: Ein Reisetipp von Couchsurfer Stephan Orth

»Bock frisst Blätter« Tonkelch im Nationalmuseum

 

 

»Teherans Nationalmuseum des Iran wird von denen, die sich auskennen, als »Mutter aller Museen« angesehen.

Behauptet zumindest eine Plakette an seiner Außenmauer. Die Ausstellungsstücke sind tatsächlich sensationell. Wer weiß schon, dass die Perser den ersten Trickfilm der Welt gedreht haben! »Gedreht« im wahrsten Sinn des Wortes. Es handelt sich um einen runden Tonkelch, auf dem ein Steinbock zu sehen ist, der zu den Ästen eines Baumes hochspringt. Aus fünf Einzelbildern besteht die Szene, wer das Gefäß schnell genug dreht, kann die Bewegung wahrnehmen wie bei einem Daumenkino.

Bei den Oscars 2300 vor Christus hätte »Bock frisst Blätter« in allen Kategorien abgeräumt, Drehbuch, Regie, Hauptdarsteller und Spezialeffekte sowieso, außerdem Soundtrack (Ton reibt auf Sandboden) und bester Nebendarsteller (der Baum). Leider gab es die Oscars damals noch nicht. Das kulturelle Geschehen in Deutsch­land zur gleichen Zeit? Ein paar langhaarige Zausel, die abends in der Höhle von der Jagd erzählten. Die Kulturszene in den USA damals? Nun, Sie verstehen schon.«

 

Aus »Couchsurfing im Iran« von Stephan Orth


Bücher Iran

Kommentare zu diesem Blog
1. Gotteslästerung und Saufpoesie
Iranerin am 01.05.2015

Gotteslästerung und Saufpoesie? Da sind Sie in einem Fettnäpfchen getretten!

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