Adventsgeschichten 23 Dezember
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Adventsgeschichte 23. Dezember

Charles’ Christmas Story

von Naoma Clark

Die Katze musste ausgerechnet einen Tag vor Weihnachten bei uns einziehen – und ich hätte am liebsten veranlasst, dem „Fest der Liebe“ allein deshalb einen passenderen Namen zu geben: „Fest der Katastrophen“ zum Beispiel.
Dabei war ihr Name doch „Miss Giggles“ – aber als sie ihre Pfote das erste Mal in unser einst so behagliches Little Birds setzte, war mir schlagartig gar nicht mehr zum Lachen zumute. Ihr müsst verstehen – als Mops bin ich ein überaus freundlicher Geselle, doch als diese Kreatur ihr Maul aufmachte, um sich vorzustellen, spürte ich seit wirklich langer Zeit mal wieder die Gefühle einer übel gelaunten Bulldogge in mir aufsteigen.
„Schön, Dich kennenzulernen – ich bin Miss Giggles!“, hatte sie die Frechheit unschuldig in meine Richtung zu miauen, als würde sie erwarten, dass ich ihr sofort voller Wohlwollen das Gesicht abschlecken würde. Ich antwortete nicht, sondern gab ein unbeeindrucktes Grunzen zum Besten. Katzen und Hunde passten in meiner Vorstellung so gut zusammen wie Schokoladencreme und Essiggurken.
Miss Giggles reckte ihren roten Kopf interessiert in meine Richtung und schnupperte mir an meiner qualvoll verzogenen Mopsschnauze.
Unsere Menschen Lola und Jack standen in diesem Moment übrigens neben uns und betrachteten das ganze Szenario in freudiger Erwartung, als hätten sie ähnliche, romantische Illusionen wie die Katze vor mir. Doch hier würde niemand irgendwem das Gesicht mit Liebesbekundungen vollsabbern. Es war wahrscheinlicher, dass ich Miss Giggles Kopf mit einem Hundeknochen verwechseln würde.
„Die beiden sind so süß zusammen!“, schmalzte mein Frauchen da auch schon und tätschelte meinen Kopf, mit dem ich gerade darüber nachdachte, wie ich das Essen unserer neuen Mitbewohnerin wohl am unauffälligsten vergiften könnte. „Ich glaube, es ist Liebe auf den ersten Blick.“
Liebe auf den ersten Blick? Ich würde mich noch nicht einmal in diese Katze verlieben, wenn ich blind wäre.
Ihr Freund Jack deutete die Situation etwas realistischer, denn er antwortete: „Meinst du? Charles schaut etwas leidend drein!“
Richtig. So, als hätte die Katze einen vergammelten Fischburger zu Mittag gehabt.
„Ach, er hat wahrscheinlich nur Blähungen!“, zwitscherte Lola weiter und ich hätte liebend gerne ein Loch in den Boden gegraben, um nach dieser Aussage unauffällig darin zu verschwinden. „Das ist normal bei ihm!“
Miss Giggles ließ abrupt von meiner Schnauze ab und setzte sich dann vor mich, während etwas in ihren gelben Augen aufglomm, das ich nicht deuten konnte.  Zum Glück unterließ sie es, einen Kommentar zu Lolas Aussage zu machen, und sagte stattdessen freundlich: „Wie heißt du?“
Wieder nur ein Grunzen, das aus meiner Kehle drang, tief und inbrünstig – als wäre ich kurz davor, mich zu übergeben. Dabei hätte man annehmen können, dass dies doch eigentlich eine der einfachsten Fragen war, die man in seinem Leben gestellt bekommen konnte. Es sei denn natürlich, man litt unter Gedächtnisschwund.

Vielleicht sollte ich mich einmal zusammennehmen, bevor diese Kreatur die Genugtuung bekam, sich das Haus mit einem Hinterwäldler-Hund teilen zu müssen. Also räusperte ich mich angestrengt und brachte ein bitteres „Charles mein Name“ zustande – nicht ohne mein adeliges Mopsnäschen angeberisch in die Luft zu recken.
Die Katze nickte, begleitet von einem amüsierten Schnurren. Dann drehte sie sich ohne Weiteres auf den Pfoten um und entschwand leichtfüßig aus meinem Sichtfeld.
Und nur, um die Verwirrung beiseite zu schaffen: Ja, Katzen und Hunde können sich unterhalten. Es ist nur so, dass Miss Giggles wie eine betrunkene Südstaatengöre klingt, wenn sie neben meinem perfekten britischen Akzent ihr Maul aufreißt.
Ich sah ihr nach – mit einem Gefühl unter meiner Brust, das ich nicht deuten konnte. Nach reiflicher Überlegung stempelte ich es als „Verwirrung“ ab – Verwirrung darüber, ob ich jemals wieder glücklich werden konnte, wenn ich nun auf ewig dazu verdammt sein sollte, mit dieser Kreatur unter einem Dach zu leben. Auch Lola, die immer noch neben mir stand, sah nicht gerade frohlockend drein. Aber wohl eher, weil sie gehofft hatte, die Katze und ich würden nun gemeinsam über den Boden des Little Birds tollen.
Mein Frauchen hatte sich wohl zu viele YouTube-Videos angesehen. Die weckten unrealistische Erwartungen an die Beziehung zwischen Hunden und Katzen. Und ich, Charles von Harping Charmes, war eben schon immer ein knallharter Realist. Und in meiner Realität herrschte eben eine natürliche Rivalität zwischen Hunden und Katzen. Es ist unnatürlich, wenn Hund und Katze gemeinsam in einem Körbchen liegen und sich mit ihren Pfoten gegenseitig die Bäuche massieren.
„Na schön – die beiden werden sich schon aneinander gewöhnen!“, seufzte Lola in Richtung Jack und riss mich damit aus meinen Gedanken.
Sie lief zu Jack hinüber und die beiden verschmolzen zu einem perfekten Knäul Glückseligkeit, während sie ihre Lippen aufeinander pressten und ich versucht war ihnen zuzurufen, dass sie sich gefälligst ein Zimmer nehmen sollten – noch ein bisschen länger und das, was sie da taten, wäre nicht mehr jugendfrei.
„Lola“, hörte ich Jack zwischen Lolas feuchten Liebesbeweisen säuseln, „wir sollten weiterschmücken. Du weißt, Alfie könnte jeden Moment hier eintreffen!“
Beim Klang seines Namens hüpfte mein Herz unvermittelt ein paar Takte schneller.
Alfie kam zu Besuch? Dann war Weihnachten vielleicht doch gerettet. Denn dieser höchst sonderbare Mensch hatte die Angewohnheit, überall, wo er auftauchte, ein bisschen Wunder zurückzulassen. Und mal unter uns: Wenn er es schaffte, mich und Miss Giggles zu versöhnen, noch bevor der letzte Weihnachtsfeiertag zu Ende war, dann wäre das ungefähr so, als hätte er Wasser in Wein verwandelt oder das Meer geteilt.
Nun, ein Heiliger war Jacks Großvater nicht gerade, aber er hatte doch ein Herz aus Gold und er war dazu im Stande, das Unmögliche möglich zu machen. Zudem war er für gewisse magische Vorkommnisse in unser aller Leben verantwortlich. Aber vielleicht sollte ich euch erst einmal von unserer ersten Begegnung erzählen und davon, warum er mir seither nicht nur ein enger Vertrauter und Freund geworden ist, sondern jemand, von dem man leicht denken könnte, er käme aus einer anderen, einer viel besseren Welt.


*


„Charles!“, Alfie nickte mir schelmisch zu. Wir saßen in der gemütlichen Wohnung von Lolas Tante, als sich unsere Wege zum ersten Mal kreuzten. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte er mir kaum Beachtung geschenkt. Doch jetzt schien er sich ganz gezielt an mich zu richten. „Folgst du mir kurz in die Küche?“, er machte eine kleine Kunstpause. „Wir sind gleich wieder da!“

Also verschwanden wir. Er voran und ich dackelte (warum gibt es dieses Wort eigentlich? Eigentlich müsste es in meinem Fall mopste heißen) ihm aufgeregt hinterher – natürlich in der Annahme, es würde jetzt ein feines Leckerli für mich geben. Doch ich hatte mich gründlich geirrt. Als wir dort angekommen waren, bat er mich höflich, „Platz zu machen“, und setzte sich auf einen Stuhl mir gegenüber.
„Charles!“, erhob er nun seine Stimme. „Wir sollten uns unterhalten.“
Ich grunzte auf. Natürlich, weil ich das nur belächeln konnte. Seit ich denken konnte, hatte noch nie eine ernsthafte Unterhaltung zwischen mir und einem Menschen stattgefunden –  wie auch. Diese Wesen hielten sich für Intelligenzbestien und doch konnten sie meine Sprache nie gänzlich entschlüsseln, unterhielten sich mit Händen und Füßen und einsilbigen Befehlen mit mir – während ich, wie alle Tiere, ihre Sprache fließend verstand. Aber gut. Ich will nicht pingelig erscheinen.
„Also schön, dann schieß mal los, Alter!“, erwiderte ich also in meinem feinsten britischen Hundedialekt.
„Alter ist nicht gerade angemessen!“, entgegnete Alfie mit einem Zwinkern und mir rutschte mein Herz in Richtung Mopsschwanz. „Nenn mich bitte Alfie!“
„Moment mal-“, ich schnappte nach Luft, „das ist nicht möglich.“
„Alles erscheint unmöglich, bis jemand kommt und das Gegenteil beweist“, er seufzte fast schon gelangweilt, bevor er unbeirrt fortfuhr und nicht mehr auf sein seltsames Talent, mit Tieren zu kommunizieren, eingehen wollte. „Und ab heute werden wir gute Freunde sein müssen, denn du musst Jack und Lola für mich im Auge behalten… hast du schon einmal etwas von den Fairy Cupcakes gehört?“
Das musste er nicht zweimal fragen, denn ich hatte nicht nur von ihnen gehört. Vor nicht allzu langer Zeit hatte ich selbst einen davon gegessen und hatte mich dabei für einige Stunden in einen weißen Hengst verwandelt. Denn diese magischen Zauberkuchen, ein Produkt von Alfies Genie, können einem jeden Wunsch erfüllen. „Nun, ich möchte einfach auf dem neusten Stand gehalten werden, was diese magischen Gebäcke angeht – ob sie wieder zum Einsatz kommen und so weiter. Ich brauche da einfach einen Überblick und Tiere sind von ihren unschönen Nebenwirkungen nicht betroffen – die idealen Spione also!“, er kratzte sich etwas selbstgefällig an seinem buschigen, weißen Schnurrbart. „Ich hoffe, du tust mir den Gefallen?!“
Das tat ich, denn seit unserem ungewöhnlichen Plausch in der Küche waren wir enge Verbündete. Auch hinterfragte ich seine merkwürdige Fähigkeit, mit Tieren zu sprechen, nicht noch einmal. Denn jemand, der magische Cupcakes entwickeln konnte, war wohl zu allem fähig.


*


„Alfie! Alfie! Alfie! Weihnachten ist gerettet“, jauchzte ich, als er durch die Tür des Little Birds platzte. Nur er verstand, was ich sagte. Alle anderen hörten nur mein rasselndes Bellen, weshalb mir Lola auch einen mahnenden Fingerzeig gab.
Grandpa Alfie tätschelte meinen Kopf.
„Da freut sich aber jemand, mich zu sehen!“, ein Lächeln umspielte seine Lippen.
Jack rollte mit den Augen. „Du bist wahrscheinlich sein Lichtblick; wir haben heute endlich Miss Giggles nach Harping Charmes gebracht!“
„Soso!“, er schmunzelte. „Der kleine Rotschwanz also! Und sonst ist mit dem Umzug alles glatt gelaufen?“
„Ein paar Sachen sind noch in London, aber wir werden über die Feiertage keinen Finger mehr rühren!“
„Hmmm!“, entgegnete Alfie. „Könntet ihr für ein paar Minuten eine Ausnahme machen? Euer Weihnachtsgeschenk befindet sich im Kofferraum des Transporters, den ich gemietet habe – und ist, nun, etwas sperrig. Weshalb ich das gute Stück nur schwer alleine hineintragen kann!“
„Alfie – was hast du ge…?“, Jack sah ihn verwundert an.
„Nur eine kleine Aufmerksamkeit“, unterbrach Alfie ihn und lächelte geheimnisvoll.
Doch es sollte sich herausstellen, dass es viel mehr war als das.
Etwa eine halbe Stunde später stand ein sperriger Schrank aus Mahagoniholz in der Teestube des Little Birds, gleich neben einem bereits üppig geschmückten Weihnachtsbaum. Seltsamerweise fügte er sich perfekt in das Bild des gemütlichen Cafés ein. Das war offenbar so interessant, dass sich auch Miss Giggles wieder zu uns gesellt hatte; ich spürte zumindest ihre gelben Augen im Nacken, und ihr penetranter Katzengeruch kreiste mir um die Schnauze.
„Der Schrank ist wunderschön, danke!“, sagte Lola – doch man hörte, dass sie sich nicht ganz sicher war, was sie von diesem außergewöhnlichen Weihnachtsgeschenk halten sollte. Aber Jacks Augen glänzten.
Das antike Möbelstück war mit außergewöhnlichen Schnitzereien verziert, die aus einem Märchenbuch hätten sein können und an Bohnenranken erinnerten, zwischen denen kleine Sterne und andere Symbole tanzten. Er stand auf goldenen Löwenpfoten und immer mal wieder waren auch die Schnitzereien vergoldet. Der Schrank hatte drei Türen, wobei die mittlere einen Spiegel trug, der bis zum Boden reichte, und die beiden anderen jeweils einen großen, goldenen Türknauf hatten.
„Ich kann nicht glauben, dass du einen von ihnen hergebracht hast!“, seufzte Jack, und nach einer kurzen Pause fügte er hinzu: „Er ist aus Alfies Haus in Kensington!“ Lolas Freund kam aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. „Meine Schwester hat sich darin früher immer versteckt! Es hängen viele schöne Kindheitserinnerungen daran!“
„Und?“, hörte ich Miss Giggles unvermittelt neben mir. Ich zuckte zusammen. Diese Katze konnte sich wie ein Gespenst anschleichen.
„Was hältst du von Alfies Geschenk?“ Ihre Stimme war ruhig, fast etwas geheimnisvoll.
„Mir wäre ein Steak lieber gewesen!“, erwiderte ich wahrheitsgemäß und hoffte, die Unterhaltung wäre hiermit beendet.
„Davon würdest nur du satt werden“, entgegnete Miss Giggles leise und sah nachdenklich zu Grandpa Alfie hinüber.
Als hätte dieser Miss Giggles Aussage gehört, rief er: „Na, Rotschwanz, was sagst du dazu?“ Und mit einem Schlag ging es mir auf: Wenn Alfie mich verstand, dann verstand er auch meine neue Mitbewohnerin, und die beiden waren womöglich schon viel länger Verbündete, als es mir lieb gewesen wäre.
Miss Giggles zwinkerte nur unauffällig in seine Richtung und wandte sich dann wieder mir zu. „Dieses Weihnachten wird höchst interessant!“, schnurrte sie.
Ich konnte es mir kaum verkneifen, ihr ein bissiges „Warum? Weil es statt Truthahn mal Katze geben wird?“ vor die Pfoten zu werfen. Doch sie schien meine Abneigung ihr gegenüber auch so zu spüren, denn ein kaum merkliches Seufzen verließ ihre Lippen. Mit Blick zum Schrank sagte sie: „Du magst mich nicht besonders, richtig? Du hast in mir von Anfang an jemanden gesehen, den du nicht leiden kannst – und das nur, weil ich eine Katze bin. Aber weißt du, man sieht so viele Dinge so viele Male, ohne sie ein einziges Mal wirklich zu sehen!“ Und mit einem Schlag wusste ich: Verdammt, Miss Giggles hatte wirklich schon viel mehr Zeit mit Alfie verbracht. Denn dieser Satz hätte von unserem verrückten alten Schriftsteller sein können.
Ich schlief unruhig in jener Nacht, auf die ein Morgen folgensollte, der alles zwischen mir und Miss Giggles ändern würde.
Die Sonne war noch nicht aufgegangen, als ich von einem seltsamen Geräusch geweckt wurde und in meinem Hundekorb unter der Treppe verschlafen den Kopf hob. Es hörte sich an, als würde ein seltsames Tier gähnen, es hätte aber auch nur der Wind sein können, der durch das Untergeschoss unseres Cottages fegte und die getrockneten Blumen und Kräuter an der Küchendecke des Little Birds rascheln ließ. Mildes Mondlicht flutete durch das halbrunde Fenster der Eingangstür und verlieh allem einen seltsam weißen Glanz. Für einen Moment dachte ich, dass es vielleicht über Nacht geschneit hatte, und ich stellte mir unser britisches Dörfchen Harping Charmes vor und wie es sich seine Winterjacke angezogen hatte: Schnee, wie Puderzucker auf den Dächern der Häuser, sodass jedes von ihnen aussah, als wäre es einem Märchen entsprungen. Ihr wisst schon, wie das Haus aus Hänsel und Gretel, nur, dass man all den Naschkram darunter vor lauter Schnee nicht sehen konnte. Zumindest das Little Birds, mit seinem hübschen Reetdach und dem riesigen Garten darum herum, musste einem verwunschenen Hexenhaus ähneln.
Ich reckte meine Mopsnase in die Luft… es roch tatsächlich nach Schnee, dafür war jedoch ein anderer Geruch verschwunden. Der von Katze.
Ich rappelte mich auf und lief zur Hundeklappe in der Eingangstür, um meinen Kopf hindurchzustecken. Zu meiner großen Überraschung lag nicht eine einzige Schneeflocke über dem Vorgarten des Little Birds. Konnte mich mein Geruchssinn wirklich so getäuscht haben? Ich taumelte zurück, während sich ein Frösteln durch meinen Körper schlich. Ich wollte schon zurück zu meinem Körbchen unter der Treppe, doch ein besonders kräftiger Windstoß hielt mich davon ab – und er kam nicht aus der Richtung der Hundeklappe, sondern aus dem Türspalt, der direkt in die Teestube des Little Birds führte. Ich hielt verwirrt die Luft an, als eine handvoll Schneeflocken von dort aus in meine Richtung tanzte. Plötzlich konnte ich nicht mehr ans Schlafen denken, all meine Sinne hatten sich geschärft. Nein, da war nicht nur der Geruch von Schnee, es war auch noch ein anderer, fremder Geruch dazu gekommen – und er musste zu einem Tier gehören. Keiner Katze. Einem Wesen, das ich noch nicht kannte. Einem wilden Hund vielleicht. Also nahm ich all meinen Mut zusammen und bewegte mich mit vorsichtigen Schritten auf den Türspalt zu, durch den jetzt immer merklicher ein eisiger Wind pfiff. Aber auch die goldenen Lichter des Weihnachtsbaumes fluteten von dort zu mir in den Korridor hinaus und flackerten in meinen Pupillen.
„Hallo?“, krächzte ich. Denn obwohl man nur das ewige Pfeifen des Windes hörte, wusste ich, dass sich etwas Fremdes in das Little Birds geschlichen haben musste. Ich drückte mich gegen die Tür zur Teestube unseres Cafés und erstarrte schlagartig.
Der gesamte Raum war mit Schnee bedeckt und durch die Luft tanzten Schneeflocken wie seltsame Feenwesen, die dort glanzvolle Pirouetten zogen. Die Tische und Stühle waren kaum noch zu erkennen, die Pflanzen im Wintergarten und auch der Flügel hatten sich einen weißen Schal übergeworfen. Ich fröstelte, als ich mit meinen Pfoten in der kalten Masse einsank und ein paar Schritte in den Raum machte, während ich sprachlos den ganzen Schnee beobachtete, der mir um den Kopf wehte. Der fremde Tiergeruch lag mir immer noch in der Nase.
Der gesamte Fußboden war von Fußabdrücken übersäht, die sich um die Tisch- und Stuhlbeine schlängelten.
„Miss Giggles?“, rief ich in die verwunschene Schneelandschaft hinein. Auch wenn ich wusste, dass das nichts brachte. Denn was auch immer in unser Haus gedrungen war: Es musste die Katze mitgenommen haben. Meine Augen folgten den Fußabdrücken. Sie führten vor die Tür des uralten Mahagonieschrankes, den Alfie dort abgestellt hatte, und zu meiner erneuten Ungläubigkeit verliefen sie sich irgendwo jenseits des sonderbaren Spiegelbildes. Denn eigentlich hätte ich ja mich selbst sehen müssen – stattdessen sah ich jedoch einen weitreichenden Pfad, der sich zwischen im Wind säuselnden Bäumen verlor; irgendwo dort, auf der anderen Seite des Schrankes, in einer Welt, die den Geruch des Ungeheuers, der mir hier bereits in meine Nase gedrungen war, noch intensiver in sich hielt.
Ich stand da, mit heruntergeklappter Mopskinnlade, und wusste nicht, was ich tun sollte – als mir unvermittelt ein eindringlicher Schrei auf die Sprünge half.
„Charles!“, rief es da – und zu meinem großen Verdruss kam der Schrei nicht aus dem Little Birds, sondern aus dem Wald jenseits der Schranktüren. Am liebsten hätte ich ihn ignoriert. Gerade weil er offensichtlich von Miss Giggles kam, von der ich schon gehofft hatte, sie bereits auf äußerst praktische Art und Weise und ohne, dass ich etwas dafür hätte tun müssen, losgeworden zu sein.
Doch leider war ich kein Untier. Ich musste Miss Giggles zur Hilfe eilen – denn wer oder was sie auf der anderen Seite auch immer festzuhalten schien, der Tonlage der Katze zufolge kannte es kein Erbarmen. Und wenn wir mal ehrlich waren: Wenn ich jetzt nichts unternahm, wäre ein schönes Weihnachtsfest für die ganze Familie gestrichen. Alle würden sie nur mit verrotzten Taschentüchern am Weihnachtsbaum sitzen und ein Gesicht ziehen, als würde nichts und niemand dort jemals wieder ein Lächeln einzeichnen können.
Auch wenn es mir gewaltig gegen den Strich ging – denn ich war immer noch davon überzeugt: Hunde und Katzen waren natürliche Feinde ¬– ich hatte keine Wahl. Für unser aller Frieden musste Charles von Harping Charmes zum Helden werden… und eine verdammte Katze retten.
Auch wenn mir der Begriff „Held“ überaus behagte, ich hätte eher einen durchtrainierten Schäferhund damit betitelt, keinen korpulenten Mops wie mich. Doch ich versuchte trotzdem all meinen Mut zusammenzunehmen, atmete ein paarmal gezielt ein und aus, als würde ich gleich unter Wasser tauchen, nahm Anlauf und sprang dann mit einiger Bemühung durch den Spiegel, auf die andere Seite des Schrankes – hinein in jene fremde Welt, die nach Schnee, Wald… und ein klein wenig nach Schicksal roch.
Keuchend blieb ich zunächst einmal stehen und drehte mich um. Ich sah die Teestube des Little Birds wie durch ein schmales Fenster. Sie versank immer mehr unter dem Schnee, der mir hier, auf der anderen Seite, noch reger um die Mopsnase rieselte. Passierte das gerade alles wirklich? Als erneut mein Name durch die eisige Winterluft gerufen wurde, erinnerte ich mich daran, dass ich keine Zeit hatte, mir weiter Gedanken darüber zu machen. Ich musste schnell handeln. Also setzten sich meine fleischigen Beinchen in Bewegung und ich trabte so schnell es ging dem Waldrand entgegen.
„Charles!“ – Miss Giggles Stimme schien überall und nirgendwo zu sein – wie ein fernes Echo, das sich ziemlich nachdrücklich in meinen Kopf gebohrt hatte, sodass ich es umso intensiver hören konnte. Der Wald kam immer näher und ich konnte erkennen, dass es sogar so etwas wie einen Eingang gab: zwei fremdartige Bäume, die sich so ineinander verstrickt hatten, dass sie eine Art Rundbogen bildeten, durch den ich nun unbeholfen stolperte.
Ich war keine zehn Meter gelaufen, da spürte ich schon, dass ich verfolgt wurde. Es war das Knistern der Büsche, was das fremdartige Wesen verriet. Also erstarrte ich, während mein Puls beschleunigte und ich anfing die Zähne zu fletschen, bereit mich zur Wehr zu setzen, wenn ich musste – und damit Miss Giggles aus seinen eisigen Klauen zu befreien. Meine Haare hatten sich gesträubt, während ich nur darauf wartete, dass das Knistern des Laubes endlich Gestalt annahm. Und das tat es dann auch: ein eleganter Fuchs trat aus dem vertrockneten Blattwerk. Er hatte große, dunkle Augen und zu meiner größten Erleichterung sah er nicht so aus, als würde er mich gleich auffressen wollen. Stattdessen hatte er so etwas wie ein Lächeln aufgesetzt und fragte mit ruhiger Stimme. „Hast du Dich verlaufen?“
„Nicht direkt!“, entgegnete ich. „Aber ich suche jemanden – hast du eine rote Katze gesehen?“
„Das habe ich in der Tat!“, entgegnete der Fuchs und machte noch einen Schritt auf mich zu, um mir direkt in die Augen zu sehen. „Folge mir!“
Ich war erleichtert. Man sagt Füchsen nach, dass sie überaus intelligent seien. Mit seiner Hilfe hatte ich Miss Giggles sicherlich sofort gefunden. Vielleicht konnte er an meiner Stelle sogar mit dem Ungeheuer kämpfen. Also folgte ich ihm über den flüsternden Schnee. Er sprach nicht, sondern huschte einfach nur den Waldweg hinauf, sodass ich manchmal etwas Mühe hatte ihm zu folgen. Wir hinterließen leise Abdrücke im Schnee, bis wir zu einem Fluss kamen, dessen Strömung trotz des Schnees ziemlich eindringlich zu sein schien und bedrohlich gurgelte.
„Das ist kein gewöhnlicher Fluss!“, ließ mich der Fuchs wissen. „Sollte auch nur ein Körperteil von dir das Wasser berühren, wirst du dich sofort in Luft auflösen! Etwa zwei Kilometer von hier befindet sich eine Steinbrücke, doch wir können auch diesen Ast hier zum Überqueren des Wassers nehmen!“, seine Pfote deutete vor sich. Dort lag ein von Moos überwachsener Ast, der gerade so breit war, dass ich mir zutraute, darauf zu laufen.
„Charles!“ Es war Miss Giggles flehende Stimme in meinem Kopf, die mich dazu brachte, ungeduldig zu nicken. „Wenn du denkst, dass es sicher ist – lass uns schnell hinüber!“ Er war ein Fuchs. Er wusste schon, was er tat.
„Ich gehe vor!“, entgegnete der Fuchs, und als er die erste Pfote auf den Ast setzte, fiel mir auf, wie morsch dieser eigentlich war. Es geschah, was geschehen musste: In der Mitte der Strecke brach der Ast entzwei und der Fuchs stürzte überrascht in den Fluss, wo er sich sofort in Luft auflöste, bevor er überhaupt dazu fähig gewesen wäre zu schreien.
Ich erschauderte und sah dabei zu, wie sich das, was einmal ein Fuchs gewesen war, in Form von glimmenden Staubpartikeln mit dem Schnee vermischte.
„Charles!“ Es war wieder Miss Giggles – und es klang, als würde sie jeden Moment sterben. Ich musste mich beeilen – sonst stand dieses Weihnachten unter keinem guten Stern. Also trabte ich wieder los, denn zum Glück hatte mir der Fuchs vor seinem merkwürdigen Ableben verraten, dass es zwei Kilometer weiter eine Brücke gab. Und diese fand ich auch – durchgeschwitzt und außer Atem – aber ich fand sie.
Auch wenn meine Freude darüber nicht von langer Dauer sein sollte, denn sofort stellte sich mir eine neue Herausforderung in den Weg: Die Brücke war von drei großen Felsbrocken verschüttet.
„Verdammt!“, ächzte ich und sah mich um. Vielleicht gab es hier doch noch einen anderen Ast, einen, der größer und stabiler war. Denn die Brücke konnte ich offensichtlich vergessen.
Da fiepte es plötzlich neben mir. „Brauchst du Hilfe?“
Ich zuckte erschrocken zusammen und schaute mich irritiert um. Und da entdeckte ich sie: Eine winzig kleine weiße Maus, deren schwarze Kulleraugen fast das einzige waren, was ich bei all dem Schnee sehen konnte. „Du siehst zumindest so aus.“
Ich schnaubte. „Hilfe?“, entgegnete ich. „Ja, aber sicher nicht von dir! Wie soll eine kleine Maus wie du diese Steinbrocken aus dem Weg räumen? Das schaffe selbst ich nicht!“
Die Maus lächelte nur, hopste zur Brücke hinüber und hob erst den einen Felsbrocken mühelos an, um ihn in den Fluss zu werfen, wo er sofort zu kleinen Glitzerpartikeln verpuffte, dann den zweiten und zuletzt den dritten – bis der Weg über die Brücke frei war.
Ich war sprachlos und wollte mich gerade bei der seltsamen Maus bedanken, doch da war sie auch schon aus meinem Sichtfeld gesprungen und ich hörte nur noch ein leises „Gern geschehen!“, während ihr kleiner Körper wieder mit dem Schnee um uns herum verschmolz.
Ich hatte keine Zeit mehr mich zu fragen, wie das um Gotteswillen möglich sein konnte, denn nun rüttelte ein ohrenbetäubendes Brüllen die Bäume auf der anderen Seite der Brücke und ich wusste instinktiv, dass es zu dem Wesen gehörte, das unsere Miss Giggles entführt haben musste.
Auch wenn ich mich alles andere als mutig fühlte, galoppierte ich vorwärts. Ich stellte mir einfach vor, wieder einen Fairy Cupcake gegessen zu haben – denn in jener Welt war ich ein stählerner, weißer Hengst, dem nichts und niemand etwas anhaben konnte. Allein diese Gedanken trugen mich immer weiter ohne einzuknicken. Sie ließen Mut in meine Adern fließen, wie warmer Tee erfrorene Glieder aufzuwärmen versteht. Auch wenn ich meine neue Mitbewohnerin immer noch nicht leiden konnte – ich musste sie retten, für die Menschen, die ich liebte. Für Jack, für Lola und natürlich für Alfie und für ein Weihnachten ohne Schmerz. Ihr Glück war mir wichtiger als meine Abneigung gegen Miss Giggles. Und da hörte ich sie wieder schreien – doch dieses Mal nicht nur in meinem Kopf. Der Schrei tanzte um die Bäume, wurde immer eindringlicher und ich wusste, dass ich dem Versteck des Ungeheuers immer näher kommen musste.
Meine Pfoten hinterließen kleine Abdrücke auf dem murmelnden Schnee, auch wenn es mich einiges an Mühe kostete und mein Herz so schnell klopfte, als könnte es jeden Moment aus meiner Brust bersten. Als ich an gefühlt hundert verschlungenen Bäumen vorbeigeschossen war, erreichte ich endlich den Eingang einer tiefen, dunklen Höhle. Sie sah aus wie das exorbitante, geöffnete Maul eines Seeungeheuers und war mit tausenden kleinen, schwarzen Steinen übersäht, die an mancher Stelle silbrig funkelten, sodass sie einen tatsächlich an die Schuppen eines Fisches erinnerten. Hinter der Schwelle des Eingangs wartete nichts als gellende Dunkelheit und die verzweifelten Schreie von Miss Giggles sowie das bedrohliche Grollen des Ungeheuers.
„Halte durch!“, brüllte ich und wollte durch die durchdringende Dunkelheit vor mir traben, die mich sicherlich sofort umschlungen hätte wie ein eisiger Mantel der Angst. Ich wollte mich dem Gegner stellen, meine spitzen kleinen Mopszähne in sein Fleisch bohren, alles tun, um meine neue Mitbewohnerin in Sicherheit zu bringen und damit auch unser erstes gemeinsames Weihnachten als Familie zu retten. Ich, Charles von Harping Charms, ein Held. Der Retter von Weihnachten.
Doch ich kam zu spät. Noch bevor ich die Schwelle zur Höhle übertreten hatte, jagte ein so schmerzverzerrter Schrei in meine Richtung, dass sogar einige schwarze Raben über mir in den schneedurchfegten Himmel stoben. Ich blieb abrupt stehen. Meine Mopsbeine waren kniehoch im Schnee versunken. Ich war wie angewurzelt, als plötzlich rotes Blut aus der Höhle floss und verstörende Muster in den weißen Schnee vor mir malte.
„Nein!“, wimmerte ich auf. Denn es sollte der letzte Schrei sein, den ich von Miss Giggles hörte. Ich wollte in die Höhle stürzen, doch ich konnte nicht. Ich stand einfach nur da, während die Unschuld des Schnees durch das Rot des Blutes merkwürdig entstellt wurde.
Und dann stürzte es über mich. Das Ungeheuer. Zottelig, mit blutverschmiertem Mund und Reißzähnen so lang wie Tranchiermesser. Es brüllte mir seine geballte Kraft ins Gesicht, während ich anfing immer kleiner zu werden und gänzlich im Schnee unter mir versank. Zitternd vor Angst. Wohlwissend, dass dies kein Kampf war, den ich gewinnen konnte. Dass ich hier und jetzt sterben würde. Dass ich versagt hatte. Dass es keine Hoffnung mehr gab und mir das sonderbare Wesen, das ich trotz all meiner Angst als übergroßen Wolf erkannte, mir jede Sekunde das Herz aus dem Leib reißen würde. Der Wolf starrte mich an, mit seinen riesigen roten Augen, so eindringlich, als könnte er meine Gedanken lesen, in denen ich jetzt nur noch eine Frage vorbeiziehen sah: Sollte es das schon gewesen sein? Würde ich, Charles von Harping Charmes, wirklich so zugrunde gehen? Doch ich gab mich schon geschlagen, bevor die Frage erneut aufploppte, wie ein Korken auf dem Wasser.
„Du!“, grollte das Untier über mir.
Ich konnte natürlich nichts erwidern, Blut tropfte aus dem Maul in mein Gesicht und ich wünschte mir einfach nur, er möge schnell sein und das Unausweichliche endlich erledigen: nämlich seine spitzen Reißzähne in meiner Kehle vergraben, sodass mein armes Herz endlich aufhören konnte davonzugaloppieren.
„Mach schnell!“, wimmerte ich.
Doch der Wolf lachte nur gebieterisch. „Du!“, hob er erneut seine grässliche Stimme an. „Man sieht so viele Dinge so viele Male, ohne sie ein einziges Mal wirklich zu sehen!“ Und dann brüllte das Monster so ohrenbetäubend auf, dass ich allein davon fast an einem Herzinfarkt gestorben wäre. Doch dabei passierte noch etwas anderes, etwas überaus merkwürdiges: Der Wolf löste sich zeitgleich in jene funkelnden Staubpartikel auf, die ich auch schon beim Fuchs und den Felsbrocken hatte beobachten können, und zurück blieb… eine fuchsrote, strubbelige Katze, die mich aus bernsteingelben Augen ruhig ansah. Miss Giggles. Dann klapperten plötzlich Schuhsohlen auf Stein, jemand klatschte nachdrücklich in die Hände und ich hörte eine Stimme aus der Höhle immer näher kommen: „Ein schlauer Fuchs, der etwas Dummes tut, eine kleine, zerbrechliche Maus, die stark ist wie ein Elefant, und ein furchteinflößender Wolf, ein Ungeheuer, das etwas Gutes tut, in dem er einen Unschuldigen verschont.“
Es war Alfie.
Ich schnappte ungläubig nach Luft. „Alfie?!“
„Überraschung!“ Er lachte sein typisches, melodisches Alfie-Lachen, dabei hörte er nicht auf, in die Hände zu klatschen, als wolle er sich damit selbst feiern.
Miss Giggles war inzwischen von mir heruntergetreten, jedoch auf die Größe eines Pferdes angewachsen. Alfie trat neben sie und fing an ihr fuchsfarbenes Fell zu streicheln, während er mich mitfühlend ansah.
„Charles, mein Freund, wir sind alle so viel mehr, als wir auf den ersten Blick scheinen. Doch kaum einer nimmt sich die Zeit, hinter unsere Fassade zu blicken, weshalb die meisten in der Welt ihrer eigenen, begrenzten Gedanken hängen bleiben. Das konnte ich bei dir unter keinen Umständen zulassen!“, er lächelte. „Ich wusste, dass du unseren kleinen Rotschwanz nicht ohne Weiteres akzeptieren würdest. Deshalb – nun, habe ich diesen kleinen Ausflug für uns arrangiert. Willkommen in meiner Welt. Meinem Imaginarium. Damit du erkennst, dass unser größtes Wachstum darin liegt, die Wunder hinter dem Offensichtlichen zu erforschen.“
Ich blickte fassungslos zu Boden, aber auch ein wenig beschämt, weil ich mich irgendwie ertappt fühlte.
„Weißt du, ich habe mich schon immer gewundert, warum eigentlich noch niemand von euch auf die Idee gekommen ist, mich mal zu fragen–“, er zuckte mit den Schultern. „Ich meine – wo Mathilda und ich das Rezept der Fairy Cupcakes gefunden haben! Dachtet ihr ernsthaft, es wäre dort drüben gewesen?“
Er deutete in eine unbestimmte Richtung, doch ich wusste, er konnte nur die Welt hinter dem Spiegel des alten Wandschrankes meinen.
Ich war sprachlos, wusste nicht, was ich sagen sollte – oder ob es überhaupt Worte gab, die ich sagen konnte. Da gab es tausend Fragen, die mir durch den Kopf schossen.
„Wie ist das möglich?“, stammelte ich unbeholfen, „das alles hier?“
„Du stellst die falschen Fragen!“, sagte Miss Giggles und Alfie ergänzte: „Frage dich lieber, wieso das alles nicht möglich sein sollte!“
Beide lächelten wohlwissend.
„Und nun ist es Zeit, Charles. Die Sonne geht schon auf!“, Alfie blickte über die verschlungenen Baumwipfel hinweg in Richtung Horizont.
Er lief auf mich zu, nahm mich mit einer einzigen, federleichten Handbewegung vor die Brust und sprang danach auf den Rücken von Miss Giggles, die anfing, in derart rasanter Geschwindigkeit durch den Wald zurück zu galoppieren, dass mir plötzlich sehr schwindelig wurde, so schwindelig, dass ich das Bewusstsein verlor und… mit einem durchdringenden Schrei in meinem Körbchen unter der Treppe aufwachte.
Miss Giggles stand neben mir. In normaler Größe. Sie sah aus, als hätte sie mich eine halbe Ewigkeit beobachtet, ein keckes Grinsen zierte ihr Katzenmaul. „Auch schon wach?“, miaute sie gedehnt.
„Was war das?“, stammelte ich und rappelte mich in meinem Körbchen auf. „Ein Traum?!“
Die Katze fing an, ihre rechte Vorderpfote zu putzen, gemächlich, als wüsste sie ganz genau, was in der Nacht geschehen war. Nach gefühlt einer halben Ewigkeit setzte sie ihr Bein ab und musterte mich mit jenem eindringlichen Blick, mit dem sie mich auch in meinem Traum ins Visier genommen hatte, als sie noch als furchteinflößendes Untier über mir gethront hatte. „Wenn ein schlauer Fuchs etwas Dummes tun kann, eine zerbrechliche Maus so stark ist wie ein Elefant und das fürchterlichste Untier dieser Welt Güte zeigt, so kann jeder Traum auch Wirklichkeit sein.“
Mein Mopsherz rutschte mir in die Bauchgegend. Wie konnte sie all diese Dinge wissen, wenn ich das alles wirklich nur geträumt hatte?
Eine einzelne Schneeflocke tanzte aus dem Nichts herbei und segelte zwischen uns auf den Boden, um dort mit dem hellen Parkett zu verschmelzen. Plötzlich gab es nur noch eine vernünftige Sache, die ich darauf erwidern konnte. „Nun gut!“, hob ich zu einer heroischen Rede an. „Wenn ein schlauer Fuchs etwas Dummes tun kann, eine zerbrechliche Maus so stark ist wie ein Elefant und das fürchterlichste Untier dieser Welt Güte zeigt, dann kann ein Hund auch mit einer Katze befreundet sein.“
Miss Giggles nickte zufrieden. „Ich wusste, wir würden uns verstehen!“, entgegnete sie schelmisch. Und ab diesem Tag waren wir unzertrennlich. Denn diese Geschichte hatte uns zusammengeschweißt.

Über die Autorin

Naoma Clark ist studierte Journalistin, heute selbstständig als Multimedia Artist und ein kreatives Phänomen. Bereits als Kind verliebte sie sich in den Zauber einer guten Geschichte und erzählt diese heute als Autorin-, Video- und Fotografin auf der ganzen Welt. Als Carrie Bradshaw des Glücks schrieb sie sich schon auf ihrem Blog GLÜCKSpilz in die Herzen ihrer Leser. All ihren Geschichten liegt ihr größtes Herzensthema zugrunde: Glück – mit einem Hauch von Wunder, Magie und Liebe. Wer mehr über die Autorin wissen möchte, kann sich über Instagram @naomaclark.official gerne mit ihr verbinden.

Bücher von Naoma Clark
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Das Gewinnspiel endet am 27. Dezember 2018.