Buchblog: Am Dienstag, 05. November 2013 von Piper Verlag

Zwischen Coq au vin, Boeuf Bourguignon und Béchamel

Sigrid Neudecker über »Madame ist willig, doch das Fleisch bleibt zäh«

Die wichtigste Frage zuerst: Können Sie jetzt kochen?

Sagen wir so: Die Küche explodiert jetzt nicht mehr jedes Mal, wenn ich den Herd einschalte. Der Rauchmelder springt auch nur noch an, wenn ich etwas anbrate. Und mein Mann – der ein exzellenter Koch ist – schaut nicht mehr gar so misstrauisch, wenn ich ihm etwas zum Probieren reiche.

So schlimm wird es ja wohl nicht gewesen sein, oder?

Nun, ein Mal habe ich ihn sogar so weit gebracht, dass er zur Spüle rennen und sich den Mund auswaschen musste. Das war, nachdem er von meiner Eigenkreation „pikante Meringues“ gekostet hatte, Windbäckerei mit Curry- oder Paprikageschmack. Als er das eine probiert und ekelhaft gefunden hatte, redete ich ihm noch ein, dass das andere aber wirklich nicht so übel sei. Er hat den Rest des Tages nicht mehr mit mir geredet.
Er hat auch recht schnell seine Idee bereut, ich könnte unseren Pariser Freunden mal einen Tafelspitz servieren. Vor allem, weil er in der Woche davor jeden Tag steinhartes, staubtrockenes Rindfleisch essen musste. Immerhin teile ich seither seine Meinung, dass man nur servieren darf, was man vorher ausprobiert hat.

Warum haben Sie ausgerechnet in Paris beschlossen, kochen zu lernen?

Essen, Genießen und Kochen sind wichtige Alltagsthemen in Frankreich, damit wächst man als Franzose auf. Essen konnte ich ja schon ziemlich gut, aber beim Kochen war ich eine komplette Null. Auf unserem Pariser Markt, wo man in der Warteschlange gern mal über Zubereitungsmethoden fachsimpelt, stand ich immer nur stumm dabei oder warf ein paar Sätze, die ich mir vom Gatten abgehört hatte, in die Diskussion. Schlussendlich war es einfach das Gefühl, etwas zu verpassen, wenn man mit all den wunderbaren Produkten, die in Frankreich angeboten werden, nichts anzufangen weiß. Naja, und irgendwann wurde es selbst mir peinlich, immer darauf angewiesen zu sein, dass der Gatte etwas Essbares auf den Tisch stellt.
Außerdem gibt es in Paris täglich unzählige Kochkurse. Man kann sich unter Anleitung eines Kochs in der Mittagspause sein Déjeuner zubereiten, ein Wochenende lang Brot backen lernen oder gleich eine mehrmonatige professionelle Ausbildung absolvieren. Und fast alle Kurse sind auch für Anfänger geeignet. Es gibt viele Touristen, die extra nach Paris kommen, um hier ein paar Spezialkurse zu besuchen, beispielsweise zu Saucen oder Pâtisserie.

Sie haben sogar mit Gérard Depardieu Ratatouille gekocht. Wie lautet sein Rezept?

Alles kleinschneiden und auf dem Herd vergessen. Ein Rezept ganz nach meinem Herzen! Und trotzdem war es wirklich lecker. Gérard kocht sehr unverkrampft, er schaut nicht auf die Uhr, wie lange das Fleisch schon im Rohr ist und hat vermutlich auch noch nie ein Bratenthermometer benützt – ohne das ich nicht überleben würde. Aber ich habe bei ihm auch gelernt, dass es viele Wege gibt, ein Ratatouille (ein Hühnchen, ein Roastbeef, ...) zu kochen. Und alle führen zu unterschiedlichen, aber immer delikaten Ergebnissen. Gerade das ist für einen Anfänger, der gerne das eine perfekte Rezept hätte, schwierig.

Ist M. Depardieus Ratatouille-Rezept auch im Buch zu finden?

Es gibt eine grobe Anleitung, weil Ratatouille wirklich unglaublich einfach ist. Da kann nicht einmal ich etwas falsch machen. Aber im Rezeptteil stehen sehr wohl auch genaue Anleitungen für Gerichte, die teils typisch französisch, teils einfach unglaublich lecker sind und die vor allem sogar ich schaffe. Und was ich schaffe, kann jeder nachmachen!

Sie sind seit kurzem zurück in Deutschland. Was fehlt Ihnen am meisten?

Der Tomatenmann! Auf unserem Markt gab es einen Stand, der ausschließlich Tomaten verkauft, aber in einer Qualität, die dem Gatten und mir die Tränen der Verzückung in die Augen trieben, als wir zum ersten Mal in eine Tomate bissen. Und unser Fischgeschäft. Und dass die Franzosen prinzipiell in einem sehr leichten Flirtton miteinander sprechen, selbst wenn sie einander nicht kennen. Und vielleicht fehlen mir doch auch die kleinen Missverständnisse, die sich manchmal durch die Sprache ergaben. Als ich zum Beispiel einmal beim Schinkenweltmeister auf dem Markt etwas kaufte, das er mir als „oignons“, Zwiebel, anpries. Womit ich dann nach Hause kam, waren „rognons“. Schweinenieren.

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