Buchblog: Am Donnerstag, 30. Oktober 2014

Vorwort zu Powder von Felix Neureuther

Er gehört zu den erfolgreichsten deutschen Rennläufern. Im Vorwort spricht Felix Neureuther über Glücksgefühle am Berg abseits des Rennalltags und warum ihn dieses Buch neugierig macht.


Ich stehe auf Skiern, seit ich zwei Jahre alt bin. Meine Eltern erzählen, dass ich schon mit drei als Kamikaze in Garmisch die Hänge runtergefahren bin, je schneller desto lieber. Skifahren ist mein Leben. Das wunderbare Gefühl, seine Skier so zu beherrschen, dass man die rasende Beschleunigung befreit von Angst genießen kann. Dann tanzt und fliegt alles um einen herum. Wenn vor lauter Adrenalin und Glücksgefühl die Zeit für Momente stehen bleibt. Alle Schwerkraft ist wie weggeblasen, ich spüre keine Gefahr, nur den Wunsch, ewig weiterzufliegen.
Aber Skifahren ist mehr, für mich eine Lebenseinstellung. Es geht um die körperliche und mentale Herausforderung, um die Bewältigung von Risiken, um die Überwindung der eigenen Grenzen. Und die Erfahrung, dass man aus Niederlagen gestärkt hervorgeht.
Skifahren ist vor allem immer auch ein beeindruckendes Naturerlebnis: die Einzigartigkeit der Berge, tief vom Schnee bedeckt, der alles Hässliche verschluckt. Die Kälte, die Sonne der Powder. Nirgendwo kann man sich dem Irischen besser entziehen. Mein größtes Glück? Einen unberührten Tiefschneehang vor mir zu haben, steil soll er sein, extrem steil sogar. Mit tiefem weichem Pulverschnee, auf dem man wie auf Wolken schweben kann. Dort mit extrem breit Freerideskiern im höchsten Tempo mit Sprüngen über Felsen und Vorsprünge hinabzufahren – das ist für mich Genussskifahren, ganz ohne Trainingsgedanken.
In diesem Buch sind die 50 aufregendsten Pisten der Welt versammelt. Aufregend, das heißt für mich: sie sind herausfordernd, jede hat ihre charakteristischen Merkmale und ein Geschichte, aber das Wichtigste – sie alle rufen Emotionen hervor, wenn man sie fährt. Wie die Streif, aus meiner Sicht die größte Herausforderung für einen alpinen Rennläufer. Zweimal habe ich dort den Slalom gewonnen, aber mein größter Wunsch ist, die Strecke einmal im klassischen Abfahrtsrennen zu bewältigen.
Ich bin schon fast überall auf der Welt Ski gefahren, aber das Buch macht auch mich neugierig. Skifahren in Grönland oder in Nepal, in Neuseeland oder Kanada. Immer wieder aber auch in unseren unvergleichlichen Alpen. Ich freue mich auch die Phase nach dem Rennlauf, wenn ich dann Zeit habe, die exotischen Pisten des Buches zu befahren.

Garmisch-Patenkirchen, im Mai 2014
Felix Neureuther

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