Elke Heidenreich empfiehlt »Der Gipfeldieb«


Radek Knapp – der verschmitzte Melancholiker


Seit seinem Debut »Herrn Kukas Empfehlungen« liebe ich diesen polnischen, in Wien lebenden Autor, der jetzt auch schon 50 Jahre alt ist und noch immer auf die Welt sieht mit diesem fassungslosen Blick eines Heranwachsenden: das soll schon alles gewesen sein? Mehr Überraschungen kommen nicht?


Aber er verzagt nicht an Tristesse, sondern stellt sich ihr mit gelassener Heiterkeit – einer selten gewordenen Haltung. Sein neues Buch »Der Gipfeldieb« ist ein Buch, das in diese Zeit der Ratlosigkeit angesichts neuer Völkerwanderungen passt: wo wollen die alle hin, wie wollen und sollen die alle glücklich werden, wo es schon einem einzelnen kleinen Polen derart schwer fällt, sich ohne Heimweh irgendwo  zurecht zu finden?


Der Pole Ludek im neuen Buch wird endlich als Österreicher anerkannt, soll aber dafür sofort zum Militär. Nein, dazu ist er zu friedfertig, er verweigert und wird Pfleger im Altenheim »Weiße Tulpe«. Und siehe da, der Umgang mit den lieben und bösen, den klugen und den verrückten Alten lehrt ihn wieder, Fuß zu fassen. Er zerreißt seinen Rückfahrschein nach Polen, wäscht seiner dominanten Mutter ordentlich den Kopf und isst noch eine Portion Palatschinken. Geht doch, das Leben.


Die Sprache von Radek Knapp ist so wenig geschliffen wie seine Gedanken: da tastet sich einer vorwärts, aber immer mit einem Lächeln, mit einer grundsätzlichen Menschenliebe, mit Neugier und Respekt, und den Tieren im Zoo erzählt er auf Polnisch sein Leben - fasziniert hören sie zu, so wie wir fasziniert und berührt ein Buch lesen, das uns einer schenkt, der eine Mischung aus Grimmelshausen, Don Quijote und Parsifal ist: ein suchender, liebender, fragender Mensch ohne jede Eitelkeit.

Was für ein seltenes Juwel.

 


Elke Heidenreich, Okt. 2015

Radek Knapp © AK/Thomas Lehmann
Radek Knapp »Der Gipfeldieb«

DER GIPFELDIEB | Radek Knapp

Ein äußerst zeitgemäßes Buch über das Fremdsein in der Heimat und zugleich ein listiger, hoch origineller Schelmenroman.
PIPER, 208 Seiten, 20,00€ (D),
20,60 € (A)

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