Buchblog: Am Dienstag, 07. Mai 2013 von Magnus Montelius

Ein Interview mit dem Autor

Ein Interview mit dem schwedischen Autor Magnus Montelius
Herbst 2012

1. Wie sind Sie auf die Idee zu diesem Buch gekommen?
Die Grundidee – die Geschichte eines Verrats und der Menschen, die darin involviert sind – ist an einem Sommerabend vor vielen Jahren einfach in meinem Kopf gelandet. Schwer zu sagen, woher sie kam. Ich bin aber immer ein Fan von Spionagegeschichten gewesen und habe seit meiner Teenagerzeit Fachbücher zu diesem Thema verschlungen, insbesondere über die sogenannten Cambridge Five, die in den dreißiger Jahren vom KGB angeworben wurden. Es gibt hier gewisse Parallelen zu Ein Freund aus alten Tagen, auch wenn die Geschichte im Uppsala der sechziger Jahre spielt und natürlich völlig frei erfunden ist.

2. Der Roman hat eine sehr originelle Handlung. Wie viel Recherche steckt dahinter? Und basiert das Buch auf realen Ereignissen?
Tatsächlich steckt sehr viel Recherche hinter diesem Buch, insbesondere zu Themen wie den schwedischen Geheimdiensten, der Überwachung während des Kalten Krieges und den linken Bewegungen der sechziger und siebziger Jahre. Insgesamt habe ich vermutlich mehrere Regalmeter von Fachbüchern, Lebenserinnerungen und Untersuchungsprotokollen gelesen.
Bei den Beschreibungen des Umfelds und mancher Details konnte ich auch aus meinem persönlichen Hintergrund schöpfen: Ich stamme aus einer politisch engagierten Familie. Meine Großeltern mütterlicherseits waren zwar moskautreue Kommunisten, beschäftigten aber zugleich mehrere Hausangestellte, was sie jedoch nie als Widerspruch empfanden. Meine Eltern lernten sich in der Organisation kennen, die das Vorbild für die Studentenvereinigung Veritas bildet. Im Archiv des schwedischen Staatsschutzes existiert ein Bericht über ihre Hochzeit, verfasst von einem anonymen Informanten namens „Zorba“.
Ich selbst habe mich sehr früh und sehr nachdrücklich von den politischen Ansichten meiner Familie distanziert. Ich glaube, ich hatte dadurch einen geeigneten Ausgangspunkt, um Ein Freund aus alten Tagen zu schreiben: nämlich einen Einblick in die damalige linke politische Szene, ohne selbst etwas davon verteidigen oder rechtfertigen zu müssen. Allerdings geht es dabei wie gesagt um Details am Rande – meine Familienmitglieder und deren Geschichte habe ich ganz aus dem Roman herausgehalten. Das Buch hat also in mehrfacher Hinsicht einen realen Hintergrund. Es erzählt von einer Periode der schwedischen Geschichte, aber es handelt nicht von realen Ereignissen und Personen. Was ich im Roman beschreibe, ist – zumindest meines Wissens! – nicht passiert.

3. Welches sind Ihre literarischen Vorbilder? Hat jemand Sie besonders inspiriert?
Meine Lieblingsschriftsteller sind unter anderem Graham Greene, Somerset Maugham, Paul Theroux und Ian McEwan. Von den Spannungsautoren schätze ich ganz besonders John le Carré.

4. Die Reaktionen auf Ihr Buch waren einhellig positiv, ja, sogar überschwänglich. Wie hat Ein Freund aus alten Tagen Ihr Leben verändert?
Die positive Rezeption hat mir sehr viel bedeutet. Ich habe mehrere Jahre an dem Buch gearbeitet, ohne darauf zu schielen, was in diesem Genre gut ankommen könnte. Stattdessen habe ich einen Spannungsroman geschrieben, den ich selbst gerne lesen würde, mit einer komplexen Intrige und mit einem stärkeren Fokus auf die Motive der Menschen als auf Blut und Verfolgungsjagden. Erfreulicherweise scheint es genau das zu sein, was die Leser und Rezensenten an Ein Freund aus alten Tagen mögen. Es bestärkt mich in der Arbeit am nächsten Buch, denn ich spüre, dass ich mich auch weiterhin auf mein Gefühl verlassen und so schreiben kann, wie ich will. Die praktischen Voraussetzungen sind dieselben geblieben: Ich schreibe neben meiner normalen Arbeit, wobei ich inzwischen in Teilzeit tätig bin, um mehr Zeit fürs Schreiben zu haben.

5. Schreiben Sie an etwas Neuem? Dürfen wir weitere Romane über Tobias Meijtens erwarten?
Tobias Meijtens ist ein Sturkopf. Er sitzt immer noch neben meiner Computertastatur, erzählt von interessanten Zusammenhängen, auf die er gestoßen ist, hinterlässt mir kleine Zettel mit Anregungen, denen ich nachgehen sollte, und verschüttet überall seinen Jasmintee. Es wäre vermutlich schwierig, ihn von meinem nächsten Roman fernzuhalten. Momentan arbeite ich tatsächlich parallel an meinem zweiten und meinem dritten Buch. Beides sind Kriminalromane. In einem gibt es ein Wiedersehen mit Meijtens und Natalie. Der andere führt neue Hauptpersonen ein und spielt im Umfeld der internationalen Entwicklungshilfe, einer Welt, in der ich mich sehr gut auskenne.


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