Buchblog: Am Dienstag, 15. Oktober 2013

Chris Pavone: Der Autor, den niemand kannte

Chris Pavone ist ein Name, den man sich merken sollte. Ein Kochbuchlektor aus New York hat mit seinem ersten Roman, einem Thriller, ein spektakuläres Debüt hingelegt, von dem die ganz Großen seines Genres schwärmen.

John Grisham vergleicht ihn mit Ken Follett und Robert Ludlum, Patricia Cornwell spricht von einem »vor Spannung strotzenden und handwerklich eleganten« Buch und einer »starken Heldin, die man so schnell nicht vergisst«, und auch die Kritiker überbieten sich gegenseitig mit Superlativen. »Die Frau, die niemand kannte« (Original: »The Expats«) erscheint jetzt erstmals auf deutsch.

»Expat« heißt auf deutsch Auswanderer. So ein »Expat« war Chris Pavone, als er 2008 mit seiner Familie für eineinhalb Jahre nach Luxemburg ging. Ein erfolgreicher Buchlektor, der von heute auf morgen nur noch Wäsche wusch, Böden schrubbte und seine kleinen Zwillingssöhne auf dem Spielplatz bespaßte, während seine Frau arbeiten ging. »Ich musste mich selbst neu erfinden«, sagte er in einem Interview mit »goodreads.com«. »Es waren diese Umstände aus dem echten Leben, die das Buch inspirierten: die Möglichkeit - manchmal auch die Notwendigkeit - sich selbst neu zu erfinden.«

Hier, in Luxemburg, entstand die Idee zum Roman: Ein amerikanisches Ehepaar im ganz speziellen Mikrokosmos der Auswanderer-Gemeinde und die Heldin Kate Moore, die ihre CIA-Vergangenheit als dunkles Geheimnis mit sich herumträgt und in der neuen, fremden Heimat allen um sich herum zunehmend misstraut. Im Hintergrund entspinnt sich eine brandaktuelle Spionage-Geschichte im Zeitalter des Cyberspace. Pavone schrieb vier Monate lang in den Cafés der Luxemburger Altstadt, verwendete weitere neun Monate auf das Überarbeiten und den Feinschliff. Der Perfektionismus des Lektors eben.

Doch die akribische Arbeit hat sich gelohnt: Pavone hat nicht nur einen brillanten Plot mit jeder Menge undurchschaubaren Figuren gezimmert und ein authentisches Porträt des Expat-Milieus in Luxemburg gezeichnet - er hat dem Genre des Spionage-Thrillers mehr als 20 Jahre nach Ende des Kalten Krieges neues Leben eingehaucht: Dubiose Waffendeals zwischen Russland und Balkan, geheime CIA-Operationen in Südamerika, hochprofessionelle Profi-Hacker, die sich lautlos durchs World Wide Web bewegen und keinerlei Spuren hinterlassen. Und alles ist immer irgendwie - wie kann es im 21. Jahrhundert anders sein - global vernetzt.

Immer neue Wendungen lässt Pavone seine Handlung nehmen. Hinter jeder Figur verbirgt sich immer noch eine Ebene, keiner entpuppt sich am Ende als der, der er anfangs zu sein schien. Und Kate findet sich immer mehr in einem Netz aus Angst und Paranoia wieder... Ein Buch, das man in diesem Herbst unbedingt gelesen haben muss! Einmal angefangen, wird man es nicht mehr aus der Hand legen Zurück in New York, arbeitet Chris Pavone übrigens schon am nächsten Roman: Wenn er seine Jungs in die Schule gebracht hat, zieht er sich zum Schreiben in einen privaten Club zurück. Und so viel hat er schon verraten: Es wird ein Wiedersehen mit Kate Moore geben...

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