Buchblog: Am Sonntag, 28. Juli 2013 von Kate Lord Brown

Begleitwort zu „Das Haus der Tänzerin“

Über Inspiration
Wie entstehen Geschichten? Bei historischen Romanen ist diese Frage vielleicht leichter zu beantworten – häufig gibt ein Ereignis aus der Vergangenheit oder eine besondere Persönlichkeit den Anstoß zu einem literarischen Werk. "Das Haus der Tänzerin" verknüpft eine Erzählung, die in der Jetztzeit spielt, mit der Geschichte des Spanischen Bürgerkriegs, und es kommen viele wahre Begebenheiten, Schlachten und faszinierende Menschen - zum Beispiel Hemingway - darin vor.

Als ich an der Universität Fotografiegeschichte studierte, stieß ich auf Robert Capa und Gerda Taro und lernte ihre bemerkenswerte Arbeit in Spanien kennen. Ich war fasziniert von dieser Epoche in der Geschichte Spaniens, aber während der drei Jahre, in denen mein Mann und ich inmitten der Orangenhaine von Valencia lebten, stellte ich immer wieder fest, dass selbst jüngere Freunde ganz schnell das Thema wechselten, wenn man ihnen Fragen über den Krieg stellte. Ich liebte Spanien und wollte begreifen, warum alle so reagierten. Vor zehn Jahren fing ich an zu recherchieren und diese Geschichte über eine Familie und ein schönes, durch den Krieg zerrissenes Land zu schreiben. Je mehr ich mich mit diesem entsetzlichen Krieg beschäftigte, desto mehr konnte ich nachvollziehen, warum die Menschen die Vergangenheit am liebsten vergessen wollten.

In "Das Haus der Tänzerin" steckt vieles von dem, was ich am Leben in Spanien so liebte, und alles, was ich durch Gespräche mit Historikern und aus Berichten von Menschen, die den Krieg miterlebt hatten, gelernt habe. Der Roman verknüpft die zeitgenössische Erzählung von einer jungen Mutter, die sich in Valencia ein neues Leben aufbaut, mit den tragischen Erlebnissen ihrer Familie am selben Ort. Ich hoffe, dass diese Geschichte eine erlösende Wirkung entfaltet und dass die Stärke des menschlichen Geistes sie strahlen lässt. Sie soll den gewaltigen Opfern Anerkennung zollen, die ganz gewöhnliche Leute für die Freiheit und für die Menschen, die sie lieben, bringen.

Über Parfüm
Parfüm ist der Schlüssel zu unseren Gedanken – Kipling sagte, es „packt uns im tiefsten Inneren“. Es beschwört bestimmte Orte und Zeiten herauf – wer vergisst schon den Duft, den die eigene Mutter benutzte, oder den der ersten Liebe? Meine Großtante Rose war die extravaganteste Frau, die ich kannte, und auch sie liebte Parfüm. Rose war schön und zugleich mutig. Während des Zweiten Weltkriegs unterstützte sie den Niederländischen Widerstand und rettete ihrem Mann das Leben. Rose hatte unglaubliche Geschichten aus der Vergangenheit zu erzählen, und es liegt wohl an ihr, dass ich so gerne historische Romane schreibe.

Ich wollte schon immer einen Roman schreiben, der sich um Parfüm dreht. Die perfekte Gelegenheit dazu bot sich mit „Das Haus der Tänzerin“. Wir lebten drei Jahre lang in den Orangenhainen von Valencia, wo ich auch mit der Recherche für das Buch begann. Wenn die Orangenbäume blühten, war die Luft von einem betörenden Duft erfüllt. Selbst kleine Dörfer hatten eine eigene Parfümerie – in der spanischen Kultur spielt Parfüm offenbar eine wichtige Rolle. Es gibt so viele Düfte, die ich mit Spanien verbinde – Neroli auf den Feldern, das Aroma von Safran, wenn die Händler auf dem Marktplatz Paella zubereiteten, der schwere Weihrauch in den Kirchen, der frische Duft von Eau de Cologne, wenn die Leute im Dorf ihren Abendspaziergang machten.

Emma – der jungen Parfümeurin, deren Geschichte der Roman erzählt – schenkte ich mein Traumhaus. In einem Dorf in der Nähe unseres Wohnorts stand ein altes, weiß verputztes Haus mit einem Glockenturm. Es lag hinter hohen verschlossenen Toren und war unbewohnt – durch den Spalt im Tor war nur ein schöner alter Garten auszumachen, der völlig verwildert war, aber zwischen den Orangenbäumen waren noch Wege zu erahnen. Ich stellte mir vor, wie wunderbar es wäre, das Haus und diesen duftenden Garten wieder zum Leben zu erwecken.

Für den historischen Aspekt des Romans habe ich mich über die Geschichte des Spanischen Bürgerkrieges informiert. Genauso habe ich mich mit Parfüm beschäftigt und mit möglichst vielen Parfümeuren gesprochen. Ich liebe Parfüm, es hat etwas Magisches, wie man die Düfte der ganzen Welt – Sandelholz aus Indien, Schwertlilien aus der Toskana oder Rosen aus Bulgarien – in einem kleinen Fläschchen einfangen kann.

Vielleicht bekomme ich eines Tages die Gelegenheit, einen eigenen Duftgarten anzulegen, so wie Emma in „Das Haus der Tänzerin“ – dort ist mein Traum skizziert. Bis es soweit ist, pflanze ich in meinem kleinen Gärtchen im Mittleren Osten Frangipani, ägyptischen Jasmin, Gardenien und Kräuter – Minze, Zatar, Rosmarin und Lavendel. Parfüm definiert, wo man sich gerade befindet (ich verbinde den Mittleren Osten mit dem Duft von mit Früchten aromatisiertem Tabak, der im Souk in den Shishas brennt, von frischer Minze und Zitrone auf Eis, Räucherstäbchen, wohlriechenden dunklen Schleiern und Abayas von Passantinnen). Duft ist komplex – er erinnert uns an frühere Erlebnisse, er ist der Schlüssel zu unserer Vergangenheit und unseren Träumen, und es hat mir großen Spaß gemacht, daraus den sensorischen Kern von „Das Haus der Tänzerin“ zu gestalten.


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